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Home / Aus der Praxis / Getreide / Neuzulassungen Wintergetreide 2026
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  18.05.2026
  0 Kommentare
  Züchtung und Neuzulassungen

Neuzulassungen Wintergetreide 2026

Im März 2026 fanden beim Bundessortenamt die Sortenverhandlungen für Wintergetreide statt. Die Produktmanager Dr. Gunnar Kleuker und Dr. Aileen Hahlbohm geben einen kompakten Überblick über die wichtigsten Eigenschaften der neu zugelassenen Getreidesorten.

Will man die Sortenneuzugänge bewerten, muss man auch einen Blick auf die Witterungsbesonderheiten der Prüfjahre werfen, denen die Kandidaten ausgesetzt waren.

Wertprüfungsjahr 1:

Die Aussaatbedingungen im Herbst 2022 waren überwiegend günstig, und der milde Winter führte zu stark entwickelten Beständen. Ein niederschlagsreiches Frühjahr und ein äußerst trockener Frühsommer sorgten jedoch für herausfordernde Wachstumsbedingungen. Der Sommer 2023 war einer der regenreichsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Dies erschwerte die Ernte erheblich und führte – mit Ausnahme der Wintergerste – zu unterdurchschnittlichen Qualitäten.

Wertprüfungsjahr 2:

Die nasse Herbstaussaat 2023 machte auf vielen Standorten eine Aussaat von Winterungen unmöglich und zwang zahlreiche Landwirte zu einem Umplanen der Fruchtfolgen. Auch an einigen Wertprüfungsstandorten waren die Bedingungen erschwert und damit suboptimal. Ein milder Winter und ein warmes Frühjahr führten zu einem schnellen oberirdischen Wachstum der Winterungen. Die dauerhaft nasse Witterung erhöhte den Krankheitsdruck deutlich und dies setzte die Pflanzen zusätzlich unter Stress. Regionale Frostereignisse im April schädigten die frühe Gerste. Der vielerorts regenreiche Vorsommer 2024 erschwerte die Ernte und beeinträchtigte die Getreidequalität.

Wertprüfungsjahr 3:

Die Herbstaussaat 2024 verlief unter überwiegend günstigen Bedingungen, wenngleich regional anhaltende Niederschläge die Feldarbeiten verzögerten. Der Winter 2024/25 war insgesamt mild mit nur kurzen Kältephasen, wodurch sich gut entwickelte Bestände etablieren konnten. Der Frühling 2025 war über weite Strecken einer der drei trockensten Frühlinge seit Aufzeichnungsbeginn. Durch den vielerorts noch rechtzeitigen Niederschlag war die Getreideernte ertraglich überwiegend sehr gut. Wiederkehrende Niederschläge zur Ernte führten regional zu erschwerten Erntebedingungen.


Balkendiagramm zeigt relative Kornerträge von Weizen-Neuzulassungen, verglichen über drei Jahre. Verschiedene Sorten sind aufgelistet. (automatisch generiert durch KI)
Relative Kornerträge Winterweizen Neuzulassungen 2026


SU HORIZON war bereits in Frankreich zugelassen.
SU HORIZON war bereits in Frankreich zugelassen.
Neuzulassungen Winterweizen

Im März 2026 wurden zehn neue Winterweizensorten nach konventioneller und fünf Sorten nach ökologischer Wertprüfung zugelassen – in keiner anderen Kulturart gab es so viele Neuzulassungen. Es fällt auf, dass der überwiegende Teil dieser neuen Sorten ertragsbetont ist – und dies, obwohl nur Sorten der Qualitätsgruppen A und B zugelassen wurden. Allerdings ist bei den Sorten Joshi (Deutsche Saatveredelung AG) und Kingkong (Secobra Recherches S.A.S.) die Qualitätseinstufung bislang lediglich vorläufig auf Basis von zwei Jahren, da diese Sorten jeweils ein Wertprüfungsjahr wiederholen mussten.

Besonders erfolgreich war die Nordsaat Saatzucht GmbH mit vier neuen Sorten, zwei Linien- und zwei Hybridweizensorten. SU HORIZON (A) sticht dabei nicht nur bei der Ertragshöhe heraus: Als erster A-Weizen überhaupt erreicht er die Kornertragseinstufung 9/9 und überzeugt zusätzlich durch hohe Ertragsstabilität und gute Blattgesundheit. Auch SU Finish (B) erzielt Spitzenerträge. Die Hybridweizen SU HYCLASS (A) und SU Hystoric (B) bestätigen das hohe Ertragsniveau dieser Züchtungsrichtung, wobei SU HYCLASS zusätzlich den höheren Proteingehalt und damit den höchsten Proteinertrag des Wertprüfungsjahrganges aufweist.

Insgesamt fällt auf, dass in diesem Jahrgang die Proteineinstufung aller neu zugelassenen Winterweizen eher gering ist. Die höchste Einstufung erreicht in dieser Eigenschaft KWS Lonnie (4) (KWS LOCHOW GmbH), allerdings bei geringeren Erträgen. Mit WPB LAMANT (W. von Borries-Eckendorf GmbH & Co. KG) und LG Resonanz (LIMAGRAIN GmbH) wurden zwei weitere ertragsstarke B-Weizen zugelassen. Auffallend spät in der Reife ist der A-Weizen Lembas von der Saatzucht Josef Breun GmbH & Co. KG.

Mit Barbalino (Landbauschule Dottenfelderhof e. V.), Zerberus und Wolpertinger (Secobra Recherches S.A.S.) und Radar und Bo (Intersaatzucht GmbH) wurden fünf Sorten gesondert für den ökologischen Landbau zugelassen.


Neuzulassungen Wintergerste

Mit 11 Neuzulassungen bleibt auch die Wintergerste vielseitig aufgestellt. Zehn Sorten stammen aus der konventionellen Prüfung, darunter drei Mehrzeiler. Die Sorte Edana (Landbauschule Dottenfelderhof e.V.) wurde speziell für den Ökolandbau zugelassen.

KWS Celtis (KWS LOCHOW GmbH) und Agathe (Ackermann Saatzucht GmbH & Co. KG) überzeugen mit sehr hohen Erträgen, allerdings ohne BaYMV-2-Resistenz. Beide Sorten zeichnen sich durch eine gute Standfestigkeit aus, wobei Agathe als sehr kurze mehrzeilige Sorte Schwächen in der Blattgesundheit aufweist. Die dritte mehrzeilige Neuzulassung SU LENORIA (Nordsaat Saatzucht GmbH) weist dagegen eine vollständige Virusresistenz sowie eine gute Blattgesundheit und hohe Ertragsleistung auf – auch ohne Fungizideinsatz.

Mit Winterset und Isidora (Saatzucht Josef Breun GmbH & Co. KG) wurden zwei Winterbraugersten zugelassen, wobei Isidora zusätzlich eine BYDV-Resistenz mitbringt. Auch Paquita (Ackermann Saatzucht GmbH & Co. KG) hat diese zusätzliche Resistenz. Zudem zeichnet sich die Sorte durch Bestnoten im Halmknicken aus. Auch Frieda (Saatzucht Josef Breun GmbH & Co. KG) zeigte diese besondere Halmstabilität und ist die einzige zweizeilige Neuzulassung mit eine BaYMV-2-Resistenz. Aufgrund ihres hohen bzw. sehr hohen Ertragsniveaus wurden die Sorten Agostina (Ackermann Saatzucht GmbH & Co. KG), LG Cascade (LIMAGRAIN GmbH) und Gerda (Saatzucht Bauer GmbH & Co.) zugelassen, allerdings besitzen sie keine zusätzliche Resistenz.


Rendezvous wurde aufgrund seiner Ertragsleistung zugelassen.
RENDEZVOUS wurde aufgrund seiner Ertragsleistung zugelassen.

Neuzulassungen Wintertriticale

Das Sortiment bei Wintertriticale wurde durch vier neue Sorten für die Körnernutzung und eine Sorte (Flexicale PZO; PZO Pflanzenzucht Oberlimpurg) für die Silonutzung erweitert.

Mit RENDEZVOUS (P. H. Petersen Saatzucht Lundsgaard GmbH) und RGT Comebac (R2n S.A.S.) wurden zwei Triticalen mit einem hohen bis sehr hohen Kornertrag in Stufe 2 zugelassen. RENDEZVOUS hat zudem eine geringe Anfälligkeit für Ährenfusarium, während RGT Comebac durch einen besonders hohen Kornertrag in Stufe 1 überzeugen kann. Die neuen Sorten Rugiro (Lantmännen Seed B.V.) und RGT Zigzac wurden zwar beide ertraglich etwas schwächer eingestuft, sind aber unauffälliger in der Standfestigkeit.


Neuzulassung Winterhartweizen

Mit Plasmadur (Hauptsaaten Seed & Service GmbH) wurde die aktuell späteste Winterhartweizensorte neu zugelassen. Neben einem hohem Kornertrag zeichnet sich die Sorte durch eine hervorragende Glasigkeit aus.


Bei SU FENN macht es die Kombination aus Ertrag, Gesundheit und einem hohen HL-Gewicht.
Bei SU FENN macht es die Kombination aus Ertrag, Gesundheit und einem hohen HL-Gewicht.
Neuzulassung Winterroggen

In diesem Jahr gab es im Winterroggen nur eine Neuzulassung: Die Sorte SU FENN (Hybro Saatzucht GmbH & Co. KG) überzeugt durch sehr hohe Erträge (9/9) in Kombination mit einer starken Braunrostabwehr. Abgerundet wird das Profil durch ein hohes Hektolitergewicht.

Wie jedes Jahr an dieser Stelle raten wir dazu, das Portfolio der Neuen zu prüfen, um die ein oder andere Sorte in den Probeanbau zu nehmen. Vor allem bei Weizen und Gerste ist die Auswahl groß und es weisen etliche Sorten sehr interessante Merkmalskombinationen auf, sodass diese sicher ihren Platz in der Praxis finden werden.


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