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Ihr Vertriebsberater

Kurs ändern, alt Erlerntes passt oft nicht mehr!

Bei dem Begründer des wissenschaftlichen Landbaus Albrecht Thaer spielten Ende des 18. Jahrhunderts ausgeklügelte Fruchtfolgen die zentrale Rolle. Dank moderner Dünger und Pflanzenschutzmittel und zunehmender Technisierung schien ab Mitte der 1970er Jahre fruchtfolgemäßig nichts mehr unmöglich zu sein. Doch diese Zeiten sind vorbei! Ulrich Henne, landwirtschaftlicher Berater, fordert zum Umdenken auf.

Schnell gelesen (Kurzfassung):

Die Produktionsverfahren in der Praxis werden den veränderten Rahmenbedingungen – neue Düngeverordnung, Reglementierungen im Pflanzenschutz, geringere Wirksamkeit von Pflanzenschutzmitteln etc. – nicht mehr gerecht. Phytosanitäre Probleme nehmen zu und Erträge gehen vielerorts zurück. Das genetisch vorhandene Ertragspotenzial der Sorten kann also nicht vollständig genutzt werden. Die These des Autors: Die Ursache für den stagnierenden oder gar negativen Ertragstrend in der Praxis sind ganz wesentlich die Pflanzenbauprobleme und deutlich weniger die verringerte Verfügbarkeit von wirksamen Pflanzenschutzmitteln!


Hinzu kommen noch Dinge, die die Landwirtschaft zwar teilweise nicht zu verantworten hat, aber unbedingt berücksichtigen muss.

1. Der Boden verändert sich – auch ohne unser Zutun
Die natürlichen strukturbildenden Prozesse wie tief reichende Durchfrostung des Bodens oder Bodenrisse durch Trockenheit („Sommerfrost“) bleiben immer häufiger über Jahre aus oder der Struktureffekt wird durch nachfolgende Starkniederschläge wieder zerstört. Damit fehlen wichtige Faktoren der Bodenbildung.

2. Stickstoff – der Motor des Wachstums – stottert
Auch die Niederschlagverteilung hat sich bedingt durch den Klimawandel verändert.

Daher erfolgt z. B. in Norddeutschland die N-Mineralisation aus der Bodenmatrix zunehmend später und kann damit von Getreide und Raps kaum noch genutzt werden. Dies führt in der Konsequenz zu hohen Nmin-Werten nach der Ernte.

3. Pflanzenschutz: Die Säule des Pflanzenbaues ist zusammengebrochen
Pflanzenschutz – oft probates Mittel, ackerbauliche Fehler und Einschränkungen zu korrigieren – ist nicht mehr „die Säule des Pflanzenbaues“! Wirkstoffresistenzen oder Minderwirkungen, kaum neue Wirkstoffe, restriktive Zulassungsbedingungen führten zu dieser Entwicklung.

4. Fruchtfolgen zu eng für einen nachhaltigen Ackerbau
Sehr enge Fruchtfolgen führen seit Jahren zunehmend zu Problemen, die durch Stickstoff und Pflanzenschutz nicht zu lösen sind! Feldhygiene, angepasste Bodenbearbeitung, Saatzeit und Sorten können helfen, reichen aber meist noch nicht aus. Dies in Kombination mit gestiegenen Kosten und meist unbefriedigenden Preisen führt auf vielen Ackerbaubetrieben zu einer pflanzenbaulichen und betriebswirtschaftlichen Strukturkrise. Die Lösung liegt in einer grundsätzlichen Umstrukturierung der Fruchtfolgen und damit auch der ackerbaulichen Maßnahmen insgesamt. Fruchtfolgeerweiterung, Gründüngung, Feldhygiene sind die Themen, die hier und in einem Nachfolgebeitrag in der kommenden Ausgabe der praxisnah behandelt werden.

 



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