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Z-Saatgut

KW 18: Hacken in Getreide und Frostschäden

In dieser Ausgabe von „Aus der Praxis“ wird auf die Spätfrostproblematik und deren Auswirkung auf das Getreide eingegangen.

Zudem wird der Anbau von Getreide in der weiten Reihe betrachtet. Paul Steinberg, Produktmanager Lizenzkulturen und Stefan Ruhnke, Produktmanager Ökosaatgut berichten.

System "Weite Reihe"

Der Einsatz der Hacke hat nicht nur im ökologischen Landbau seinen Platz, sondern erfreut sich auch in der konventionellen Landwirtschaft zunehmender Beliebtheit. Hauptsächlich findet sie hier ihre Anwendung bei Zuckerrüben und Mais. Weniger gebräuchlich ist dagegen der Einsatz der Hacke im Getreide, da hier in der Regel enge Reihenabstände für eine optimale Ausnutzung des Standraums und der Nährstoffe angestrebt werden.

Bild 1
Bild 1
Das System der Weiten Reihe bricht dagegen mit diesem Ansatz und ermöglicht die Reduzierung der Aussaatstärke auf 50 - 60 %. Durch die geringere Bestandsdichte steht der einzelnen Pflanze verhältnismäßig mehr Stickstoff zur Verfügung, was besonders bei der Backweizenproduktion nachweislich höhere Qualitäten mit sich bringt.

Höhere Qualitäten und ein effektiver Einsatz der Hacke zur Reduzierung der Ackerbegleitflora im Getreide sind die Hauptgründe, die für dieses System sprechen.

Bild 3: Fronthacke mit Striegel
Bild 3: Fronthacke mit Striegel
Bild 2: zusätzlicher Striegelgang
Bild 2: zusätzlicher Striegelgang

Ein weiterer Grund zeigt sich auf einem auf Kartoffeln und Gemüse spezialisierten, biologisch wirtschaftenden Ackerbaubetrieb bei Natendorf in Niedersachsen. Die regelmäßige Bodenbewegung soll hier den Besatz an Drahtwürmern reduzieren, indem die Gelege der Schnellkäfer zerstört werden. Wissenschaftlich belegt sei dieser Zusammenhang nicht, doch habe sich gezeigt, dass die Schäden seit dem regelmäßigen Einsatz der Hacke zurückgegangen sind.

Gedrillt wird auf einen Reihenabstand von 25 cm. Mithilfe einer kameragesteuerten Hacke der Firma Schmotzer mit einer Arbeitsbreite von 6 m werden im Jahr drei bis vier Hackdurchgänge gefahren (Bild 1).

Nachträglich erfolgt ein zusätzlicher Striegelgang, der die gelockerten Unkräuter herausreißt und die Ackerkrume glättet (Bild 2).

Zusätzlich steht eine Fronthacke in direkter Kombination mit einem Striegel zur Verfügung (Bild 3).


Frostschäden und ihre Auswirkungen

Abb. 1, Frostschaden
Abb. 1, Frostschaden

Die starken Wechselfröste mit Temperaturschwankungen bis zu -10 °C Ende März haben sehr differenzierte Spuren hinterlassen - je nach Stärke der Ausprägung und je nach Entwicklungstand der Kulturen.

Grundsätzlich sollte man zwischen Winterhärte und Spätfrosttoleranz im Frühjahr differenzieren .

Die Winterhärte einer Sorte gibt eine Aussage über ihre Überwinterungsleistung im vegetativen Wachstum bei einem Winter mit “normalen” Witterungsverlauf. Das bedeutet langsames Absinken der Temperaturen am Ende des Jahres mit Tiefsttemperaturen bis Ende Februar.

Abb. 2: Verbräunung
Abb. 2: Verbräunung

Die Toleranz von Sorten gegenüber Spätfrostereignissen ist sehr stark von produktionstechnischen Faktoren (Saatzeit, Staatstärke, Entwicklungstand vor und nach Winter, Andüngung bzw. Pflanzenschutzmaßnahmen im Frühjahr) abhängig. All diese Punkte haben eine Auswirkung auf die generative Entwicklung eines Bestandes zum Zeitpunkt des Frostereignisses.

Abb. 3: Weißes Fahnanblatt
Abb. 3: Weißes Fahnanblatt
In den vergangen zwei Wochen erreichten uns immer mehr Anfragen zu Frostschäden im Getreide vornehmlich im Winterweizen in Ostdeutschland. Aber auch Gersten- und Roggenbestände sind betroffen (Abb. 1).

Zuerst waren in den verschiedenen Beständen nur Blatterfrierungen zu sehen, dies ähnelte der Symptomatik der Ätzschäden von AHL-Applikationen. In stark betroffenen Beständen sind diese Schäden nicht rausgewachsen und nach ein bis zwei Wochen gingen Sie zum Teil ins Lager. Dies ging mit einer Verbräunung oder dem Aufplatzen der Halmbasis einher (Abb. 2).

In weniger stark betroffenen Kulturen oder Beständen zeigt sich der Frostschaden am zuletzt geschobenen Blatt, welches in der Regel weis war und im Anschluss vertrocknete (Abb.3).


In den stark betroffenen Beständen, vornehmlich weit entwickelte Frühsaaten im Weizen, kam durch die Bonituren der Ährchenanlage der eigentliche Schaden zu Tage. Abbildung 4 zeigt eine typische Ährchenanlage in normaler und 500 facher Vergrößerung, so wie man sie in aktuellen Beständen beim Aufschneiden der Halme findet.


In geschädigten Beständen waren zum Teil keine oder nur noch verbräunte Ährchenanlagen zu finden (Abbildung 5).

Abb. 5: verbräunte Ährchenanlagen

Abb. 5: verbräunte Ährchenanlagen


Desweiteren waren auch Zwischentypen zu finden, diese waren zwar weiß aber nicht mehr elastisch (Abbildung 6). Die Laboruntersuchung zeigte, dass diese Ährchenanlagen ihre Zellstrucktur verloren haben. Die Analyse durch das SU BIOTEC Labor ergab, dass die verbräunten Ährchenanlagen nicht mehr lebensfähig sind und auch noch absterben werden.


Wie verfährt man mit frostgeschädigten Beständen weiter?

Erst einmal sollten Sie sich eine Übersicht über die Anzahl der lebensfähigen möglichen Ähren je Quadratmeter verschaffen. Im Anschluss sollten Sie in Kontakt mit ihrem jeweiligen Außendienst treten, da die Entscheidung zum Umbruch auch vom Sortentyp abhängig ist. Natürlich nehmen mit fortschreitendem Jahr die Alternativkulturen ab, die ja ebenfalls erstmal Wasser benötigen, um sich zu etablieren.



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