Der Markstammkohl (Brassica oleracea convar. acephala var. medullosa) gehört zu den ältesten
Kulturformen des Kohls. Seine robusten Eigenschaften, die hohe Biomassebildung und der hohe Futterwert machen ihn seit Jahrhunderten zu einer bewährten Futterpflanze – und in den letzten Jahren zunehmend zu einer interessanten Option im Zwischenfruchtbau.
Vielseitiger Kohl mit Futter- und Bodenwirkung
1. Anbau und Kultivierung
Standort und Aussaat:
Markstammkohl bevorzugt nährstoffreiche, tiefgründige Böden mit guter Wasserhaltefähigkeit. Staunässe und schwere Verdichtung sollten vermieden werden. Die Aussaat erfolgt je nach Zielsetzung:
- Als Hauptfutterpflanze im Frühjahr (April bis Mai).
- Als Zwischenfrucht bis spätestens Mitte/Ende Juli.
Die empfohlene Aussaatstärke liegt bei etwa 4–5 kg/ha, meist in Reihen von 40–50 cm. Eine gleichmäßige Saatbettbereitung und Feuchtigkeit zum Keimen sind entscheidend.
Bestandesführung und Düngung:
Markstammkohl reagiert positiv auf gute Nährstoffversorgung, besonders auf Stickstoff (bis etwa 120–150 kg N/ha bei Zwischenfruchtanbau). Phosphor und Kalium fördern Standfestigkeit und Blattbildung. Unkrautregulierung ist nur in der Jugendphase notwendig – später schließt der Bestand den Boden zuverlässig.
Ernte und Verwertung:
Die Nutzung kann als Frischfutter, Silage oder Beweidung erfolgen. Besonders in milderen Regionen wird der Bestand über Winter genutzt, da Markstammkohl bis −10 °C frosthart ist. Die Pflanzen können bis zu 1,5 m hoch werden und lassen sich portionsweise beernten oder direkt vom Vieh abweiden.
2. Futterwert und Tierernährung
Markstammkohl liefert hohe Erträge an Trockenmasse (bis 12–15 t/ha) und zeichnet sich durch hohen Rohproteingehalt (15–20 %) sowie gute Verdaulichkeit aus. Der Futterwert liegt auf Niveau anderer hochwertiger Futterpflanzen wie Futterrüben oder Kleegras.
Einsatz in der Fütterung:
Er eignet sich besonders für Rinder, Schafe und Ziegen als Ergänzung zu rohfaserreichen Rationen. In Kombination mit Silagen oder Heu verbessert er die Schmackhaftigkeit und den Energiegehalt.
Achtung: Wie alle Kreuzblütler kann Markstammkohl Nitrat anreichern, insbesondere bei starker N-Düngung oder Trockenstress. Späte Ernte oder Frostperioden erhöhen das Risiko. Außerdem sollte eine zu enge Stellung in Rapsfruchtfolgen wegen Kohlhernie vermieden werden.
3. Ökologische und bodenverbessernde Wirkungen
Als Zwischenfrucht trägt Markstammkohl wesentlich zur Boden- und Nährstoffkonservierung bei. Sein tiefes Wurzelwerk durchdringt verdichtete Bodenschichten und verbessert so die Durchlüftung und Wasserinfiltration.
Vorteile im Zwischenfruchtbau:
- Stickstoffbindung: Aufnahme von Reststickstoff nach der Hauptfrucht und Speicherung in der Pflanzenmasse.
- Erosionsschutz: Hohe Blattmasse und dichter Bestand schützen den Boden vor Wind und Wasser.
- Gründüngung: Nach Einarbeitung liefert er organische Masse und fördert das Bodenleben.
- Frosthärte: Bleibt lange grün, wodurch er bis in den Winter ökologische Funktionen erfüllt.
Damit eignet sich Markstammkohl besonders für Betriebe, die Bodenfruchtbarkeit und Erosionsschutz kombinieren möchten.
4. Zwischenfruchtmischungen mit Markstammkohl
In der Praxis wird Markstammkohl häufig als Bestandteil von Zwischenfruchtmischungen genutzt.
Kombinationen mit Ölrettich, Winterrübsen, Buchweizen, Alexandrinerklee oder Weidelgras sind üblich.
Ziele solcher Mischungen:
• Verbesserung der Bodenstruktur durch unterschiedliche Wurzelarchitekturen.
• Erhöhung der Artenvielfalt und Biodiversität.
• Sicherung einer ausgeglichenen Nährstoffaufnahme (z. B. viterra WASSERSCHUTZ).
• Bereitstellung von Futter oder Wildäsung über Herbst und Winter (z.B. in viterra HORRODO).
Mehr Informationen finden Sie in unsrem Zwischenfrucht-Gesamtsortimentskatalog. Den können Sie mit diesem Link herunterladen.
Fördermöglichkeiten:
In vielen Bundesländern wird der Zwischenfruchtanbau im Rahmen der Agrarumweltmaßnahmen (AUKM) oder Eco-Schemes gefördert. Markstammkohl kann in anerkannten Mischungen angerechnet werden, sofern keine Kreuzblütler-Restriktionen bestehen.
6. Sortenwahl und Züchtung
Auf dem Markt sind verschiedene Sorten mit unterschiedlicher Wuchshöhe, Blattmasse und Frosthärte verfügbar (z. B. CAMARO, GRÜNER ANGELITER, ANGLIAN GOLD). Für den Zwischenfruchtbau sind raschwüchsige, widerstandsfähige Sorten mit hoher Standfestigkeit zu bevorzugen. Wichtiges Kriterium ist auch die Winterhärte von Markstammkohl.
7. Herausforderungen und Praxiserfahrungen
In der Praxis zeigen Betriebe gute Erfahrungen mit Markstammkohl – sowohl als späte Futterpflanze als auch als robuste Zwischenfrucht. Dennoch gilt es, potenzielle Risiken zu berücksichtigen:
• Fruchtfolgeprobleme mit Raps und anderen Kreuzblütlern
• Kohlhernie-Infektionen bei zu häufiger Anbaufolge
• Nitratanreicherung bei unsachgemäßer Düngung
• hoher Wasserbedarf in der Jugendentwicklung
Doch meist überwiegen die Vorteile: hohe Biomasseproduktion, Futterwert, Bodenschutz und ökologische Nachhaltigkeit.
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