Körnerleguminosen sind Schlüsselkulturen des Ökolandbaus. Sie liefern den biologisch fixierten Stickstoff, auf den viele Betriebe angewiesen sind und werden nicht umsonst oft als „Motor“ der ökologischen Fruchtfolge bezeichnet. Trotzdem erzielen ökologisch angebaute Körnerleguminosen häufig geringere Erträge als konventionelle Bestände. Magdalena Rangs, LeguNET, erläutert die Ursachen dieser Ertragslücke.
In der Praxis zeigt sich: Je weniger Niederschlag das Ertragspotenzial von Ackerbohnen limitiert, desto deutlicher wird die Ertragsdifferenz zwischen ökologischen und konventionellen Beständen (siehe Abb. 1). Bei ausreichender Wasserversorgung treten andere, systembedingte Faktoren in den Vordergrund und limitieren den Ertrag in ökologischen Systemen.
Die möglichen Ursachen
1. erhöhter Beikrautdruck in Ökobeständen
Praxisuntersuchungen aus Deutschland und Dänemark zeigen: Der Beikrautdruck in Körnerleguminosenbeständen ist auf Ökobetrieben keineswegs pauschal höher. Insbesondere in Hackfruchtbetrieben ist der Druck auf Ökoflächen zum Teil sogar geringer, denn die intensive mechanische Regulierung in diesen Kulturen senkt den Unkrautdruck in der gesamten Fruchtfolge. Demgegenüber ist im konventionellen Anbau die Verfügbarkeit von Nachauflaufherbiziden in Körnerleguminosen eingeschränkt, was eine Beikrautregulierung in den Beständen oft erschwert. Ein systemischer Ertragsvorteil bleibt damit aus.
2. Nährstoffversorgung
Auch bei der Nährstoffversorgung ergibt sich kein eindeutiger Systemvorteil für den konventionellen Anbau. Körnerleguminosen profitieren nicht von einer Stickstoffdüngung. Im Gegenteil: Ein zu hoher Nmin-Wert im Boden behindert die Symbiose mit den Rhizobien und fördert den Unkrautdruck. Auf schlecht versorgten (!) Böden kann eine Düngung mit anderen Nährstoffen, wie zum Beispiel Kalium und Schwefel ertragswirksam sein. Liegt die Versorgung jedoch auf dem Niveau der Versorgungsstufen B oder C, so zeigen Untersuchungen, wird eine Nährstofferhöhung keinen Ertragseffekt haben. Somit bleibt auch hier ein systemischer Vorteil des konventionellen Anbaus aus.
3. Pilzerkrankungen
Anders sieht es bei Pilzkrankheiten aus. Blattkrankheiten spielen insbesondere bei Ackerbohnen eine große Rolle. Dabei gilt: Je früher ein Befall eintritt, desto mehr wirkt er sich ertragsmindernd aus. Besonders sensibel ist die Phase der Blüte und Hülsenbildung. Eine Ausnahme ist der Ackerbohnenrost, hier wirkt sich auch eine späte Infektion noch deutlich ertragsmindernd aus. Ist die Assimilationsfläche hier durch Blattkrankheiten eingeschränkt, leidet der Ertrag. Tritt die Infektion dagegen nach der Hauptphase der Ertragsbildung auf, ist sie meist kaum noch relevant. Ob Blattkrankheiten ertragswirksam sind und ob sich dadurch in konventionellen Systemen durch Fungizidanwendungen ein Vorteil ergibt, unterliegt dementsprechend einem starken Jahreseffekt. So zeigen Fungizidversuche der Landwirtschaftskammern in Schleswig-Holstein und Niedersachsen, dass nur in manchen Jahren ein statistisch abgesicherter Ertragseffekt durch Fungizidbehandlungen erzielt wird (s. Abb. 3). Blattkrankheiten können daher insbesondere in Jahren mit frühem und starkem Befall einen wesentlichen Teil der Ertragsdifferenz erklären, in vielen Jahren allerdings auch nicht.
4. Bodenbürtige Krankheiten
Meist treten bodenbürtige Erreger in Komplexen auf. Viele sind dabei nicht auf eine Leguminosenart spezialisiert, sondern befallen verschiedene groß- wie kleinkörnige Leguminosen.
Einen großen Einfluss haben dementsprechend die Anbauabstände (s. Abb. 5). Tendenziell sinken Leguminosenerträge, je höher der Anteil von Leguminosen in der Fruchtfolge bzw. je geringer der Anbauabstand zwischen Leguminosen ist. Denn mit der Anbaudichte dieser Kulturarten steigt das Risiko einer Anreicherung leguminosenspezifischer Erreger im Boden, die teilweise 10 und mehr Jahre im Boden überleben können. Vor allem auf viehlosen Ökobetrieben mit hohem Leguminosenanteil reichen Anbauabstände allein oft nicht aus, um diese Erreger zu vermeiden.
Eine Untersuchung der Universität Kassel zeigt, wie weit verbreitet bodenbürtige Erreger in Ackerbohnen- und Erbsenschlägen sind. Hier wurden Ackerbohnen- und Erbsenschläge auf das Vorkommen von bodenbürtigen Schaderregern sowie auf den Befall der Wurzeln untersucht. Unabhängig vom Anbausystem gab es insgesamt ein hohes Vorkommen von Erregern. Der leguminosenspezifische Erreger D. pinodella kam allerdings signifikant mehr auf Ökobetrieben vor, was mit den höheren Leguminosenanteilen in vielen Ökofruchtfolgen vereinbar ist. Das Bemerkenswerte dabei: Der Schaden an den Wurzeln ist nicht immer direkt sichtbar, zum Teil sind Pflanzen kolonisiert und reagieren mit Ertragseinbußen, ohne dass deutliche Wurzelsymptome erkennbar sind.
Vorkommen von Erregern macht noch keine kranken Pflanzen
Viele verschiedene Untersuchungen zeigen den großen Einfluss von Bodengesundheit, Organik und Struktur. Nicht allein das Vorhandensein der Erreger entscheidet über den Schaden, sondern auch die Widerstandsfähigkeit des Bodens und der Pflanzen. Die Zugabe von hochwertigem Kompost sorgte beispielsweise bei Erbsen dafür, dass trotz Inokulation mit Schaderregern die Pflanzen bei einigen Erregern symptomfrei blieben. Auch der positive Einfluss von Zwischenfrüchten (insbesondere Sand-hafer und Kreuzblütler) auf die Wurzelgesundheit von Körnerleguminosen wurde in zahlreichen Praxisuntersuchungen beobachtet – Grund dafür ist vermutlich der positive Einfluss auf die Bodenstruktur. Verdichtete Böden waren in Untersuchungen häufig mit höherem Vorkommen von D. pinodella assoziiert. Staunässe und zu niedrige pH-Werte sollten unbedingt vermieden werden.
Interessanterweise haben Untersuchungen der Uni Kassel sogar ergeben, dass sich auch legume Zwischenfrüchte nicht negativ auf die Körnerleguminosengesundheit im Folgejahr auswirken. Bei einer frühzeitigen Nutzung bis zur Blüte kommt es vermutlich nicht zu einer nennenswerten Übertragung und Ausbreitung von Bodenpathogenen. Es gibt jedoch auch Untersuchungen, die gegenteilige Beobachtungen machen und von einer Pathogenübertragung von legumen Zwischenfrüchten auf Erbsen und Ackerbohnen ausgehen. Daher sind noch mehr langjährige Feldversuche zu dem Thema notwendig, um abschließende Aussagen treffen zu können. Bei Lupinen und Soja fällt die Ertragsdifferenz zwischen Öko und Konventionell meist geringer aus. Ob dies mit der geringeren Anfälligkeit gegenüber bestimmten bodenbürtigen Krankheiten zusammenhängt, ist jedoch bislang nicht abschließend geklärt.
5. Schädlinge
Auch Schädlinge wie Erbsen- und Ackerbohnenkäfer, Blattrandkäfer, Erbsenwickler und Blattläuse sind ertragsrelevant, können jedoch auch im konventionellen Anbau nur begrenzt reguliert werden.
Schlussfolgerungen
Die Ursachen der Ertragsdifferenz zwischen ökologisch und konventionell angebauten Körnerleguminosen sind also ein multifaktorielles Zusammenspiel, bei dem bodenbürtige Schaderreger und Blattkrankheiten – insbesondere in einzelnen Jahren – eine übergeordnete Rolle spielen.
Für die Praxis folgt daraus: Nicht allein die Fruchtfolge entscheidet über den Erfolg von Körnerleguminosen, sondern die gesamte Bodengesundheit:
- Anbauabstände einhalten
- Organik ausbringen, Zwischenfrüchte in die Fruchtfolge integrieren
- Bodenstruktur stärken, regelmäßig kalken
- eine gute Durchlüftung des Bestandes durch eine angepasste Saatstärke und ein gutes Beikrautmanagement fördern
Stabile Preise und hohe Nachfrage im Ökolandbau
Doch natürlich ist Ertrag nicht alles für einen erfolgreichen Leguminosenanbau, auch die Nachfrage, der Preis und die Ertragsstabilität spielen eine große Rolle für Anbauwürdigkeit und Wirtschaftlichkeit. Da heimische Eiweißfuttermittel im Ökolandbau weiterhin knapp sind, ist die Nachfrage nach Öko-Körnerleguminosen hoch. Die Preise sind stabil und liegen laut Auswertungen des LeguDash im Durchschnitt doppelt so hoch wie konventionell. In vielen Fällen können die höheren Erzeugerpreise die geringeren Erträge wirtschaftlich mehr als kompensieren.
Schnell gelesen (Kurzfassung):
Körnerleguminosen sind essenziell für den Ökolandbau, da sie biologisch fixierten Stickstoff liefern. Dennoch sind ihre Erträge oft geringer als im konventionellen Anbau. Faktoren wie Beikrautdruck, Nährstoffversorgung und Pilzerkrankungen beeinflussen die Ertragslücke. Bodenbürtige Krankheiten und Schädlingsbefall spielen ebenfalls eine Rolle.
Bodengesundheit, Anbauabstände und Zwischenfrüchte sind entscheidend für den Erfolg. Trotz geringerer Erträge sind die Preise für Öko-Körnerleguminosen stabil und hoch, was die Wirtschaftlichkeit sichert, da die Nachfrage nach heimischen Eiweißfuttermitteln im Ökolandbau steigt.
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