Innovatives Aussaatverfahren für mehr Bodenschutz

Innovatives Aussaatverfahren für mehr Bodenschutz

Ackerböden können vor extremen Klimaeinflüssen geschützt werden: Durch den Erhalt einer gewachsenen biogenen Bodenstruktur, einer schützenden Mulchschicht an der Bodenoberfläche oder auch durch den Anbau von Zwischenfrüchten und Begrünungen nach der Ernte.

COVERSEEDER
COVERSEEDER
Die Sommer der letzten Jahre waren sehr von Extremwetterereignissen geprägt: extreme Hitze in Verbindung mit langanhaltender Trockenheit und kurze Starkregenereignisse. Daraus drängt sich die Frage auf: Wie lässt sich ohne Bodenbearbeitung eine Zwischenfrucht etablieren – bei gleichzeitiger Nutzung der schützenden Mulchschicht? Auch bei dem Unternehmen Müthing hat man sich dieser Problemstellung angenommen und ein spezielles Aussaatverfahren entwickelt und in Anbauversuchen getestet. Der Müthing CoverSeeder kombiniert die Aussaat von Zwischenfrüchten mit dem Ernterestmanagement.

Die Maschine (s. Schemazeichnung) besteht im Wesentlichen aus wenigen miteinander kombinierten Baugruppen.

COVERSEEDER
COVERSEEDER


Feldaufgang und Biomasseaufwuchs in Versuchen verbessert

Seit dem Sommer 2019 werden Anbauversuche durchgeführt, um die Auswirkungen dieses Verfahrens im Vergleich zu konventionellen, betriebsüblichen Aussaatverfahren auf Feldaufgang und Biomasseertrag zu ermitteln. Die Ergebnisse zeigen deutlich verbesserte Feldaufgänge (s. Abb. 1a), die sich wie folgt erklären lassen: Aufgrund des Verzichts einer Bodenbearbeitung bleibt der kapillare Wasseraufstieg erhalten, die Verdunstung des Bodenwassers wird jedoch durch die Strohschicht verhindert. Da das Saatgut auf der sauberen, festen Bodenoberfläche liegt, kann es so vom Kapillarwasser erreicht werden. Gleichzeitig schützt die Mulchauflage den Boden vor direkter Sonneneinstrahlung, isoliert und schützt vor übermäßiger Verdunstung. Die so im Boden geschaffenen kühleren Bedingungen wirken sich positiv auf das Bodenleben aus.

Weiter können im Vergleich zur Drillsaat höhere Biomasseaufwüchse erzielt werden (s. Abb. 1b). Die Erklärung liegt ebenfalls im Verfahren: Durch die Tatsache, dass die Saat in einem Arbeitsgang direkt anschließend an den Mähdrusch erfolgt, wird eine maximale Vegetationszeit ausgenutzt. Mit der Ablage auf den noch feuchten Boden läuft die Saat auch ohne nennenswerte Niederschläge auf, wodurch ein zügiger Aufwuchs gesichert ist.


Effekt des Coverseeders auf  die Bestandesentwicklung
Effekt des Coverseeders auf die Bestandesentwicklung


zwei Wochen nach der Aussaat
zwei Wochen nach der Aussaat

4 Wochen nach der Aussaat
4 Wochen nach der Aussaat

8 Wochen nach der Aussaat
8 Wochen nach der Aussaat


Dieses Saatverfahren hat darüber hinaus noch weitere Vorteile:

  1. Eine möglichste frühe Aussaat intensiviert die Durchwurzelung, da die Vegetation länger ist. Nährstoffaufnahme und Speicherung werden so verbessert.
  2. Ein schnelles Massenwachstum verbessert die Unterdrückung von Ausfallgetreide und Unkräutern. Dies ist ein wichtiger Aspekt in Anbetracht der Tatsache, dass Zwischenfruchtbestände möglichst bis zur Folgekultur sauber bleiben sollen. Gerade unter Gesichtspunkten des integrierten Pflanzenbaus und eines bevorstehenden Verbots von Glyphosat ist dies wichtig.
  3. Der Erosionsschutz ist elementarer Baustein für den Erhalt der Bodenfunktionen. Bei diesem Saatverfahren ist der Erosionsschutz lückenlos: Direkt nach der Saat übernimmt die Mulchauflage den Schutz des Bodens. Nach und nach wächst die Zwischenfrucht durch die Mulchschicht und übernimmt bzw. unterstützt den Erosionsschutz. Durch die Tatsache, dass die Erntereste nicht eingearbeitet werden, bieten diese einen zusätzlichen Erosionsschutz auch über den Winter hinweg.

Text: Philip Bietenbeck, Fotos: Müthing GmbH & Co. KG


Schnell gelesen (Kurzfassung):

Wie lässt sich ohne Bodenbearbeitung eine Zwischenfrucht etablieren – bei gleichzeitiger Nutzung der schützenden Mulchschicht?

Der Artikel stellt die Funktionsweise des Müthing CoverSeeder vor, der die Aussaat von Zwischenfrüchten mit dem Ernterestmanagement kombiniert.

Es wird anhand von Versuchsergebnissen gezeigt, welche Auswirkungen dieses Saatverfahren auf die Entwicklung und Ertragsbildung von Zwischenfruchtbeständen hat. So wurde der Feldaufgang und Biomasseaufwuchs in Versuchen verbessert.

Denn aufgrund des Verzichts einer Bodenbearbeitung bleibt der kapillare Wasseraufstieg erhalten, die Verdunstung des Bodenwassers wird jedoch durch die Strohschicht verhindert. Da das Saatgut auf der sauberen, festen Bodenoberfläche liegt, kann es so vom Kapillarwasser erreicht werden – der Feldaufgang wird verbessert.

Dies und die Tatsache, dass durch das Verfahren die Vegetationszeit verlängert wird, führt zu mehr Biomasse.