Speisesoja – eine Anbaualternative?

Speisesoja – eine Anbaualternative?

Letztes Jahr gaben rund 6,5 Mio. Menschen hierzulande an, sich vegetarisch zu ernähren, das sind ca. 8,2 % der Bevölkerung. 1,3 Mio. Menschen ernähren sich sogar rein pflanzlich. Wer sich so ernährt, braucht alternative Eiweißquellen und findet sie in Leguminosen wie Soja, Bohnen, Erbsen und Co.

Immer mehr Menschen entscheiden sich für eine bewusste und umweltfreundliche Ernährung.

Wichtiges zu Speisesoja

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Soja ist die Grobleguminose mit dem ernährungsphysiologisch wertvollsten Eiweiß. Mit 36–46 % Rohproteingehalt in der Bohne stellt sie eine prädestinierte Eiweißquelle für die Lebensmittelherstellung dar. Zudem liefert die Sojabohne mit 20 % Ölgehalt auch wertvolles Öl. Sojaöl ist wegen seines hohen Rauchpunktes und des hohen Anteils an ungesättigten Fettsäuren (Omega-3 und Omega-6) sehr gesund und kann vielseitig verwendet werden.

Die Sojabohne hat einen hohen Wärme- und Sonneneinstrahlungsbedarf während der gesamten Vegetation. In Deutschland liegt der Anbauschwerpunkt daher in Süddeutschland, aber auch in den nördlicheren Bundesländern steigt die Anbaufläche.


Heimisch erzeugte Soja fließt in erster Linie in die Tierfütterung und der kleinere Teil in die nationale Lebensmittelproduktion. Hier ist Speisesoja aus Bioproduktion zunehmend gefragter. Wirtschaftlich gesehen ist Speisesoja mit Ökoqualität sehr lukrativ, denn der Abnehmerpreis ist bis zu doppelt so hoch wie der von konventioneller Futtersoja. In Deutschland werden aus Soja vor allem Milchersatz, Soße, Tofu, Snacks, Edamame, Miso, Tempeh, Natto, Getränke, Mehl und Flocken hergestellt. Da Produktionsweisen je nach Produkt und Hersteller sehr stark differieren, unterscheiden sich die Anforderungen an Speisesoja je nach Produkt auch.


Nichtsdestotrotz kann man die allgemeingültigen Qualitätsanforderungen an Speisesoja wie folgt zusammenfassen:

  • Unter Umständen wird der Anbau bestimmter Sorten vorgeschrieben.
  • Feuchtigkeit: 11,5–13,5 % Wasser (keine Trocknung mit der Abwärme von Biogasanlagen)
  • Rohproteingehalt in der Trockenmasse: mind. 40 %
  • 99,9 % Reinheit
  • mind. 4,5 mm Korndurchmesser
  • typische und helle Farbe der Schale
  • frei von: gentechnisch veränderten Organismen, toten und lebenden Tieren, Steinen und Erde

Bei der Sortenwahl wird vorrangig auf die Eigenschaften Proteingehalt (42–46 %), Aminosäurezusammensetzung, Kornertrag und helle Nabelfarbe Wert gelegt.


Im Bioanbau kommen dann noch weitere wichtige Sorteneigenschaften hinzu:

  • rasche Jugendentwicklung
  • hohe Verzweigungsneigung
  • hoher Blattflächenindex

Soja ist eine Anbaualternative für jeden reinen Ackerbaubetrieb und kann als Hülsenfrucht eine Bereicherung für die Fruchtfolge darstellen. Für die Ökobetriebe, die Möglichkeit und Erfahrung in der mechanischen Unkrautregulierung haben, gilt Speisesoja als profitable und beinah unverzichtbare Kultur.

Dr. Olena Sobko




Biosoja: Niedersachsen ist nicht Süddeutschland!

Schaut man sich die Eignungskarte für Sojaanbau an (http://geoportal.julius-kuehn.de/#/dashboard), dann gehört der Kreis Lüchow-Dannenberg in Niedersachsen nicht zu den Gunstregionen für diese Kultur. Trotzdem engagieren sich dort Biobetriebe für die Sojabohne. Dazu gehört Fritz Pothmer, dessen Betrieb seit 1994 biologisch bewirtschaftet wird, und Michael Cordts, der seinen Betrieb 2012 umgestellt hat. Beide sind Bioland-Verbandsmitglieder.


Erzeugergemeinschaft ist in Gründung

Mit weiteren 19 Betrieben aus Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg wollen sie eine Bio-sojabohnen-Erzeugergemeinschaft gründen: Ziel ist es, sich gegenseitig bei Anbau und Vermarktung zu unterstützen, Erfahrungen auszutauschen und beim Einkauf von Saatgut und Betriebsmitteln über die Menge günstige Konditionen zu vermitteln. Eine solche Zusammenarbeit ist schon deshalb vorteilhaft, weil es im Nordosten Deutschlands bei weitem nicht so gut eingespielte Marktstrukturen gibt wie in Süddeutschland. Auch die Anbauerfahrungen aus Süddeutschland lassen sich hier nicht unbedingt übertragen!


Fritz Pothmer
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Hohes Risiko begrenzen: Triebkraft ist entscheidend

„Die Erträge hier sind extrem schwankend“, sind die Erfahrungen von Fritz Pothmer“. In halbwegs normalen Jahren liegen die Erträge der Biosoja bei 20–30 dt/ha, in guten Jahren mit ausreichend Niederschlägen in der kritischen Wachstumsphase auch schon darüber. Auf leichten Standorten ohne Beregnung ist aber auch schon mal eine Null-Runde drin, wenn es richtig an Wasser fehlt.“

Um das hohe Produktionsrisiko zu begrenzen, muss alles getan werden, einen gleichmäßigen Sojabestand zu erreichen. „Die Triebkraft ist das Entscheidendste beim Saatgut – sie ist ebenso wichtig wie die Keimfähigkeit. Mit einer guten Triebkraft und einer gleichmäßigen Saatgutablage ist schon viel erreicht. Denn in gleichmäßigen, kräftigen Beständen lassen sich auch Striegel und Hacke effektiver und mit weniger Stress für die Soja-Pflanzen einsetzen“, hat Michael Cordts über Jahre beobachtet. Das Saatgut hat also nach diesen Erfahrungen einen wesentlichen Einfluss.

Und da die Saatgutqualität so extrem wichtig ist, empfiehlt die Gemeinschaft, immer mehr Saatgut als benötigt wird zu bestellen. Die Triebkraft der Saatgutpartien wird im Labor und eigenen Kontrollen untersucht und gegebenenfalls unzureichende Partien zurückgegeben. Der Grund: Eine im Herbst mit 98 % anerkannte Partie kann über Winter stark an Triebkraft verlieren. Bei etwa 35 % der von Fritz Pothmer angebauten Z-Saatgutpartien hat er einen starken Rückgang der Triebkraft beobachtet. Beide halten daher eine Überarbeitung der Standards für das Z-Saatgut der Sojabohne für dringend notwendig, denn in der jetzigen Situation gäbe der Z-Saatgutstandard bei Soja keine verlässliche Aussage über die tatsächliche Saatgutqualität.


Mit Soja einfachere Fruchtfolgeplanung

In den Fruchtfolgen der Landwirte finden sich auch Ackerbohnen und Futtererbsen. Der wesentliche Vorteil der Sojabohne ist ihre Selbstverträglichkeit. Alle vier Jahre eine Leguminose zu platzieren, ist mit Soja in der Fruchtfolge kein Problem. Soja steht in der Fruchtfolge nach Starkzehrern wie Mais oder Getreide. Soja wird grundsätzlich geimpft und erst bei ausreichend hohen Bodentemperaturen gesät, um das Auflaufen nicht „auszubremsen“.

Besonders auf den leichten Standorten ist die Möglichkeit zur Beregnung eine obligatorische Ertragsversicherung. Kalte Standorte sind für Soja nicht gut geeignet. Mal abgesehen von einem verzögerten Jugendwachstum bei zu niedrigen Temperaturen, reagieren die hier geeigneten Speisesojasorten besonders zur Blüte beim Hülsenansatz sehr empfindlich auf Temperaturen unter 8 Grad Celsius.


Michael Cordts
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Flexible Vermarktung

„Im Gegensatz zu anderen Regionen ist hier Vertragsanbau von Biospeisesoja nicht der Standard, der Markt ist also sehr flexibel. Auch wir bauen in unserer Gruppe kaum im Vertrag an. Wir beproben unsere Ernte selbst und wenn die Partien die Anforderungen der Verarbeiter erfüllen – z. B. 40–42 % Rohprotein – gibt es gute Absatzmöglichkeiten. Denn die Nachfrage nach Biospeisesoja ist absolut gegeben. Notfalls kann aber auch auf andere Händler ausgewichen werden“, erläutert Pothmer die Vermarktung. Der Anbau ohne Vertrag hat für den Absatz weitere Vorteile: „Wenn es keine Verträge gibt, bleiben wir flexibel und geraten nicht unter Druck, wenn das z. B. das Wetter eine ausreichende Speisequalität nicht überall zulässt. Dann ist es halt gut für die Bioland-Futterproduzenten, die dann eine immer noch gute Futtersoja bekommen.“ Fritz Pothmer fügt hinzu: „Einige unserer Betriebe verfüttern die Soja dann auch selbst. Bei ungünstigeren Lagen und Anbauverhältnissen wird von Anfang Futtersoja einkalkuliert.“

Die Wunschsorte der Zukunft muss nach Angaben der beiden Landwirte kältetolerant sein und eine gute und schnelle Jugendentwicklung haben. Zudem muss sie rechtzeitig abreifen und trotzdem ertragsstark und -sicher sein und natürlich die geforderten Qualitäten bringen.

Maik Seefeldt