Heimische Soja: Ein „Muss“ für regionale Wertschöpfungsketten

Andreas Bauer aus Kumhausen (Bayern) weiß seine Sojabohnen in vielerlei Hinsicht zu schätzen: als wertvolle Ackerkultur, als hochwertiges Hühnerfutter und als wichtiges Verkaufsargument. Nur auf den ersten Blick ist heimische Soja daher teurer als der Überseeimport.

Zusammen mit seiner Schwester, seinen Eltern und acht Teilzeitkräften bewirtschaftet Andreas Bauer seinen 60-Hektarbetrieb und hält rund 10.000 Legehennen in Boden- und Freilandhaltung. Auf den lehmigen und tonigen Lößböden wachsen die Futterkomponenten Körnermais, Winterweizen, Soja und auf wenigen Hektar auch Winterraps. Die Eier und Eiprodukte werden teilweise im Hofladen direkt vertrieben. Der unmittelbare Kontakt zu den Verbrauchern ist dem Landwirt sehr wichtig. Wie die Tiere gehalten und gefüttert werden, wird offen kommuniziert. „Ich stelle mich auch gerne den Fragen und versuche, unsere Arbeit ,verbrauchergerecht‘ zu erläutern. Aber das ist schon manchmal erschreckend, was da an Halbwissen irgendwo aufgeschnappt wurde“, sind seine Erfahrungen, die er mit vielen Berufskollegen teilt.


Diese Verbrauchernähe war auch ein wesentlicher Grund, warum er vor neun Jahren mit dem Sojaanbau begonnen hat. „Ich wollte weg von der Importsoja, ein Produkt, bei dem man ja auch nicht weiß, unter welchen Bedingungen es erzeugt wurde. Da hatte ich ein zunehmend schlechtes Bauchgefühl, und ich will auch keine gentechnisch veränderten Rohstoffe im Futter und auch nicht in Diskussionen über Rückstände hineingeraten.“ Das bayerische Förderprogramm KULAP unterstützte zudem den Anbau von Soja. Mit nur 10 Hektar Soja kann er allerdings seinen Bedarf nicht decken und muss in der Nachbarschaft zukaufen. Eine Ausweitung der Fläche ist nicht möglich, da sonst die Fläche für die organische Düngung mit Hühnerkot fehlt.

Andreas Bauer hält eine Anbaupause von vier Jahren ein, obwohl es in der Region aufgrund des geringen Anteils als der Gesamtackerfläche keinerlei Probleme mit Fruchtfolgeerkrankungen und -schädlingen in den Sojabeständen gibt.

Bei der Sortenwahl schaut Andreas Bauer auf die Reife: Für die Ernte Ende September kommen die 000-Sorten infrage und für Mitte Oktober sind die 00-Sorten die Wahl. Abhängig von der Reifegruppe können gute Erträge von durchschnittlich 35–40 dt/ha erzielt werden. Bei der Sortenwahl sind zudem die Eiweißgehalte und vor allem aber die Standfestigkeit wichtige Parameter.


Produktionstechnisch geringer Aufwand

Generell schätzt Bauer an Soja den insgesamt geringen Arbeitsaufwand. „Aufwendig ist nur die Saat. Wir impfen mit Rizoliq Top S und mischen in einem handelsüblichen Betonmischer, bis alles gut verteilt ist. Ganz wichtig ist es dann, die Fließeigenschaft wiederherzustellen, um Verklumpungen in der Sämaschine zu vermeiden. Daher geben wir ganz zum Schluss – erst, wenn alles gut gemischt ist – noch Urgesteinsmehl dazu.“

Auf das Impfen zu verzichten, kommt für ihn nicht infrage, denn um die Impfkosten zu kompensieren, braucht es lediglich einen Mehrertrag von 1–2 dt/ha: „Impfverzicht bedeutet ein hohes Risiko von Mindererträgen. Dieses Risiko will ich nicht eingehen, das ist es mir nicht wert“, stellt Bauer klar.

Eierautomat: Verbraucherservice rund um die Uhr
Eierautomat: Verbraucherservice rund um die Uhr
Auf dem Betrieb Bauer wird Soja nicht vor dem 20. April gesät, was erstens arbeitsorganisatorische Gründe hat, zweitens der Spätfrostgefahr geschuldet ist und drittens sind ansteigende Temperaturen nach der Aussaat von Vorteil. Zwar können junge Sojapflanzen auch kurzzeitig minus 3–5 °C überleben, aber viel kälter sollte es nicht werden. Die Ablagetiefe liegt bei 4–5 cm, die Reihenweite bei 15 cm und die Saatstärke bei 65 Kö/m². Andreas Bauer plant, im kommenden Jahr einen doppelten Reihenabstand auszuprobieren und dabei ein wenig mit der Bestandesdichte heruntergehen. Damit stünde den Pflanzen für die Seitentriebe mehr Raum zur Verfügung und die Saatgutkosten würden darüber hinaus leicht sinken. Unter 60 Kö/m² will er aber auf keinen Fall gehen.

Gegen die Leitunkräuter Gemeine Melde und Weißer Gänsefuß wird eine Herbizidbehandlung durchgeführt (0,2 l/ha Centium 36 CS und 2 kg/ha Artist) und zur Blüte werden Spurennährstoffe appliziert. Der Einsatz von Fungiziden in Soja ist nicht bzw. nur nach Sondergenehmigung zulässig. Die Ernte erfolgt mit dem örtlichen Lohnunternehmer, der ein Flexschneidwerk verwendet. Mit diesem spielt die Höhe des Hülsenansatzes der angebauten Sorte dann kaum noch eine Rolle, das Erntegut ist zudem weniger mit Erde verunreinigt.


„Das Wichtigste ist ein ordentliches Toasten.“

Aufbereitung und Lagerung sind im Prinzip mit dem Getreide vergleichbar. Das Toasten führt Bauer nicht selbst durch, sondern lagert es auf einen darauf spezialisierten Betrieb in der Region aus. „Wenn das Toasten nicht anständig durchgeführt wird, merkt man das schon nach wenigen Tagen an den Tieren: Es gibt Verdauungsprobleme, weil das nicht aufgespaltete Eiweiß nicht verarbeitet werden kann und die Tierleistung geht merklich zurück“, sind seine Erfahrungen. „Deshalb bin ich sehr froh, hier einen Betrieb zu haben, der das zuverlässig gut macht und zudem ausschließlich Soja aus der Region toastet.“

Die Einzelkomponenten – Soja, Mais, Hafer aus regionalem Zukauf, Malzkeime, Grünpellets und Vitaminmischung – werden aus dem Silo heraus nach einer Zerkleinerung in einem Mischer durchmengt. Eine 10-tägige Lagerung im Vorratssilo ist problemlos möglich.


Verbraucherkommunikation Eierhof Bauer; Zum Vergrößern bitte anklicken
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Heimische Soja gibt es nicht zum Nulltarif

Eine andere Eiweißalternative aus heimischem Anbau sieht Andreas Bauer zurzeit nicht. „Ackerbohnen halte ich für weniger gut geeignet, allenfalls vicin- und convicinarme Sorten. Aber auch diese haben kein Öl – Soja liefert das konzentriertere Futter. Mit Erbsen habe ich ackerbaulich keine guten Erfahrungen gemacht.“ Allerdings ist heimische Futtersoja nicht die günstigste Eiweißkomponente. Das weiß auch Andreas Bauer. Er schätzt, dass ihn die heimisch produzierte Soja insgesamt rd. 15 % mehr kostet als Sojaschrot aus Übersee, je nach Sojaweltmarktpreis. Jedoch sollte der reine Kostenfaktor nicht isoliert betrachtet werden, denn die "weichen Faktoren" sind es, die immer wichtiger werden.

Der Blick von Andreas Bauer geht deshalb über den reinen Vergleich zum Kaufpreis von Importsojaschrot deshalb hinaus. „Ich bin überzeugt, dass die Qualität der Eier im Vergleich zu früher eine bessere ist. Ich kann mich als kleiner Betrieb nur über eine konstant hohe Qualität gegenüber dem Wettbewerb behaupten. Zudem schätze ich Soja als Kulturart in der engen Fruchtfolge sehr. Sie steht nach Winterweizen – mit Senf als Zwischenfrucht – und hinterlässt einen lockeren Boden. Ihre Wurzeln sind stark und gutes „Futter“ für das Bodenleben. Und für die Düngebilanz ist Soja absolut von Vorteil, denn erstens benötigt sie keine Stickstoffdüngung und zweitens fährt man mehr Stickstoff pro Hektar ab, als durch die Knöllchenbakterien gebunden wurden.“


Ausblick

In Bayern steigt die Anbaufläche grobkörniger Leguminosen seit Jahren kontinuierlich an. Auffallend ist der „rasante Flächenzuwachs der Sojabohne ab 2016“ (LfL). Seit 2019 ist diese Kultur dort flächenstärkste grobkörnige Leguminose und es ist davon auszugehen, dass dies auch für 2021 gelten wird. Die Flächen von Andreas Bauer werden auch wieder dazu zählen.

Dr. Anke Boenisch und Olena Sobko