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Home / Aus der Praxis / Getreide / Winterweizen / Bestandesführung / Im Schnitt über 15 t/ha: Wie schafft man das mit unserer Weizen-Genetik?
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  18.05.2026
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  Betriebswirtschaft
Mähdrescher und Traktoren ernten ein großes Getreidefeld neben einem Wald. Staubwolken steigen auf. (automatisch generiert durch KI)

Im Schnitt über 15 t/ha: Wie schafft man das mit unserer Weizen-Genetik?

In Chile erzielen Landwirte in der zentral-südlichen Region mit denselben Sorten, die derzeit in Europa angebaut werden, deutlich höhere Erträge. Liegt das nur am Klima oder auch an der Bewirtschaftung? Roberto Cornejo, Agronom und Produktmanager beim Saatgutunternehmen INGENTEC SpA, beschreibt, was in Chile anders läuft und wo das wahre genetische Potenzial deutscher Weizensorten liegt.

Dabei spielen nicht nur der agroklimatische Kontext und das chilenische Anbausystem eine Rolle – auch die teilweise sehr speziellen Wertschöpfungsketten schaffen eine hohe Wirtschaftlichkeit.


Das chilenische Klima – anders als in Deutschland

Der Getreidegürtel im mittleren Süden Chiles erstreckt sich von der Region Ñuble bis zur Region Los Lagos. Es handelt sich um einen Korridor mit gemäßigtem mediterranen Klima, das nach Süden hin allmählich feuchter wird.

Es gibt eine mediterrane Klimazone mit trockenen Sommern, ausgeprägter Sommertrockenheit und rötlichen Übergangsböden mit jährlichen Niederschlägen zwischen 500 und 900 mm. In diesen Regionen werden früh reifende Winterweizen, Alternativ- und Sommerweizen ausgesät.

Weiter südlich liegen gemäßigte Regengebiete mit milden Sommern, vergleichbar mit maritimen Klimazonen Europas. Vulkanische und Übergangsböden dominieren hier, weniger häufig findet man auch rötliche Böden. Die Niederschläge überschreiten häufig 1.200 mm pro Jahr. Hier werden spät reifende Weizensorten mit Aussaatterminen bis Juni angebaut, gefolgt von alternativen Weizensorten und zuletzt Sommerweizensorten.

Bei Weizensorten deutscher Herkunft erstreckt sich die Herbstaussaat in der Regel von Mai bis Juni. Die Ährenbildung erfolgt im November, die Kornfüllung zwischen Dezember und Januar. In diesem Zeitraum treten selten längere Hitzeperioden auf. Diese Kombination – günstige Tageslängen, moderate Temperaturen während der Blüte und Kornfüllung sowie ausreichende Sonneneinstrahlung – reduziert das Risiko von Hitze- und Wasserstress in kritischen Wachstumsphasen.

In Chile verläuft die Vegetationszeit anders als in Nordeuropa:


Herbst: 20. März – 21. Juni
Winter: 21. Juni – 21. September
Frühling: 22. September – 21. Dezember
Sommer: 21. Dezember – 20. März


Die Blütezeit liegt im November, die Kornfüllung zwischen Dezember und Januar.


Tabelle der Feldversuche 2024 mit Sorten, Firmen und Erträgen in t/ha. Durchschnittsertrag: 11,876 t/ha. Quelle: SOFO-GTT, Chile. (automatisch generiert durch KI)
Chilenische Feldversuche Winterweizen 2024


Flexible Düngung ohne Beschränkung, nährstoffreiche, gut wasserführende Böden

Im Gegensatz zu Deutschland gibt es in Chile keine Regelung wie die Nitratrichtlinie der Europäischen Union, welche einheitliche Grenzwerte für die Stickstoff-(N)-Ausbringung bei Weizen festlegt. Stattdessen wird in der Praxis der Bedarf nach Erfahrungswerten, Bodenanalysen und angestrebten Ertragszielen ermittelt. So kann die Stickstoffmenge ohne allgemeine gesetzliche Beschränkungen auf die Kulturpflanzen abgestimmt werden.

Die Böden im zentralen Süden Chiles – insbesondere vulkanische Andisole – zeichnen sich durch einen hohen Gehalt an organischer Substanz, gute Porosität und Belüftung sowie eine anhaltende Mineralisierung im Frühjahr aus. Diese Bodenbedingungen in Kombination mit einer angepassten, bedarfsgerechten Stickstoffdüngung unterstützen eine effektive Nährstoffversorgung und Wurzelausbreitung.


Zuchtfortschritt kommt in der Praxis an: Spitzenerträge von weit über 17 Tonnen/ha

Basierend auf dem beschriebenen Zusammenspiel von Boden, Klima und Bewirtschaftung erzielen wir in Gebieten, die von einem gemäßigten, regenreichen Klima geprägt sind, außergewöhnlich hohe Erträge. Mit Winterweizensorten mit Genetik aus Nordeuropa wie Gedser (Nordic Seed), SU Tarroca (Nordsaat) und SU WILLEM (W. v. Borries-Eckendorf) konnten Landwirte durchschnittliche Erträge von über 15,5 t/ha (angepasst auf 14 % Feuchtigkeit) realisieren.


Auch offizieller Versuch zeigt sehr hohe Kornerträge

2024 war klimatisch gesehen ein gutes Weizenjahr. Die von SOFO-GTT in Chile durchgeführten Feldversuche im Jahr 2024 zeigten hervorragende Ergebnisse für spät reifende Weizensorten. Darüber hinaus schnitt eine mittel-frühe französische Sorte namens SU Addiction überraschend gut ab (Tab. 1).


Spezialmarkt Lachszuchtindustrie: Weizen mit hoher Viskosität ist gefordert

In den letzten Jahren ist die Nachfrage nach Weizen mit hoher Viskosität im Süden Chiles aufgrund der ansässigen Lachszuchtindustrie stetig gestiegen. Futtermittelhersteller schätzen diesen Weizen, da er die Pelletkohäsion verbessert, die Wasserstabilität erhöht und die Öl- und Nährstoffretention optimiert – alles entscheidende Faktoren für die Effizienz und Leistung der Lachszucht-Anlagen.

Unter den getesteten Sorten hat die Brotweizensorte Macaron über alle Jahreszeiten und Standorte hinweg ein stabiles Verhalten in der Viskosität, Fallzahl und technologischer Konsistenz für die Verarbeitung gezeigt. Diese Stabilität über Jahre hinweg wird besonders von Lachsfutterherstellern geschätzt, die die Variabilität in der Verarbeitung reduzieren möchten, ohne dabei Abstriche bei Ertrag oder Wasserbeständigkeit machen zu müssen.


Europäische Genetik verbessert die Rentabilität des chilenischen Weizenanbaues

In Chile haben die Einführung und Anpassung europäischer Sorten – zusammen mit technischem Fortschritt – zu höheren und stabileren Erträgen geführt. Das Produktionsrisiko ist deutlich gesunken. Das Ergebnis ist eine höhere Rentabilität pro Hektar und eine Wertsteigerung durch Spezialisierung auf bestimmte Verwendungszwecke: stabile Backqualitäten für Mühlen sowie hochviskose Weizensorten für die Aquakultur.


Fazit
Das genetische Potenzial europäischer Sorten kann in Chile voll genutzt werden, wenn alle beeinflussbaren Faktoren zusammengreifen. Die Spezialisierung auf bestimmte Verwendungszwecke – Backmehl und hochviskoser Weizen – schafft einen Mehrwert und verbessert die Erträge pro Hektar, wodurch die Margen der Landwirte gestärkt werden. In einem Land, in dem die Erntepreise stark von den Außenmärkten abhängig sind, verringert diese Kombination das Produktionsrisiko und bietet neue Chancen im Markt.

Schnell gelesen (Kurzfassung):

In Chile erzielen Landwirte in der zentral-südlichen Region mit europäischen Weizensorten sehr viel höhere Erträge als in Europa, was in erster Linie auf das mediterrane Klima und spezielle Anbausysteme zurückzuführen ist. Ohne Einschränkungen durch EU-Nitratrichtlinien können chilenische Landwirte den Stickstoffbedarf flexibel anpassen, was zu optimaler Nährstoffversorgung führt. Hinzu kommt, dass es in Chile Spezialmärkte (spezielle Backmehle, Lachszucht) für Weizen gibt, was die Rentabilität des Anbaus noch weiter erhöht. 

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