KW 8: Wie entwickeln sich die Getreidebestände? Tipps aus der Praxis

Daniel Husmann, Produktmanager für Hybridgetreide, wirft einen Blick in die Bestände von Gerste, Weizen und Roggen und leitet für Sie daraus Empfehlungen für die weitere Bestandesführung ab. (Stand 23.02.)

Die Getreidebestände zeigen sich insgesamt gut entwickelt, differenzieren in diesem Frühjahr teilweise aber stark. Der wie schon im Vorjahr milde Herbst in Kombination mit guten Aussaatbedingung bis in den November herein, hat teils zu einem üppigen Wachstum geführt. Auf der anderen Seite sind Spätsaaten aufgrund der kurzen Wachstumszeit nur schwach entwickelt.

Abb.1: Üppig entwickelte Wintergerste; Aussaat 10.09.20

Abb.1: Üppig entwickelte Wintergerste; Aussaat 10.09.20

In üppiger Wintergerste ist teilweise auch ein Aufhellen der älteren Blätter zu beobachten (Abb.1). Hier und da ist dies auf Erfrierungen bzw. auf einen Altbefall mit Echtem Mehltau zurückzuführen. Extrem überwachsene Bestände können zudem leichten Schneeschimmelbefall aufweisen. Jedoch gilt es gerade bei der Wintergerste die Anzahl der Triebe je Pflanze zu bonitieren, da diese durch die üppige Blattmasse leicht überschätzt werden können. 4 – 6 Triebe je Pflanze gelten bei der Wintergerste als normal (Abb.2).

Abb.2: Im Herbst optimal entwickelte Wintergerste 4-6 Triebe/Pfl.

Abb.2: Im Herbst optimal entwickelte Wintergerste 4-6 Triebe/Pfl.

Auch der Winterweizen hat sich insgesamt sehr gut entwickelt. Jedoch sind gerade Spätsaaten Mitte/Ende November deutlich im Wachstum zurück. Diese Bestände weisen oft erst 1-2 Triebe auf (Abb.3). Um die Bestockung nochmal anzuregen sollten diese Bestände zeitig mit einem Nitrat-basierenden Mineraldünger angedüngt werden (siehe Beitrag KW05). Auch der zeitige Einsatz des Striegels kann eine Option sein.

Abb.3: Schwach entwickelter Maisweizen; Aussaat 15.11.20

Abb.3: Schwach entwickelter Maisweizen; Aussaat 15.11.20

Genauso wie bei der Wintergerste haben Frühsaaten bereits im Herbst teils einen mäßigen Befall mit Septoria-tritici, Mehltau und auch Gelbrost aufgewiesen. Im weiteren Wachstumsverlauf spielen diese Altinfektionen erfahrungsgemäß häufig keine Rolle mehr, jedoch sollte man dies nicht ganz dem Schicksal überlassen. Daher ist eine enge Bestandeskontrolle unabdingbar!

Abb.4: Staunässe im Winterroggen

Abb.4: Staunässe im Winterroggen

Für Winterroggen waren die Aussaatbedingungen im Herbst optimal. Gerade Aussaattermine nach leichten Regenschauen Anfang Oktober zeigen sich sehr gut entwickelt. Das Problem der mangelnden Tiefenführung der Sämaschinen bei trockenen puffigen Bodenverhältnissen trat nur partiell auf. So wurden Aussaattiefen von 1 - 2,5 cm überwiegend sichergestellt, woraus sich in der Folge gleichmäßige Bestände mit 3-4 Trieben entwickeln konnten. Auf einigen Flächen sieht man aufgrund der Schneeschmelze „kleine Seen“, die auf Verdichtungen im Untergrund hindeuten (Abb.4). Dies kann noch aus dem nassen Jahr 2017 resultieren. Auch Frost in den tieferen Bodenschichten kann zu einer partiellen Staunässe führen (Abb.5). Gerade Winterroggen ist in dem Punkt sehr sensibel und antwortet häufig mit Blattchlorosen, die aber dann nichts mit Nährstoffmangel zu tun haben. Ein konsequenter Zwischenfruchtanbau kann hier Abhilfe leisten.

Abb.5: Noch gefrorener Boden auf 8-10 cm als Auslöser für Staunässe; Messung 19.02.21

Abb.5: Noch gefrorener Boden auf 8-10 cm als Auslöser für Staunässe; Messung 19.02.21

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