Erbsenanbau auf dem Karstädter Agrarbetrieb

Vielfalt erhöhen, neue Märkte bedienen und ackerbauliche Vorteile nutzen – Stephan Nagel, Betriebsleiter der Karstädter Agrarbetrieb GmbH berichtet über den Anbau von Körnererbsen in der Region Ludwigslust (Mecklenburg-Vorpommern).

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Jan Böse: Herr Nagel, Sie leiten den Betrieb schon seit mehreren Jahren. Was bewegte Sie dazu, den Anbau von Körnererbsen fest in Ihr System zu integrieren?

Stephan Nagel: Wir liegen mit unserem Betrieb, der ins­gesamt etwa 950 ha Marktfruchtbau umfasst, in einer Region hier in der Nähe von Ludwigslust, in der die Bodenqualität von sich aus gegenüber küstennahen Standorten ein geringeres Ertragspotenzial zulässt. Wir haben aus der Vergangenheit die Möglichkeit, über Bewässerung durch Gräben die Flächen mit Wasser zu versorgen. Bei durchschnittlich etwa 25 Bodenpunkten kommt es auf die Fruchtfolge und richtige Produktionstechnik zu den einzelnen Fruchtfolgegliedern an. Im Durchschnitt liegen die Jahresniederschlagsmengen bei 580 mm. Immer häufiger kommt es zu Frühjahrstrockenheiten. Hier erwies sich die Körnererbse in der Vergangenheit als eine Sommerung, die mit diesen Witterungsextremen am besten zurechtkam.


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Ich sehe die Erbsen eher als eine extensive Kultur mit überschaubarem Arbeitszeitaufwand. Die Arbeitsspitze durch die Winterungen im Herbst wird durch die Sommerkörnererbsen erfolgreich gebrochen. Zusätzlich werden bei uns in Mecklenburg-Vorpommern Leguminosen in fünfgliedrigen Fruchtfolgen gefördert, was die Attraktivität zusätzlich steigert. Hinzu kommt, dass wir mit benachbarten Betrieben eine Art „Lagergemeinschaft“ haben, wo wir unter anderem die Körnererbsen bis zu ihrer Abholung an den Verarbeiter gut lagern können.


Böse: Worauf achten Sie bei der Fruchtfolgengestaltung bei dem Anbau von Körnererbsen?

Nagel: Die Erbsen stehen bei uns nach Möglichkeit nur alle 5 Jahre auf der gleichen Fläche, da sonst Probleme mit Fußkrankheiten auftauchen könnten. Durch diese weite Stellung in der Fruchtfolge und des Fruchtfolgeprogramms sind wir in diesem Jahr (2019) bei rund 105 ha Körnererbsen. Das entspricht etwa 10 % der Fläche. Gute Erfahrungen machen wir mit einer Winterfurche, wodurch die Bodengare zur Aussaat hin im Frühjahr wesentlich besser ist als bei einer tiefen Lockerung vor der Aussaat. Die Aussaat an sich versuchen wir so früh wie möglich, jedoch nur dann, wenn es die Befahrbarkeit der Böden auch zulässt. Kleinere Frostereignisse puffern die auflaufenden Erbsen gut ab, sodass hiervon keine Gefahr ausgeht.

Wir drillen mit einer Horsch Pronto Maschine, welche die Aussaattiefe von 4–5 cm mühelos erreicht. Theoretisch wäre sogar eine Unterfußdüngung mit dieser Maschine realisierbar. Bisher beschränkt sich die Düngung zu Körnererbsen lediglich auf eine Kaliumgabe und vereinzelt Mikronährstoffe über Blattdünger zum späteren Zeitpunkt.


Bis auf das Jahr 2016, in dem sicherlich einige Betriebe Schiffbruch durch Virosen in Leguminosen erlitten haben, habe ich wenige Schadinsekten wahrgenommen, durch die der Erbsenanbau gefährdet war.


Böse: Zum Thema Drusch und Lagerung: Worauf kommt es Ihrer Meinung nach an und welche Tipps für potenzielle Neueinsteiger im Erbsenanbau können Sie geben?

Nagel: Wir dreschen mit betriebsüblicher Technik, was in unserem Falle ein Claas Lexion 570 mit 9 m Schneidwerk ist. Da es auf und in unseren Böden viele Steine gibt, walzen wir das Erbsensaatbett grundsätzlich an. Zum einen erhöhe ich dadurch die Wirksamkeit des Herbizidfilms, zum anderen drücke ich Steine nach unten, die zur Ernte sonst hinderlich wären. Wir arbeiten mit normalen Schneidwerken, welche bei guter Vorarbeit auch sauber arbeiten. Unter erschwerten Bedingungen schrauben wir noch zusätzliche Ährenheber an.

Grundsätzlich versuchen wir, nur bei Sonnenschein und trockenem Stroh zu ernten. Dadurch wird der Gutfluss im Drescher wesentlich verbessert, und es gibt kein Geschiebe und Stocken im Schneidwerk. Ein guter Fahrer kann so vergleichbare Flächenleistungen wie im Getreide schaffen. Meine Mitarbeiter freuen sich unter solchen Bedingungen richtig auf den Erbsendrusch. In der Regel müssen unsere Erbsen nicht getrocknet werden. Wir haben aber die Möglichkeit, sie nach der Ernte zu belüften bzw. nachzutrocknen, womit man i. d. R. auskommt.


Böse: Haben Sie spezielle Sortenansprüche bzw. worauf legen Sie Wert bei einer modernen Körnererbsensorte?

Nagel: Wir vermarkten unsere Erbsen ausschließlich an die Emsland-Stärke GmbH. Hier spielt der Proteingehalt eine entscheidende Rolle. Für mich ist die Standfestigkeit neben dem Korn- und Proteinertrag das wichtigste Kriterium bei der Sortenwahl. Nach mehrjähriger Erfahrung hat sich die Sorte ASTRONAUTE als sehr gut für unseren Betrieb erwiesen. Wichtig ist es, dass die Standfestigkeit eine reibungslose Beerntung zulässt. Für neue Sorten empfiehlt es sich, diese neben den Offizialversuchen betriebsintern auf ihre jeweilige Eignung zu prüfen. Hier gibt es zum Teil hohe Unterschiede zwischen Versuchsergebnissen und eigenen Erfahrungswerten.


Böse: Herr Nagel, was wünschen Sie sich für die Zukunft, um den Erbsenanbau attraktiv zu gestalten?

Nagel: Ich wünsche mir besonders eine klare Richtung der Politik, welche Rolle die Leguminosen spielen werden. Es gibt zurzeit durch verschiedene Förderungsprogramme Anreize für die Landwirte, sich intensiv mit diesen Kulturen zu beschäftigen. Wenn es hier klare Hinweise für weitere Unterstützungen gäbe, bin ich mir sicher, würden sich einige meiner Berufskollegen noch intensiver mit Leguminosen auseinandersetzen. In meiner Region bauen mittlerweile viele Betriebe Erbsen an und nutzen den positiven Vorfruchtwert, die Erweiterung der Fruchtfolge. Schafft man es, die Erbsen fest in die Fruchtfolge zu integrieren, sind auch Investitionen in spezielle Technik, wie etwa flexible Schneidwerke zur Ernteerleichterung, besser darstellbar. Ich werde auch in Zukunft für meinen Betrieb weiter an der Optimierung des Erbsenanbaus arbeiten.

Das Interview führte Jan Böse, NPZ

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