In dem Artikel "Züchtung und Vermehrung von Hybridroggen" wurde die Methodik beschrieben. In diesem Beitrag geht es um die Strategie, die dahinter steht.
Die vorrangigen Ziele in der Getreidezüchtung heißen immer noch Ertrag und Ertragssicherheit. Doch Ertrag entsteht aus dem komplexen Zusammenspiel vieler Eigenschaften. DAS eine Gen für Ertrag gibt es nicht, mehrere Gene und deren Interaktionen beeinflussen also den Ertrag. Die Leistungsfähigkeit einer Sorte ist somit kein Einzelfaktor, sondern das Ergebnis genetischer Breite. Das erfordert einen komplexen züchterischen Ansatz.
Und hier setzt die MultiTec-Strategie an. Züchterisch gesehen, sollen immer mehrere Eigenschaften, die auf den Ertrag einwirken, beeinflusst werden. Beispielsweise sind hier Pflanzengesundheit und gute Nährstoff- und Wassereffizienz wichtige Faktoren. Es wird also bewusst an verschiedenen Faktoren gearbeitet, um die Pflanze als Gesamtes zu verbessern.
Aber bereits einzelne Merkmale können Zielkonflikte verursachen. Ein Beispiel ist die Pollenschüttung beim Roggen. Einerseits braucht man viel Pollen zum richtigen Zeitpunkt, um eine
Befruchtung zu gewährleisten und eine gute Einkörnung der Sorte zu erreichen. Andererseits jedoch braucht Pollenschütten viel Energie. Ein Übermaß an Pollen kostet also Ertrag! Hier entsteht also wieder ein Zielkonflikt und die Züchter müssen die richtige BALANCE zwischen Pollenschüttung und Ertrag finden.
Die MultiTec-Züchtung versucht, eine einseitige Optimierung zu vermeiden und die Pflanze genetisch so vielseitig auszustatten, dass sie unter verschiedensten Bedingungen stabil reagieren kann. Das Ziel ist also vorrangig, Anbausicherheit zu schaffen. Stabilität wird im Zuge sich verändernder Klimabedingungen immer
Woher kommt die genetische Vielfalt?
Nicht nur die klimatischen Veränderungen, sondern auch die Umweltvorgaben und zunehmende Resistenzbildungen führen dazu, dass an zukünftige Sorten neue Anforderungen gestellt werden. Jedoch sind viele „neue“ Anforderungen an das Profil einer Sorte im eigentlichen Sinne nicht neu, sondern wurden während der letzten Jahrzehnte Züchtung vernachlässigt, weil man sie schlicht sehr lange nicht benötigt hat. Die Multitec-Züchtung greift daher nicht nur auf heimisches genmaterial zurück, sondern auch auf „exotische“ Herkünfte. Die Herausforderung besteht dann darin, gewünschte Eigenschaften gezielt einzukreuzen, ohne gleichzeitig unerwünschte Merkmale zu übertragen.
Ganz neu ist das allerdings nicht, denn der Grundstein für MultiTec wurde bereits vor über 10 Jahren gelegt. Bereits zu dieser Zeit wurde damit begonnen, strategisch mit einer Palette exotischer Varianten zu arbeiten, um diese gezielt in unsere heimische Genetik zu integrieren. Dabei stand besonders im Mittelpunkt, Sorten zu züchten, die unter verschiedenen Bedingungen zuverlässig Leistung zeigen. Sorten, die aus diesem Zuchtprogramm stammen, sind mit vielfältigen genetischen Werkzeugen ausgestattet und reagieren daher stabil auf unterschiedlichste Umweltbedingungen.
Link zum Podcast: Ein Gespräch mit dem Züchtungsteam (Ab Juli 2026 verfügbar)
Schnell gelesen (Kurzfassung):
Die Hybridroggensorten der HYBRO SAATZUCHT entstehen auf Basis einer multigenen Züchtung. Die Leistung einer Sorte entsteht nicht durch ein einzelnes Merkmal, sondern durch das gezielte Zusammenspiel mehrerer genetischer Eigenschaften. Diese genetische Breite kann unter anderem durch die Kombination von Genen aus unterschiedlicher Herkunft entstehen.
Die genetische Vielfalt sorgt dafür, dass zentrale Leistungsparameter wie Ertrag, Standfestigkeit, Gesundheit und Stresstoleranz stabil und ausgewogen ausgeprägt sind. Gerade unter wechselnden
Umweltbedingungen zeigt sich der entscheidende Vorteil: Genetisch vielfältig aufgebaute Sorten reagieren robuster auf verschiedene Stressfaktoren und sichern so die Leistung im Bestand.
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