Erbsen und Ackerbohnen rechnen sich

Die Anrechnung der Leguminosen im Greening sowie verschiedene Agrarförderprogramme in den einzelnen Bundesländern führten zu einer Verdoppelung der Anbauflächen. Seit dem 01.01.2018 sind Pflanzenschutzmittel auf Ökologischen Vorrangflächen verboten und der Anrechnungsfaktor von Leguminosen wurde von 0,7 auf 1,0 angehoben. In der Folge gingen vor allem bei Körnererbsen die Anbauflächen deutlich zurück. Dabei kann auch ohne Greening und Co. der Anbau von Körnerleguminosen hoch wirtschaftlich sein!

Quelle: S. van het Loo
Quelle: S. van het Loo

Bei Ackerbohnen gab es keinen Flächenrückgang, da Landwirte in den Gebieten mit Nässeproblemen im Herbst 2017 oder aufgrund des notwendigen Umbruchs von Winterrapsflächen auf Hülsenfrüchte als eine der Sommerungsalternativen zurückgriffen (s. Abb. 1).

Bundesweite Datenerhebung des Demonstrationsnetzwerkes Erbse/Bohne

Doch auch außerhalb des Greenings kann sich der Anbau von Leguminosen nach wie vor pflanzenbaulich und wirtschaftlich lohnen, wie Ergebnisse aus dem modellhaften Demonstrationsnetzwerk Erbse/Bohne zeigen. Ziel dieses Netzwerks ist es, Anbau und Verarbeitung von Körnererbsen und Ackerbohnen in Deutschland zu unterstützen sowie Nachfrage und Angebot zusammenzubringen. Unter der Leitung des Landesbetriebes Landwirtschaft Hessen sind deutschlandweit 75 konventionelle und ökologisch wirtschaftende Demonstrationsbetriebe aus zehn Bundesländern sowie weitere bundesweit agierende Partner für das Netzwerk aktiv.


Berechnung: DAL statt Deckungsbeitrag

Die ökonomischen Bewertungen des Ackerbohnen- und Erbsenanbaus in diesen 75 Demonstrationsbetrieben orientieren sich am Berechnungssystem der direkt- und arbeitserledigungskostenfreien Leistungen (DAL). Nach KTBL1 wird die DAL berechnet, indem von der Marktleistung die Direktkosten und die variablen sowie fixen Arbeitserledigungskosten abgezogen werden (Tab. 1). Sie trägt zur Deckung der verbleibenden Kosten für Gebäude-, Flächen-, Rechte-, Allgemeine Kosten/Unternehmensführung bei. Im Gegensatz zum Deckungsbeitrag berücksichtigt diese Kennzahl auch die fixen Arbeitserledigungskosten (= fixe Kosten der Maschinen und Geräte sowie fixe Lohnkosten). Daher spiegeln sich in ihr die Effekte der Auslastung der Arbeitsmittel wider.


Zur Berechnung der Marktleistung wird der „Betriebswert“ verwendet. Er beschreibt den erzielbaren Preis für Ackerbohnen bzw. Erbsen als betriebsindividuellen Mischkalkulationspreis aus Erzeugerpreis und Futtervergleichswert.


Erträge 2016 und 2017 überdurchschnittlich

In 20162 und 2017 erzielten die konventionell wirtschaftenden Demonstrationsbetriebe sowohl für Ackerbohnen als auch für Erbsen im Mittel höhere Erträge als im Bundesdurchschnitt, während die ökologisch wirtschaftenden Betriebe bei beiden Kulturarten unter dem Bundesdurchschnitt lagen
(s. Tab. 2 und 3).

Die maximal erzielten Erträge beider Kulturen sowohl im konventionellen als auch im ökologischen Anbau verdeutlichen das Ertragspotenzial dieser Körnerleguminosen: die Erträge von 53 bis 74 dt/ha bei Ackerbohnen und 38 bis 60 dt/ha bei Erbsen lagen weit über dem Bundesdurchschnitt.


In einer Befragung der teilnehmenden Betriebe wurde der Vorfruchtwert der Körnerleguminosen ermittelt und anschließend ökonomisch bewertet. Wesentliche Elemente des Vorfruchtwertes der Körnerleguminosen – im Vergleich zu einer Getreidevorfrucht – waren die Faktoren Mehrertrag der Folgefrucht, Stickstofffixierung, Bodenbearbeitungsintensität und arbeitswirtschaftliche Aspekte. Unberücksichtigt blieben aus methodischen Gründen z. B. die Einsparungen im Pflanzenschutz zur Folgefrucht, der Beitrag zur Erhöhung der Biodiversität in der Agrarlandschaft sowie die Funktion als Insektentrachtpflanze usw. Ebenso wie in dem Vorgängerprojekt LEGUAN 2012­–2014 bestätigten annähernd alle Befragten einen positiven Vorfruchteffekt durch die Körnerleguminosen in den Fruchtfolgen. In fünfjährigen Erhebungen in konventionell wirtschaftenden Betrieben errechnete sich auf Basis der jeweiligen Marktpreise ein Vorfruchtwert für Ackerbohnen von rund 190 €/ha und für Erbsen von rund 160 €/ha.


Die in 2016 und 2017 befragten ökologisch wirtschaftenden Landwirte gaben vor allem den Mehrertrag der Folgefrucht als wesentlichen Faktor des Vorfruchtwertes bei Ackerbohne und Erbse an. Durch das höhere Preisniveau lagen hier die Vorfruchtwerte für Ackerbohnen bei 270 €/ha und für Erbsen bei 210 €/ha. Da Leguminosen aber ein tragender Grundbaustein ökologischer Anbausysteme sind und sie in der Fruchtfolge nicht ohne Weiteres durch eine Getreideart in der Fruchtfolge ersetzt werden können, ist eine reelle Einschätzung ihres Vorfruchtwertes schwierig. In Tab. 4 findet sie daher keine Berücksichtigung.

Vermarktung oder innerbetriebliche Verwertung?

Für einen wirtschaftlichen Leguminosenanbau ist der erzielte Preis bei Vermarktung bzw. der zu kalkulierende Futterwert bei innerbetrieblicher Verwertung ein wichtiger Faktor. Im Vorfeld des Anbaues sollte daher die weitere Verwendung der Ernte vorausschauend geplant werden.


Vermarktung: Bei Verkauf der Ernte sind Absprachen mit der aufnehmenden Hand im Vorfeld sinnvoll. Lieferverträge sichern den Warenfluss zwischen Landwirt und Abnehmer für beide Seiten ab und können eine für beide Seiten zufriedenstellende Preisgestaltung schaffen. Die Nutzung von Online-Marktplätzen, kann ggf. eine gute Alternative zum Verkauf über den Handel sein (z. B. www.leguminosen-markt.de).

Hafer-Ackerbohnenmischung Quelle: Andreas Henze, SAATEN-UNION
Hafer-Ackerbohnenmischung Quelle: Andreas Henze, SAATEN-UNION
Innerbetriebliche Verwertung: Eine inner- oder zwischenbetriebliche Verwertung kann wirtschaftlich besonders interessant sein. Denn bei einer Verfütterung der Körnerleguminosen liegt der Futterwert der Leguminosen zum Teil deutlich über ihren zurzeit am Markt erzielbaren Erzeugerpreisen (s. Abb. 2 und 3). Dies gilt besonders in der Schweine-, aber auch in der Rinderfütterung. Der Futterwert für konventionell erzeugte Ware wird hierbei auf der Grundlage von verdaulichem Eiweiß (nXP) bzw. dem Gehalt an umsetzbarer Energie (MJ ME) und praececal verdaulichem Lysin (pcv Lysin) und einer Preiskonstellation von Weizen und gv-Sojaschrot errechnet (Over et al. 2017; Hollmichel 2017). Reine Futterwertvorteile von bis zu 10 €/dt zugunsten von Erbse und Ackerbohne sind hier, ohne Berücksichtigung weiterer Kosten für Lagerung und Aufbereitung, möglich.


Wird GVO-frei gefüttert, weil dies z. B. in Verträgen fixiert wurde, müsste eigentlich eine Bewertung des Futterwertes der heimischen Körnerleguminosen auf Basis des Preises für GVO-freies Soja erfolgen. Dies hebt den Futtervergleichswert der heimischen Körnerleguminosen deutlich an.


Betriebswirtschaftlich konkurrenzfähig

Ackerbohnen

Auf Grundlage der DAL wurden die betriebswirtschaftlichen Daten am DemoNetErBo des Leguminosenanbaus und von Vergleichskulturen der teilnehmenden Betriebe für 2016 und 2017 ausgewertet. In beiden Anbaujahren erwirtschafteten die konventionellen Betriebe mit durchschnittlichen Erträgen von 45 bis 51 dt/ha (vgl. Abb. 4) eine positive durchschnittliche DAL von 451 bis 524 €/ha.


Ausschlaggebend für den wirtschaftlichen Erfolg der über dem Durchschnitt liegenden konventionellen Betriebe waren der um 8 dt/ha höhere Ertrag der Ackerbohnen verbunden mit einem besseren realisierten Betriebswert, der 1,3 bis 2,0 €/dt über dem Mittel aller Betriebe lag. Die relativ große Differenz des Betriebswertes zwischen den über und den unter dem Durchschnitt liegenden Betrieben von bis zu 4 €/dt Ackerbohnen verdeutlicht, wie wichtig es ist, den Verkaufspreis strategisch auszuhandeln bzw. wie finanziell attraktiv die Veredlung über das Tier sein kann.


Im Vergleich zu den konventionellen Betrieben fiel die Ackerbohnenernte bei ökologischer Bewirtschaftung durchschnittlich 10 dt/ha geringer aus. Aufgrund des deutlich höheren Preisniveaus erzielten die ökologischen Betriebe mit Ackerbohnen in Reinsaat eine durchschnittliche DAL von 1.000 bis 1.125 €/ha. Auch hier war der erzielte Ertrag verbunden mit einem höheren Betriebswert ausschlaggebend für den ökonomischen Erfolg des Ackerbohnenanbaus.


Die Produktionskosten im Ackerbohnenanbau liegen sowohl bei ökologischer als auch bei konventioneller Wirtschaftsweise auf ähnlichem Niveau. Während im konventionellen Anbau Kosten für den Pflanzenschutzeinsatz entstehen, verursacht der intensivere Maschineneinsatz im Ökolandbau höhere Kosten bei der Arbeitserledigung. Der ökologische Gemengeanbau von Ackerbohnen mit Hafer oder Triticale war mit einer DAL von über 1.100 €/ha vergleichbar erfolgreich wie der Anbau von Ackerbohnen in Reinsaat. Der Gemengeanbau verursachte im Vergleich zur Reinsaat höhere Kosten bei Saatgut, Nährstoffabfuhr und Arbeitserledigung von bis zu 300 €/ha, die durch eine entsprechend höhere Leistung aber ausgeglichen werden konnten.

Erbsen

Ausschlaggebend für den wirtschaftlichen Erfolg der über dem Durchschnitt liegenden konventionellen Betriebe im Vergleich zum Mittel aller konventionellen Erbsenbetriebe waren bei den Erbsen ein Mehrertrag von 3,5–7,5 dt/ha (vgl. Abb. 5) und ein bis zu 1,2 €/dt höherer Betriebswert. Im Vergleich zu den unterdurchschnittlichen Betrieben ernteten die überdurchschnittlichen Betriebe zwischen 7 und 15 dt/ha mehr und erzielten einen bis zu 2,5 €/dt höheren Betriebswert (22,1 €/dt).


Zwar war der Ertrag bei ökologischer Wirtschaftsweise deutlich geringer als bei konventioneller Bewirtschaftung (s. Tab. 3) dafür aber lag der Betriebswert um mindestens 30 €/dt höher. Die durchschnittlich von Biobetrieben erreichte DAL war doppelt so hoch wie bei den konventionellen Betrieben. Wie beim konventionellen Erbsenanbau sind auch hier wesentliche Stellschrauben Ertrag und erzielter Betriebswert. Der ökologische Gemengeanbau von Erbsen mit Getreide (Hafer, Roggen, Triticale, Gerste) bringt wirtschaftlich die besten Erfolge mit den höchsten durchschnittlichen DAL von bis zu 1.300 €/ha. Im Vergleich zu einer Reinsaat ist beim Gemengeanbau mit Synergien zwischen den Kulturen sowie von einer gewissen Risikominderung bei Ausfall eines Gemengepartners zu rechnen.

Quelle: SAATEN-UNION
Quelle: SAATEN-UNION
Weitere Informationen unter:http://www.demoneterbo-agrarforschung.de


Ackerbohnen und Erbsen und ihre Vergleichskulturen

Erbsen und Ackerbohnen sind nur dann konkurrenzfähig, wenn sie mindestens die Wirtschaftlichkeit der Kulturen erreichen, die alternativ zu den Körnerleguminosen in der Fruchtfolge stehen. Man muss also die betriebswirtschaftlichen Daten der in Konkurrenz stehenden Kulturen miteinander vergleichen.


Ackerbohne: In den meisten Ackerbohnen anbauenden konventionellen Betrieben wurde Winterweizen (Blattfrucht-, Stoppelweizen) als Vergleichskultur genannt, vereinzelt auch Raps, Soja und Körnermais.

Die Ackerbohne stellt sich als eine wirtschaftlich gute Alternative zum relativ intensiv geführten Stoppelweizen dar. Zudem bietet sie wertvolle pflanzenbauliche Möglichkeiten, Resistenzproblemen bei Windhalm und Ackerfuchsschwanz in engen Getreidefruchtfolgen entgegenzuwirken (s. Abb. 6). In einzelnen Jahren kann diese Körnerleguminose auch mit Blattfruchtweizen und Winterraps konkurrieren. Gegenüber Soja und Körnermais scheint sie deutlich unterlegen, erzielt aber auch auf diesen für den Ackerbohnenanbau eher eingeschränkt geeigneten Standorten in 2016 und 2017 nur unterdurchschnittliche Erträge.


Erbse: Auch bei den Erbsen anbauenden Betrieben war überwiegend der Winterweizen (Blattfrucht-, Stoppelweizen), aber auch die Gerste die Vergleichskultur. In einzelnen Betrieben wurden Raps und Körnermais der Erbse gegenübergestellt. In beiden untersuchten Jahren war auch der Anbau von Erbsen (s. Abb. 7) wirtschaftlicher als der Anbau von Stoppelweizen. Somit präsentiert sich die Erbse als eine interessante Alternative zum Stoppelweizen. Getreidelastige Fruchtfolgen können durch die Integration der Erbse aufgelockert und phytosanitäre Probleme oft ohne wirtschaftliche Einbußen gelöst werden. Je nach Ertragsniveau des Standortes und der Kulturen erzielte die Erbse sogar eine höhere DAL als Wintergerste oder Raps.


Bei erfolgreich ausgehandelten Erzeugerpreisen bzw. bei innerbetrieblicher Verwertung mit hohen Futterwerten ist ein wirtschaftlicher Anbau von Ackerbohnen und Erbsen auch bei niedrigeren Erträgen realisierbar und sie können selbst in konventionell wirtschaftenden Betrieben mit Winterweizen und Winterraps konkurrieren. Zudem können die Zahlungen aus Greening und/oder den Agrarumweltmaßnahmen die Wirtschaftlichkeit weiter verbessern (s. Abb. 8 und 9).



Fazit

Ackerbohnen und Erbsen können für viele Betriebe eine pflanzenbaulich hochwertige, ökonomisch konkurrenz­fähige Alternative zu den übrigen Hauptkulturen darstellen. Dabei sollten sie im Anbau dieselbe Sorgfalt wie diese erhalten. Körnerleguminosen bieten einen hohen Vorfruchtwert, können wintergetreidebetonte Fruchtfolgen sehr gut auflockern und ein erfolgreiches Hilfsmittel im Resistenzmanagementeiner Fruchtfolge sein. Eine vorausschauende Planung der Vermarktung über den Handel oder eine gezielte inner- oder zwischenbetriebliche Verwertung verbessern ihre Wirtschaftlichkeit. An den Körnerleguminosenanbau gebundene Zahlungen aus Greening und Agrarumweltmaßnahmen sind nicht zu unterschätzende Zusatzeinnahmen, für die Wirtschaftlichkeit sind sie aber nicht immer zwingend notwendig.

Petra Zerhusen-Blecher, Katrin Stevens, Prof. Dr. Bernhard Carl Schäfer, FH Südwestfalen, Soest, Prof. Dr. Jürgen Braun, HfWU Nürtingen-Geislingen


1 (http://daten.ktbl.de/downloads/dslkr/Leistungs-Kostenrechnung.pdf; 28.2.2018)

2 Starker Nanovirenbefall