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Sommerackerbohnen: ein züchterischer Überblick

Die zeitweilige Anbauausdehnung der Ackerbohnenflächen in den 1980er Jahren bewirkte einen
enormen Anschub der Ackerbohnenzüchtung, der bis heute nachwirkt. Die in heutigen Sorten verankerten Fortschritte wären ohne diese intensivierte Forschungsperiode nicht möglich gewesen. Stillstand gab es in der Züchtung nie!

Quelle: NPZ
Quelle: NPZ

Durch eine deutliche Anbauausweitung von Körnerleguminosen in Deutschland bis auf mehr als 100 Tausend Hektar während der 1980er Jahre wurden Forschung und Züchtung auch für Ackerbohnen stimuliert und intensiviert. Es wurden sowohl grundlegende Forschungen zum idealen Sortentyp als auch zum Pflanzentyp in die Wege geleitet. Die in heutigen Sorten verankerten Fortschritte wären ohne diese intensivierte Forschungsperiode nicht möglich gewesen. Die zurzeit positiven Rahmenbedingungen für die einheimischen Körnerleguminosen und die Aktivität der deutschen Demonetzwerke, die die Interaktion von Praxis, aufnehmender Hand und Züchtung fördern, lassen die Anbauflächen von Ackerbohnen wieder steigen. Ob dies auch den Input in Forschung und Züchtung nachhaltig fördert, bleibt abzuwarten.

Quelle: SAATEN-UNION
Quelle: SAATEN-UNION


Prio I: Verbesserung der Standfestigkeit

Ein wichtiges züchterisches Ziel war es, die Agronomie des vorherrschenden Pflanzentyps mit langem Stroh, interminiertem Wachstum und relativ weichem Stroh zu verbessern. Dazu wurden verschieden Mutanten wie die endständigen Topless-Formen oder die sehr kompakt wachsenden Stabil-Formen evaluiert und eingekreuzt. Außerdem wurden zur Veränderung des Wuchstyps sogenannte Halbzwergformen aus dem Bereich der Gemüseform der Ackerbohnen (Synonym: Pferdebohne, Dicke Bohne, Saubohne) eingekreuzt.


Der Rückgang der Anbauflächen ab Anfang der 1990er Jahre führte vielerorts zu einer sukzessiven Reduktion der begonnenen züchterischen Bemühungen. Weiterhin mussten die bestehenden Aktivitäten fokussiert werden. Im Zuge dessen wurde die Bearbeitung von Topless- und Stabil-Formen auf Eis gelegt. Die Einkreuzung von Halbzwergformen stellte sich als die effizienteste Methode heraus, sowohl den Pflanzentyp in die gewünschte Richtung zu entwickeln, als auch die Ertragsleistung anzuheben.


Heterosiseffekt bringt auch bei Ackerbohnen Leistungssteigerung

Der vorherrschende Sortentyp bei den alten Sorten war der von sogenannten „eingeengten Populationssorten“. Die Ackerbohne ist ein partieller Fremdbefruchter, eine Selbstbestäubung ist allerdings ohne größere Probleme möglich. Deshalb wurde versucht, die Leistung durch eine Änderung des Sortentyps in Richtung leistungsfähiger Inzuchtlinien als auch in Richtung sogenannter synthetischer Sorten zu verbessern. Synthetische Sorten sind Kombinationen mehrerer Inzuchtlinien und stellen die einzige Möglichkeit dar, bei Kulturen ohne funktionierendes Hybridsystem, Heterosis zu nutzen. In Synthetischen Sorten entstehen durch die partielle Fremdbefruchtung zu einem gewissen Teil Hybriden innerhalb der Sorte. Diese Hybriden prägen Heterosis aus und führen so zur Mehrleistung und erhöhter Ertragsstabilität von Synthetischen Sorten. Die Entwicklung von solchen Synthetischen Sorten hat sich bis heute als ein sehr effizienter Weg zur Leistungsverbesserung und Stabilisierung der Erträge herausgestellt.


Tanninfreie Sorten für die Fütterung von Monogastriern

Eine weitere, an die Züchtung immer wieder herangetragene Forderung war die Verbesserung der Qualität des Ernteproduktes. Denn Ackerbohnen werden in Mitteleuropa im Wesentlichen in der Tierfütterung eingesetzt, ein niedrigerer Tanningehalt würde also größere Mengen in der Fütterung von Monogastrieren sowie Geflügel ermöglichen. Es gelang der Züchtung durch Einkreuzung rein weißblühender Formen den Tanningehalt zu senken und gleichzeitig eine gute Leistungsfähigkeit zu erhalten. Trotzdem erfolgte keine ausreichend positive Marktreaktion, weshalb dieses Zuchtziel heute wieder klar in den Hintergrund getreten ist.


Vicin/Convicinarmut als neue Qualität für Geflügel und ggf. Fische

Eine weitere Innovation im Hinblick auf die Reduktion von antinutritiven Inhaltsstoffen bedeutet die Zulassung von Sorten, die einen erheblich reduzierten Gehalt an Vicin/Convicin besitzen. Diese antinutritive Inhaltsstoffgruppe hat v. a. Bedeutung für die Geflügelfütterung und die Fischfütterung (siehe auch separater Beitrag in diesem Heft). Es wurden Sorten zugelassen, die diese neue Qualität besitzen und zudem sehr leistungsfähig sind (s. Tab. 1, Sorte TIFFANY). In der Ertragseinstufung liegt TIFFANY am höchsten, mittlerweile haben auch die Landessortenversuche in Deutschland sowie Versuche in UK und Frankreich diese Leistung bestätigt.


In den Anmeldungen stehen weitere Stämme mit dieser neuen Qualität, sodass in Zukunft davon auszugehen ist, dass weitere Sorten mit dieser Qualität in die Sortenlisten kommen. Auch darin spiegelt sich ein kontinuierlicher Zuchtfortschritt wider: Hier wird eine neue Qualität mit Top-Erträgen kombiniert.


Züchtung schafft deutliche agronomische Verbesserungen

Um die Entwicklung im Sortenspektrum in Deutschland zu demonstrieren, sind in Tab. 1 Auszüge aus den Beschreibenden Sortenlisten des Bundessortenamtes aus 1985, 2006 und 2018 vergleichend dargestellt. Die beschriebenen Entwicklungen in der Züchtung spiegeln sich hier wider.

Folgende Trends sind aus dieser Zusammenstellung ablesbar:

  • Die Ertragsleistung ist über die Jahre deutlich angehoben worden.
  • Außerdem ist die Standfestigkeit und damit die Beerntbarkeit erheblich verbessert worden.
  • In 2006 gab es noch eine Reihe von tanninfreien Sorten, diese liegen in der Ertragsleistung unter den besten tanninhaltigen Sorten.
  • 2018 ist nur noch eine tanninfreie Sorte eingetragen, jedoch gibt es mit TIFFANY eine vicin/convicinarme Sorte.

Versuche belegen deutlichen Ertragsfortschritt

In einer internen Versuchsserie wurde die Ertragsleistung von älteren Sorten, die nach ihrer jeweiligen Zulassung eine relativ hohe Anbauverbreitung erlangt haben, mit der von aktuellen Sorten verglichen. Dazu wurde das Saatgut dieser Sorten in relativer Isolierung vermehrt, um die volle Triebkraft und Keimfähigkeit zu gewährleisten. Im Jahr danach (2012) wurden alle Sorten an drei Standorten mit drei Wiederholungen angebaut und verglichen.

Quelle: Dr. Anke Boenisch, SAATEN-UNION
Quelle: Dr. Anke Boenisch, SAATEN-UNION

Aus dieser vergleichenden Versuchsserie sind Ertragszuwächse von ca. 20 % im Kornertrag durch moderne Sorten belegbar. Dieser Versuch soll mit aktuellem Material wiederholt werden.


Der züchterische Stand der aktuellen Ackerbohnensorten kann sich also durchaus sehen lassen!


Die erzielten Erträge in offiziellen und internen Versuchen stehen im Widerspruch zu den in Deutschland offiziell ermittelten und publizierten durchschnittlichen Praxiserträgen. Der Zuchtfortschritt wird in der Praxis scheinbar nicht in vollem Umfang realisiert. Dies hat im Wesentlichen zwei Gründe:

1. Etwa die Hälfte der Ackerbohnen stehen in Bio-Betrieben. Diese haben per se einen geringeren Ertrag.

2. Die Stichproben für diese Erhebung sind generell zu hinterfragen. Nach unseren Erfahrungen sind motivierte Landwirte auf geeigneten Flächen mit aktueller Produktionstechnik in der Lage, erheblich höhere Erträge zu realisieren, als sie im nationalen Schnitt erfasst werden. (s. Tab. 2.)


Ausblick

Im Rückblick zeigt sich, dass eine fokussierte Forschung mit einem vernünftigen Umfang sehr effizient zur praktischen Sortenentwicklung beitragen kann. Die Umsetzung der Ergebnisse benötigt jedoch Zeit (besonders bei einer Kulturart mit geringer Vermehrungsrate wie die Ackerbohne), kann dann aber sehr nachhaltig sein. Die dargelegten Ergebnisse belegen durchaus Erfolge.

Es ist zu hoffen, dass die aktuelle Förderung und Wertschätzung der Ackerbohnen dazu führt, dass weiterhin nennenswerte Sortenverbesserungen durch die Züchtung sichergestellt werden können.

Dr. Olaf Sass, Norddeutsche Pflanzenzucht Hans-Georg Lembke KG



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