Trockene Bedingungen im Herbst setzen Betriebe zunehmend unter Druck. Besonders auf roggentypischen leichten Böden mit geringer Wasserhaltekapazität stehen Betriebe vor der Entscheidung, entweder in den trockenen Boden auszusäen oder auf Niederschläge zu warten und damit eine spätere Aussaat in Kauf zu nehmen. Aber wäre das für Roggen überhaupt ein Problem? Ausgehend von den Ergebnissen eines Versuches der SAATEN-UNION diskutieren Paul Schmieja und Dr. Aileen Hahlbohm die Frage, wie sich unterschiedliche Saatzeiten und Saatstärken auf den Ertrag von Hybridroggen auswirken. Und ab wann ist „spät“ auch für Roggen ein „zu spät“?
Der Versuch sollte den Einfluss von Saatzeiten und Saatstärken auf den Kornertrag verschiedener Roggensorten ausloten und dabei auch Extremsaaten einbeziehen. Die Aussaat erfolgte jeweils Anfang Oktober, November und Dezember mit jeweils drei Aussaatstärken von 150, 200 und 250 Kö/m². Um weitere Erkenntnisse zur sortentypischen Reaktion auf Saatzeit und -stärke zu sammeln, wurden verschiedene Sorten geprüft.
Überhöhte Saatstärke bringt bei frühen Saaten keinen Mehrertrag
Eine der großen Stärken des Hybridroggens ist seine ausgeprägte Bestockungsfähigkeit. Bei früher Aussaat kann die Kultur aus vergleichsweise niedrigen Pflanzenzahlen leistungsfähige Bestände entwickeln. Der Ertrag wird im Wesentlichen über die Anzahl der überwinternden Pflanzen und der produktiven Ähren bestimmt.
Die Anfang Oktober gesäten Bestände, im Folgenden als Optimalsaat bezeichnet, profitieren von einer langen Herbstvegetation. Die Pflanzen können ausreichend Seitentriebe bilden und einen gut entwickelten Bestand aufbauen. Die Ergebnisse zeigen, dass mit steigender Aussaatstärke auch der Ertrag zunimmt (Abb. 1). Dabei ist der Effekt zwischen 150 und 200 Kö/m² deutlich größer als zwischen 200 und 250 Kö/m². Eine Aussaatstärke von 200 Kö/m² ist hier somit vollkommen ausreichend. Gerade unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten spricht dies bei frühen Saatterminen für angepasste, nicht überhöhte Saatstärken.
Bei später Saat entscheidet die Pflanzenzahl/m²
Die optimalen und späten Aussaattermine unterscheiden sich je nach Region, die spätesten Aussaattermine liegen Ende Oktober oder Anfang November. Diese späteren Aussaatzeitpunkte verkürzen die verfügbare Vegetationszeit vor Wintereinbruch deutlich, sodass den Pflanzen weniger Zeit für die Bildung von Nebentrieben bleibt. Höhere Saatstärken können dies kompensieren: In den Versuchen erzielten Spätsaaten Anfang November mit höheren Aussaatstärken ähnlich hohe Erträge wie frühe Aussaaten mit niedrigeren Saatstärken. Eine Aussaatstärke von 150 Kö/m² führte bei der Spätsaat im Vergleich zur Optimalsaat zu Mindererträgen. Dagegen erreichte die Spätsaat nach einer Erhöhung der Aussaatstärke von 150 auf 200 Kö/m² das Ertragsniveau der Optimalsaat (siehe Abb. 1). Allerdings konnte selbst die höchste Aussaatstärke in der Spätsaat die Erträge der Optimalsaatvariante mit 200 Kö/m² nicht erreichen.
Dies unterstreicht erneut: Je später der Aussaattermin, desto wichtiger ist eine ausreichende Pflanzendichte auf der Fläche. Auch auf schweren Standorten und/oder auf Standorten mit einer kurzen Zeitspanne für die Frühjahrsentwicklung kann eine Anhebung der Saatstärke sinnvoll sein.
Wie lässt sich die Aussaat hinauszögern?
Ein Ziel des Versuchs war es, gezielt Spätsaaten außerhalb des üblichen Zeitrahmens zu prüfen und deren Auswirkungen zu erfassen.
Bei einer Aussaat Anfang Dezember bleibt am Versuchsstandort kaum noch Zeit für die Bestockung vor dem Winter. Die biologische Kompensationsfähigkeit des Hybridroggens stößt bei solch späten Saatterminen somit an ihre Grenzen. In unseren Versuchen erzielten die Dezembersaaten die niedrigsten Erträge. Im Vergleich zur Optimalsaat verringerte sich der Ertrag bei der extremen Spätsaat um 9 % (s. Abb. 2).
Sortenunterschiede
Bei allen geprüften Sorten zeigte sich derselbe Trend sinkender Erträge bei späterer Aussaat. In den Versuchsjahren wurden jedoch im Hinblick auf Aussaatzeit und Aussaatstärke nur geringe Sortenunterschiede deutlich. Lediglich SU KARLSSON fiel beim Vergleich zwischen Optimal- und Spätsaat durch nur sehr geringe Ertragsunterschiede auf (s. Abb. 3). Dies zeigt, dass die Sorte über verschiedene Aussaatzeitpunkte hinweg stabil reagieren kann. Doch selbst SU KARLSSON verzeichnete – wie alle anderen Sorten – bei der extremen Spätsaat einen deutlichen Ertragsabfall.
Die Ergebnisse im Überblick
- Unabhängig vom Saatzeitpunkt stieg das Ertragsniveau mit zunehmender Aussaatstärke. Dabei ist jedoch zu beachten, dass der Mehrertrag die steigenden Saatgutkosten nicht zwangsläufig deckt.
- Frühere Saattermine erzielten insgesamt höhere Erträge als spätere Saaten.
- Die Sortenunterschiede fielen in dem Versuch gering aus.
Trockener Herbst: oft kein gleichmäßiger Feldaufgang möglich
Auch in diesem Jahr standen wieder viele Betriebe vor der Entscheidung, entweder in ein trockenes Saatbett zu drillen oder auf Niederschläge zu warten. Die Ergebnisse sprechen für flexiblere Saatzeiten als bisher üblich. Grundsätzlich gilt: Eine Aussaat im Oktober bleibt zwar optimal, entscheidend ist jedoch nicht allein der Zeitraum, sondern vor allem ein gleichmäßiger Feldaufgang.
Eine Aussaat in einen ausgetrockneten Boden birgt Risiken:
- ungleichmäßiger Feldaufgang,
- lückige Bestände,
- erhöhte Konkurrenz zwischen früh und spät aufgelaufenen Pflanzen,
- geringere Nutzung der genetischen Leistung des Hybridroggens.
Fazit
Die Versuchsergebnisse sprechen dafür, die Saatzeit flexibler zu betrachten als in der Vergangenheit. Eine Aussaat im Oktober bleibt zwar grundsätzlich das Optimum. Entscheidend ist jedoch nicht allein das Kalenderdatum, sondern vor allem ein gleichmäßiger Feldaufgang.
Fällt erst Ende Oktober oder Anfang November ausreichend Niederschlag, kann eine spätere Aussaat unter guten Keimbedingungen und bei guter Befahrbarkeit die bessere Wahl sein. Hybridroggen besitzt genügend Entwicklungspotenzial, um einen Teil der verkürzten Vegetationszeit zu kompensieren. Bei (zu) trockenen Aussaatbedingungen im Herbst sollten wir also die Saatzeit flexibel anpassen, um das Leistungspotenzial des Hybridroggens zu nutzen.
Schnell gelesen (Kurzfassung):
Der Artikel beschreibt den Einfluss von Saatzeiten und Saatstärken auf den Ertrag von Hybridroggen basierend auf Versuchsergebnissen. Frühere Saaten profitieren von längerer Vegetationszeit und erfordern keine überhöhten Saatstärken, während spätere Saaten höhere Saatstärken für vergleichbare Erträge benötigen. Eine Aussaat im Oktober ist ideal, aber bei trockenem Herbst mit sehr späten Niederschlägen kann eine flexible Saatzeit mit guter Keimung vorteilhaft sein. Der Hybridroggen kann durch seine Bestockungsfähigkeit einen Teil der verkürzten Vegetationszeit ausgleichen, jedoch sind gleichmäßige Feldaufgänge entscheidend.
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