Onlineforen, Webinare, Onlintalks: das Ende der Präsenzveranstaltungen?

Onlineforen, Webinare, Onlintalks: das Ende der Präsenzveranstaltungen?

Die Corona-Pandemie hat die Welt vorerst noch fest im Griff. Neben vielen anderen Wirtschafts- und Berufszweigen ist die Veranstaltungsbranche stark betroffen. Auch in der Landwirtschaft wurden seit Monaten alle Veranstaltungen wie Messen und Feldtage abgesagt bzw. alternativ als Onlineformat angeboten. Wird dies die neue Realität? Trifft man sich zukünftig nur noch virtuell?

Die Saaten-Union hat unter den 482 Teilnehmenden ihres erfolgreichen Online-Pflanzenbauforums „praxisdialog.agrar“ nachgefragt.

Obwohl zahlreiche Online-Angebote derzeit den Markt fluten, werden sie – ein interessantes Programm vorausgesetzt – auch weiterhin gut besucht. Aktuell dienen sie als nahezu einzige Möglichkeit, mit Gleichgesinnten branchenweit in Kontakt zu treten. Doch was ist nach Corona? Unsere Umfrage bestätigt: 79 % der Befragten würden Online-Veranstaltung weiterhin nutzen, auch wenn Präsenzveranstaltung wieder möglich sind.


Verschiedene Online-Formate

In der Ausgestaltung unterscheiden sich die Online-Formate deutlich voneinander: Zum einen werden mehrstündige, meist kostenpflichtige Seminare angeboten, die ein Thema sehr detailliert aufarbeiten. Zum anderen gibt es eine Vielzahl an Online-Fachforen, wie beispielsweise der praxisdialog.agrar oder den Farm & Food Praxis-Talk, die kurzweilig über ein bis zwei Stunden mit mehreren Kurzvorträgen ein Thema von verschiedenen Seiten beleuchten. Bei beiden Formaten erhalten die Zuschauer die Möglichkeit, live in der Veranstaltung ihre Fragen persönlich an die Referenten oder via Chat zu stellen und sich auch direkt untereinander auszutauschen. Für die abgesagten Sommerfeldtage gibt es ebenfalls Alternativen: Viele Pflanzenzüchter und Agrarhändler bieten Online Live-Feldtage sowie 360-Grad-Darstellungen des Feldtagsgeländes an. Über interaktive Schaltflächen ist es möglich, die Flächen virtuell zu begehen und sich Sortenvorstellungen an der Parzelle anzusehen. Außerdem tummelt sich ein großes Angebot an Einzelvideos zu Sortenvorstellungen und Ackerbauhinweisen auf ihren Websites und Social-Media-Kanälen.


Sind die neuen Formate zukunftsfähig?

Wir haben die Teilnehmenden gefragt, welches dieser Formate zukünftig für sie von Interesse wäre, in Zeiten nach der Pandemie. Alle drei Formate haben hierbei gut abschnitten. Mit 44 % liegen die kurzweiligen Fachvortragsrunden vorn. Aber auch Webinare mit 30 % und digitale Feldrundgänge mit 26 % haben ihre Befürworter. Die Teilnehmenden hoben besonders die Flexibilität der Onlineangebote hervor. Veranstaltungen, die zuvor aufgrund einer zu weiten Anreise nicht wahrgenommen wurden, können jetzt problemlos und zeitsparend direkt aus dem heimischen Büro oder bequem vom Sofa aus besucht werden.

Doch was ist, wenn Präsenzveranstaltungen wieder möglich sind? Wenn wir uns wieder unbeschränkt und ohne Risiko auf Feldtagen und Tagungen treffen dürfen? Wird das digitale Angebot auch dann noch genutzt?

In der Umfrage befürworten 76 % ganz klar digitale fachliche Angebote, sehen sie aber nur als Ergänzung zu analogen Angeboten. Nur 13 % würden analoge Veranstaltungen vollständig durch digitale ersetzen. 11 % nutzen sie während der aktuellen Einschränkungen. Sobald es wieder Alternativen gibt, würden sie Präsenzveranstaltungen vorziehen.

„Ich wünsche mir die persönlichen Kontakte und Veranstaltungen zurück, da man sich viel besser unterhalten und sich mit anderen austauschen kann“, unterstützt ein Teilnehmer unser Ergebnis.


Umfrageergebnisse
Preview Umfrageergebnisse


„Einen Feldtag kann man nicht ins Wohnzimmer legen!“

Gerade die Landwirtschaft, die draußen in und mit der Natur arbeitet, lässt sich kaum in die digitale Welt übertragen. Es kann sich zwar wunderbar über fachliche Themen digital ausgetauscht werden, am Ende zählt jedoch der Eindruck der Pflanzen im Feld. Ein Teilnehmer meint dazu: „Ich brauche für meinen Betrieb Feldbegehungen und Sortendemonstrationen direkt vor Ort. Zudem schätze ich den Rat meines Fachberaters Munz. Einen Feldtag kann man nicht ins Wohnzimmer legen.“


Digital ja, aber nicht nur

Insgesamt können wir festhalten, dass die aktuellen Einschränkungen das Veranstaltungsangebot erweitert haben und neue Möglichkeiten bieten, die gut angenommen und auch in Zukunft weitergeführt und gern genutzt werden. Dennoch steht die Präsenzveranstaltung direkt am Feldrand weiterhin an erster Stelle. Der persönliche Austausch vor Ort ist durch keine Onlineveranstaltung zu ersetzen – aber gut zu ergänzen!

Wir jedenfalls freuen uns darauf, ohne gesundheitliche Risiken am realen Feld auch wieder reale Menschen treffen zu können und bei leckerem Barbecue die Feldabende ausklingen zu lassen.

Stefanie Rinne