Als Georg von der Goltz vor 26 Jahren die Leitung des Biobetriebes Gut Barz nahe Waren an der Müritz übernahm, war das ein Sprung ins kalte Wasser. Seitdem entwickelt er den Betrieb kontinuierlich weiter, passt den Ackerbau an die anspruchsvollen Standortbedingungen an und nutzt neue Chancen. Clara von Parpart und Dr. Anke Boenisch waren für die praxisnah vor Ort und sprachen mit ihm über betriebliche Entwicklungen, neue Strategien und Investitionen.
Bei Mecklenburg-Vorpommern denken viele an weite, mehr oder minder flache Landschaften. Der Ort Dahmen jedoch liegt in der Mecklenburgischen Schweiz, einer Endmoränenlandschaft mit Höhen bis 110 m und teils beachtlichen Steigungen. „Die Böden reichen von reinem Sand bis zu Minutenböden und von 20 bis 55 Bodenpunkten – teilweise auf ein und demselben Schlag“, beschreibt von der Goltz die Herausforderungen. Immerhin fallen hier im langjährigen Mittel 570 mm Niederschlag – deutlich mehr als in den Nachbarregionen. Zwar sei er meist ungünstig verteilt, doch „besonders in diesem Jahr können wir uns im Vergleich wirklich nicht beschweren. Nur der August war deutlich zu trocken, ansonsten lief es aus ackerbaulicher Sicht gut.“
Als von der Goltz vor 26 Jahren seine Verwalterstelle antrat, war es ein „Kaltstart“: „Freitags habe ich auf dem alten Betrieb noch Kartoffeln gespritzt, und montags ging es in den Biolandbau. Dazu hatte ich jede Menge Vorurteile im Gepäck“, erinnert er sich schmunzelnd. Der Einstieg gelang – auch dank großer kollegialer Unterstützung aus seinem Umfeld. Der Betrieb wuchs von 100 ha Ackerfläche und 300 ha Grünland auf heute 950 ha Ackerfläche und 460 ha Grünland. Mit dem Flächenverhältnis veränderten sich auch die Fruchtfolgen: „Mit dem damaligen Schwerpunkt Mutterkuhhaltung hatten wir zwei Jahre Kleegras, gefolgt von zwei Jahren Getreide, einem Jahr großkörnige Leguminosen und erneut Getreide. Als sich das Verhältnis von Acker- zu Grünland verschob, haben wir den hohen Kleegrasanteil reduziert. Heute steht das Kleegras 1,5 Jahre. Hinzugekommen sind Sonnenblumen, Soja, auf kleiner Fläche Beluga-Linsen und in diesem Jahr erstmals Körnermais nach Kleegras.“
Veränderte Klimabedingungen lassen neue Kulturen zu
Sommererbsen, weiße Lupinen und Soja haben sich als Leguminosen bewährt; auch die Linsen brachten im ersten Anbaujahr gute Erträge. Bei Erbsen achtet der Betriebsleiter auf eine frühe Aussaat bzw. Sorten mit vergleichsweise früher Blüte, um Schäden durch Läuse zu begrenzen. War Sojaanbau hier vor 15 Jahren noch undenkbar, lassen sich infolge der klimatischen Veränderungen inzwischen 000-Sorten anbauen. „Das Frühjahr beginnt rund zwei Wochen früher, und auch im Herbst bleibt deutlich mehr Zeit“, beobachtet von der Goltz. „Im vergangenen Jahr habe ich Soja am 23. September gedroschen. Danach war noch ausreichend Zeit für spätes Wintergetreide.“
Interessant ist auch der Anbau von High-Oleic-Sonnenblumen. Die Kultur kommt mit vergleichsweise wenig Input aus, zugleich ist die Vermarktung im Augenblick unkompliziert. Schwierigkeiten entstehen, wenn Trockenheit ein zügiges und gleichmäßiges Auflaufen verhindert. Dann verkürzt sich die Vegetationszeit, oder der Drusch verschiebt sich so weit nach hinten, dass die Qualität leidet.
Ackerbohnen, Wintererbsen und blaue Lupinen funktionieren dagegen nicht. „Bei den Ackerbohnen fallen die Trockenphasen fast immer in die Blüte. Die Pflanzen reagieren dann mit Blütenabwurf und die Erträge brechen ein. Deshalb haben wir sie wieder aus der Fruchtfolge herausgenommen. Wintererbsen unterdrückten im Frühjahr das Unkraut nicht ausreichend und die blaue Lupine kam mit den relativ hohen pH-Werten nicht zurecht.“
Sommerhafer performt, Populationsroggen ist gesetzt, Winterweizen wackelt
Das wichtigste Getreide ist der Hafer, der im Vertragsanbau als glutenfreier Hafer erzeugt wird. Dieses spezielle Marktsegment verlangt zwar deutlich mehr Logistik, wirtschaftlich lohnt sich der Aufwand jedoch. Auch Winterhafer wurde bereits getestet, kam im Frühjahr aber nicht schnell genug in Gang und bekam starke Probleme mit Beikräutern. Im Herbst ausgesäter Sommerhafer überstand trotz ausgelobter „Winterhärte“ die Frosttage nicht.
Eine wichtige Rolle spielt zudem die Vermehrung von Grünschnittroggen. Daneben baut der Betrieb Konsum- und Futterroggen an; dabei setzt von der Goltz meist auf die Populationssorte INSPECTOR.
Das größte „Sorgenkind“ bleibt jedoch der Winterweizen. Während Sommerweizen zuverlässig Ertrag und Qualität liefert, hat der Winterweizen gleich mehrere Baustellen: „Das Hauptproblem ist der fehlende oder meist zu spät verfügbare Stickstoff. Dadurch fallen die Proteinerträge sehr niedrig aus. Beim Sommerweizen passt das Timing deutlich besser; dort stimmen Erträge und Proteingehalte. Beim Winterweizen leidet zudem die Unkrautunterdrückung.“
Neue Biogasanlage soll Nährstoffe besser verfügbar machen
Bei der Düngung waren die stark schwankenden Nährstoffgehalte und -verfügbarkeiten bislang ein zentrales Problem. Der organische Dünger stammt aus der Mutterkuhherde des eigenen Betriebes und aus einer Futter-Mist-Kooperation mit zwei Hühnerbetrieben. Der Dünger ist entsprechend heterogen und die Nährstoffbereitstellung im Ackerbau lässt sich daher nur schwer steuern. Mehr Sicherheit sollen die Gärreste aus der neu gebauten 150-kW-Biogasanlage bringen. Sie wird mit 70 % Mist sowie jeweils 10 % Hühnertrockenkot, Kleegras und Mais beschickt. Mit dem Gärrest erhält der Winterweizen seine letzte Chance auf dem Betrieb.
Viele Maßnahmen für mehr Betriebssicherheit
Betriebliche Sicherheit ist von der Goltz generell wichtig; entsprechend richtet er die Vermarktung aus. Ob Soja, Hafer oder Sonnenblumen – einen Großteil der Ernte sichert er über Kontrakte mit verlässlichen Marktpartnern ab. Bereits erwähnt wurde der glutenfreie Hafer, darüber hinaus werden beispielsweise die Sonnenblumen von der Teutoburger Ölmühle verarbeitet. Soja geht an einen Futtermittelhersteller und auch der Dinkel wird über Kontrakte vermarktet. Ein Teil der Ernte bleibt für den freien Markt.
Ebenso steht bei der Sortenwahl die Produktionssicherheit im Mittelpunkt: „Mir geht es weniger um die maximale Ertragsleistung als um stabile Qualität. Beim Getreide achte ich auf Langstieligkeit, Frohwüchsigkeit für eine gute Unkrautunterdrückung und natürlich Gesundheit. Das müssen keine Sorten aus reinen Ökozuchtprogrammen sein; ich setze häufig gesunde Sorten aus konventionellen Zuchtlinien ein.“
26 Jahre Biolandbau: ein persönliches Fazit
„Ich bin damals in einen Betrieb gewechselt, der bereits umgestellt war und gut lief. Das hat den Einstieg leichter gemacht. Wer über eine Umstellung nachdenkt, sollte aber ehrlich prüfen, warum: Wer nur deshalb auf Bio setzt, weil es im konventionellen Ackerbau Schwierigkeiten gibt und man eine wirtschaftliche Verbesserung erwartet, läuft große Gefahr zu scheitern. Für diesen Standort ist Ackerbau nach Biorichtlinien das Beste – davon bin ich überzeugt. Auf einem solchen Standort würde ich mich immer für Biolandwirtschaft entscheiden.“
Schnell gelesen (Kurzfassung):
Georg von der Goltz übernahm vor 26 Jahren den Biobetrieb Gut Barz, der sich in der anspruchsvollen Endmoränenlandschaft Mecklenburgs befindet. Der Betrieb wuchs erheblich und passte seine Fruchtfolge laufend betrieblichen und klimatischen Gegebenheiten an: neue Kulturen inklusive.. Eine besondere Herausforderung stellt eine ausgeglichene und zeitlich passende Nährstoffversorgung dar: Zu deren Verbesserung wurde eigens eine neue Biogasanlage gebaut.
Von der Goltz setzt auf stabile Qualität und vermarktet die Ernte über verlässliche Partner.
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