Hybridroggen: So produziert man in Polen und Tschechien

Hybridroggen: So produziert man in Polen und Tschechien

Nicht nur in Deutschland steigen die Anbauflächen für Winterroggen. Wir wollten von europäischen Landwirten wissen, worin sie die Vorteile speziell im Hybridroggen sehen. Im ersten Teil unserer neuen Serie geben wir Einblicke in verschiedenste Betriebe. Paul Schmieja, internationaler Produktmanager für Hybridroggen, berichtet aus Polen und Tschechien.

Polen

Für Jakub Leśniak sind die Bodenbedingungen ein maßgeblicher Grund für den Hybridroggenanbau: „Da ich in einer Region mit in den entscheidenden Monaten ungünstigen Witterungsbedingungen lebe und nur schwache oder sehr schwache Böden habe, kann mir Populationsroggen keinen Profit garantieren.“ Er bewirtschaftet einen 210 ha großen Betrieb in der Region Großpolen. Auf den sandigen Flächen der Kategorien 4–6 (polnische Bodenkategorisierung; 1: sehr gut; 3: mittel; 6: sehr schlecht; Anm. d. Red.) baut er Winter- und Sommergetreide, Mais sowie Futtergras an. Darüber hinaus hält er eine Milchviehherde sowie Mastbullen. Diese füttert er ausschließlich mit Mais- und Grassilage sowie vermahlenem Getreide u. a. auch Körnerroggen aus betriebseigenem Anbau. Sandige und saure Böden, wie auf Leśniaks Betrieb, kommen auf zwei Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche Polens vor.

In Polen wirtschaften aktuell rund 1,41 Mio. Betriebe auf einer Fläche von 14,5 Mio. Hektar. Im Gegensatz zu vielen anderen osteuropäischen Ländern sind die Betriebsgrößen aufgrund der ausgebliebenen Kollektivierung zu Zeiten der Sowjetunion mit annähernd 11 ha relativ klein.



Hybridroggen reagiert weniger ausgeprägt auf Wasserdefizit als Populationsroggen

„Die Durchschnittstemperaturen sind niedriger als in anderen Regionen und auch die Niederschläge sind auf einem sehr niedrigen Level“, beschreibt Leśniak das Klima auf seinem Standort. Der maximale Jahresniederschlag liegt mit 550 mm mehr als 100 mm unter dem Landesschnitt. Polen gehört damit zu den Staaten mit der geringsten natürlichen Wasserverfügbarkeit in der gesamten EU.

Auf den schwachen Böden lege er den Fokus bei der Sortenwahl auf Sorten, die mit diesen trockenen Bedingungen umgehen können und eine frühe Abreife aufweisen, um den trockenen Frühsommern zu entkommen.Hybridroggen ermögliche ihm unter den regionalen Anbaubedingungen eine sichere und überdurchschnittliche Ernte, die im Mittel bei 50 bis 60 dt/ha liegt. Den Hybridroggen drillt er mit 200 Körnern/m2 zu normalen Saatzeiten zwischen dem 20. und 30. September. Auch spätere Saatzeitpunkte stellen kein Problem dar. Mit einer Anhebung der Saatstärke um 20–30 Körnern je m2 lassen sich nach seiner Erfahrung auch dann gute Bestände etablieren. „Ein gutes Beispiel ist dieses Jahr. Obwohl ich den Hybridroggen nach Körnermais Ende Oktober gedrillt habe, waren die Pflanzen in der Lage, sich vor dem Winter gut zu etablieren und 5–6 starke, gut aussehende Triebe zu bilden.“ Die Saatzeitflexibilität erlaube ihm eine höhere „Elastizität“ in der zukünftigen Planung seiner Fruchtfolgen, um die Arbeiten im Herbst besser zu managen. „Zweifellos ist ein Vorteil von Hybridroggen, dass er besser mit Frühjahrstrockenheit umgehen kann. Hybridroggen reagiert zum Beispiel im Vergleich zu Populationsroggen später auf Wasserdefizite und ist weniger anfällig für Blütenreduktion und geringes TKG“, hat der Landwirt beobachtet.


Anbauflächenentwicklung
Preview
Anbauflächenentwicklung


Diese Vorteile scheinen auch bei anderen Landwirten in Polen angekommen zu sein. So stieg die Anbaufläche für Winterroggen in den vergangenen Jahren kontinuierlich an, ging jedoch aufgrund der schlechten Erzeugerpreise zur vergangenen Aussaat leicht zurück.

Die vorwiegend trockenen Bedingungen machen sich auch beim Krankheitsdruck bemerkbar. Bei sehr niedrigem Infektionsdruck wird zwei Mal präventiv mit einem Fungizid in BBCH 20–30 und BBCH 39 gespritzt. Wachstumsregler setzt Leśniak aufgrund der schwachen Böden nicht ein.

Zwar sieht er in höheren Saatgutkosten einen Nachteil, „diese werden durch (…) die höhere Krankheitsresistenz und einen viel höheren Ertrag, selbst unter ungünstigen Bedingungen, ausgeglichen.“


Tschechien

Auf rund 3,5 Mio. ha wirtschaften in Tschechien rund 23.000 Betriebe. Durch die Kollektivierung von Betrieben nach dem 2. Weltkrieg sind die Betriebsgrößen mit 152 ha pro Betrieb EU-weit in der Spitzengruppe. Auf meist steinigen Braunerden im Osten des Landes betreibt die Firma ZOD Tisek einen 1.300 ha großen Betrieb mit einer vielfältigen Fruchtfolge. Neben klassischen Kulturen wie Wintergerste (200 ha), Winterweizen (300 ha) und Winterraps (280 ha) werden auch kleinere Nischenkulturen wie Mohn (70 ha) und Sauerampfer (20 ha) angebaut. Weiter stehen 50 ha Winterroggen, 60 ha Sommergerste, 30 ha Hafer und 40 ha Klee in der Fruchtfolge. Klee und Sauerampfer werden siliert, der Mohn für den Einsatz in der Backindustrie vermarktet.


Auch bei extremer Trockenheit bringt Hybridroggen noch hohe Vergleichserträge.
Preview Auch bei extremer Trockenheit bringt Hybridroggen noch hohe Vergleichserträge.
Das Anforderungsprofil: trocken- und frosttolerant und ertragssicher

Neben einem hohen Ertrag und guten Resistenzeigenschaften achtet man hier bei der Sortenwahl auf eine hohe Trocken- und Frosttoleranz. ZOD Tisek setzt im Roggenanbau ausschließlich auf SU PERFORMER, da dieser nach Angaben des Betriebsleiters aufgrund seiner guten Blattgesundheit in Kombination mit einem hohen Ertrag perfekt in das betriebliche Anforderungsprofil passe. Bei einer Aussaatstärke von 200 Körner/m2 dresche man rund 70 dt/ha. Um den feuchten Herbst für eine gute Etablierung des Bestandes voll ausnutzen, strebe man eine frühe Aussaat an.

Nach den Gründen für die Entscheidung zum Hybridroggenanbau gefragt, verweist der Betrieb auf die vergangenen, sehr trockenen Jahre. Die Vorteile lägen in der Kombination aus hoher Stresstoleranz und hohem Ertrag, den geringen Saatgutmengen sowie einem niedrigen Pflanzenschutzmitteleinsatz. So reichen eine Wachstumsregler- und eine Fungizidmaßnahme aus. Enttäuschend zeigt man sich jedoch von den aktuellen niedrigen Roggenpreisen.

Für die Agrargenossenschaft Kožichovice in Tschechien spielen die Erzeugerpreise keine Rolle. Auf sandigen Böden bewirtschaftet die Genossenschaft 2.096 ha mit 30 % Winterweizen, 12 % Winterraps, 8 % Wintergerste, 20 % Mais, 8 % Roggen und Futterpflanzen. Ein kleiner Teil des Hybridroggens wird als Grünschnittroggen geerntet, um die Aussaat einer Sommerung zu ermöglichen, während der Rest der Flächen bis zu Blüte verbleibt, anschließend siliert und entweder an die betriebseigene Milchkuhherde verfüttert oder in der angeschlossenen 637-kW-Biogasanlage verwertet wird.


300 dt/Frischmasse pro Hektar selbst in Trockenjahren

Von Relevanz für die Sortenentscheidung sei die Trockentoleranz sowie die Eignung für sandige Böden. Bei nur 490 mm durchschnittlichem Jahresniederschlag auf meist sandigen Böden sind diese Anforderungen nur allzu nachvollziehbar. Josef Kučera von der Genossenschaft schätzt den frühen Wachstumsbeginn des Hybridroggens und die optimale Ausnutzung der Frühjahrsfeuchtigkeit. Der Krankheitsdruck auf dem Betrieb sei so gering, dass man keine Fungizidmaßnahmen durchführen müsse. Eine Wachstumsreglermaßnahme mit CCC in BBCH 30–31 sei jedoch angebracht, um die Bestockung zu fördern und die Lageranfälligkeit zu minimieren. Bezüglich des Ertrags zeigt sich der Betriebsleiter voll zufrieden. Selbst in trockenen Jahren erzielen sie Erträge von mehr als 300 dt FM/ha.

In den Gesprächen wurde klar, dass auf allen Betrieben die Leistungsfähigkeit von Hybridroggen vor allem bei Trockenheit auf leichten Standorten geschätzt wird. Josef Kučera bringt es auf den Punkt: „Dank dieser guten Eigenschaften des Hybridroggens erzielen wir auch auf sandigen Böden gute Erträge, obwohl wir im Mai und Juni mit Dürre zu kämpfen haben.“