Eine Hand hält einen kleinen, langen Käfer mit dünnen Beinen und Fühlern im Freien. (automatisch generiert durch KI)

Betriebsreportage: Mehr Leistung für unsere Weizen-Grenzstandorte

Der Betrieb Ruhe in der Nähe von Vechta hat neben der Schweinehaltung auch viel Expertise in Sachen Ackerbau. Von einer engen Fruchtfolge Kartoffel/Weizen/Mais/Weizen kommend setzt man hier schon seit Jahren auf Vielfalt: Neben Spinat, Möhren, Zwiebeln, Raps-Vermehrung und Mais sind auch Hybridgerste und Hybridweizen wichtige Bestandteile der „Kartoffelfruchtfolge“ geworden. Neu ist hierbei der Hybridweizen, der 2024/2025 von den Brüdern Johannes und Alexander in einem Sortenversuch auf dem Betrieb getestet wurde.

In der Fruchtfolge steht Weizen nach Rapsvermehrung und Mais sowie Gerste nach Kartoffel. Natürlich sind mit Blick auf die Kartoffeln Zwischenfrüchte gesetzt, den Schwerpunkt bildet hier nematodenresistenter Ölrettich.

Die beregnungsbedürftigen Böden sind mit 18 bis 35 Bodenpunkten im Schnitt für Kartoffeln ideal, für Weizen jedoch eher grenzfällig. Hinzu kommt in Winterweizen auch die Problematik der Durchwuchskartoffeln. „Wir sind hier schon sehr früh mit Hybridwintergerste eingestiegen“, erläutert Johannes Ruhe, Stellvertreter der 4. Ackerbaugeneration des Betriebes. „Hybridgerste ist wüchsig, standfest und früh und kommt hier besser zurecht als Linienwintergerste. Die hat unter diesen Bedingungen hier nicht so überzeugt und ging früh ins Lager, daher sind wir bei Hybridgerste geblieben.“



Anbauversuch auf YouTube

Doch die guten Erfahrungen mit der Hybrid-Genetik waren gemacht und daher war der Gedanke naheliegend, es auch mal mit Hybridweizen zu probieren. Hier stand zudem die Züchteraussage im Raum, dass Hybridweizen aufgrund seines guten Wurzelsystems grundsätzlich besser mit Trockenheit auf leichteren Standorten zurechtkommt als Linienweizen. Zudem reizte das hohe Ertragspotenzial, denn Protein wird in dieser Region nicht bezahlt, weil fast das gesamte Getreide im Futter verwertet wird. Ertrag steht also in der Wirtschaftlichkeit deutlich vor Protein.

Auf einer Veranstaltung der SAATEN-UNION 2024 auf den DLG-Feldtagen kam man ins Gespräch: „Mein Bruder Alexander und ich – besonders aber mein Bruder – sind sehr aktiv bei Instagram und YouTube und haben zusammen mit der SAATEN-UNION einen Anbauversuch mit verschiedenen Hybridweizensorten auf Social-Media begleitet. Da wir ja noch keinerlei Erfahrung mit Hybridweizen hatten, stand uns die damalige Produktmanagerin Marieta Hake mit Rat und Tat zur Seite“, beschreibt Johannes Ruhe die Anfänge.

Im Versuch standen die Sorten SU HYVEGA, SU Hycardi und die damals ganz neue Sorte SU HYBINGO in Streifen nebeneinander. Auf weiteren Weizenflächen beschränkte man sich jedoch ausschließlich auf SU HYVEGA. Insgesamt standen in der Saison 2024/2025 zusammen mit der Versuchsfläche auf insgesamt 1/3 der Weizenflächen des Betriebes Hybridweizensorten, in der Saison 2025/2026 ist es auf ca. 2/3 die Sorte SU HYBINGO plus Versuchsfläche.


Videos auf YOUTUBE Stand 05.12.2025 

Weizenanbau auf Grenzstandorten? Hybridweizen macht es möglich / 3 Top-Sorten im Vergleich: https://www.youtube.com/watch?v=ULCGICj-MSE

Sortenvergleich im Hybridweizen / Feld-Update 2025 – So sieht es aktuell aus / Zwiebeln und Möhre: https://www.youtube.com/watch?v=nzhslg_xgpc&t=6s

Was kann Hybridweizen wirklich? Erträge, Erfahrungen und Fazit! Weizenernte 2025 / CLAAS LEXION 650Claas: https://www.youtube.com/watch?v=2I1jkf1ubAg


Sehr geringe Saatstärken

Die Aussaat erfolgte um den 15. Oktober 2024 mit je 0,7 Hektar/Sorte. Auf dem Betrieb wird – 2024 jedoch nicht die Versuchsfläche – auch teilflächenspezifisch gesät. Im Schnitt kam man 2024 auf ca. 150 Kö/m².

„Wir haben in der Vegetation die einzelnen Sorten im Versuch besonders dahingehend beobachtet, wie sie sich auf den leichten Stellen präsentierten. Der optische Gesamteindruck war zwischen den Sorten sehr unterschiedlich“, erinnert sich der Landwirt. An den Anblick des Grannenweizens SU Hycardi musste er sich erst gewöhnen, die Sorte überzeugte ihn aber durch ihren kurzen Wuchs und ihre frühe Entwicklung. Denn aufgrund der Viehhaltung liefern die Böden hier reichlich Stickstoff und Ruhe legt besonderen Wert auf eine gute Standfestigkeit: „Wir düngen hier fast die komplette Menge mit einem Ertragsziel von 75 dt/ha zu Vegetationsbeginn, – auch weil wir arbeitstechnisch den Aufwand in Weizen minimieren wollen. Nur wenn es aufgrund der Witterung dringend angeraten ist, legen wir bei Bedarf nach. Getreide ist bei uns mit Blick auf die Deckungsbeiträge die „Zwischenfrucht“, keine Hauptkultur. SU Hycardi war die einzige der drei Sorten, bei der wir ohne Wachstumsregler ausgekommen sind.“

Dass Standfestigkeit bei ihm einen so hohen Stellenwert hat, hat nicht nur arbeitstechnische Gründe, sondern Ruhe will auch möglichst den Stress für die Pflanzen reduzieren, denn Stress kostet Ertrag.


Weites Feld mit jungem Pflanzenwuchs, im Hintergrund Gebäude und Bäume. (automatisch generiert durch KI)
Anfg. Nov. 2025


Unterschiede in der Reife, überzeugend im Ertrag

SU Hycardi reifte sichtbar früher ab als SU HYVEGA und SU HYBINGO, aber da sich die Ernte witterungsbedingt deutlich verzögerte, wurden letztlich alle Sorten am selben Tag gedroschen. Der Ertrag war so zufriedenstellend, dass Hybridweizen auch zur Ernte 2026 im Betrieb gesetzt ist. Als einzige von den drei Sorten konnte SU HYVEGA ertraglich nicht überzeugen, daher wird in dem nachfolgenden Sortenversuch zur Ernte 2026 stattdessen SU HYCLASS angebaut. Zudem hat Ruhe die Saatstärke noch ein wenig weiter reduziert und versucht es nun mit teilflächenspezifischer Aussaat und ca. 130–145 Kö/m². Aufgrund der Tatsache, dass man teilflächenspezifisch wirtschaftet und zudem fast immer auf die Flächen kommt, kann man nach der Devise säen „lieber zu dünn als zu dick.“ Die Schwankungsbreiten reichen dann von ca. 110 Kö/m² auf den leichten Ecken bis hin zu 160 Kö/m² auf den schweren Böden. Die Sorten sind im Herbst 2025 alle sehr gut aufgelaufen und auch die Hybridweizenflächen außerhalb des Versuches präsentieren sich trotz der geringen Saatstärken sehr gleichmäßig (s. Bilder).

Auf die Internetaktivitäten der Ruhe-Brüder zum Thema Hybridweizen gab es auch etliche Reaktionen der Follower. „Es gab etliche Fragen und das Ganze hat bei einigen Followern Interesse geweckt, Hybridweizen doch mal auszuprobieren. Von einigen weiß ich definitiv, dass sie aufgrund unserer Beiträge jetzt Hybridweizen testen. Solange die Erträge passen, werden wir hier jedenfalls erst einmal dabei bleiben und die neuen Sorten ausprobieren.“


Schnell gelesen (Kurzfassung):

Der Betrieb Ruhe in der Nähe von Vechta hat umfangreiche Erfahrungen im Ackerbau und hat seine Fruchtfolge von einer engen Rotation auf eine vielfältigere umgestellt, die neben Weizen auch Hybridgerste und Hybridweizen umfasst. 2024/2025 wird Hybridweizen in einem Sortenversuch getestet. Die Fruchtfolge ist so angelegt, dass Weizen nach Rapsvermehrung und Mais folgt, während Gerste nach Kartoffeln angebaut wird. Zur Bekämpfung von Nematoden wird Ölrettich als Zwischenfrucht eingesetzt.

Die Böden des Betriebs haben 18 bis 35 Bodenpunkte und sind für Kartoffeln gut geeignet, aber für Weizen weniger optimal. Johannes Ruhe berichtet von den Vorteilen der Hybridgerste, die im Betrieb aufgrund ihrer Standfestigkeit und Wüchsigkeit bevorzugt wird. Nach positiven Erfahrungen mit Hybridgerste wurde auch Hybridweizen getestet, da dieser besser mit Trockenheit umgehen kann und hohes Ertragspotenzial bietet.

Zusammen mit der SAATEN-UNION haben die Brüder Ruhe einen Anbauversuch mit verschiedenen Hybridweizensorten auf Social Media dokumentiert. Es wurden die Sorten SU Hyvega, SU Hycardi und die neue Sorte SU Hybingo verglichen. Erfolge zeigten sich auch in der Reduzierung der Saatstärken, die 2024 etwa 150 Körner pro Quadratmeter betrugen. SU Hycardi reifte früher und war die einzige Sorte ohne Wachstumsregler. Der Ertrag war zufriedenstellend, was zum weiteren Anbau von Hybridweizen im Jahr 2026 führt. Das Interesse an Hybridweizen hat auch bei den Followern auf Social Media zugenommen.