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Sommerungen - so lukrativ wie lange nicht

Fruchtfolgen mit Sommerungen werden immer interessanter. Ob Klimawandel, Greening, Düngeverordnung, Arbeitserledigung oder Pflanzenschutz – Fruchtfolgen mit Sommerungen lösen viele Probleme!

Bei Silomais sind Sorten mit höchster Masseleistung gefragt (im Bild Neutrino)
Bei Silomais sind Sorten mit höchster Masseleistung gefragt (im Bild NEUTRINO)
Doch am Ende muss auch die Rechnung stimmen – nicht unbedingt für jede einzelne Frucht, immer aber für die Rotation. Fest etabliert und bei entsprechenden Voraussetzungen ökonomisch unstrittig sind Mais, Zuckerrüben oder Kartoffeln. Doch wie steht es um Hafer, Braugerste, Durum, Leguminosen oder gar Futterrüben – feiern Nischenkulturen ein Comeback?


Die Preise ziehen wieder an

Dafür spricht bei einigen schon die Preisentwicklung (Abb. 1): Hafer notiert mittlerweile mehrjährig über Futtergerste und Braugerste über E-Weizen.

Preisentwicklung Sommergetreide; zum Vergrößern bitte anklicken
Preisentwicklung Sommergetreide; zum Vergrößern bitte anklicken
Für Durum gibt es keine vergleichbaren Notierungen, aber aufgrund der Unterversorgung sind die Erzeugererlöse dort von jeher stabil hoch. Nach der Etablierung von beinahe 20.000 ha Sojabohnen in den prädestinierten Regionen entwickeln sich – unterstützt durch das Greening – nun auch bei heimischen Leguminosen allmählich Vermarktungsmöglichkeiten. Silomais ist seit Einführung der Biogasanalagen erfolgreich als Marktfrucht etabliert. Die Erzeugererlöse dort sind regional sowie je nach Vertragsmodell (z. B. hinsichtlich Gärrestrückführung) unterschiedlich, orientieren sich jedoch marktwirtschaftlich an den Alternativkulturen.


Extensivfrüchte punkten bei den Kosten

Abb. 2 gibt einen Überblick über typische Kostenrelationen der Frühjahrskulturen. Einzelbetrieblich kann dies natürlich variieren – aber hier geht es um die Relation zueinander. Die Direktkosten orientieren sich an einer mittelhohen Ertragserwartung, die Arbeitserledigungskosten an eher günstigeren Voraussetzungen. Mit gut 700–800 €/ha sind die Produktionskosten bei Hafer, Brau- und Futtergerste, Erbsen und Bohnen am niedrigsten und mit 1.400 €/ha bei Körnermais, Zucker- bzw. Futterrüben am höchsten.


Produktionskosten im Vergleich
Produktionskosten im Vergleich
Fairer Vergleich nur mit Fruchtfolgebewertung

Wird nicht die Fruchtfolge als Ganzes, sondern die einzelne Kultur ökonomisch bewertet, ist für einen fairen Vergleich deren Fruchtfolgeleistung zu berücksichtigen. Diese beinhaltet die ökomische Auswirkung der Kultur auf die anderen Fruchtfolgeglieder und ist einzelbetrieblich sehr unterschiedlich. Allgemein gilt: Der Fruchtfolgewert einer Sommerung ist umso höher,

  • je enger und winterungslastiger die bisherige Fruchtfolge,
  • je weniger fruchtbar der Standort,
  • je geringer die Anbauintensität,
  • je höher der Vergrasungs- und Schädlingsdruck,
  • je höher die Terminkosten im Hinblick auf die Arbeitserledigung.

Bei Hackfrüchten inklusive Silomais sind gegebenenfalls auch negative Aspekte zu berücksichtigen:

  • geringere bzw. unsichere Erträge des später bestellten Wintergetreides,
  • Gefahr von Erosionsschäden bis zum Reihenschluss,
  • höhere Strukturschäden bei nasser Erntewitterung,
  • stärkere Humuszehrung, Abbau der Nmob-Reserven.

Vergleichswert in der Beispielkalkulation (Tab. 1) ist Wintergetreide mit Strohdüngung, dieses wird im Fruchtfolgewert mit 0 bewertet. Sommergetreide mit Strohdüngung sowie Körnermais werden 40 €/ha Fruchtfolgebonus zugestanden. Bei Sommergerste ist auch der geringe Wasserverbrauch zu berücksichtigen, von dem auf gut Wasser speichernden Standorten die Folgefrucht profitiert. Der höhere Vorfruchtwert des Hafers (80 €/ha) ist allein schon mit den höheren Erträgen der Folgefrucht zu begründen, die Fruchtfolgeleistung der heimischen Leguminosen zusätzlich mit der Stickstoffeinsparung. Einsparungen bei den Maschinenkosten aufgrund besserer Arbeitsverteilung sind dann zu kalkulieren, wenn die Maschinenauslastung unter der Abschreibungsschwelle liegt.


Vergleichsmaßstab ist die verdrängte Frucht

Neben den Produktionskosten sind in Tab. 1 exemplarisch auch Preise, Erträge sowie der kalkulatorische Vorfruchtwert dargestellt. Als zentrale Erfolgsgröße errechnet sich daraus die „Direkt- und arbeitskostenfreie Leistung“ (DAL) und zwar inklusive Vorfruchtwert, um eine faire, direkte Vergleichbarkeit herzustellen. Ein neues Fruchtfolgeglied muss sich wirtschaftlich mit dem ökonomisch schwächsten bzw. verdrängten Fruchtfolgeglied vergleichen. Dieses ist in unserem Beispiel wie auch in vielen Marktfruchtbetrieben der Stoppelweizen. Aus den beiden letzten Spalten ist abzuschätzen, ab welchem Ertrags- bzw. Preisniveau die betreffende Kultur wirtschaftlicher ist. Je deutlicher der Gleichgewichtsertrag bzw. der Gleichgewichtspreis zum Stoppelweizen überschritten wird, umso interessanter ist die betreffende Kultur!

Auf feucht-kühlen Standorten etwa wird der Gleichgewichtsertrag bei Qualitätshafer (58 dt/ha) locker zu überschreiten sein, 102 dt/ha Körnermais hingegen wären dort kaum zu erreichen. Wo umgekehrt regelmäßig 120 dt/ha Körnermais gedroschen werden, erreichen Hafer oder Sommerweizen aufgrund der schnellen Abreife kaum wettbewerbsfähige Erträge.

Mit Sommerungen in der Fruchtfolge sind Vergrasungsprobleme am besten in den Griff zu bekommen, Kältekeimer wie Ackerfuchsschwanz und Windhalm und auch Spätsommerkeimer wie die Taube Trespe werden wirkungsvoll gestoppt.


Ökonomie von Sommerungen; zum Vergrößern bitte anklicken
Ökonomie von Sommerungen; zum Vergrößern bitte anklicken


Was rechnet sich im Frühjahr 2018?

  • Im Vergleich zu früheren Analysen haben Hafer und Braugerste Boden gutgemacht. Bei entsprechenden Voraussetzungen rechnen sich diese Kulturen so gut wie lange nicht. Zuckerrüben hingegen verlieren deutlich an ökonomischer Vorzüglichkeit, Körnermais verliert etwas bei steigenden Trocknungskosten.
  • Silomais als Marktfrucht scheint hingegen etwas an Präferenz verloren zu haben. Diese Kultur ist insbesondere in Fruchtfolgen ohne Rüben oder Kartoffeln wertvoll, um das hohe Wasser- und Wärmeangebot im Juli und August zu nutzen. Allerdings nur, wenn unter den getroffenen Annahmen mehr als 47 t/ha Frischmasse geerntet bzw. mehr als 25,40 €/t erlöst werden.
  • Unstrittig ist, dass Leguminosen pflanzenbaulich und ökologisch sehr wertvolle Fruchtfolgeglieder sind. Jedoch ist die Preisentwicklung für Körnererbsen und Ackerbohnen immer noch unbefriedigend, auch das Verbot des Pflanzenschutzeinsatzes auf ökologischen Vorrangflächen macht die Kalkulation nicht einfacher. Allerdings werden Fruchtfolgen mit Leguminosen in mehreren Bundesländern über Agrarstrukturmaßnahmen gefördert. Auch die Verwertung der Ernte im eigenen Betrieb erhöht die Wirtschaftlichkeit.
  • Sommerölfrüchte, Faserpflanzen, Sorghum oder Futterrüben sind als Spezialitäten für ganz bestimmte betriebliche Situationen anzusprechen. Auch diese Früchte werden in vertretbarem Umfang weiter züchterisch bearbeitet.

Bei Sommergetreide muss die Qualität stimmen

Hafer, Braugerste und Durum sind nur dann lukrativ, wenn sie die geforderte Vermarktungsqualität erreichen, sonst drohen empfindliche Preisabschläge. Bei Durum sind sichere Vermarktungsqualitäten am ehesten auf tiefgründigen Böden in sommertrockenen Regionen zu erreichen, bei Hafer in feucht-kühlen Lagen, bei Braugerste auf gut strukturierten Standorten mit nicht zu hoher N-Nachlieferung. Eine entscheidende Anbaumaßnahme im Hinblick auf die Kornqualität ist ein rechtzeitiger Aussaattermin, das gilt insbesondere für Hafer.

Wichtig für die Qualitätssicherung ist die Sorte, deren Qualitäten vergleichsweise umweltstabil sind: Erste Wahl sind z. B. bei Qualitätshafer APOLLON oder HARMONY, bei Sommerweizen QUINTUS, bei Braugerste für den konventionellen Anbau die neue Sorte Accordine1, im Ökoanbau auch die dort sehr stabile bewährte Sorte MARTHE. Wird im Durumanbau der Schwerpunkt auf Winterdurum wie z. B. die Sorte WINTERGOLD gesetzt, wäre als Ergänzung z. B. die Sommerdurumsorte DURAMONTE geeignet.


Fazit

Sommerungen lockern enge bzw. winterungslastige Fruchtfolgen auf und erhöhen bzw. sichern so die Produktivität und Rentabilität des Pflanzenbaus. Im Hinblick auf die Ackerhygiene, administrative Vorgaben und regionale Förderprogramme gewinnen jetzt Extensivkulturen wie Hafer, Sommergerste und Leguminosen wieder an Vorzüglichkeit. Ökonomische Betrachtungen haben dabei immer die pflanzenbaulichen Vorteile, die Leistungsfähigkeit und die Sicherheit der Rotation als Ganzes zu berücksichtigen.

Sven Böse

1 Gegenwärtig geprüft im zweiten und letzten Jahr des „Berliner Programms“; Ertragsvorteil 2–3 % gegenüber allen bisher empfohlenen Sorten bei gleichzeitig ca. 10 % geringerem Wasser- und Energieverbrauch bei der Verarbeitung.



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