In den letzten Jahren zeigt sich nicht nur im Winterweizen, sondern zunehmend auch in der Gerste ein Trend zu früheren Sorten – häufig mit französischer Genetik. Produktmanager Dr. Gunnar Kleuker erläutert die Vorteile dieser im Markt zunehmend bedeutender werdenden Sortentypen und was man bei deren Anbau beachten sollte.
Besonders durch die Einführung BYDV-toleranter Sorten wie Sensation hat französisch geprägtes Zuchtmaterial in den letzten Jahren in Deutschland spürbar an Bedeutung gewonnen. Allerdings gab es auch bereits vorher deutsche Züchtungen, die im Ährenschieben und der Reife deutlich früher waren als die marktüblichen Sorten (z. B. SU ELLEN). Aktuell gilt SU YETTE als die früheste Sorte in diesem Sortiment, wobei insbesondere die deutlich verbesserte Kornqualität gegenüber den bisherigen frühen Sorten hervorzuheben ist.
Vorteile früher Sorten
Das Stadium des Ährenschiebens ist von zentraler Bedeutung und lässt sich im Feld gut bonitieren. Es markiert den Übergang zur Blüte – eine der empfindlichsten Perioden der Ertragsbildung. Sehr frühe Sorten haben hier einen entscheidenden Vorteil: Sie erreichen dieses Stadium noch vor dem – immer häufiger zu beobachtenden – Rückgang der Wasserverfügbarkeit im Frühsommer. Dieser sogenannte „Escape-Effekt“ kann gerade an Standorten mit regelmäßig auftretender Frühsommertrockenheit von großem Nutzen sein. Denn diese Frühreife schafft dann nicht nur physiologische Vorteile, sondern kann auch zu höheren Erträgen beitragen. In der Wertprüfung der Jahre 2022 bis 2024 schob SU YETTE im Mittel bereits am 7. Mai die Ähren – und damit rund vier Tage früher als die Verrechnungssorte Esprit (s. Abb. 1). In diesem eher späteren Frühjahr 2026 sind die Unterschiede in der Entwicklung noch einmal deutlicher zu sehen.
Gute Kornqualität trotz Frühreife
Oft trifft man auf die landläufige Meinung, eine frühere Reife hat negative Auswirkungen auf den Ertrag. Das muss, wie eben ausgeführt, also nicht so sein. Gleiches gilt für die Qualität: Auch hier zeigt das aktuelle Sortiment, dass diese Meinung überholt ist. Die extrem frühe SU Yette zeichnet sich durch eine sehr gute Kornausbildung aus, mit einer hohen Tausendkornmasse (TKM) und einem für mehrzeilige Sorten ungewöhnlich hohen und stabilen Hektolitergewicht auf Zweizeiler-Niveau (Tab. 1). Auch an den Wertprüfungsstandorten mit schwächerem Hektolitergewicht (≤ 65 kg/hl) hält SU YETTE das Zweizeiler-Niveau (Abb. 2).
Frühe Sorten müssen anders geführt werden!
Die frühere Entwicklung erfordert eine angepasste Bestandesführung, sowohl bei der Düngung als auch den Wachstumsregler-Maßnahmen. Da die vegetative Entwicklung etwa eine Woche schneller abläuft als bei marktüblichen Sorten, sollten auch die Düngegabe und der Einsatz von Wachstumsreglern etwa fünf bis sieben Tage früher erfolgen. Natürlich erreichen diese Sortentypen auch das BBCH-Stadium 29–31 früher, bei dem die Wachstumsreglergabe erfolgen muss, um eine gute Einkürzung und Stabilisierung der Halmbasis sicherzustellen. Wird dieser erste Wachstumsregler-Einsatz verpasst oder zu spät angesetzt, kann sich dies negativ auf Standfestigkeit und Ährenentwicklung auswirken.
Außerdem sollte der Sortentyp insgesamt berücksichtigt werden. Beispiel SU YETTE: Diese Sorte ist sehr wüchsig und insgesamt etwas länger. Bei derartigen Wuchstypen sollte der Fokus auf diesen ersten Wachstumsregler-Termin gelegt werden. Bei angepasster Steuerung lässt sich so eine stabile Bestandsstruktur und ein gleichmäßiges Reifeverhalten erreichen.
Entzerrung von Arbeitsspitzen nicht unterschätzen
Frühreife Sorten bieten neben agronomischen Vorteilen auch organisatorische Pluspunkte: Da Wintergerste in der Regel die erste Kultur in der Ernte ist, wirkt sich eine zusätzliche Vorverlagerung des Erntetermins besonders positiv auf die Entzerrung der Arbeitsspitzen aus. Dies ermöglicht eine frühzeitige Bodenbearbeitung zur Folgekultur Winterraps oder kann die Etablierung von Zwischenfrüchten verbessern. Gerade in intensiven Fruchtfolgen bringt dies eine spürbare Entlastung im Arbeitsablauf.
Fazit
Betriebe mit Wintergerste in der Fruchtfolge sollten innerhalb der Kultur auch frühe und zeitgleich wüchsige und ertragsstabile Sorten einsetzen. Die frühere Entwicklung senkt das produktionstechnische Risiko besonders an trockengefährdeten Standorten. Um das Potenzial dieser Sortentypen zu nutzen, ist jedoch eine angepasste Bestandesführung – mit Fokus auf Düngung und Wachstumsreglereinsatz – erforderlich.
Schnell gelesen (Kurzfassung):
Frühreifen Gerstensorten, insbesondere solche mit französischer Genetik, gewinnen in Deutschland an Bedeutung . Diese Sorten, wie SU Yette, bieten Vorteile durch früheres Ährenschieben, was zu besseren Erträgen bei frühen Trockenphasen führen kann. Dabei ist eine angepasste Anbaustrategie - unter anderem mit früherer Düngung und frühem Wachstumsreglereinsatz - entscheidend. Frühreife Sorten ermöglichen zudem eine effizientere Arbeitsorganisation und mindern das Risiko an trockenen Standorten.
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