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„Wintererbsen, eine Kultur mit viel Potenzial!“

Nach der Betriebsübernahme des LWB Weiße vor acht Jahren gab es für Landwirtschaftsmeisterin Anja Knoblich kein langes Überlegen: Wie schon ihr Vater will auch sie Erbsen als festen Fruchtfolgebestandteil weiter anbauen.

Nach vielen Jahren mit Sommererbsen folgte ein Versuch mit Wintererbsen und die Entscheidung fiel zugunsten der Wintererbsen. Hat sie jetzt nach zwei trockenen Jahren ihre Meinung geändert?

Sorte Fresnel mit sehr guter Jugendentwicklung
Sorte FRESNEL mit sehr guter Jugendentwicklung
Anja Knoblich leitet einen 1990 nach der Wende gegründeten familiengeführten Marktfruchtbetrieb (LWB Weiße) mit rund 520 ha Ackerfläche in unmittelbarer Nähe zum Flughafen Halle/Leipzig. Die Flächen des Unternehmens liegen im Regenschatten des Harzes, weshalb die langjährige Jahresniederschlagsmenge bei nur ca. 550 mm liegt. 2018 und 2019 musste man sogar mit deutlich weniger auskommen. Aber immerhin sind die Diluvial- und Lößböden mit Bodenzahlen zwischen 50 und 80 Bodenpunkten (Schnitt 67) in der Lage, das wenige Wasser einigermaßen gut zu speichern.


„Wir haben keine starren Fruchtfolgen, sondern reagieren mit den Winterungen Weizen, Gerste, Raps und Erbsen sowie den Sommerungen Braugerste, Körnermais, Zuckerrüben, Zwiebeln und Hafer flexibel auf Standortgüte und Jahresgegebenheiten. Dies immer unter Berücksichtigung der Anbaupausen, um den Unkraut-, Schädlings- und Krankheitsbefall zu minimieren und den Nährstoffhaushalt optimal zu nutzen – eben eine gute fachliche Praxis durchzuführen. Nicht jedes Feld eignet sich für jede Kultur. Uns ist es wichtig, eine nachhaltige Landwirtschaft zu betreiben“, erläutert die Betriebsleiterin.


Die Wintererbse ist vergleichsweise genügsam, aber …

Leguminosen spielen auch als Stickstoffbinder eine wichtige Rolle. Die Wintererbse steht nach Gerste oder Raps und ihr folgt meist der Winterweizen. „Die Erbse ist nicht selbstverträglich, daher halten wir fünf bis sechs Jahre Anbaupause ein. Unsere Böden eignen sich gut für Wintererbsen, sie sollten aber steinfrei und möglichst eben sein. Den begrenzenden Faktor sehe ich im Niederschlag. Er ist entscheidend in der Keimphase und später in der Blüte. Kommt es da zum Wassermangel, wird der Hülsenansatz reduziert und die Kornentwicklung negativ beeinflusst, “ warnt Knoblich.


Knoblich/Siebdrath
Knoblich/Siebdrath
Gute Argumente für die Winterform

Die hier typische Wasserknappheit im Frühjahr ist für die erfahrene Erbsen-Vermehrerin ein entscheidendes Argument für die Winterung. „Die Sommererbsen geraten mit ihrer Jugendentwicklung in unsere typische Vorsommertrockenheit. Die Winterform kann dagegen die Winterfeuchtigkeit besser für sich nutzen und hat damit einen Wachstumsvorsprung, der auch zu einer gegenüber der Sommererbse früheren Ernte führt. Die Wintererbse ist weniger anfällig gegenüber Schadinsekten. Der Erbsenwickler spielt hier eigentlich keine Rolle, das Hauptaugenmerk gilt den Blattläusen.“ Ein weiteres Argument kommt hinzu: „Wir haben mit den Sommerungen im Frühjahr eine ganz erhebliche Arbeitsspitze – die können wir mit dem Anbau von Winterfuttererbsen entzerren.“

Und dann ist da noch der Ertrag: Obwohl auch bei Wintererbsen die Erträge schwanken, liegen sie doch im Normalfall deutlich über denen der Sommerform und erreichen in guten Jahren schon mal 65 dt/ha.


Tipp von Fachberater Frieder Siebdrath:

„Ich kann von Erbsenanbau an steileren Hangflächen nur abraten: Die Bestände verlieren oft vor der Ernte bei Gewitterstarkregen an Höhe und legen sich dann nicht zwingend in die richtige Richtung! An steilen Hängen kann die Ernte dann gefährlich werden!“


Dauerthema Winterhärte

Vielfach wird in der Praxis die Winterhärte der Wintererbsen angezweifelt. Welche Erfahrungen haben die Knoblichs gesammelt? „Bis jetzt gab es nur einen schwierigen Winter, in dem die Wintererbse unter Frost gelitten hat. Das war Ende Februar 2018, wir hatten Kahlfrost mit minus 14 °C. Hier hätte uns schon eine dünne Schneedecke von nur einem Zentimeter geholfen. Der Bestand war nicht vollständig erfroren aber nicht mehr wirtschaftlich zu führen. Das war bislang die Ausnahme. Die Winterfestigkeit, zumindest der Sorte James, ist mit der einer Wintergerste vergleichbar. Die Sorte FRESNEL haben wir nun im zweiten Jahr in der Vermehrung und die letzten beiden Winter waren sehr mild. Es bleibt abzuwarten.“

Eckdaten der Produktionstechnik/LWB Weiße:

  • Vorfrucht und Bodenbearbeitung: Nur wenn die Erbse nach Raps steht, wird auf den Pflug verzichtet. Unabhängig von der Vorfrucht bleiben deren Erntereste mit Blick auf den Humusgehalt auf dem Feld.
  • Es ist wichtig, den Acker eben und steinfrei zu halten. Optimalerweise muss auch gewalzt werden.
  • Die Aussaat erfolgt Ende September/Anfang Oktober mit einer Saatstärke von 80–90 Kö/m² und einer Ablagetiefe von 5 bis 6 cm.
  • Im Vorauflauf erfolgt eine Maßnahme gegen Unkräuter und im Frühjahr eventuell – ja nach Situation – eine weitere Maßnahme gegen Gräser.
  • Bei ungünstigen Witterungsverhältnissen kann ein Fungizideinsatz gegen die Brennflecken- bzw. Schokoladenfleckenkrankheit erforderlich werden.
  • Elementar ist hier die Insektizidmaßnahme gegen die Grüne Erbsenblattlaus, die nicht nur Viruserkrankungen überträgt, sondern an den Blüten auch massive Saugschäden verursachen kann. In acht von neun Jahren wurden die Schadschwellen an diesem Standort überschritten. Der in vielen anderen Regionen bedeutsame Erbsenkäfer hingegen spielt hier bis jetzt keine Rolle.

Der erforderliche Insektizideinsatz schließt einen wirtschaftlichen Erbsenanbau vom Greening aus, ungeachtet der Tatsache, dass die Erbse keinen Stickstoffdünger benötigt und somit eigentlich einen positiven Beitrag zur Nährstoffbilanz leistet.


„Bei der Ernte geht es um jeden Tag!“

erntereife Erbsen
erntereife Erbsen
Anja Knoblich betont, dass der Erntetermin alles entscheidend für einen reibungslosen Verlauf der Ernte und geringe Verluste sei. „Bei der Ernte geht es um jeden Tag. Im Hochsommer bei Hitze reifen die Bestände extrem schnell ab. Gerade bei Vermehrungen aber ist es mit Blick auf Kornbruch und Ausfallkörner sehr wichtig, dass die Bestände nicht zu trocken gedroschen werden. Meist werden die Vermehrungen ab dem 20. Juni gedroschen, die Konsumerbsen teilweise erst eine ganze Woche später.“ Da das Timing so wichtig ist, verlässt man sich bei der LWB Weiße nicht auf Lohndrusch, sondern hält ausreichend Kapazitäten für den Eigendrusch vor. „Den Drusch geben wir nicht aus der Hand, denn man kann auch mit z. B. suboptimaler Einstellung des Schneidwerkes viel Geld verlieren“, stellt die Landwirtin klar. Da erntereife Bestände nach z. B. einem Gewitterregen schnell „an Höhe verlieren“, ist es wichtig, dass das Schneidwerk tief ansetzt. Verschmutzungen des Erntegutes und Schäden am Mähdrescher durch Steine gilt es unbedingt zu vermeiden!

Gute Erfahrungen hat man auf diesem Betrieb mit Getreideschneidwerken gemacht. „Mit Getreideschneidwerken kommt man schräger und tiefer in den Bestand als mit einem vorgebautem Rapstisch. Vor allem bei den Vermehrungen darf man den Drescher aber nicht zu scharf einstellen, sonst beschädigt man das Erntegut.“ Und noch ein Tipp: „Wir haben schlechte Erfahrungen mit Druschzeiten gemacht, die in den Abend hineinreichen. Erbsenstroh zieht schnell die Feuchtigkeit an und innerhalb sehr kurzer Zeit ist kein optimaler Drusch mehr möglich.“


Weiter so!

Auch die Tatsache, dass Wintererbsen hier nicht als Greeningfläche einsetzbar sind, schmälert ihre Ökonomie für den LWB Weiße nicht entscheidend. Neben den zufriedenstellenden Erträgen von bis zu 65 dt/ha werden besonders der Vorfruchtwert und arbeitswirtschaftliche Gründe sehr geschätzt. „Wir werden auch weiterhin Wintererbsen anbauen“, meint Knoblich mit Blick auf die Bestände, die sich z. Zt. bestens präsentieren. „Jetzt brauchen wir nur noch ein paar Schauer zur richtigen Zeit, und ich bin sehr zufrieden!“

Dr. Anke Boenisch



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