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"Hafer wird niemals alt" - Oat Convention in Braunschweig

Am 22. Januar trafen sich in Braunschweig Vertreter aus vielen europäischen Ländern zur „Oat Convention“. Die von der SAATEN-UNION organisierte Veranstaltung brachte Vertreter aller an der Wertschöpfungskette Hafer beteiligten Branchen zusammen.

Gute Stimmung unter den Gästen der Oat Convention
Gute Stimmung unter den Gästen der Oat Convention
Der Veranstaltungssaal war bis auf den letzten Platz gefüllt, als sich am 22. Januar in Braunschweig Experten aus 15 Ländern zur Hafertagung versammelten. Die Gästeliste reichte von Vertretern aus Züchtung, Mühlen, Verarbeitung und Vermarktung bis hin zu wissenschaftlichen Einrichtungen.

„Nordsaat bleibt weiter dran!“

Wolf von Rhade, Geschäftsführer des SAATEN-UNION-Gesellschafters Nordsaat, erinnerte in seiner Begrüßung an die Anfänge der deutschen Haferzüchtung. Seit die Nordsaat vor 110 Jahren eine Kooperation mit einem schwedischen Unternehmen eingegangen sei, befasse man sich dort mit der

Wolf von Rhade: Das Getreide rückt seit Jahren stärker in den Fokus gesundheitsbewusster Verbraucher.
Wolf von Rhade: Das Getreide rückt seit Jahren stärker in den Fokus gesundheitsbewusster Verbraucher.

Haferzüchtung. Und das seit auch in den Jahrzehnten so geblieben, in denen die Kultur ein trauriges Nischendasein als Pferdefutter fristete.

Doch nun rücke das Getreide seit Jahren konstant stärker in den Fokus gesundheitsbewusster Verbraucher, fuhr von Rhade fort. Hafer passe mit gesunden Inhaltsstoffen und modernen Vermarktungskonzepten in moderne Ernährungskonzepte. Und – anders als einige andere als „Superfood“ angepriesene Lebensmittel, ist der Hafer regional. „Nordsaat bleibt dran“, versprach der Redner dem Publikum.

Henning Alvermann, Cropmanager bei der SAATEN-UNION und Moderator der Veranstaltung hob

Crop Manager Hennig Alvermann
Crop Manager Hennig Alvermann
hervor, dass einfach „nur züchten“ dabei aber nicht das Ziel sei: „Wir brauchen Lösungen für Leute mit verschiedenen Ansprüchen“. Jeder 9. Erdenbewohner hungert, gleichzeitig gewinnt das Problem der Über- und Fehlernährung immer stärker an Bedeutung und bringt für Millionen Menschen gesundheitliche Probleme mit sich sowie für Volkswirtschaften hohe finanzielle Belastungen. Und dann sei da noch der Klimawandel, der von Züchtern und Kulturen in hohem Tempo Flexibilität fordere. „Hafer ist nicht die einzige Lösung, aber ein Teil davon“, schloss Alvermann sein Statement.

„Züchtung zählt!“

Dr. Steffen Noleppa
Dr. Steffen Noleppa

Dr. Steffen Noleppa vom Berliner Humboldt-FORUM for Food and Agriculture war von der SAATEN-UNION beauftragt worden, den ökonomischen und sozialen Wert der Züchtung zu untersuchen. Dafür verglich er Studien zur Bedeutung der Züchtung in Deutschland, Europa und der Welt. Seine Schlussfolgerung: „Züchtung ist der Treiber für eine Produktivitätssteigerung“. In Regionen wie der EU sei die „Total factor productivity“, also die Innovation, die wichtigste Wachstumsquelle, weil andere Faktoren wie Wasser und Ackerfläche bereits ausgereizt seien. Im Umkehrschluss, fügte Noleppa an, hätte ein Verzicht auf züchterischen Fortschritt allein seit 2015 Produktionsverluste von 17 % zur Folge gehabt! „Ohne Züchtung wäre die EU, diese wirtschaftlich und klimatisch stabile Region, Nettoimporteur für alle landwirtschaftlichen Kulturen“, erklärte Noleppa. „Wir würden Flächen in anderen Teilen der Welt beanspruchen mit allen damit verbundenen Folgen: C02-Ausstoß, Biodiversitätsverluste und Wasserverbrauch.“

Zu wenig Forschung

Prof. Luzia Valentini
Prof. Luzia Valentini

Prof. Luzia Valentini vom Neubrandenburg Intitute of Evidence-based Dietetics (NIED) informierte im Anschluss über Gesundheitseffekte des Hafers. Sie schloss sich den Worten von Rhades an und listete nur einige der Kosten auf, die Über- und Fehlernährung in den kommenden Jahren verursachen werden: 2017 ergab eine Studie zu Herz-Kreislauferkrankungen und deren Kosten, dass auf die EU hier Belastungen von jährlich 210 Mrd. Euro zukommen. Dabei seien 80 % Erkrankungen der Herzkranzgefäße und 90% der Diabetes-2-Erkrankungen mit entsprechender Gesundheitsvorsorge vermeidbar. Weltweit ist ungesunde Ernährung für einen von fünf Todesfällen verantwortlich!

Hafer ist insgesamt mit vergleichbaren Inhaltsstoffen wie andere Getreide ausgestattet – hohe Rohfaser-, Protein- und Mikronährstoffgehalte wie Zink, Eisen, Vitamin B1 und B6 oder Magnesium. Besonders interessant werde er durch spezifische bioaktive Inhaltsstoffe wie Beta-Glucan und Avenathramiden, die als Antioxidantien wirken und entzündungshemmende Eigenschaften hätten.

Eine interessante anbautechnische Untersuchung zum Hafer von der Hochschule Neubrandenburg beschrieb Valentini noch: Es werde untersucht, wie die Verbindung zwischen guten Wachstumsbedingungen und dem Gehalt an Inhaltsstoffen wie dem erwähnten Beta-Glucan ist. Die Idee dahinter: Flächen mit besonders hohen Inhaltsstoffgehalten extra zu ernten.

„Nur meine Oma hat an mich geglaubt“

Leandro Burguete aus Berlin, Geschäftsführer der „Fast-Food“-Kette Haferkater, stellte anschließend

Leandro Burguete: Gründer von Haferkater
Leandro Burguete: Gründer von Haferkater
seine Geschäftsidee vor. Porridge, vor allem unter seinem deutschen Namen Haferbrei, sei vielen zwar gesund, aber altbacken vorgekommen, erklärte er. Obwohl seine Freunde ihn anfänglich für verrückt erklärten und nur seine Oma ihm Mut zugesprochen habe, traf die Geschäftsidee offenbar einen Nerv beim Kunden: Frisch zubereitetes, lecker zusammengestelltes und preisgünstiges Porridge-to go in mehreren Geschmacksvariationen, darunter auch herzhaft, ist inzwischen in zehn Filialen, meist an Bahnhöfen, erhältlich. Die sozialen Medien spielten dabei bei der Bekannmachung der Kette die größte Rolle, hat Burguete festgestellt: „Kunden sind die besten Botschafter“.

„Essen wird Lifestyle“

Foodbloggerin Inga Pfannebecker: Hafer ist keine Nische mehr!
Foodbloggerin Inga Pfannebecker: Hafer ist keine Nische mehr!

Das unterstützt auch Inga Pfannebecker, sie ist Foodbloggerin und Buchautorin aus Amsterdam. Viele Menschen entwickelten heute eine emotionale Beziehung zu ihrer Ernährung. Hafer erlebe dabei eine Verschiebung in der Wahrnehmung, weg vom altbackenen Arme-Leute-Essen hin zu einem modernen, gesunden und vielfältig konsumierbaren Lebensmittel. „Hafer ist keine Nische mehr“, hat Pfannebecker festgestellt. Und aus Gesundheitsaspekten kann die Ökotrophologin das nur begrüßen: „In Sachen Inhaltsstoffe kann Hafer alle Getreide ersetzen“!

„Hafer wird niemals alt“

Matthias Hannsbauer, Bühler AG: Hafer wird niemals alt!
Matthias Hannsbauer, Bühler AG: Hafer wird niemals alt!

Matthias Hannsbauer vom Schweizer Technikanbieter für Getreideaufbereitung und -Verarbeitung Bühler AG ist ebenfalls froh über das wachsende Interesse an Hafer.

Auch er beobachtet die Verschiebung in der Verbrauchermeinung, was weltweit wachsende Märkte zur Folge habe. „Typisch für den Hafer sind viele lokale Märkte und kundenspezifische Angebote. Bei der Hafermilch gibt es derzeit ein rasantes Wachstum, auf solche Entwicklungen müssen sich Mühlen schnell einstellen.“ Weitere Segmente, die die Mühlen derzeit herausforderten, sind die Bereiche Ökohafer und „Glutenfrei“. Das an sich glutenfreie Haferkorn müsse so sorgfältig geerntet, aufbereitet und verarbeitet werden, dass so wenig wie möglich Anteile an (glutenhaltigem) Fremdgetreide hineingeraten. Der heute noch übliche Besatz von 20 ppm, das entspricht etwa 1 bis 2 Körnern Weizen/kg Hafer, wird sich schon bald in Richtung 5 ppm entwickeln, ist Hannsbauer überzeugt. Auch weitere Qualitätsansprüche werden steigen. So sei Rösten als neuer Arbeitsschritt bereits in einigen Mühlen integriert, der Arbeitsschritt biete geschmackliche Vorteile, Bitterstoffe würden entfernt.

„From Feed to Food“

Haferzüchter Dr. Beuch
Haferzüchter Dr. Beuch

Letzter in der Reihe der Referenten war Dr. Steffen Beuch, Haferzüchter beim SAATEN-UNION-Gesellschafter Nordsaat. Er freut sich über die neue Karriere des Hafers. Das zeige sich in allen Märkten: „Die Vorräte bei den Hauptproduzenten Nordamerika, Australien und Europa sind historisch niedrig, die weltweite Ernte von 20 bis 25 Mio. t kann den wachsenden Bedarf nicht ausgleichen.“

Unglücklicherweise muss er aber konstatieren, dass die Anbaufläche in vielen Ländern sinken, darunter auch in Deutschland. In Europa sei Spanien das einzige Land mit konstanter Anbaufläche. Die Erntemengen blieben allerdings konstant, und das sei der Züchtung zu verdanken: „Die Erträge sind in allen Anbauregionen deutlich gestiegen. In Irland haben sie sich sogar verdoppelt!“

Haferanbau müsse professionell angegangen werden, fordert der Züchter: „In keiner Kultur haben wir eine so große Lücke zwischen Versuchsergebnissen und Praxiserträgen.“ Um sage und schreibe 35 % liegen die Erträge in Feldversuchen über denen der Praxis. „Die Züchtung hat die Erträge gesteigert, aber das kam auf dem Feld nicht an“, konstatiert Beuch. Als Gründe beschreibt er eine (zu) geringe Intensität bei vielen Anbauern, die oft auch mit schlechterer Standortwahl einhergeht, aber auch den steigenden Ökohaferanbau.

Nordsaat sehe sich in der Lage, Sorten für alle Anbauanforderungen und Marktansprüche bereitzustellen. „Dank verschiedener Genpools sind wir der einzige Züchter, der für alle europäischen Bedürfnisse züchtet. Jedes zweite Haferfeld in Deutschland und jedes fünfte in Europa trägt Nordsaat-Material. Das macht uns stolz.“ Neuester Zugang in der Beschreibenden Sortenliste sei der seit 2018 in vielen Ländern zugelassene LION. Der Gelbhafer zeige sich sehr stabil unter vielen Bedingungen und bringe dank seiner guten Schälbarkeit beste Eigenschaften für Anbauer und Verarbeiter mit.

Catrin Hahn



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