Pflanzenproduktion im Klimawandel IV: Erntequalität im Klimawandel
Pflanzenproduktion im Klimawandel IV: Erntequalität im Klimawandel

Zunehmende Witterungsextreme bestimmen den Pflanzenbau. Was bedeutet das für die Erntebeschaffenheit? Müssen wir zukünftig mit schlechterer Kornausbildung und Verwertungsqualität rechnen? Die Analyse der letzten Jahre ergibt ein differenziertes Bild für die verschiedenen Qualitätskriterien und Fruchtarten!

Schnell gelesen (Kurzfassung):

Pflanzenproduktion im Klimawandel IV: Erntequalität im Klimawandel

Der Zeitpunkt einer Trockenperiode ist mit Blick auf die Qualität entscheidend. Bei früh einsetzendem Trockenstress werden von vorneherein weniger Körner angelegt. Diese wenigen Körner können dann noch gut mit Assimilaten versorgt werden. Wenn aber der Trockenstress nach der Kornanlage einsetzt, können die bereits zahlreich angelegten Körner nicht ausreichend versorgt werden. Dürrestress während des Produktionswachstums führt folglich zu weniger bauchigen Körnern. Ähnlich verhält es sich hinsichtlich der Ölgehalte beim Raps: Hier führt späte Trockenheit bei zahlreich angelegten Körnern zu geringen Ölgehalten.

Hitze während der Kornfüllung beeinflusst zwar das Stärke/Kleber-Netzwerk der Teige aus Weizenmehl. Jedoch sind die Backeigenschaften als Gesamtkomplex entscheidend. Diese waren in den untersuchten Dürrejahren nicht beeinträchtigt, trotz teilweise geringerer Wasseraufnahme.

Während die Stärkequalität des Weizens in der Regel nicht durch Hitze leidet, sieht dies bei Roggen anders aus. Bei Brotroggen ist die sehr geringe Enzymaktivität in trockenwarmen Jahren problematisch. Sehr hohe Amylogrammwerte und Verkleisterungstemperaturen führen zu Problemen bei der Verarbeitung, v. a. zu geringerer Wasseraufnahme und damit zu trockener Brotkrume mit kürzerer Frischhaltung. Zuchtziel ist deshalb nicht eine hohe, sondern eine möglichst stabile Fallzahlausprägung.

Von trocken-heißer Witterung profitiert der Hartweizen, denn die gewünschte Glasigkeit wird so begünstigt. Auch die Neigung zu Dunkelfleckigkeit verringert sich.

Hinsichtlich der Mykotoxingehalte ist der Zeitpunkt der Niederschläge wichtiger als deren absolute Menge. Doch Mutterkornbefall wird bei weitem nicht nur durch eine verregnete Blüte begünstigt, sondern ebenso durch Zwiewuchs.

Mais leidet besonders dann, wenn die Hitze währen der Blüte stattfindet und die Narbenfäden vertrocknen. Die Folge sind kleine, schlecht besetzte Kolben und eine verringerte Siloqualität mit geringen Stärkegehalten jedoch höheren Zuckergehalten.

Die Erfahrung der letzten zehn Jahre zeigt, dass die negativen Auswirkungen des Klimawandels auf die Produktqualität geringer sind als die auf die Ertragsleistung. Anfällig gegen Dürre sind äußere Qualitätskriterien wie Hektolitergewicht. Allerdings ist das Hektolitergewicht in einem großen Bereich mittlerer Ausprägung nicht mit der Verwertungsqualität korreliert. Vor diesem Hintergrund sind die Qualitätsanforderungen zukünftig flexibler den tatsächlichen Erfordernissen anzupassen, um die Marktversorgung auch in trockenen Jahren sicher zu stellen.