Der Markt für Zwischenfruchtmischungen ist vielfältig und bietet zahlreiche Möglichkeiten. Entscheidend für die Effektivität der Fruchtfolge ist es, die Mischung zu finden, die optimal zum eigenen Betrieb passt. Fiene Kaufmann, Produktmanagerin für Zwischenfrüchte, beschreibt, worauf es ankommt.
Damit die ausgewählte Mischung nicht nur auf dem Papier gut aussieht, sondern tatsächlich auf dem Schlag überzeugt, sind einige ganz wesentliche Punkte zu berücksichtigen.
Die folgende Checkliste kann bei der Mischungsauswahl als Orientierung dienen – nach Priorität geordnet.
- Fruchtfolgeeignung/Folgefrucht: Jede Komponente muss klar an den Nutzen für Folgefrucht und Fruchtfolge ausgerichtet werden.
- Mischung richtig bewerten: Die Zusammensetzung der einzelnen Arten objektiv bewerten, hier auch auf die Sortenwahl achten!
- Nährstoffverfügbarkeit: Wenn eine geringe N-Nachlieferung erwartet wird oder keine Organik zur Verfügung steht, müssen Leguminosenanteile eingeplant werden.
- Winterhärte: Im Trockengebiet sollte auf hohe Anteile von winterharten Komponenten verzichtet werden.
- Geplanter Aussaatzeitpunkt: Bei früher Saat auf spät blühende Komponenten und bei später Saat auf schnelle Bodendecker und/oder winterharte Arten achten.
- Umbruch: Je nachdem, ob nachfolgend eine Mulchsaat oder intensive Bodenbearbeitung geplant ist oder auch, ob Einschränkungen beim Herbizideinsatz vorliegen, muss das Abfrierverhalten berücksichtigt werden.
Besonders wichtig ist, dass die Zwischenfrucht die Folgekultur bzw. die Fruchtfolge unterstützt, um bestmögliche Wirtschaftlichkeit zu erreichen. Hier lohnt es sich, bei der Zusammensetzung der empfohlenen Mischungen genau hinzuschauen: Nicht jede Komponente erfüllt einen pflanzenbaulichen Zweck oder kommt der Folgekultur zugute.
Rapsfruchtfolgen
In Rapsfruchtfolge müssen die Mischungen kruziferenfrei sein und idealerweise auch Ausfallraps, Ackerfuchsschwanz und Weidelgras gut unterdrücken können. Hier sind Phacelia, Rauhafer, Öllein, Sorghum oder auch Buchweizen als schnelle Massebildner die Komponenten der Wahl. Diese können mit verschiedenen Leguminosen wie den kleinkörnigen Kulturen Perserklee, Alexandrinerklee oder auch dem winterharten Inkarnatklee aufgewertet werden. Sommer- und Winterwicken sind sehr positiv zu bewerten, da sie zusätzlich viel Bodendeckung bringen. Grobkörnige Leguminosen wie die besonders tiefwurzelnde Blaue Bitterlupine, die Ackerbohne oder die Sommerfuttererbse passen ebenfalls. Erbsen, Wicken und Kleearten oder auch Sonnenblumen sollten nicht zu früh ausgesät werden, um einen Befall mit Sclerotinia zu vermeiden. Chia – ein kleinkörniges, fruchtfolgeneutrales Salbeigewächs – kann ebenfalls genutzt werden. Chia stirbt recht schnell ab und eignet sich damit als frühe Sommerzwischenfrucht oder in begrenzten Anteilen in den Mischungen.
Kartoffelfruchtfolgen
Entscheidend ist, dass die Komponenten in der Zwischenfruchtmischung keine Wirtspflanzen für Kartoffelkrankheiten und -nematoden sind. Die Grundlage sollte hier mindestens einTabak-Rattle-Virus-reduzierender Ölrettich sein. Befinden sich zusätzlich Zuckerrüben in der Fruchtfolge oder sollen weitere Nematoden bekämpft werden, sollte ein zusätzlich Rübenzysten-nematodenresistenter Ölrettich bzw. ein multiresistenter Ölrettich gewählt werden. Langjährige Versuche zeigen, dass Ölrettich vor Kartoffeln zu Mehrerträgen und Qualitätsverbesserungen führt. Ein guter Mischungspartner ist der Rauhafer. Sorten wie PRATEX können zusätzlich Wurzelläsionsälchen (Pratylenchus Penetrans) reduzieren. Ergänzend dazu bieten sich dann neutrale Komponenten wie Öllein, Blaue Bitterlupine oder Sommerwicke an, die auch auf nährstoffarmen Standorten eine sichere Entwicklung gewährleisten. Nicht geeignet vor Kartoffeln sind hingegen Phacelia, Gelbsenf oder auch Kleearten wie Alexandrinerklee oder Perserklee, da sie TRV fördern.
Zuckerrübenfruchtfolgen
In Zuckerrüben spielen nematodenresistente („NR1“ oder „NR2“) Ölrettich- oder Gelbsenfsorten bei Problemen mit Rübenzystennematoden eine zentrale phytosanitäre Rolle und sollten in dem Fall als Grundkomponente einen entsprechenden Anteil in der Zwischenfruchtmischung einnehmen. Besonderes Augenmerk ist hier auf die Blühneigung und die Anfangsentwicklung der Senf- und Ölrettichsorten zu legen. Die Zwischenfruchtmischung kann durch Komponenten wie Phacelia oder verschiedene Leguminosen sinnvoll ergänzt werden. Nicht zu empfehlen hingegen ist Buchweizen, da die Samenreife nicht sicher ausgeschlossen werden kann und im Frühjahr wenige mögliche Herbizide in der Rübe zur Verfügung stehen. Beim Ramtillkraut deuten erste Versuchsergebnisse darauf hin, dass es eine Wirtspflanze für die Schilf-Glasflügelzikade ist – daher ist hier erst mal Vorsicht geboten.
Mais- und Getreidefruchtfolgen
Diese Fruchtfolgen sind hinsichtlich der Zwischenfruchtwahl vergleichsweise unkompliziert. Entscheidend sind hier vor allem das verfügbare Nährstoffangebot, der Aussaatzeitpunkt sowie standortspezifische Faktoren wie Erosions- oder Trockenheitsrisiken.
Wie bewerte ich Zwischenfruchtmischungen richtig?
Nach der Betrachtung der Fruchtfolgeeignung stellt sich nun die Frage, wie sich eine konkrete Zwischenfruchtmischung hinsichtlich ihrer Zusammensetzung und Qualität gut bewerten lässt. Dabei sind folgende 5 Punkte zu beachten:
1. Transparenz
Entscheidend ist, ob die Komponentenanteile offengelegt werden oder ob die Mischung einer „Katze im Sack“ entspricht und die tatsächliche Zusammensetzung erst beim Eintreffen des Saatgutsacks auf dem Hof sichtbar wird. Beim Zwischenfruchtanbau darf es dann doch gern etwas berechenbarer zugehen.
2. Gewichts- oder Samenanteil
Es sollte klar angegeben sein, ob es sich um Samen- oder Gewichtsanteile der Mischung handelt. Der Samenanteil beschreibt deutlich besser, welche Pflanzenanteile tatsächlich auf der Fläche zu erwarten sind. Bei Gewichtsanteilen wird dieses Bild durch sehr große Samen (z. B. Blaue Bitterlupine) oder sehr kleine Samen (z. B. Kleearten, Phacelia) verzerrt.
Ein fiktives Beispiel verdeutlicht diesen Unterschied:
3. Vielfalt um jeden Preis? Ein klares Nein.
Viele Mischungen am Markt enthalten (sehr) hohe Anteile kleinsamiger Komponenten, die nach außen Vielfalt und damit eine gewisse Qualität suggerieren. Tatsächlich dienen sie jedoch vor allem einem Zweck: Die Mischung wird günstiger.
Der Grund liegt auf der Hand: Kleinsamige Arten sorgen für mehr Pflanzen pro Quadratmeter, ermöglichen eine geringere Saatstärke und senken damit den größten Kostenfaktor – die Hektarkosten.
Ein typisches Beispiel ist Ramtillkraut. Eine häufig eingesetzte Komponente in Mischungen für Rapsfruchtfolgen, sehr kleinsamig – allerdings mit Nachteilen bei höheren Anteilen. Dazu zählen ein schnelles Abfrieren und ein entsprechend frühes „Freimachen“ der Fläche für unerwünschte Arten wie Ackerfuchsschwanz oder Weidelgräser.
Hinzu kommt: Für Ramtillkraut existiert kein zertifiziertes Saatgut, es bestehen also keine verbindlichen Vorgaben hinsichtlich Keimfähigkeit oder Reinheit.
Zwei weitere Beispiele für „Mehr-Schein-als-Sein“-Komponenten sind Leindotter und Kresse, die häufig in Mischungen für Maisfruchtfolgen in höheren Anteilen enthalten sind. Kleinsamig – ja. Klare pflanzenbauliche Vorteile – eher nicht. Sie stechen weder durch besonders schnelle oder dichte Bodenbedeckung noch durch tiefe Durchwurzelung oder phytosanitäre Effekte hervor. Entsprechend sollten hohe Anteile dieser Komponenten kritisch hinterfragt werden.
4. Aussaatstärke
Obacht ist geboten, wenn große Spannbreiten bei der Aussaatstärke angegeben werden. Je niedriger die Gesamtaussaatstärke, desto stärker wirken sich solche Unterschiede aus.
Ein Beispiel: Eine angegebene Aussaatstärke von 11–18 kg/ha entspricht einer Reduzierung von rund 40 % im Pflanzenbestand je Quadratmeter. Gehen wir von 300 Pflanzen aus, wären das dann nur noch 180 Pflanzen/m2. Die 11 kg/ha sind zwar kostengünstig, – ob eine derart deutliche Absenkung pflanzenbaulich sinnvoll ist, ist fraglich.
5. Sortenangaben
Die Sortenwahl ist grundsätzlich wichtig, ganz besonders jedoch bei Mischungen mit resistenten Gelbsenf- oder Ölrettichsorten für die Nematodenbekämpfung. Nur wenn hier Sortennamen angegeben sind, lassen sich die Sorteneigenschaften wie Resistenz oder Blühneigung nach Bundessortenliste wirklich nachvollziehen und vergleichen.
Es zeigt sich immer wieder: Am Ende entscheidet nicht die Mischung mit den meisten Komponenten, sondern die mit dem größten Nutzen für den Betrieb. Eine durchdachte Auswahl und Bewertung sorgt dafür, dass die Zwischenfrucht ihre Funktion erfüllt – als Baustein für stabile Erträge, gesunde Böden und funktionierende Fruchtfolgen.
Schnell gelesen (Kurzfassung):
Zwischenfruchtmischungen sind nur dann effektiv und steigern die Leistung einer ganzen Fruchtfolge wenn sie passen. Ziel ist es, die Mischung mit dem größten Nutzen für den Betrieb zu wählen, um Erträge, Bodengesundheit und Fruchtfolgen zu optimieren. Wichtige Faktoren bei der Auswahl der richtigen Mischung sind die Eignung für Folgefrüchte, die objektive Bewertung der Mischung, Nährstoffverfügbarkeit, Winterhärte, Aussaatzeitpunkt und Umbruchverhalten. Spezifische Empfehlungen werden für Raps-, Kartoffel-, Zuckerrüben-, Mais- und Getreidefruchtfolgen gegeben. Die Bewertung der Mischungen sollte ebenfalls Transparenz, Samenanteil, Aussaatstärke und Sortenangaben berücksichtigen.
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