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Rheinische Ackerbohnen – ein Markt zwischen Ohnmacht und Innovation

Zukunft braucht manchmal eine gute Portion Rückbesinnung und Mut zum Handeln. Dazu gehört auch, dass man den Blick weit nach vorne richtet, die eigenen Stärken und Schwächen erkennt und seinen eigenen Weg geht. Ein Bericht von Karl-Adolf und Maria Kremer aus Linnich, Landwirte und Mitbegründer des Vereins Rheinische Ackerbohne e.V.

Maria und Karl-Adolf Kremer Quelle: Rheinische Ackerbohne
Maria und Karl-Adolf Kremer Quelle: Rheinische Ackerbohne
Früher war die Ackerbohne ein beliebtes und wichtiges Nahrungsmittel und stellte die Versorgung der Bevölkerung mit wertvollen Proteinen sicher. Der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch von Hülsenfrüchten betrug im Jahre 1850 noch 20 kg heute gerade mal 0,5 kg! Im Rahmen der Globalisierung war es insbesondere die Sojabohne, die aus Übersee nach Deutschland importiert wurde und somit die heimische und gentechnikfreie Ackerbohne in eine unbeachtete Nische drängte.


Auslöser für die Wiederentdeckung der Ackerbohnen war das 5-jährige EU-Programm (AUM) zur Förderung heimischer Eiweißpflanzen. Die Tatsache, dass ohne diese Förderung der Anbau zzt. unwirtschaftlich ist, fanden wir zutiefst unbefriedigend. Uns stellte sich die Frage, wie wir die Zeit von fünf Jahren sinnvoll nutzen könnten, um die Ackerbohne wieder bei der Bevölkerung bekannt zu machen und somit die Wertigkeit zu steigern. Im Januar 2017 gründeten wir mit Gleichgesinnten und Unterstützern daher den gemeinnützigen Verein „Rheinische Ackerbohne e. V.“. Ziel des Vereins ist die Bewerbung und Bekanntmachung der Ackerbohne und ihrer großen Bedeutung für die Ernährung. Ein ehrgeiziges Projekt – das aber erfolgreich sein kann, wenn die alte Kulturpflanze im Netzwerk zwischen Landwirten, Verarbeitern und Verbrauchern als sinnvolle Alternative zu anderen Eiweißpflanzen anerkannt wird.


Vorteil: Gentechnikfreiheit

Bei der Ernährung in Deutschland spielt die Gentechnikfreiheit eine große Rolle. Laut Verbraucherumfragen wünschen sich 75 % der Befragten gentechnikfreie Nahrungsmittel – jedoch sind ca. 82 % des importierten Sojas gentechnisch verändert. Von diesem pflanzlichen Eiweiß werden weniger als 5 % für die Humanernährung verwendet, der Rest gelangt über den Umweg der Nutztierfütterung in unsere Nahrung. Die Erwartung der Bevölkerung und die Realität klaffen also weit auseinander. Da hierzulande produzierte Ackerbohnen garantiert gentechnikfrei sind, bietet sich hier eine Lücke, die der Rheinischen Ackerbohne in der Humanernährung einen Wiedereinstieg ermöglichen könnte.


Vorteil: Regionalität

Immer mehr Verbraucher/innen achten auf eine regionale Produktion der Lebensmittel. Hier kann die Rheinische Ackerbohne abermals punkten. Sie wird im Gebiet des Rheinlandes angebaut und verarbeitet, sodass die Wertschöpfung in der Region bleibt und somit auch eine transparente Produktion möglich ist. Die sehr kurzen Transportwege verbessern die Ökobilanz – und auch hier kann die heimische Kulturart gegenüber den importierten Alternativprodukten punkten. Zudem ist sie für den Natur- und Umweltschutz von 18 Mio. Verbrauchern in NRW ein echter Gewinn. Sie blüht von Anfang Mai bis Ende Juni und bietet somit Bienen, Hummeln und Schmetterlingen reichlich Nahrung. Die Ackerbohne ist ökonomisch, ökologisch und aus sozialen Aspekten her ein wertvoller Rohstoff. Durch eine naturschutzfördernde biologische Vielfalt schaffen wir eine erlebbare Qualität und somit einen Mehrwert für die Gesellschaft. Diese Vorteile sind der Bevölkerung jedoch überwiegend nicht bekannt. Um Informationen von Anbau über Ernte, bis zur Verwertung und Erhältlichkeit der Produkte an möglichst viele Verbraucher weiterzugeben, haben wir eine Internet- und Facebook-Seite (siehe Kasten) gestaltet.

Der Verein Rheinische Ackerbohne e. V. hat 50 Mitglieder und wurde im LANUV (Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen) Essen gegründet. Zum gemeinnützigen Verein gehören Landwirte (Erzeuger und Verarbeiter), Unterstützer und Landhändler (RWG Rheinland, Zillekens und Lennards Landhandel). Weitere Infos erhalten Sie auf Facebook und unter: www.rheinische-ackerbohne.de


Neue Produkte aus Ackerbohnen steigern das Verbraucherinteresse

Für dieses Brot hat die Bäckerei Moss aus Aachen das Zertifikat
Für dieses Brot hat die Bäckerei Moss aus Aachen das Zertifikat

Auf der Suche nach einem Produkt, bei dem der Verbraucher die Ackerbohne direkt schmecken kann, e

ntstand die Idee, ein regionales Brot aus Dinkel und Ackerbohnen zu backen. Nach zahlreichen Backversuchen stellte sich eine Mischung aus 60 % Dinkel und 40 % Ackerbohnen als gute Rezeptgrundlage dar. Inzwischen haben Bäckereien im Raum Aachen, Bonn, Köln, Münster und Mönchengladbach dieses schmackhafte Brot mit im Sortiment und es erfreut sich wachsender Beliebtheit. Zudem ist das Brot gluten- und kohlenhydratreduziert und dabei Eiweiß- und ballaststoffreich und trägt somit zu einer ausgewogenen Ernährung bei. Bäcker schätzen an der Ackerbohne die Regionalität, Nachhaltigkeit und Transparenz des Produktes.


Produkte der Rheinischen Ackerbohne. Quelle: Rheinische Ackerbohne
Produkte der Rheinischen Ackerbohne. Quelle: Rheinische Ackerbohne
Interesse auch bei Tierhaltern und Direktvermarktern

Nicht nur Bäcker interessieren sich für die Rheinische Ackerbohne, sondern auch viele Tierhalter und Direktvermarkter in der Region. „Dabei entscheidend ist besonders die richtige Sortenwahl bei der Geflügelfütterung“, sagt Manfred Hermanns von Rurtal-Ei. Er ist ebenfalls Mitglied im Vorstand und von der Verfütterung der Ackerbohne überzeugt. „Seitdem die Ackerbohne in der Futterration enthalten ist, hat sich der gesundheitliche Zustand noch verbessert, das Eigewicht zugenommen und die Eier sind sauberer.“ Bei der Fütterung von Geflügel sollte die Ackerbohnensorte vicin- und convicinarm sein. Nach derzeitigem Stand der Sortenzulassung (Dezember 2018) sind dies die Sorten TIFFANY und Victus.


Michael Heinrichs setzt die Ackerbohne in der Fütterung seiner Duress-Schweine ein und spricht von einer verbesserten Fleischqualität. Die Metzgerei Wurstspezialitäten Esser aus Erkelenz weiß dies zu schätzen und bewirbt das Qualitätsfleisch dementsprechend. Insbesondere wegen des nachhaltigen Konzeptes und der Fütterung wurde Wurstspezialitäten Esser auf der IGW in Berlin mit dem Regional-Star 2018 ausgezeichnet. Neben dem Einsatz in der Milchviehhaltung wird die Ackerbohne neuerdings auch in Fischfütterungsversuchen getestet. Somit kann jeder Verbraucher bereits beim Frühstück mit dem Brot, dem Ei, Milch oder den Fleischprodukten aktiven Umweltschutz betreiben. Das ist Heimat, die man schmecken und erleben kann!


Noch kein wirklicher Durchbruch

Trotz dieser Erfolge ist es noch viel zu früh, tatsächlich von einer „Wiedergeburt“ dieser Feldfrucht zu sprechen. Insbesondere die Achtung der Preiswürdigkeit der GVO-freien Ackerbohne in der Tierfütterung lässt zu wünschen übrig, da hier die Messlatte immer an dem GMO-veränderten Soja angelegt wird. Insbesondere der Mischfutterindustrie kann dies zukünftig zum Verhängnis werden, wenn mehr GVO-freie Produkte nachgefragt werden, diese aber nicht mehr ausreichend im Inland aufgrund des niedrigen Preises produziert werden können.

Hierbei liegt es an jedem Einzelnen, ob wir diesen Zukunftsmarkt als Landwirt, Landhandel, Weiterverarbeitern (Futternutzung, Lebensmittelindustrie und Bäcker) mitgestalten, oder ob wir den Markt internationalen Agrarkonzernen überlassen wollen.



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