Steigende Betriebsmittelpreise: profitieren Leguminosen und Sommerungen?

Steigende Betriebsmittelpreise: profitieren Leguminosen und Sommerungen?

Enorme Schwankungen der Erzeugerpreise, parallel dazu rasant steigenden Düngemittelkosten, gepaart mit teilweise erheblichen Lieferengpässen und jetzt auch noch der Krieg in der Ukraine, der die Märkte durcheinanderwirbelt: Was bedeutet das alles für die anstehende Fruchtfolgeplanung? Dr. Stephan Deike, Landberatung GmbH, über mögliche ackerbauliche Strategien.

Zumindest kurzfristig haben die massiven Verwerfungen durch den Krieg in der Ukraine Einfluss auf das Marktgeschehen und somit auch auf mögliche Anbau- und Vermarktungsentscheidungen. Geringere Ausfuhren der Hauptexportnationen Ukraine und auch Russland führen vermutlich zu einer Verknappung bei Getreide und Ölsaaten. Getreide- und Ölfrüchte weisen daher unter den derzeitigen Gegebenheiten eine hohe Vorzüglichkeit auf. Dabei rückt auch und vor allem der Sonnenblumenanbau infolge der besonderen Marktstellung der Ukraine als größtes Exportland in den Fokus. Im Gegensatz dazu treten andere wichtige Fruchtfolgeglieder – z. B. Silomais für die Biogasnutzung oder die Zuckerrübe, – die weniger starke Preisanstiege zeigen, kurzfristig eher in den Hintergrund. Aufgrund der stark gestiegenen Preise bei Dünge- und Pflanzenschutzmitteln, Diesel sowie Maschinenkosten erscheint für viele zudem der Ausbau von Kulturen mit geringerem Faktoreinsatz interessant.


Politische Rahmenbedingungen: GAP, Green Deal und Umwidmung der Brachflächen forcieren die Sommerungen

Die Fruchtfolgeplanung eines Betriebes wird von vielen Faktoren beeinflusst, natürlich auch durch politische Rahmenbedingungen. Wird die Reform der „Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP)“ wie geplant durchgesetzt, wird im Rahmen der vorgegebenen Standards, der sogenannten Konditionalität, unter anderem ein jährlicher Fruchtwechsel gefordert. Auch die im Rahmen des sogenannten „Green Deal“ formulierten Forderungen nach einer deutlich geringeren Intensität beim Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln werden mit vielen der bisher gängigen Fruchtfolgesysteme kaum zu erreichen sein. Bereits hierdurch gibt es eindeutige Tendenzen, Sommerungen als Alternativen zu Wintergetreide oder Raps in Erwägung zu ziehen.

Darüber hinaus gibt es nunmehr im Rahmen der angebotenen Ökoregelungen („Eco-Schemes“) das Programm „Vielfältige Kulturen im Ackerbau“. Hierbei wird für die Ackerfläche des Betriebes eine Prämie gezahlt, sofern mindestens fünf Kulturen angebaut werden, wobei jede Kultur mindestens 10 % und maximal 30 % der Ackerfläche einnehmen muss bzw. darf. Ferner müssen auf mindestens 10 % der Anbaufläche Leguminosen oder deren Gemenge wachsen, wohingegen der Getreideanteil höchstens 66 % sein darf. Als Prämienhöhe sind derzeit 30 € pro Hektar im Gespräch. 30 € pro Hektar sind für jemanden, der bisher nur Mais oder Ackergras und gar keine Leguminosen angebaut hat, eher nicht interessant. Für Betriebe, die diese Vorgaben bereits weitgehend erfüllen, kann dies jedoch durchaus ein zusätzlicher Anreiz sein.

In ähnlicher Weise fördernd würde vermutlich der gerade diskutierte Vorschlag wirken, dass die ab 2023 obligatorische Stilllegung in Höhe von 4 % der Ackerfläche aufgrund der vorherrschenden Knappheiten auf dem Lebens- und Futtermittelmarkt alternativ für den Leguminosenanbau genutzt werden dürfte.


Ackerbohnenaussaat
Ackerbohnenaussaat

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Fruchtfolgeänderung

Für nennenswerte Änderungen der Anbauverhältnisse innerhalb eines Betriebes oder einer Region müssen mehrere Voraussetzungen erfüllt sein:

  1. 1. Freie, geeignete Flächen: Kurzfristig hätte sicherlich manch einer dieses Frühjahr gern auf Leguminosen umgeschwenkt, um den Zukauf von teuren N-Düngemitteln zu verringern. Oft scheiterte es jedoch bereits daran, dass hierfür keine freien Flächen im Betrieb vorhanden waren z. B. aufgrund vertraglicher Verpflichtungen für Silomais oder Zuckerrüben.
  2. Saatgut- und Pflanzenschutzverfügbarkeit: Bei stärkerer Nachfrage nach einer Kulturart kann die Verfügbarkeit von Saatgut oder spezifischen Pflanzenschutzmitteln zum begrenzenden Faktor werden.
  3. Phytosanitäre Situation: Die Fruchtfolgestruktur darf nicht zu einer mittel- und langfristigen Verschlechterung der phytosanitären Situation führen. Kurzfristig wäre nunmehr auf vielen Standorten die Ausdehnung der Getreide- und Rapsfläche am lukrativsten, gegebenenfalls erweitert um ein paar Hektar Sonnenblumen. Aber in der Vergangenheit hat der intensive Anbau von Raps, Weizen oder Gerste teils zu massiven ackerbaulichen Problemen geführt. Bei der Sonnenblume könnte es mittel- oder langfristig durchaus Schwierigkeiten bei deren Integration in Fruchtfolgen mit Raps oder Leguminosen geben.
  4. Maschinenausstattung: Üblicherweise lassen sich viele Sommerungen mit der im Betrieb vorhanden Mechanisierung anbauen oder ausgereifte Technik ist bei Lohnunternehmen oder eine entsprechend Nachbarbetrieben greifbar. So sind Erbsen, Lupinen oder Sommergetreide mit herkömmlichen Drillmaschinen zu säen. Mais – ob für Silo- oder Körnernutzung – Sonnenblumen, Ackerbohnen oder Soja können in der Regel mit üblichen Einzelkornsämaschinen gedrillt werden. Lediglich für die Ernte von Körnermais, Sonnenblumen und Soja sind Spezialschneidwerke am Mähdrescher notwendig bzw. sinnvoll.
  5. Vermarktungsmöglichkeiten: Wer nicht betriebsintern verwertet, sollte vor einer Anbauumstellung die Vermarktungsmöglichkeiten, aber auch Lagermöglichkeiten vor Ort prüfen. Ausreichende Trocknungskapazitäten sind beispielsweise für Körnermais unabdingbar. Generell verbessern ausreichende Lagerungs- und Belüftungsmöglichkeiten die Vermarktungsoptionen, auch und gerade bei einem breiteren Anbauspektrum.

Pflanzenbauliche Vorteile

In der Praxis zeigt sich, dass mitunter Zufälle bzw. besondere Umstände ausschlaggebend für eine Anbauentscheidung sein können. Die oben genannte starke Nachfrage nach Sonnenblumensaat in diesem Jahr ist eine solche Konstellation, wenn natürlich eine mit besonders tragischem Hintergrund.

Einige Betriebe versuchten sich jedoch bereits in den Frühjahren 2019 bzw. 2020 mit dem Sonnenblumenanbau, nachdem die Rapsaussaat in den vorherigen trockenen Herbsten misslang bzw. gar nicht erst versucht wurde. Ähnliches gilt für Hafer, Sommergerste, Erbsen oder Ackerbohnen. Die überwiegend rechtzeitige Aussaat unter vorteilhaften Bodenbedingungen führte dabei meist zu einem guten Auflaufen und einer günstigen Jugendentwicklung. Unter derartigen Voraussetzungen können auch Sommerungen die vorhandene Winterfeuchte gut ausnutzen. In diesen schwierigen Anbaujahren wurden somit einige Hemmschwellen bezüglich dieser Kulturen abgebaut, auch seitens der aufnehmenden Hand. Natürlich gab es dabei, wie auch bei den Winterungen, zum Teil Rückschläge wie schwache Erträge und schlechte Kornqualitäten.

Vor allem in langjährig engen Fruchtfolgen wurden in vielen Fällen bereits nach einmaligem Anbau einer Sommerung bemerkenswerte ackerbauliche Vorteile beobachtet. Diese können grundsätzlich bei einer dauerhaften Auflockerung der Fruchtfolge noch weiter führen: Unter anderem unterbricht die Sommerung Infektionszyklen vieler Pathogene. Problemunkräuter wie Ackerfuchsschwanz, Trespe oder Kerbel lassen sich direkt oder indirekt besser regulieren. Sommergerste und Hafer zeigen aufgrund ihrer meist zügigen Jugendentwicklung darüber hinaus eine teils beeindruckende Unkrautunterdrückung und können so gezielt auf Problemstandorten angebaut werden.

Zudem wurden bereits damals die erheblich niedrigeren Pflanzenschutz-, Düngungs- und Arbeitserledigungskosten registriert, welche natürlich in der jetzigen Marktkonstellation noch einmal deutlich stärker zum Tragen kommen. Letztendlich konnte so bei vielen das Know-how im Hinblick auf die Anbauverfahren und auch auf die spezifische Standorteignung der genannten Kulturen aufgefrischt werden. Da z. B. sämtliche Körnerleguminosen negativ auf Wassermangel und Hitze in Blüte und Abreife reagieren, sind sie für Standorte, wo dies häufiger auftritt, grundsätzlich weniger geeignet, wenngleich es hierbei gewisse Unterschiede zwischen den Fruchtarten gibt (Erbse vs. Ackerbohne).


Fazit

Sonnenblumen, Sommergetreide, Körnerleguminosen und letztlich auch Körnermais sind in vielen Fällen echte Alternativen und gerade unter den jetzigen Marktvoraussetzungen mehr als nur Lückenfüller. Wesentlich für gute betriebswirtschaftliche Ergebnisse sind neben der gezielten Bestandesführung vor allem eine durchdachte Vermarktung.

Die oftmals geringeren Marktleistungen der Sommerungen müssen durch Einsparungen beim Betriebsmitteleinsatz und durch positive Vorfrucht- bzw. Fruchtfolgeeffekte ausgeglichen werden. In jedem Fall sollten die angebauten Kulturen zum Standort und zur Betriebsstruktur passen. Etwaige Förderprogramme oder politische Anreize können die Anbauwürdigkeit zwar verbessern, strukturelle Probleme bezüglich Anbau und Vermarktung können sie aber meist nicht ausgleichen.

Fotos: Deike, Saaten-Union, Norddeutsche Pflanzenzucht


Schnell gelesen (Kurzfassung):

Getreide- und Ölfrüchte weisen daher unter den derzeitigen Gegebenheiten eine hohe Vorzüglichkeit auf. Dabei rückt auch und vor allem der Sonnenblumenanbau infolge der besonderen Marktstellung der Ukraine als größtes Exportland in den Fokus. Im Gegensatz dazu treten andere wichtige Fruchtfolgeglieder – z.  B. Silomais für die Biogasnutzung oder die Zuckerrübe, – die weniger starke Preisanstiege zeigen, kurzfristig eher in den Hintergrund. Aufgrund der stark gestiegenen Preise bei Dünge- und Pflanzenschutzmitteln, Diesel sowie Maschinenkosten erscheint für viele zudem der Ausbau von Kulturen mit geringerem Faktoreinsatz interessant.

Sonnenblumen, Sommergetreide, Körnerleguminosen und letztlich auch Körnermais sind in vielen Fällen echte Alternativen und gerade unter den jetzigen Marktvoraussetzungen mehr als nur Lückenfüller. Die oftmals geringeren Marktleistungen der Sommerungen müssen durch Einsparungen beim Betriebsmitteleinsatz und durch positive Vorfrucht- bzw. Fruchtfolgeeffekte ausgeglichen werden.  Für gute betriebswirtschaftliche Ergebnisse ist jedoch vor allem eine durchdachte Vermarktung maßgeblich.

In jedem Fall sollten die angebauten Kulturen zum Standort und zur Betriebsstruktur passen. Etwaige Förderprogramme oder politische Anreize können die Anbauwürdigkeit zwar verbessern, strukturelle Probleme bezüglich Anbau und Vermarktung können sie aber meist nicht ausgleichen.