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Extremjahre in der Sortenprüfung ➜ ein besonderer Zulassungsjahrgang 2020

Die letzten drei Vegetationsjahre waren sehr „besonders“. Dies betraf auch die Sortenkandidaten, die in dieser Zeit die Wertprüfungen durchlaufen haben und dieses Frühjahr zugelassen wurden.

Was bedeuten derartige Jahre für den Verlauf der Wertprüfungen, für die Beurteilung der Sorten, die Sortenzulassungen und letztlich für den Zuchtfortschritt?

Selektion Weizenzüchtung
Selektion Weizenzüchtung

Ende März wird es für jeden, der mit Wintergetreidezüchtung zu tun hat, spannend: In diesem Zeitraum wird vom Bundessortenamt in Hannover entschieden, ob die Zulassungskandidaten aus dem dritten Wertprüfungsjahr eine Zulassung aufgrund ihres landeskulturellen Wertes erhalten oder nicht. Zunächst schlägt das Bundessortenamt Mitte März für jeden Sortenkandidaten aufgrund der jeweiligen 3-jährigen Wertprüfungsergebnisse die vorläufigen Einstufungsnoten bzw. Ausprägungsstufen (APS) vor. Die Züchterhäuser haben dann für ihre jeweiligen Sorten die Möglichkeit, Stellungnahmen zu ihren Sorten zu erstellen und begründete Umstufungsanträge einzureichen, wenn ihre Einschätzung in Einzelmerkmalen von der des Bundessortenamtes abweicht. Diese Anträge werden dann während einer Zulassungsverhandlung diskutiert und danach entscheidet das Bundessortenamt final über die Zulassung und die Ausprägungsstufen.


Erschwerte Sortenbeurteilung durch heterogene Witterung

Die Witterungsbedingungen der Prüfjahre des Zulassungsjahrgang 2020 – 2017, 2018 und 2019 – unterschieden sich sowohl regional als auch zwischen den Jahren stark und stellten die Sorten teilweise vor extreme Herausforderungen. Das Jahr 2017 war insbesondere im Norden durch überdurchschnittliche Niederschlagsmengen gekennzeichnet und die Aussaatbedingungen im Herbst waren alles andere als optimal. Der Rekordsommer 2018 stellte die Landwirtschaft vor eine große Herausforderung: Zu überdurchschnittlichen Temperaturen kam die extreme Dürre in großen Teilen Deutschlands, die von April bis November anhielt. Auch 2019 war in sehr vielen Regionen viel zu trocken und überdurchschnittlich warm, dazu kamen einzelne Hitzetage in der Abreife. Bundesweit betrachtet waren Niederschlagsmengen und -verteilungen 2019 jedoch sehr unterschiedlich. Während der Osten erneut von einer Dürre betroffen war, gab es im Westen ausreichende Niederschläge.

Wertprüfungsjahrgänge 2017-2020; zum Vergrößern bitte anklicken

Wertprüfungsjahrgänge 2017-2020; zum Vergrößern bitte anklicken
Diese starke Heterogenität in den verschiedenen Jahren erschwert die Arbeit in der Sortenzüchtung, denn die regional sehr verschiedenen Klimabedingungen hatten auf die Ertragsbildung der Sorten spezifische Auswirkungen. Die unter diesen Bedingungen in Versuchen und Zuchtgärten erzeugten Ergebnisse und Beobachtungen besitzen teilweise eine niedrige Reproduzierbarkeit und erschweren die Selektionsgenauigkeit im Zuchtgarten. Auch für die Sortenzulassungen und Wertprüfungen des Bundessortenamtes hatten diese extremen Wettereinflüsse Folgen.


2020: deutlich weniger Aufsteiger als in Normaljahrgängen

In Tabelle 1 wird die Anzahl der geprüften Winterweizenstämme der jeweiligen Wertprüfungsjahre dargestellt und das Mittel der Zulassungsjahrgänge 2017–2019 mit dem Zulassungsjahrgang 2020 in ihren jeweiligen Wertprüfungen (Sortimenten) verglichen. Die Berechnungen erfolgten ausschließlich für Liniensorten. Die Werte in Klammern geben die Anzahl der Hybridweizen wieder. Die Selektion der Stämme erfolgt über den Index, welcher sich aus der Ackerzahl, der Ertragswertzahl, der Resistenzzahl und der Qualitätszahl (sofern ermittelt) der jeweiligen Verrechnungssorten ergibt. Wenn die Indexzahl der geprüften Zulassungskandidaten, über denen der Verrechnungssorten liegt, schafft der Stamm den Aufstieg in das nächste Wertprüfungsjahr.

Sollte der Stamm den Aufstieg gemäß Index nicht schaffen, so entstehen für den Züchter drei Möglichkeiten:

  1. Der Züchter zieht den Stamm zurück.
  2. Der Kandidat nimmt erneut am selben Wertprüfungssortiment teil (Nachsitzer).
  3. Es besteht die Chance, den Stamm aufgrund einer fundierten Argumentation (z. B. besondere Merkmale) gegenüber dem Bundessortenamt als Nachrücker in das nächste Sortiment aufsteigen zu lassen. Die Anzahl der Nachrücker ergibt sich aus der Differenz der Aufsteiger gemäß Index und der Anzahl tatsächlicher Aufsteiger.

Vergleicht man nun die Aufstiegsquote in dem Jahrgang 2020 mit der Quote der vorherigen Jahrgänge, so stellt man fest, dass die Anzahl der Direktaufsteiger sich mehr als halbiert hat (44 zu 18). Dies ist eine direkte Folge der jahresbedingten Umwelteinflüsse, welche die Ertragseigenschaften von Sorten – und damit den Index – sehr stark beeinflussen. Viel weniger Sorten als in den Vorjahren erreichten den notwendigen Index. Viele Sorten litten mal in dem einen mal in dem anderen Jahr unter einzelnen Witterungsfaktoren wie Trockenheit oder Hitze – mal „erwischte“ es z. B. frühreife, mal spätreife Sortentypen. Mit der hohen Anzahl an Nachrückern hat man seitens des Bundessortenamtes diesen außergewöhnlichen Bedingungen Rechnung getragen und so zum Erhalt der genetischen Diversität des Sortimentes (und damit auch letztlich der zugelassenen Sorten) beigetragen.


14 Linien- und drei Hybridsorten zugelassen

SU Hyleya
SU Hyleya
Von den WP3-Stämmen des Zulassungsjahrgangs 2020 wurden 14 Liniensorten und drei Hybridweizensorten aufgrund ihres landeskulturellen Wertes neu zugelassen. „Eine Sorte hat einen landeskulturellen Wert, wenn sie in der Gesamtheit ihrer wertbestimmenden Eigenschaften gegenüber den zugelassenen vergleichbaren Sorten, zumindest für die Erzeugung in einem bestimmten Gebiet, eine deutliche Verbesserung für den Pflanzenbau, die Verwertung des Erntegutes oder die Verwertung aus dem Erntegut gewonnener Erzeugnisse erwarten lässt. Einzelne ungünstige Eigenschaften können durch andere günstige Eigenschaften ausgeglichen werden.“ (Saatgutverkehrsgesetz Paragraf 34). Die Zulassung aufgrund eines solchen landeskulturellen Wertes erfolgte z. B. aufgrund der Kombination aus Ertrag und Gesundheit (bei den Hybridweizen SU Hyleya (A), SU HYVEGA* (A) und SU Hyacinth* (B)) oder aufgrund einer außergewöhnlichen Ausgewogenheit hinsichtlich hoher Erträge, guter Resistenzen und guter Qualitäten (SU HABANERO (A)). Auch eine weit überdurchschnittliche Ertragsstabilität über alle Fruchtfolgen und Standortbedingungen wie bei der Sorte SU MANGOLD (B) kann einen landeskulturellen Wert darstellen. Da ein hohes Maß an genetisch fundierter, breit angelegter Gesundheit oft mit unterdurchschnittlichen Erträgen einhergeht, stellt Gesundheit in Kombination mit hohen Erträgen ebenfalls eine deutliche Verbesserung für den Pflanzenbau dar, wie es bei der Sorte GENTLEMAN (B) der Fall ist.


Züchtung steht vor großer Herausforderung

Der Sorten-Output der Züchter wird durch solche Extremjahre stark beeinflusst. Es müssen Sorten entwickelt werden, die verschärften Umweltbedingungen gewachsen sind und zugleich gute Resistenzen und natürlich eine ansprechende Agronomie mitbringen.

Genetische Vielfalt ist gefordert – diese ist für die Praxis von immenser Bedeutung. Denn sie ist das beste Mittel gegen jahresbedingte Extreme, um Ertragsschwankungen zu kompensieren: genetische Vielfalt innerhalb einer Kulturart, aber auch durch den Einsatz verschiedener Kulturen mit unterschiedlicher Ertragsphysiologie.

Paul Steinberg

* Registereintragung erfolgt voraussichtlich im Sommer 2020



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