Die Einzelkornsaat ist in Kulturen wie Zuckerrüben und Mais längst etablierter Standard. Auch bei Raps und Leguminosen gewinnt das Verfahren zunehmend an Bedeutung. Seit einigen Jahren arbeiten Unternehmen daran, die Technik auch für Getreide weiterzuentwickeln und zur Praxisreife zu bringen. Doch wie weit ist die Technik heute? Wie stark lässt sich die Aussaatstärke tatsächlich reduzieren? Und welche Fallstricke gilt es zu beachten? Alexander Czech, Leonie Milz und Angela Schumacher von der Landwirtschaftskammer NRW berichten.
Dieser Artikel ist auch in der top agrar Ausgabe 42/25 und im nordrhein-westfälischen Wochenblatt Ausgabe 42 erschienen.
Im Rahmen einer Demoanlage auf einem der Demonstrationsbetriebe für integrierten Pflanzenbau im Rheinland wurde in der Saison 2024/25 eine Einzelkornsaat von Winterweizen erprobt. Zum Einsatz kam eine 24-reihige Väderstad Proceed mit 6 m Arbeitsbreite, deren Aufbau der Väderstad Tempo ähnelt – jedoch mit Säaggregaten im Reihenabstand von 25 cm. Die Maschine wurde mit dem Ziel entwickelt, eine Vielzahl unterschiedlicher Saatgüter präzise zu vereinzeln und abzulegen, um somit möglichst universell über das Anbaujahr eingesetzt werden zu können. Durch die Vereinzelung sollen gleichmäßigere Bestände, geringere Saatstärken und vitalere Einzelpflanzen erzielt werden. Die von der Tempo-Einzelkornsämaschine übernommenen, bewährten Säeinheiten sind hierfür auf einem zweibalkigen Rahmen versetzt zueinander angeordnet, da die Einzelkornaggregate aufgrund ihrer Bauweise einen größeren Bauraum erfordern. Das umfangreiche Hydrauliksystem der Maschine verlangt eine hohe Öl(förder)menge, weshalb für den Einsatz Schlepperleistungen ab etwa 300 PS empfohlen werden. Aufgrund des hohen Leergewichts von rund 10 t wurde eine Fläche mit frühräumender Vorfrucht (Raps) gewählt. Dadurch konnte die Aussaat Ende Oktober unter Mulchsaatbedingungen auf gut strukturierten Boden erfolgen. Der Standort zeichnet sich durch eine für die Region typische Parabraunerde auf Löss mit etwa 80 Bodenpunkten (lU) aus.
Versuchsaufbau
Folgende Varianten wurden in Streifen angelegt:
- Betriebsübliche Aussaat der Sorte Chevignon mit 280 Körnern/m² (Köckerling Vitu)
- Hybridweizen SU HYBINGO mit 170 Körnern/m² (Köckerling Vitu)
- SU HYBINGO mit 130 Körnern/m² (Väderstad Proceed)
- SU HYBINGO mit 100 Körnern/m² (Väderstad Proceed)
Ziel war es, durch die Vereinzelung und die damit verbesserte Standraumverteilung sowie das höhere Bestockungsvermögen der Hybridsorte ein vergleichbares Ertragsniveau zur betriebsüblichen Aussaatstärke mit Liniensorte zu erreichen.
Für die unterschiedlichen Sorten mussten aufgrund variierender Tausendkorngewichte passende Lochscheiben gebohrt werden, um eine präzise Vereinzelung zu ermöglichen. Kalibriertes Saatgut – wie bei anderen Kulturen üblich – wäre hier künftig von Vorteil. Die Aussaat erfolgte am 23.10.2024 unter eher feuchten Bodenbedingungen. Dadurch blieben die Säschlitze nach der Aussaat mit der Väderstad Proceed stellenweise offen, was zu einem zunächst schlechteren Auflauf (85 %) in den Einzelkornvarianten führte. Letztlich erreichten jedoch alle Varianten eine Etablierungsrate von 95 %. Ein Herbizideinsatz erfolgte erst im Frühjahr, da die Fläche nach Raps verhältnismäßig unkrautfrei hinterlassen wurde und um freiliegende Körner in den Säschlitzen zu schützen.
Gleichmäßigere und stärker bestockte Bestände in der Einzelkornsaat
Die Bestände der Einzelkornsaat zeigten sich erwartungsgemäß insgesamt dünner, aber gleichmäßiger. Sensoren zur Blattnässe sowie Krankheitsbonituren ergaben keine bedeutenden Unterschiede zwischen den Verfahren. Auffällig war jedoch eine optisch stärkere Bestockung und damit ein ähnlich dichter Bestand bei der Einzelkornsaat mit 100 Körnern/m² im Vergleich zu 130 Körnern/m².
Saatstärkenreduzierung auf bis zu 100 Kö/m² war hier problemlos möglich
Die Varianten wurden mit dem Parzellendrescher quer zur Saatrichtung in siebenfacher Wiederholung beerntet. Die Einzelkornvariante mit 100 Körnern/m² erzielte einen Ertrag von 11,7 t/ha und lag damit nahezu gleichauf mit der betriebsüblichen Aussaat der Hybridsorte mit 170 Körnern/m² (11,9 t/ha). Die geringere Ährenzahl pro m² wurde durch ein höheres Tausendkorngewicht (43,0 g gegenüber 40,1 g) kompensiert. Eine Reduktion der Aussaatstärke auf 100 Körner/m² bei Hybridweizen war unter den vorliegenden Gegebenheiten also problemlos möglich. Zum Vergleich: Die Sorte Chevignon erzielte bei einer Saatstärke von 280 Körnern pro m² bei herkömmlichem Aussaatverfahren einen Ertrag von 11,4 t/ha.
Die Vorteile, die die Getreidevereinzelung mit sich brachte, waren der geringere Saatgutaufwand sowie ein gleichmäßigerer Bestand. Wer Interesse an Hybridsorten hat, der kann seine Aussaatstärke weiter reduzieren. Standorte mit starkem Unkrautdruck im Herbst bzw. Winter sollten dabei gemieden werden, da Unkräuter von geringerer Konkurrenz profitieren würden.
Technik ist vor allem für großflächige Strukturen interessant
Zukünftig könnte das Verfahren mit der erprobten Technik aufgrund des technisch hohen Aufwands bei Wechsel der Sorte und der Maschinengröße eher für großflächige Strukturen mit Bedarf an hoher Schlagkraft sowie eher leichten Standorten und bei Aussaat nach frühräumenden Kulturen bzw. Aussaat von Sommerungen interessant sein. Mit einer einzigen Maschine ließen sich dann eine Vielzahl von Kulturen säen.
Die diesjährige Erfahrung zeigt aber auch, dass die Vereinzelung bei Getreide aufgrund des inhomogenen Saatguts noch nicht so zuverlässig funktioniert wie bei Rüben, Mais, Raps oder Leguminosen. Eine alternative Möglichkeit wäre daher, Hybridweizen in reduzierter Aussaatstärke mit herkömmlicher Drilltechnik in weiter Reihe zu säen – etwa durch das Zuschieben jedes zweiten Säschares. Auch hier zeigen sich erfahrungsgemäß gleichmäßigere Bestände und eine stärkere Bestockung.
Schnell gelesen (Kurzfassung):
Die Einzelkornsaat, bekannt aus Kulturen wie Zuckerrüben und Mais, gewinnt auch bei Getreide an Bedeutung. In einem Versuch mit Winterweizen wurden verschiedene Saatstärken getestet, um die Effizienz der Einzelkornsaat zu prüfen. Die Ergebnisse zeigten, dass eine Reduzierung auf 100 Körner/m² bei Hybridweizen möglich ist, ohne den Ertrag zu mindern. Vorteile sind gleichmäßigere Bestände und geringerer Saatgutaufwand. Die Technik ist besonders für große Flächen interessant, erfordert jedoch hohe technische Anforderungen. Alternative Ansätze mit konventioneller Drilltechnik (Hybridweizen in reduzierter Aussaatstärke mit herkömmlicher Drilltechnik in weiter Reihe säen) könnten ebenfalls praktikabel werden.
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