In der Versuchsstation Bayern der SAATEN-UNION ist viel Sojakompetenz gebündelt. Schon seit 2012 werden hier im tertiären Hügelland des südbayerischen Landkreis Freising unter anderem Sortenversuche mit dieser Kultur gemacht. Daniela Grill managt diese Versuche seit Jahren und lässt die praxisnah einen Blick hinter die Kulissen werfen.
Die Station wurde 1992 in Moosburg gegründet. Da sich der Standort aufgrund seiner homogenen Böden perfekt für Feldversuche jeglicher Art eignet. Von anfänglich 2.200 Parzellen, gewachsen auf 20 ha, bewirtschaftet die Station derzeit 337 ha ackerbaulich, davon sind 130 ha reine Versuchsfläche mit über 45.000 Parzellen. Sortenversuche in den unterschiedlichsten Kulturen für Züchterhäuser der SAATEN-UNION sowie für Dritte, Versuche für das Deutsche Maiskomitee, für die Pflanzenschutz- und Düngemittelindustrie sowie für Universitäten und das Bundessortenamt als Wertprüfungsstandort werden in Moosburg durchgeführt.
23 Jahre Erfahrung in Sachen Soja
Seit 2012 werden Sojasorten in Moosburg vermehrt und Sortenversuche mit der Sojabohne durchgeführt. Damals war Sojaanbau in Deutschland noch ein wenig beschriebenes, weißes Blatt Papier und man musste sich auch hier langsam an die Kultur herantasten. Gleich zu Beginn wurde klar, dass das Thema Reifegruppen eine echte Herausforderung darstellte – bei nahezu allen Versuchsfragen. Da die Sorten in ihrer Reife oft mehrere Tage und länger auseinanderliegen, müssen die Versuchsblöcke/Parzellen für eine Vergleichbarkeit auch zu unterschiedlichen Zeitpunkten geerntet werden. Von den anfänglich chaotischen Reifeeinteilungen hat sich in den letzten Jahren viel in die Einteilung einheitlicher Reifegruppen bewegt. Zu Beginn standen 00er mit 000er und 0000er in einem Reifeblock.
Solche krassen Beobachtungen sind nur noch selten der Fall, können dennoch vorkommen, wenn man die Reifegruppen seiner „Stämme“ (zum Versuchszeitpunkt heißt es noch nicht „Sorten“) nicht ganz sicher kennt. Aus diesem Grund ist der Versuchsaufbau bei Sojabohnen etwas komplexer als z. B. bei Getreideversuchen. Bei Getreidesorten differiert deren optimaler Erntezeitpunkt maximal wenige Tage und die Sortenversuche können zeitgleich beerntet werden. Die zeitgleiche Ernte ist aufgrund der unterschiedlichen Reifegruppen bei der Sojabohne eine größere Herausforderung. Versuche müssen bei der Anlage in Reifegruppen unterteilt werden, was das Versuchsdesign und das Handling der Parzellen anspruchsvoller macht. Falls die Reifegruppen in einem Block nicht klar sind, muss gewährleistet sein, dass jede Parzelle einzeln beerntet werden kann.
Das große Bild zeigt aus der Drohnenperspektive eine Versuchsanlage. Man erkennt, dass zwischen den Versuchsblöcken immer ein komplettes Beet mit einer frühreifen 0000-Sorte eingesät wurde. Diese „Beete“ werden zusammen mit dem Ausbau um die Versuche herum einige Tage bevor die früheste Sorte innerhalb der Versuchsblöcke druschreif ist, beerntet. So wird ausreichend Rangierplatz für den Versuchsdrescher geschaffen, um die einzelnen Blöcke und in Ausnahmefällen auch einzelne Parzellen individuell ansteuern zu können. Man ahnt, welch logistischer Aufwand bei insgesamt 3,5 Hektar Versuchsfläche für Sorten-, Pflanzenschutz- und Düngeversuche dahintersteckt.
Für die Saatgurtvermehrung braucht es einen geschulten Blick. Hier Beispiele:
Auch Erhaltungszucht und Sojavermehrung
Seit 2016 wird auf der Versuchsstation in Moosburg auch die Erhaltungszucht und Soja-Vorstufen-Saatgutvermehrung für die Züchterhäuser der SAATEN-UNION durchgeführt. In beiden Arbeitsbereichen ist es sehr wichtig, sortenreine Bestände zu haben. Um diese zu erhalten, müssen geschulte Mitarbeitende 2–3-mal durch den Bestand gehen und „falsche“ Sojapflanzen entfernen. Geschultes Personal ist bei dieser Arbeit das A und O, da es oft Feinheiten sind, die falsche Pflanzen als solche ausweisen. Ab Beginn Blühende bis vor den Erntetermin werden Blühfarbe, Flaumfarbe (Härchen an den Pflanzen), Form und Farbe der Blätter, Wuchstyp und Wuchsform kontrolliert. Stimmt eines dieser Merkmale nicht mit den sortentypischen Merkmalen überein, wird die betreffende Pflanze manuell aus dem Bestand entfernt. Auch wenn man sich nicht ganz sicher ist – hier lautet das Motto „im Zweifelsfall IMMER GEGEN den Angeklagten“.
Für Südbayern müssen Sorten bis zum 20. September reif werden
2025 sowie auch das Jahr zuvor waren für Soja optimal. Es war warm und hat zu Blühbeginn und zur Hülsenfüllung ausreichend geregnet, sodass Soja rekordverdächtige Erträge brachte. 5 t/ha waren da nicht die Ausnahme, sondern fast schon die Regel. Die einzige Herausforderung bestand in der Ernte der Ware. Aufgrund der hervorragenden Wuchsbedingungen waren Sorten mit einer späteren Abreife von den herbstlichen Bedingungen während der Erntesaison etwas benachteiligt. Über die Jahre hat sich gezeigt, dass Sorten, die vor dem 20. September nicht reif werden, in Südbayern keine Zukunft haben. Denn ab dem 20. September dreht hier meistens das Wetter und eine Regenperiode setzt ein, welche die Beerntung der Sojabohne vor große Herausforderungen stellt.
Ein zweiter wichtiger Punkt ist die Dreschbarkeit der Sojabohnen. Extrem lange lagernde Sorten sind unter südbayerischen Bedingungen nicht zu empfehlen, da sie sich ständig um die Haspel wickeln, wie auch in Paketen durch den Einzug rutschen und dann einen Trommelwickler verursachen.
2025 zeigten sich schöne Differenzierungen in den Sojaversuchen der Versuchsstation. Diese Erkenntnisse fließen auch in die Sojazüchtung ein, denn es wird immer mehr deutlich, dass wir Sorten brauchen, die ertraglich gut sind, sicher abreifen und sich gut dreschen lassen. Das sind bedeutende Zuchtziele der aktuellen Sojazüchtung, die den deutschen Markt im Fokus hat.
Schnell gelesen (Kurzfassung):
Die Versuchsstation Bayern der SAATEN-UNION in Moosburg hat eine 23-jährige Erfahrung in der Sojaforschung. Seit 2012 führt die Station Sortenversuche mit Sojabohnen durch, um das Wissen über diese Kultur zu erweitern. Der Standort wurde 1992 gewählt, da die homogenen Böden ideal für verschiedene Feldversuche sind. Die Station bewirtschaftet derzeit 337 ha, darunter 130 ha für Versuche mit über 45.000 Parzellen.
Die Reifegruppen der Sojabohnen sind eine Herausforderung für die Versuchsplanung, da die Sorten zu unterschiedlichen Zeitpunkten reif sind. Dies erfordert eine komplexe Planung der Parzellen, um eine vergleichbare Ernte zu gewährleisten. Die zeitgleiche Ernte ist bei Sojabohnen schwieriger als bei Getreide, was einen erhöhten logistischen Aufwand mit sich bringt.
Seit 2016 kümmert sich die Station auch um die Erhaltungszucht und Soja-Vorstufensaatgutvermehrung. Geschulte Mitarbeiter entfernen unerwünschte Pflanzen, um sortenreine Bestände zu erhalten. Wichtige Merkmale wie Blühfarbe und Blattform werden während der Saison überwacht.
Für den Anbau in Südbayern ist es entscheidend, dass die Sorten bis zum 20. September reif sind, da das Wetter danach oft ungünstig wird. Sorten, die sich schlecht dreschen lassen, sind ebenfalls weniger empfehlenswert. Die Erkenntnisse aus den Versuchen tragen zur Verbesserung der Sojazüchtung für den deutschen Markt bei, mit dem Ziel, ertragreiche und gut abreifende Sorten zu entwickeln. Die Versuchsstation bietet optimale Bedingungen mit hohen Bodenqualität und unterschiedlichen Umweltbedingungen in der Region.
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