Winterackerbohnen: Nicht zu früh und nicht zu viel säen!

Die aktuellen Winterackerbohnensorten sind erheblich ertragreicher und winterfester als die bisherigen Sorten. Der Grundstein für den Anbauerfolg wird auch bei der Winterackerbohne schon bei der Aussaat gelegt. Jan Böse, Produktmanager für Leguminosen, beschreibt unter anderem die Auswirkungen von Saatzeit und Saatstärke auf den Ertrag.

Winterackerbohne
Winterackerbohne

Die aktuellen Winterackerbohnensorten sind erheblich ertragreicher und winterfester als die bisherigen Sorten. Der Grundstein für den Anbauerfolg wird auch bei der Winterackerbohne schon bei der Aussaat gelegt. Jan Böse, Produktmanager für Leguminosen, beschreibt unter anderem die Auswirkungen von Saatzeit und Saatstärke auf den Ertrag.

Die jüngst veröffentlichten Zahlen zum Anbauumfang von Körnerleguminosen in Deutschland zeigen erneut einen positiven Trend für Ackerbohnen und Futtererbsen. Eine verbesserte Bodenstruktur nach der Ernte der Leguminosen, geringere Düngeintensitäten und nicht zuletzt ein gestiegenes Interesse der aufnehmenden Hand sind Treiber des heimischen Anbaus von Eiweißpflanzen wie Ackerbohnen und Erbsen.


Winterackerbohnen: langjähriges Zuchtprogramm für mehr Gesundheit und Winterhärte

Neben den bewährten Sommerformen gibt es ein langjährig aktives Zuchtprogramm zu Winterackerbohnen, welches bei der Norddeutschen Pflanzenzucht in enger Kooperation mit der Universität Göttingen bearbeitet wird. Schwerpunkt in der Züchtungsarbeit ist die Selektion auf krankheitsresistente und winterharte Genotypen. Damit kann diese Kultur im Frühjahr die Bodenfeuchte gut ausnutzen, sodass es in Jahren mit trockenem Frühjahr weniger Probleme als bei der Sommerform gibt. Zudem räumt die Winterackerbohne früh das Feld. Ein entscheidender Faktor für den Ertrag sind bei der Winterackerbohne Saatzeitpunkt und Saatstärke.


Nicht zu früh säen

Der Aussaatzeitpunkt hängt maßgeblich von der Witterung und den Bodenbeschaffenheiten ab. Allgemein gilt, dass Winterleguminosen zu dem Zeitpunkt gedrillt werden sollten, an dem auch Winterweizen noch gut gedrillt werden kann. Eine zu frühe Aussaat birgt die Gefahr von Virusinfektionen im Herbst. Den Winterleguminosen sollte jedoch genügend Zeit bleiben, um vor Vegetationsende 4–6 Blattpaare auszubilden. Daraus ergeben sich Wuchshöhen zwischen 5 bis 15 cm vor Winter. Bei einer zu üppigen Vorwinterentwicklung besteht die Gefahr der Auswinterung.


Geringere Saatstärken

Winterackerbohnen sind sehr bestockungsfreudig, weshalb die Aussaatstärke deutlich unter der der Sommerform liegen kann. Wie sich die Interaktionen zwischen Aussaatzeitpunkt und Aussaatstärke bei Winterackerbohnen auswirken, ist anhand unserer Versuchsergebnisse aus dem letzten Anbaujahr (2018/19) am Standort Hohenlieth in den Abbildungen 1und 2 dargestellt.


Normalsaat; Abbildung zum Vergrößern bitte anklicken
Normalsaat; Abbildung zum Vergrößern bitte anklicken


Die Aussaatstärke von 25 Körner pro m2 gilt bei frühen Terminen als allgemeine Empfehlung und wurde hier daher = 100 % gesetzt (Abb. 1). Zu diesem normal bis frühem Saattermin brachte jede Erhöhung der Saatstärke Mehrerträge. Das Ertragsniveau liegt mit 25,84 dt/ha bei einer Aussaatstärke von 25 Körnern pro m2 jedoch auf einem niedrigen Level. Dies ist primär auf durch Blattläuse übertragene Virusinfektionen zurückzuführen. Die Virusüberträger, die Grüne und die Schwarze Blattlaus, waren zu diesem frühen Saatzeitpunkt noch sehr aktiv.


Ganz anders verhält es sich bei einer späteren Aussaat (Abb. 2). Hier ist das Ertragsniveau per se deutlich höher als bei der Normalsaat. In diesem Versuch wurde der Ertrag bei unserer empfohlenen Aussaatstärke von 30 Kö/m² = 100 % gesetzt, was 45,72 dt/ha entspricht. Alle davon abweichenden Saatstärken lieferten deutlich geringere Erträge. Im Gegensatz zur Normalsaat führte auch eine Erhöhung der Saatstärke nicht zu einer Verbesserung der Ertragsleistung, da der Konkurrenzdruck und auch der Lagerdruck zu stark wurden.


Spätsaat; Abbildung zum Vergrößern bitte anklicken
Spätsaat; Abbildung zum Vergrößern bitte anklicken


Dass der spätere Saattermin derartig deutliche positive Ertragseffekte hatte, lag daran, dass die spät gesäten Pflanzen einem deutlich geringeren Virusdruck ausgesetzt waren. Die Blattläuse bzw. die übertragenen Viruskrankheiten hatten deutlich geringere ertragliche Auswirkungen als bei dem frühen Termin. Der Aussaatzeitpunkt sollte jedoch auch nicht zu weit nach hinten gelegt werden. Ende Oktober, so die grobe Faustregel (regional abhängig), sollte die Bohne im Boden sein, damit sie noch vor Wintereintritt ausreichend Blattmasse bilden kann.

Diese Aussaatversuche wurden auch im vergangenen Herbst angelegt (1.10.2019 bzw. 29.10.2019). Derzeit präsentieren sich alle Winterleguminosen sehr gut im Feld.


Schnell gelesen (Kurzfassung):

Anbauversuche haben gezeigt: Nicht zu früh säen!

Der optimale Aussaatzeitpunkt hängt maßgeblich von der Witterung und den Bodenbeschaffenheiten ab. Einerseits birgt eine zu frühe Aussaat die Gefahr von Virusinfektionen im Herbst und steigert die Auswinterungsgefahr, weil die Pflanzen zu weit entwickelt in den Winter gehen. Andererseits müssen die Pflanzen noch genug Zeit bekommen, vor Vegetationsende 4–6 Blattpaare auszubilden.

Die Versuche zeigten: Bei frühen Aussaaten erwies sich unter norddeutschen Bedingungen 25 Kö/m² als eine zu geringe Saatstärke – höhere Saatstärken brachten deutlich höhere Erträge. Dies aufgrund der starken Virusinfektionen jedoch auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Bei späteren Terminen lag das Saatoptimum bei 30 Kö/m², das Ertragsniveau war insgesamt höher.