Zwischenfrüchte vor der Getreideernte per Drohne auszusäen, kann einen Entwicklungsvorsprung gegenüber der klassischen Drillsaat bringen. Entscheidend sind Saatzeit, Witterung und Bestand. Worauf es noch ankommt und warum das Verfahren kein Selbstläufer ist, erläutert Fiene Kaufmann, Produktmanagerin für Zwischenfrüchte.
Bei der Drohnensaat wird das Saatgut vor dem Drusch in den stehenden Bestand gestreut. Die Zwischenfrucht nutzt Restbodenfeuchte und das feuchte Mikroklima unter dem Getreide für die Keimung. Nach der Ernte steht ihr mehr Vegetationszeit zur Verfügung, um den Boden früh zu bedecken. Gerade bei Sommerzwischenfrüchten kann das ein Vorteil sein. Da keine Bodenbearbeitung erfolgt, werden Ausfallgetreide und Unkräuter weniger zum Keimen angeregt. Zudem lassen sich in einer arbeitsintensiven Phase Überfahrten einsparen.
Das Verfahren birgt jedoch auch Risiken: Die Bestände laufen häufig ungleichmäßiger auf als gedrillte Zwischenfrüchte nach einer Bodenbearbeitung. Besonders in verfestigten Fahrgassen oder unter Strohhaufen können sich die Pflanzen schlechter entwickeln. In Lagergetreide sollte nicht per Drohne gesät werden, denn es erschwert eine gleichmäßige Saatgutverteilung, da die Körner den Boden dort nicht zuverlässig erreichen.
Für Drohnenaussaat sind spezielle Mischungen erforderlich
1. Eignung für eine frühe Aussaat
Als günstiger Zeitraum für die Vorerntesaat gelten etwa zwei bis zehn Tage vor der Ernte. Der optimale Termin richtet sich nach Witterung und Abreife des Getreides.
Auch die Mischung muss zur frühen Aussaat passen. Wichtig sind Komponenten, die nicht zu früh blühen oder Samen bilden. Sofern keine Körnersorten eingesetzt werden, sind Leguminosen und Chia vergleichsweise sicher. Leguminosen sind ein wichtiger Bestandteil geeigneter Drohnenmischungen, denn sie profitieren vom frühen Saattermin, weil mehr Zeit für Knöllchenbildung und Stickstofffixierung bleibt. Buchweizen, Leindotter oder Gelbsenf sind für frühe Termine dagegen weniger geeignet.
2. Passende Korngewichte und Korngrößen für die Drohnensaat
Auch das Tausendkorngewicht spielt eine praktische Rolle: Je kleiner das Korn, desto geringer ist die erforderliche Aussaatstärke und desto mehr Fläche kann mit einer Drohnenfüllung bearbeitet werden. Da moderne Drohnen inzwischen höhere Ladegewichte erreichen und für den Akkuwechsel ohnehin regelmäßig zwischenlanden, können jedoch auch großkörnige Komponenten wie Rauhafer sinnvoller Bestandteil einer Mischung sein. Bei stark unterschiedlichen Korngrößen kann eine Pillierung kleiner Komponenten das Streubild verbessern.
Vorteile einer Spezial-Mischung
Die Mischung viterra® DROHNE ist auf die Drohnensaat abgestimmt. Sie verbindet sichere Etablierung mit intensiver Durchwurzelung und ist frei von Kreuzblütlern. Damit ist sie fruchtfolgeneutral und auch in Rapsfruchtfolgen einsetzbar. Alle Komponenten frieren sicher ab. Enthalten sind Chia, pillierte Phacelia, pillierter Michelis Klee, Öllein, Alexandrinerklee und ein geringer Anteil Sommerwicke. Die Pillierung unterstützt ein gleichmäßigeres Streubild. Der Leguminosenanteil liegt bei 37 % im Samenanteil beziehungsweise 46 % im Gewichtsanteil. Empfohlen werden 15 kg/ha.
Sollte die Drohnensaat witterungsbedingt nicht möglich sein, kann viterra® DROHNE auch gedrillt werden. Die Mischung wurde in diesem Jahr an zahlreichen Standorten in Deutschland getestet. Vor Kartoffeln und Zuckerrüben bieten sich zudem Greening®-Mischungen wie Ölrettich + Sommerwicke an, die in Versuchen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen gute Ergebnisse erzielten.
EIP-Projekt „Flugsaat“
(von Ruben Soth und Jonas Fahrenkrog)
Zwischenergebnisse nach dem zweiten Jahr
Im Rahmen des Projekts unter Federführung der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein wird die Drohnensaat für Zwischenfrüchte auf neun Betrieben in Schleswig-Holsteins Hoher Geest, Vorgeest, Östlichem Hügelland und Marsch über einen Zeitraum von drei Jahren getestet. Zeitgleich erfolgt die wissenschaftliche Bewertung und Evaluierung dieser Flächen, um die Bestandsentwicklung und die Praxistauglichkeit der Flugsaat zu analysieren.
Im Fokus stehen zwei Fragen:
Ermöglicht die Drohnensaat stärkere Zwischenfrucht- oder Untersaatbestände als herkömmliche Verfahren? Und können diese Bestände Nährstoffe besser vor Auswaschung schützen?
Dafür werden verschiedene SAATEN-UNION Mischungen, Saattermine und Varianten zur Strohbergung verglichen. Basierend auf diesen Ergebnissen wird eine marktfähige Flug-Saatgutmischung und ein Flugsaat-Leitfaden erstellt. Zur ökonomischen Bewertung werden die Kosten der Drohnensaat mit den herkömmlichen Methoden anhand von Feldversuchen verglichen (für weitere Informationen einfach den QR-Code scannen).
Trockenheit, Mäuse und die richtige Menge Stroh
Die ersten Eindrücke sind eindeutig: Früh gesäte Drohnenvarianten hatten einen Entwicklungsvorsprung gegenüber der Drillsaat. Gleichzeitig trat weniger Ausfallgetreide auf, weil der Boden zur Aussaat nicht bewegt wurde. Die Versuche zeigten aber auch, dass das System bei Trockenheit an seine Grenzen kommt. Wo die Keimphase in eine Trockenperiode fiel, blieben Bestände teils sehr lückig.
An anderen Standorten entwickelten sich die Pflanzen trotz schwieriger Bedingungen zufriedenstellend. Grundsätzlich spielten auch Mäuse, Schnecken und Herbizidrückstände für die Pflanzenentwicklung eine Rolle. Denn besonders im stehenden Bestand liegt das Saatgut zunächst ungeschützt auf dem Boden. In einzelnen Weizenversuchen führten Rückstände aus Frühjahrsmaßnahmen zudem zu Wuchsdepressionen oder Ausfällen empfindlicher Komponenten.
Ein weiterer Knackpunkt ist das Stroh: Ist zu wenig Stroh vorhanden, fehlt jungen Pflanzen an heißen Tagen der Schutz. Liegt zu viel oder ungleichmäßig verteiltes Stroh auf der Fläche, kommen die Keimlinge kaum durch. Neu aufgenommen wurde deshalb eine Variante mit höherer Schnitthöhe beim Mähdrusch.
Das Zwischenfazit nach zwei Versuchsjahren: Drohnensaat kann einen klaren Vorsprung bringen, ist aber kein Selbstläufer. Entscheidend ist, dass Witterung, Saatzeitpunkt, Mischung, Bestand und Erntetechnik zusammenpassen. Genau daraus sollen in den nächsten Projektjahren konkrete Empfehlungen für die Praxis entstehen.
Schnell gelesen (Kurzfassung):
Der Artikel untersucht die Vorteile und Herausforderungen der Zwischenfruchtaussaat per Drohne vor der Getreideernte. Vorteile sind die frühe Bodenbedeckung und reduzierte Bodenbearbeitung, was Unkrautwachstum hemmt. Risiken bestehen in ungleichmäßiger Pflanzenentwicklung, insbesondere in verfestigten Fahrgassen oder unter Strohhaufen. Spezielle Saatgutmischungen sind erforderlich, wobei Mischungen wie viterra® DROHNE empfohlen werden. Ein EIP-Projekt testet die Methode in Schleswig-Holstein. Erste Ergebnisse zeigen Entwicklungsvorsprünge, aber auch Herausforderungen bei Trockenheit und Strohverteilung. Ziel ist die Entwicklung praxisnaher Empfehlungen.
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