Ökologischer Landbau: Geliebt oder gehasst – Erbsen bzw. Ackerbohnen im Gemenge

Ökologischer Landbau: Geliebt oder gehasst – Erbsen bzw. Ackerbohnen im Gemenge

Beim Gemengeanbau von Körnerleguminosen gehen die Meinungen sehr weit auseinander: Denn der gemeinsame Anbau von Körnerleguminosen mit Gemengepartnern birgt neben vielen Vorteilen auch eine Reihe kritischer Punkte. Jonathan Kern, Bioland Ackerbauberatung Baden-Württemberg, gibt einen Überblick.

Die Natur kennt keine Monokulturen – das ist Allgemeinwissen. Und trotzdem ist oft schon nach der ersten schlechten Erfahrung mit dem Gemengeanbau das Urteil final gefällt. In der Tat gehört beim Gemengeanbau von Körnerleguminosen ein bisschen Fingerspitzengefühl und auch Geduld dazu: Denn hier kommt besonders der Leitsatz „kein Jahr ist wie das andere“ zum Tragen. Und genau deshalb aber kann der Gemengeanbau punkten!


Gemenge Winterweizen/Winterackerbohne (Bild Ruhnke)
Gemenge Winterweizen/Winterackerbohne (Bild Ruhnke)
Bessere Klimaresilienz, Beikrautunterdrückung, Standfestigkeit …

Der Mischanbau bringt gerade in Zeiten zunehmender Wetterextreme den Vorteil einer Risikoabsicherung und damit einer direkt verbundenen Klimaresilienz, da das Anbaurisiko bei Erbse und Ackerbohne im Gemenge sinkt.

Gemenge aus Wintererbse und Wintergerste
Gemenge aus Wintererbse und Wintergerste
Ein gut aufeinander abgestimmtes Gemenge hat die Möglichkeit, die Wachstumsfaktoren Licht und Wasser besser auszunutzen, mehr Blattfläche zu entwickeln und dadurch gleichzeitig eine frühere und insgesamt bessere Beikrautunterdrückung zu erzielen. Der Anbau von Erbse oder Bohne mit Getreide als Stützfrucht erhöht die Standfestigkeit und macht ersten Untersuchungen zufolge die Bestände durch eine Erhöhung des C/N-Verhältnisses unattraktiver für saugende Schädlinge wie Läuse.


Doch bei all diesen Vorteilen gibt es auch „Knackpunkte“, auf die man reagieren muss, damit der Anbau gelingt.

1. Zusammensetzung: Nicht jeder Mischungspartner passt!

Bei der Wahl der Gemengepartner müssen einige Faktoren berücksichtigt werden, damit die oben genannten Vorteile auch zum Tragen kommen:

  • ähnliche Saatzeit – gleiche Abreifezeit
    – Vermeiden von Nachtrocknen ganzer Partien wegen eines unreifen Gemengepartners
  • ähnliche Standortansprüche bzgl. pH-Wert, Bodenfeuchte, Bodenart, Niederschlagsverteilung zur Blüte der Leguminosen
  • Standfestigkeit von Leguminose und Partner

Am häufigsten werden Sommererbsen bzw. Sommerackerbohnen im Gemenge angebaut, aber auch Linsen und Sommerwicken haben sich mit Stützfrucht bewährt. Eine äußerst beliebte Kombination ist der gemeinsame Anbau von Wintertriticale mit Wintererbsen, und – wo es der Standort zulässt – auch immer häufiger Triticale oder Weizen mit Winterackerbohnen.

Silage aus Ackerbohnen-Hafer-Gemenge (Bild Boenisch)
Silage aus Ackerbohnen-Hafer-Gemenge (Bild Boenisch)
Wenn die Wahl der Gemengepartner getroffen wurde, ist es nicht minder wichtig, die richtige Mischungszusammensetzung zu finden. Das hängt zum einen von der Anzahl der Gemengepartner (in der Regel zwei) und von der Zielzusammensetzung im Erntegut ab. Sollen Erbsen geerntet und der Gemengepartner nur als Stützfrucht/Absicherung dienen, dann muss das bereits bei der Aussaat entsprechend berücksichtigt werden.

Damit kommt die Frage auf, ob es sich um ein sogenanntes additives oder substitutives Gemenge handelt. Beim erstgenannten wird auf die Reinsaatstärke des Haupt-Gemengepartners (meistens die Körnerleguminose) einfach noch 20–30 % der Reinsaatstärke eines Getreides beigemischt. So zum Beispiel kann der Ackerbohne 30–40 kg/ha Hafer beigemischt werden oder der Erbse entsprechend 30–40 kg Sommergerste. Da die Zusammensetzung bei der Aussaat und die im Erntegut jedoch standortabhängig stark variieren kann, muss man sich an das passende Verhältnis herantasten (Tab. 1).


2. Aussaat: Den richtigen Kompromiss finden

Gerade bei Körnerleguminosen im Gemenge stellt die gemeinsame Aussaat häufig einen Kompromiss dar. Einerseits gibt es unterschiedliche Ansprüche an die Saattiefe von Erbse und Bohne im Vergleich zum Getreide. Andererseits besteht auch die Gefahr des Entmischens der unterschiedlich großen Samen im Saattank. Um eine gesonderte zweite Überfahrt zu vermeiden, wird die Leguminose i. d. R. etwas flacher, der Getreidepartner 4–6 cm etwas tiefer gesät. Auch hat es sich bewährt, die Saatmenge portionsweise in den Saattank zu geben, um das Risiko des Entmischens zu reduzieren.

Auch technische Neuerungen bei der Saattechnik helfen, solche Probleme zu reduzieren. Drillmaschinen mit mehreren Saattanks und zum Teil unterschiedlichen Ablagetiefen vereinfachen die Aussaat ungemein. Auf diese Art und Weise können nicht nur verschiedene Saatpartner gemeinsam ausgesät werden, sondern die unterschiedliche Beschickung von Säscharen/Auslässen erweitert zudem die Möglichkeiten des Gemengeanbaus. So können die einzelnen Partner in separaten Reihen oder sogar Doppelreihen nebeneinander ausgesät werden, um gerade in der Anfangsentwicklung Konkurrenzsituationen zu vermeiden. Wenn dann noch georeferenziert zeitlich versetzt gesät werden kann, ist z. B. die Einsaat von Soja in die Zwischenreihen von in weiten Reihen gesätem abreifendem Weizen möglich (Relay Intercropping). Nach dessen Ernte kann sie dann „durchstarten“. Auf diese Weise wird die Vegetationszeit geschickt verlängert und für zwei Hauptfrüchte genutzt.


3. Vermarktung: Der eigene Trog ist die wirtschaftlichste Alternative

Laut Untersuchungen des Thünen-Institutes für ökologischen Landbau ist der Ernteertrag im Gemenge häufig höher als der Reinsaatertrag, der Rohproteinertrag jedoch vergleichbar. Die oftmals von Jahr zu Jahr schwankende Zusammensetzung des Erntegutes erschwert allerdings die Rationsplanung bei Monogastriern. Das Trennen einer kleinen Referenzmenge gibt dabei einen guten Anhaltspunkt für die Wertigkeit.

Dasselbe Problem sorgt auch für Schwierigkeiten bei der Vermarktung an Futtermühlen. Manche Verarbeiter haben sich auf einzelne Gemenge eingestellt und trennen diese vorab. So können sie zum einen besser damit arbeiten, zum anderen erleichtert das Trennen die Abrechnung, da höhere Leguminosengehalte im Erntegut lukrativer sind als getreidestarke Partien. Die allerbeste Verwertung von Gemengen mit Körnerleguminosen ist jedoch immer noch die über den eigenen Trog oder die direkte Vermarkung an viehhaltende Betriebe.


Fazit

Der erfolgreiche Anbau von Körnerleguminosen im Gemenge steht und fällt zunächst mit der Wahl der Mischungspartner. Bei der Aussaat müssen Kompromisse eingegangen werden und die Vermarktung ist komplizierter. Jedoch bringt Gemengeanbau mehr Anbausicherheit hinsichtlich Klimastabilität, eine bessere Standfestigkeit der Leguminose, weniger Schaden durch Krankheiten und Insekten und mehr Vielfalt. Daher kann diese Anbauform auch im konventionellen Bereich besonders für Selbstverwerter sehr interessant sein.

Fotos: Jonathan Kern, Stephan Gehrendes