Traktor mit Anbaugerät fährt über ein frisch gepflügtes Feld, Luftaufnahme. (automatisch generiert durch KI)

Mischkulturen: präzise Aussaat ohne Kompromisse

Durch den Anbau von mehreren Kulturen zugleich können Vorteile einzelner Kulturen kombiniert und ein diverses Anbausystem etabliert werden. Daher findet man auch im konventionellen Anbau immer häufiger den Anbau von Pflanzengemeinschaften. Die Aussaat von Kulturarten mit verschiedenen Korngrößen ist zwar technisch sehr herausfordernd, aber machbar, wie Hannah Peters und Jannis Behrens von AMAZONE erläutern.

Hat das Saatgut der Mischungspartner stark differenzierende physikalische Eigenschaften wie Korngröße und Korngewicht kommt es zu Entmischungen im Saattank und in der Förderstrecke. Die Qualität in der Querverteilung des Saatgutes leidet daher bei der Verteilung von Mischungen. Zudem benötigen die unterschiedlich großen Saatkörner unterschiedliche Aussaattiefen für perfekte Keimbedingungen.


Die Herausforderung: Entmischung verhindern und die Ablagetiefe optimieren

Der Landtechnikhersteller AMAZONE hat eine Sämaschine entwickelt, die über vier Abgabepunkte nach dem Prinzip des reihenbezogenen Anbaus unterschiedliche Saatgüter und auch Dünger ausbringen kann. Aufgrund des Einsatzes mehrerer Schare und Schartypen kann die Ablagetiefe an jede Kultur angepasst werden und der Standraum ist optimal genutzt.

Das Basisgerät stellt die pneumatische Einzelkornsämaschine Precea 6000-2FCC mit zweigeteiltem Fronttank FTender 2200 dar. Auf einer Arbeitsbreite von 6 m sät die Precea im Abstand von 50 cm 12 Reihen. Den ersten Abgabepunkt stellen die serienmäßigen Einzelkornsäaggregate dar (s. Abb. 1). Diese umfassen neben dem PreTeC-Doppelscheiben-Mulchsaatschar einen Saatgutbehälter (55 l) und die Vereinzelung. Auf die Säaggregate aufgerüstet sind Mikrogranulatstreuer (MGS). Diese besitzen ebenfalls einen eigenen Behälter mit einem Volumen von 17 l. Der Abgabepunkt befindet sich direkt am Schar, hinter dem Abgabepunkt der Vereinzelung werden die feinen Saatgüter in den Erdstrom appliziert.

Die Precea 6000-2FCC ist ebenso mit den FerTec Twin-Doppelscheiben-Düngescharen ausgestattet. Diese ermöglichen eine präzise Unterfußdüngung. Die Düngerablage erfolgt um 5 cm versetzt zum PreTeC-Mulchsaatschar. Über dieses Schar lassen sich ebenso Saatgüter ausbringen.

Einzigartig ist die CRF-Precea durch die neu konzipierte Begleitsaateinrichtung: Zwei RoTeC-Einscheibenschare sind im Abstand von 12,5 cm zwischen den Einzelkorn-Säaggregaten montiert. Die zweite Abbildung zeigt, welche Abstände sich zwischen den Reihen ergeben. Der zweigeteilte Frontbehälter FTender versorgt die Begleitsaateinrichtung mit Saatgut und die FerTec-Düngeeinrichtung mit Dünger. Hierfür besitzt die Precea zwei Verteilerköpfe, die eine gleichmäßige Querverteilung sicherstellen. Aktuell handelt es sich bei dieser Technik um eine Studie.


Pneumatische Einzelkornsämaschine mit mehreren Verteilerköpfen und Abgabepunkten, verbunden durch Schläuche. (automatisch generiert durch KI)
Abbildung 1

Diagramm der Abstandsverteilung mit Pflanzenreihen auf Erde, markiert mit Maßen zwischen den Reihen. (automatisch generiert durch KI)
Abbildung 2


Gemenge, Begleitsaaten, Untersaaten, Zwischenfruchtmischungen – alles ist möglich

Die CRF-Precea hat in zahlreichen Versuchen an unterschiedlichen Standorten ihre Einsatzfähigkeit für verschiedene Zwecke bewiesen, ob bei der Aussaat von Mais mit Untersaaten, Zwischenfrüchten, Gemengesaaten oder Raps mit Begleitsaaten.

In Versuchen zur Aussaat von Mais mit Untersaaten wurde der Mais klassisch mit dem Einzelkornsäaggregat gelegt und Untersaaten erfolgreich mit der Begleitsaateneinrichtung gedrillt. Das FerTeC-Düngeschar ermöglicht eine Unterfußdüngung des Mais. Untersaaten im Mais halten den Boden bedeckt und unterdrücken so Unkräuter und schützen den Boden vor Austrocknung und Erosion sowohl vor und nach der Ernte des Mais. Ferner fixieren sie Nährstoffe im Boden. N-fixierende Untersaaten wie Weißklee versorgen die Folgekultur mit Stickstoff.

In der Zwischenfruchtaussaat kann das Einzelkornsäaggregat für Grobleguminosen genutzt werden, während mit der Begleitsaateinrichtung Rauhafer, Phacelia oder Senf gedrillt werden. Ergänzt werden kann das System durch Feinsämereien, die mit dem Mikrogranulatstreuer ausgebracht werden. Das Vorhandensein unterschiedlicher Säeinrichtungen stellt stets geeignete Auswahlmöglichkeiten für die verschiedenen Saatgüter bereit. Dadurch werden die Bedingungen für gute Entwicklung des Zwischenfruchtbestandes verbessert. Das Potenzial zur Steigerung der Feldaufgänge durch die Ablage jeder Kultur auf die passende Ablagetiefe ist nach eigenen Erkenntnissen hoch.


Man kommt ohne Kompromisse in der Ablagetiefe aus

Die CRF-Precea kann ebenso in der Aussaat von Gemengesaaten eingesetzt werden. Die Begleitsaateneinrichtung eignet sich für die Aussaat von Getreide in einer Doppelreihe. Leguminosen wie Ackerbohnen oder Erbsen werden mit dem Einzelkornsäaggregat gesät. Hier kommt der große Vorteil der individuellen Ablagetiefen für Getreide und Leguminose zum Tragen.

Für eine optimale Standraumverteilung kann das Getreide z. B. auf 3 cm und die Großleguminose auf 8 cm Tiefe im Boden abgelegt werden. Der Mikrogranulatstreuer kann bei Problemen mit Schnecken für das Ausbringen von Schneckenkorn genutzt werden.


Weniger Konkurrenz zwischen Raps und Begleitpflanzen

Auch bei der Aussaat von Raps mit Begleitsaaten wurde die CRF-Precea erfolgreich eingesetzt. Der Raps wurde mit dem Einzelkornsäaggregat, Begleitsaaten wie Öllein, Serradella oder Ramtillkraut wurde mit der Begleitsaateneinrichtung gesät. Der Mikrogranulatstreuer eignet sich auch hier für die Saat von Feinsämereien. Zusätzlich kann eine Großleguminose mit dem Düngeschar gedrillt werden. Versuche haben gezeigt, dass Rapsbestände mit einer etwas höher wachsenden Begleitsaat seltener von Gänsen angeflogen werden, da ihnen die Sicht auf Prädatoren genommen wurde. Die reihenbezogene Aussaat von Raps und Begleitpflanzen führt zu einer verringerten Konkurrenz zwischen Raps und Begleitpflanzen und der Raps neigt weniger dazu, sich mit den Begleitpflanzen in die Höhe zu schieben.


Balkendiagramm zeigt relativen Feldaufgang in Prozent für Lupine und Klee bei verschiedenen Ablagetiefen. (automatisch generiert durch KI)
Abbildung 3


Versuche zum Feldaufgang der Begleitsaaten

In Versuchen wurden zudem gesteigerte Feldaufgänge der Raps-Begleitsaaten gemessen, wenn die Saatgüter gemäß ihren physikalischen Eigenschaften und mit angepasster Ablagetiefe auf mehrere Abgabepunkte aufgeteilt wurden.

Aussaatparameter:

  • Lupine und Ackerbohne: 6–8 cm, Düngeschar (DS)
  • Serradella, Ramtillkraut und Öllein: 2–3 cm, RoTeC-Schare (bzw. der Begleitsaateneinrichtung)
  • Perser- und Alexandrinerklee: auf 0–1 cm, Mikrogranulatstreuer
  • Kontrolle: gemeinsame Aussaat aller Komponenten durch die RoTeC-Schare auf 2–3 cm Tiefe.

Bei der Aufteilung der Komponenten und Aussaat der Lupine auf 6 cm Tiefe konnte der Feldaufgang der Lupine um 90 % gesteigert werden (Abb. 3). Der Feldaufgang wurde also nahezu verdoppelt. Ähnlich sieht es bei den beiden Kleearten aus. Der Feldaufgang des Alexandriner- und Perserklees wurde durch das Streuen auf die Oberfläche statt dem Säen auf 3 cm Tiefe auf 210 % (Abb. 3) gesteigert. Auch hier ist der Feldaufgang durch die Aussaat auf die passende Saattiefe verdoppelt worden. Durch dieses Beispiel wird deutlich, wie wichtig es ist die kulturspezifischen Aussaattiefen einzuhalten. Aufgrund der reihenbezogenen Struktur können überwinternde Begleitpflanzen nach milden Wintern durch mechanische Werkzeuge wie die reihenbezogene Messerwalze entnommen werden. Der reihenbezogene Anbau bietet also die Möglichkeit einer „Exitstrategie“, falls die Begleitpflanzen oder Untersaaten überhandnehmen.

Der gleichzeitige Anbau mehrere Kulturpflanzen kann auch mit Blick auf Forderungen nach weniger Pflanzenschutz und mehr Diversität sehr sinnvoll sein, die Aussaat hat aber ihre Tücken. Ob Untersaaten in Mais, Raps mit Begleitsaat, Zwischenfruchtmischungen oder klassische Getreide/Leguminosengemenge: Mit der hier vorgestellten technischen Lösung muss man bei der Aussaat keine Kompromisse eingehen und schafft eine optimale Standraumnutzung der Pflanzen.


Schnell gelesen (Kurzfassung):

Die gesellschaftlichen Anforderungen an die Landwirtschaft führen zu einem Umdenken im Ackerbau, insbesondere durch den Anbau von Mischkulturen. Jannis Behrens von AMAZONE erklärt, dass die Aussaat verschiedener Kulturarten technische Herausforderungen mit sich bringt, wie die unterschiedliche Korngröße und die daraus resultierenden Entmischungen im Saatgut. Eine präzise Verteilung der Saatgüter und die Anpassung der Aussaattiefe sind entscheidend für das Wachstum der Pflanzen.

In dem Beitrag werden die von Amazone entwickelten Lösungen technisch detailliert vorgestellt, ergänzend hierzu Versuchsergebnisse die zeigen, wie vorteilhaft für die Pflanzen eine optimierte Ablagetiefe und ein optimierter Standraum ist.

Zusammenfassend zeigt die technische Lösung von AMAZONE, dass der gleichzeitige Anbau mehrerer Kulturpflanzen im Einklang mit den Anforderungen nach weniger Pflanzenschutzmitteln und mehr Biodiversität erfolgreich umgesetzt werden kann, ohne dabei Kompromisse eingehen zu müssen.