Im Frühjahr 2025 tauchte – zunächst im Nordosten – im Vereinigten Königreich bei einigen marktbestimmenden und resistenten Weizensorten Gelbrost (Puccinia striiformis) auf. An verschiedenen Standorten, an denen Offizialversuche durchgeführt wurden, war der Befallsgrad mit Gelbrost bei Jungpflanzen viel höher als aufgrund früherer Daten zu erwarten war. Milika Buurman, Elsoms Wheat Ltd, beschreibt die Auswirkungen auf den englischen Markt und für die Züchter in England und Europa.
Sorten wie KWS Dawsum, LG Typhoon und Champion, die in früheren Jahren im Keimlingsstadium eine starke Resistenz gegenüber Gelbrost gezeigt hatten, wiesen nun schwere Symptome einer Gelbrostinfektion auf. Diese Infektionsmuster waren auch bei den Elsoms-Versuchen und dem Züchtungsmaterial in Spalding, Lincolnshire zu beobachten.
Im Laufe der Vegetationsperiode 2025 wurde deutlich, dass die Resistenz vieler britischer Winterweizensorten deutlich geringer war als früher. Gelbrostproben aus Feldinfektionen auf Standorten in ganz Großbritannien wurden dem UKCPVS (United Kingdom Cereal Pathogen Virulence Survey) zur Analyse zur Verfügung gestellt. Diese Analysen ergaben, dass die neuen Gelbrostisolate, die aus Sorten wie Champion und KWS Dawsum entnommen wurden, die differenzielle Weizenlinie mit dem Resistenzgen Yr15 infizieren konnten. Dies war der erste eindeutige Beweis dafür, dass das Resistenzgen Yr15 allein gegen die neuen Isolate nicht mehr wirksam war.
Gelbrostresistenz marktführender Sorten brach unvermittelt zusammen
Bis 2025 war die Yr15-Virulenz laut GRRC (Global Rust Reference Center, Universität Aarhus) ein äußerst seltenes Phänomen. Das Yr15-Resistenzgen bot über drei Jahrzehnte eine nahezu vollständige, breit gefächerte Resistenz gegen Gelbrost in allen Stadien.
Aber 2025 wiesen kommerziell wichtige Sorten in ganz Großbritannien ein höheres Infektionsniveau auf als erwartet – die Virulenz war in der Praxis angekommen! Die vorrangig betroffenen Sorten KWS Dawsum, LG Beowulf und Champion hatten im Jahr 2025 einen geschätzten Marktanteil (Z-Saatgut) von mehr als 30 % (s. Abb. 1) – ihr Schutz gegen Gelbrost brach fast über Nacht zusammen!!
Auch andere Länder zeitgleich betroffen
Parallel dazu bestätigte das GRRC die Virulenz von Yr15 bei mehreren Sorten und Standorten in Kontinentaleuropa. Jens Grønbech Hansen vom GRRC berichtete im Juni 2025, dass „erste Warnmeldungen des IPMorama-Rostüberwachungssystems darauf hindeuten, dass Nordfrankreich und Belgien sich zu Hotspots für Gelbrostinfektionen bei Yr15-Sorten entwickeln könnten – endgültige Schlussfolgerungen müssen weitere Beobachtungen abwarten“.
H. R. Davis, T. Chia, H. Rhodes et al.* bestätigten durch genotypische Analysen, dass sich zwei Yr15-virulente Pst-Isolate wahrscheinlich aus der Diversifizierung innerhalb der PstS10/Warrior(-)-Linie und nicht durch eine exotische Einschleppung entwickelt haben.
Dramatische Konsequenzen für die Weizenzüchtung
Für britische Züchter bedeutet diese Entwicklung den Verlust eines erheblichen Teils ihres Winterweizen-Keimplasmas. Auch Winterweizenzüchter in Europa müssen schnell reagieren, da die neue „Champion”-Rasse in Europa bereits dominierend geworden ist.
Das Agriculture and Horticulture Development Board (AHDB), das die empfohlene Liste für Winterweizen im Vereinigten Königreich führt, veröffentlichte im August vorzeitig die Resistenzbewertungen für Gelbrost bei ausgewachsenen Pflanzen basierend auf den Beobachtungen aus 2025, werden der Branche zeitnah Sortenempfehlungen gegeben. Für die Vermarkter der anfälligen Sorten hat dies dramatische wirtschaftliche Konsequenzen, denn die entsprechende Nachfrage ist stark zurückgegangen und wird wohl auch noch weiter zurückgehen.
In diesem Herbst ist in Großbritannien bereits Gelbrost an Ausfallgetreide von Sorten mit dem Resistenzgen Yr15 festgestellt worden. Die für den Lebenszyklus des Erregers notwendige „grüne Brücke” in dieser Saison existiert also bereits – und damit steigt die Wahrscheinlichkeit einer signifikanten Anhäufung von Yr15-virulenten Gelbrostisolaten im Jahr 2026.
Züchter haben die Möglichkeit, zu reagieren
Das breite Sortiment des derzeit auf dem britischen Markt erhältlichen Winterweizen-Keimplasmas umfasst eine Reihe von Sorten, die eine gute bis ausgezeichnete Resistenz gegen Gelbrost in Gegenwart von Yr15-virulenten Rassen aufweisen. Linien, die das Yr15-Resistenzgen nicht tragen, sind von den neuen Isolaten nicht direkt betroffen. Ihre Resistenz gegen Gelbrost beruht ausschließlich auf anderen Gelbrost-Resistenzgenen. Andere Sorten hingegen kombinieren das Yr15-Resistenzgen mit anderen Gelbrost-Resistenzgenen und bieten so separat oder in Wechselwirkung miteinander Resistenz gegen den Erreger.
Den Züchtern haben die jüngsten und plötzlichen Veränderungen des Gelbrost-Erregers eine erhebliche Veränderung des Selektionsdrucks beschert. Es bietet sich nun eine gute Gelegenheit, andere Resistenzquellen in der Züchtungspipeline zu nutzen. Einige Resistenzquellen sind, wie beschrieben, bereits weit verbreitet, während andere unter Umständen in bestehenden wilden Verwandten, Landrassen und älteren Sorten stecken.
Darüber hinaus entwickeln Wissenschaftler am CIMMYT seit den 1980er-Jahren neues genetisches Material durch die Neusynthese von Weizen. In jüngerer Zeit wurden am NIAB (www.niab.com) synthetische hexaploide Weizenlinien durch Kreuzung von Hartweizen und Wildziegenkraut, den ursprünglichen Vorfahren des modernen Weizens, entwickelt. Dieses Keimplasma weist im Vergleich zu modernen Weizensorten eine größere Vielfalt auf, da letztere im Laufe jahrzehntelanger intensiver kommerzieller Landwirtschaft auf eine enge Basis selektiert wurden. Es ist wahrscheinlich, dass alternative Resistenzquellen, einschließlich für die neuen Rassen des Gelbrostpilzes, in diesem Material vertreten sind.
Neue Technologien schaffen neue Möglichkeiten
Die Nutzung dieses exotischen Materials jedoch bis zur Marktreife resistenter Sorten benötigt sehr viel Zeit. Markergestützte Selektion kann diesen Prozess beschleunigen. Darüber hinaus bedeutet die Entwicklung der genomischen Selektion, dass die Leistungsfähigkeit von Keimplasma auf genetischer Ebene charakterisiert werden kann und somit neue Resistenzen mit anderen für den Markt wichtigen Merkmalen wie Ertrag, Qualität und Agronomie in Einklang gebracht werden können.
Am 13. November 2025 trat im Vereinigten Königreich eine Gesetzesänderung in Kraft, die den Einsatz von Präzisionszüchtungstechniken ermöglicht. Hier werden gezielte, präzise Veränderungen innerhalb der DNA einer Pflanze vorgenommen – Veränderungen, die auch auf natürliche Weise oder durch konventionelle Züchtung hätten auftreten können, nun aber schneller und genauer erreicht werden können. Die Gesetzgebung zur Präzisionszüchtung wird derzeit in der EU diskutiert.
In dieser Technologie liegen echte Chancen, die Resistenz gegen Gelbrost bei Winterweizen zu verbessern, indem mehrere Resistenzgene in einer einzigen Sorte kombiniert werden. Auch die Dauerhaftigkeit der Resistenz würde verbessert.
Bis dahin hilft nur ein integriertes Pflanzenschutzmanagement
Bis neue resistente Sorten zur Verfügung stehen, hilft gegen eine Ausbreitung des Gelbrostes nur ein Integriertes Pflanzenschutzmanagement (IPM). Im Vereinigten Königreich besteht die Möglichkeit, Gelbrost mit Tebuconazol wirksam zu bekämpfen. Systemische Saatgutbehandlungen können auch dazu beitragen, Epidemien in Gebieten mit hohem Risiko zu verhindern. Weitere Bekämpfungsmaßnahmen sind die Beseitigung von Durchwuchs, um die „grüne Brücke” zu entfernen, eine sorgfältige Steuerung der Stickstoffausbringung und die Anpassung der Aussaattermine.
Als Züchter werden wir weiterhin zum IPM beitragen, indem wir Sorten mit einer Kombination aus wirksamen Resistenzgenen entwickeln, die eine gute, dauerhafte Krankheitsresistenz bieten und gleichzeitig ein hervorragendes Niveau an Qualität, Agronomie und Ertrag in unserem gesamten Keimplasma aufweisen.
* Die vollständige Quellenangabe stellt die Autorin auf Nachfrage gerne zur Verfügung.
Milika Buurman
Elsoms Wheat Ltd.
Mobil 01775-660638
milika.buurman@elsoms.com
Schnell gelesen (Kurzfassung):
Im Frühjahr 2025 trat in Großbritannien erstmals Gelbrost in marktprägenden, bisher resistenten Weizensorten wie KWS Dawsum, LG Beowulf, LG Typhoon und Champion auf. Besonders auffällig war der unerwartet starke Befall im Keimlingsstadium. Untersuchungen des UKCPVS zeigten, dass neue Gelbrost-Isolate das langjährig äußerst robuste Resistenzgen Yr15 überwinden können. Damit brach ein zentraler Resistenzpfeiler vieler Winterweizensorten zusammen; rund ein Drittel des britischen Marktes war betroffen. Parallel meldeten Forschungseinrichtungen in mehreren europäischen Ländern ebenfalls Yr15-Virulenz, was auf eine rapide Ausbreitung der neuen „Champion“-Rasse hindeutet.
Für die Züchtung bedeutet dies den Verlust wichtiger Keimplasmapools und eine drastische Anpassung des Selektionsdrucks. Gefragt sind nun Sorten mit alternativen oder kombinierten Resistenzquellen. Potenzial bieten genetisch breitere Ressourcen aus wilden Verwandten, Landrassen und synthetischem Weizen. Neue Technologien wie markergestützte und genomische Selektion sowie – seit November 2025 in Großbritannien zugelassen – Präzisionszüchtung können diesen Prozess beschleunigen.
Bis robuste neue Sorten verfügbar sind, bleibt integriertes Pflanzenschutzmanagement entscheidend: Fungizide, Saatgutbeizung, Entfernen der „grünen Brücke“, angepasstes Stickstoffmanagement und optimierte Aussaattermine. Züchtungsprogramme fokussieren künftig verstärkt auf stabile, mehrgenige Resistenz bei gleichzeitig hoher agronomischer Leistung
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