Erbsen wollen tief und ungestört wurzeln

Der Anbau von Körnererbsen stellt hohe Ansprüche an den Boden und seine Bearbeitung. Für den erfolgreichen Körnererbsenanbau gilt: 
Je sorgfältiger Bodenbearbeitung und Aussaat durchgeführt werden, umso sicherer und höher sind Pflanzenaufgang und Ertrag.

Junge Erbsen danken eine gute Bodenstruktur. Quelle: Rainer Kahl
Junge Erbsen danken eine gute Bodenstruktur. Quelle: Rainer Kahl
Im Gegensatz zu Lupine und Luzerne kann die Erbse Gefügeschäden nicht durchdringen: weder die innerhalb noch die unterhalb der bearbeiteten Krume. Deshalb ist es wichtig, die Zeitfenster zu erkennen, in denen die Böden am Standort schadlos befahren werden können, und die Arbeitsorganisation darauf einzustellen. Für ein ungestörtes Wurzelwachstum müssen Bodenschadverdichtungen und Störschichten (z. B. Strohmatten) vermieden werden.

Erbsen-Hafergemenge auf Löß-Schwarzerde. Quelle: J. Bischoff
Erbsen-Hafergemenge auf Löß-Schwarzerde. Quelle: J. Bischoff
Bodendurchwurzelung Körnererbse auf Gley-Humuspseudogley. Quelle: J. Bischoff
Bodendurchwurzelung Körnererbse auf Gley-Humuspseudogley. Quelle: J. Bischoff

Je intensiver die Erbsen den Boden durchwurzeln, umso besser sind die Ernährung der Bodenorganismen, die Bodenatmung, die N2-Fixierung der Knöllchenbakterien, die Humusbildung und die Lebendverbauung der Boden­aggregate.


Neben dem intakten Boden­gefüge fördert eine optimale Calcium- und Phosphorversorgung in Gehaltsklasse C die Besiedlung der Wurzeln mit Knöllchenbakterien und die N2-Fixierung. Oft liegen bei der Bearbeitung vor Winter oder im zeitigen Frühjahr zu feuchte Bodenbedingungen vor, die dann die Entstehung von Bodenschadverdichtungen begünstigen. Schadverdichtungen schränken den aktiven Wurzelraum auf die Krume oberhalb der Verdichtungszone ein. Ein Übermaß an Bodenfeuchtigkeit in Kombination mit Wärme- und Luftmangel führen zu Auflaufschäden der Körnererbse und zum Absterben der Knöllchenbakterien. Sie fördern zudem den Pilzbefall und die vorzeitige Laubvergilbung im Sommer.

Vorbeugende Maßnahmen gegen Bodenschadverdichtungen:

  • Der Boden sollte in Vegetationspausen durch eine schützende Mulchdecke bedeckt bleiben.
  • Durch Fruchtfolgegestaltung kann die boden­biologische Aktivität gefördert werden.
  • Der standorttypische Humusgehalt wird durch Zufuhr von organischer Substanz und Reduzierung der Bearbeitungsintensität gewährleistet.
  • Druckbeanspruchung des Bodens im plastischen Zustand vermeiden!
  • Traktoren für die Bestellarbeiten mit Zwillingsrädern bzw. Terra-Reifen ausstatten und den Reifeninnendruck absenken; Erntemaschinen mit großvolumigen Reifen/ Raupenlaufwerken ausrüsten
  • Permanente Fahrgassen für Dünge- und Pflanzenschutzmaßnahmen anlegen

Bodenbearbeitung: abhängig vom Zustand des Bodens und äußeren Bedingungen

Aufgabe der Bodenbearbeitung ist es, die Ansprüche der Kulturpflanzen an den physikalischen Bodenzustand zu erfüllen, Unkräuter und Ungräser zu unterdrücken sowie die organische Substanz einzumischen. Vor jeder Bodenbearbeitungsmaßnahme sollte man sich über die Tiefenlage von Verdichtungszonen, ihre Mächtigkeit und Flächenzuordnung Klarheit verschaffen. Zum Beispiel mithilfe der Spatendiagnose, mit der morphologische Gefügeschäden wie grobporenarme Kohärent­gefüge, Plattengefüge, Wurzelanomalien relativ unproblematisch diagnostiziert werden können. Durch die Entnahme eines Bodenziegels von 20 × 30 cm kann man mit dieser Methode einen möglichst ungestörten Querschnitt der Ackerkrume und der Krumenbasis einsehen.


Beurteilungskriterien sind:

  • Beschaffenheit der Bodenoberfläche
  • Gefügeeigenschaften
  • Übergang zwischen Krume und Unterboden
  • Wurzelbild und Wurzeldichte sowie das Vorhandensein von Wurmgängen und Wurzelröhren
  • Farbe und Geruch des Bodens
  • Verrottungsgrad der Ernterückstände

Die Bodenbearbeitungsverfahren werden nach der Intensität unterschieden:

  • ganzflächig wendende, krumentiefe Bodenlockerung mit dem Pflug + Krumenpacker,
  • ganzflächig nicht wendende, mischende, krumentiefe Bodenlockerung mit Schwergrubber,
  • ganzflächig flach mulchende, mischende Bodenbearbeitung mit Flachgrubber/ Scheibenegge,
  • Streifenbodenbearbeitung und partielle krumentiefe Bodenlockerung (Strip-Tillage oder Strip-Till).
  • Eine Sonderform ist die Direktsaat (No Tillage), da hier vor der Saat keine Bodenbearbeitung stattfindet.

Gründliche Stoppelbearbeitung ist wichtig

Der Stoppelbearbeitung nach der Ernte der Getreidevorfrucht gebührt besondere Aufmerksamkeit. Die möglichst gleichmäßige horizontale und vertikale Verteilung des Strohs und die anschließende 8 bis 10 cm tiefe Einarbeitung und Rückverfestigung mit entsprechenden Nachlaufgeräten beschleunigen den mikrobiellen Strohabbau.


Nach der Stoppelbearbeitung erfolgt bis spätestens Ende Oktober die Grundbodenbearbeitung. Als Alternative zum konventionellen Pflugeinsatz auf 25 cm kommt bei der pfluglosen Bodenbearbeitung ein 10 bis 15 cm tiefer Grubbergang als Pflugersatz infrage. Die krumentiefe Boden­lockerung ist erforderlich, wenn Schadverdichtungen zu beseitigen sind.


Streifenbodenbearbeitung (Strip-Till) und Direktsaat werden nicht im herkömmlichen Körnererbsen­anbau praktiziert, wohl aber im Misch-/Gemengeanbau. Dabei erfolgt durch den Gemengepartner eine biologische Bodenlockerung.


Früh säen aber nicht einschmieren

Saattermin: Die Körnererbse sollte möglichst schon Anfang/Mitte März ausgesät werden, da sie wie alle Körner­leguminosen einen hohen Keimwasserbedarf hat. Dieser kann im zeitigen Frühjahr am sichersten gedeckt werden. Weitere Vorteile der frühen Saat sind die Vorverlegung der Blüte und Hülsenentwicklung und daraus resultierend ein geringerer Trockenstress und Schädlingsbefall. Hinzu kommen die bessere Ausnutzung der Vegetationszeit und des genetischen Ertragspotenzials. Der Saattermin muss sich primär an der Befahrbarkeit des Bodens orientieren: Erbsen dürfen nie in den Boden »eingeschmiert« werden. Bei Saatzeiten nach Mitte April ist mit Mindererträgen zu rechnen.


Saatbett: Wichtig ist es, auch bei der Saat starken Bodendruck und Bodenverdichtungen zu vermeiden. Unabhängig von der Intensität der Bodenbearbeitung steht die Forderung nach einem möglichst ebenen Saatbett. Das erleichtert den Mähdrusch und senkt die Ernteverluste.


Einzelkornsaat bei Körnerfuttererbsen nach Herbstfurche. Quelle: J. Bischoff
Einzelkornsaat bei Körnerfuttererbsen nach Herbstfurche. Quelle: J. Bischoff
Einzelkornsaat bei Mulchsaat nach Herbstfurche. Quelle: J. Bischoff
Einzelkornsaat bei Mulchsaat nach Herbstfurche. Quelle: J. Bischoff


Saattiefe/Saatverfahren: Die Saattiefe der Erbse beträgt 4 bis 6 cm auf mittelschweren Böden und 6 bis 8 cm auf leichteren Böden. Zur Einhaltung der Ablagetiefe ist ein ausreichend hoher Schardruck der Sämaschine erforderlich.


Die Aussaat erfolgt meist als Drillsaat mit einfachem Getreideabstand. Es ist aber auch ein Reihenabstand von bis zu 25 cm möglich. Ein anschließender Walzengang mit Cambridge- oder Crosskillwalze kann unter trockenen Bedingungen den Feldaufgang verbessern. Das Anwalzen der Saat ist für steinige Flächen zur Erleichterung der Ernte sowie auf leichteren Böden zur Verbesserung des Bodenschlusses zu empfehlen. Der Einsatz der Ackerwalze verlangt aber viel Fingerspitzengefühl: Wird die Bodenober­fläche nicht wieder aufgeraut, steigt die Verdunstung und die Gefahr der Verschlämmung und Verkrustung des Bodens bei Starkregen. Auf steinfreien Böden sollte daher die Walze unbedingt mit einem nachlaufenden Striegel arbeiten.


Saatstärke: Hinsichtlich der Saatstärke sind verallgemeinernde Empfehlungen schwierig, da die Verzweigungs­fähigkeit der Erbse sortenspezifisch ist. Die praktischen Erfahrungen sprechen für Saatstärken bei Drillsaat im Bereich von 70 bis 80 Körner/m2 auf mittleren Böden und von 80 bis 90 Körner/m2 auf leichten Böden. Wird die Einzelkornsaat gewählt, kann die Aussaatmenge um ca. 15 % reduziert werden, da eine einheitliche Tiefenablage und gleichmäßigere Pflanzenabstände in der Reihe garantiert sind. Die gleichmäßige Längsverteilung der auf ca. 5 cm in der Reihe gesetzten Einzelpflanze führt bei technisch bedingten Reihenweiten von 25 cm zu mehr Licht und Luft zwischen den Reihen gegenüber der Drillsaat. Dadurch entwickelt sich die Einzelpflanze stärker, die Pflanzen gehen weniger ins Lager und trocknen aufgrund besserer Durchlüftung auch schneller ab.


Vergleich von Winter- und Sommerleguminosen

Der Vorteil von Winterformen bei Körnerleguminosen wird in der Ausnutzung einer längeren Vegetationszeit zur Erzielung höherer Kornerträge gesehen.


In einem dreijährigen Anbauvergleich wurde der Kornertrag der Winter- und Sommerformen von Ackerbohnen und Körnererbsen mit der Sojabohne verglichen (s. Abb. 1). Bei der Saat mit einer Einzelkornsämaschine wurde der Reihenabstand zwischen 22,5 und 45 cm variiert. Die Saatstärke lag bei Ackerbohne bei 60 Körner/m2 und bei Körnererbsen und Sojabohnen bei 40 Körner/m2. Die Abbildung zeigt, dass die Winterformen den Sommerformen nicht grundsätzlich überlegen sind. Bei Körnererbsen brachte jedoch die geringere Reihenweite sowohl bei der Winter- als auch bei der Sommerform deutliche Mehrerträge.


Um Auswinterungsverlusten vorzubeugen, sollten Wintererbsen nicht zu früh ausgesät werden, erfahrungsgemäß erst ab Anfang/Mitte Oktober. Die Einhaltung der Ablagetiefe des Saatguts von mindestens 7 cm verbessert die Winterhärte. Aufgrund der geringeren Standfestigkeit der Wintererbsen sollte eine Reihenweite von 25 cm nicht überschritten werden. Weil Erbsen generell nicht selbstverträglich sind, ist eine Anbaupause von mindestens fünf bis sechs Jahren einzuhalten.


Fazit

Die Erbse ist anspruchsvoll und daher eine Kultur für „Fortgeschrittene“. Sie reagiert vor allem auf Bodenmängel mit Ertragsrückgang. Stimmt die Bodenstruktur und die Wasserversorgung, liefert sie jedoch sichere und hohe Erträge und bereichert mit ihrem hohen Vorfruchtwert die gesamte Fruchtfolge.

Dr. Joachim Bischoff, Landesanstalt Forsten und Gartenbau