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Spezialgetreide: Was leisten Emmer, Einkorn und Dinkel?

Mit dem Beginn der Sesshaftigkeit des Menschen begann auch die Nutzpflanzen-Selektion im Ursprungsgebiet unserer heutigen Getreidearten, dem „Fruchtbaren Halbmond*“. Zu den Gründerpflanzen vor ca. 12.000 Jahren gehörte zunächst Einkorn, dann Emmer und Gerste. „Urgetreide” wie Dinkel, Emmer und Einkorn werden immer beliebter – einen Einblick in den Stand der Züchtung gibt FELIX Buchholz, Produktmanager für Spezialgetreide.

Parzellen der Südwestsaat auf den Ökofeldtagen
Parzellen der Südwestsaat auf den Ökofeldtagen
Während Einkorn, Emmer und Gerste für die jungsteinzeitlichen Menschen wichtige Quellen für Kohlenhydrate waren, lieferten Linsen und Erbsen Eiweiß und Lein lieferte Fette und Fasern. Durch die Auslese in den Wildarten wurde vermutlich bereits damals eine verringerte Spindelbrüchigkeit bei Getreide erreicht.

Dinkel, Emmer und Einkorn werden bei den Verbrauchern immer beliebter und gute Vermarktungsstrukturen sowie ein deutlicher Zuchtfortschritt machen diese Kulturarten für viele Betriebe ökonomisch interessant.


Deutlicher Zuchtfortschritt nach nur 20 Jahren Züchtung

Seit 1999 hat sich die Uni Hohenheim der Prüfung von Einkorn- und Emmerlinien verschiedener Herkünfte angenommen, wodurch Emmer (v. a. in Deutschland) und Einkorn (v. a. in Österreich, Ungarn, Frankreich) wieder auf ein paar Tausend Hektar kultiviert werden.

In der „Urgetreidezüchtung“ bedient man sich vor allem Genbanksaatgutes, aber auch Material aus anderen Zuchtprogrammen. Dieses wird neben Kreuzungen aus vielversprechenden Linien einer Art zu allererst in Handsaat-Reihen vermehrt und geprüft. Alles was hier bereits besonders krankheitsanfällig oder für heutige Anbauansprüche unbrauchbar ist, wird verworfen. Bei vielen Emmerlinien besteht beispielsweise oft das Problem einer erhöhten Anfälligkeit gegenüber dem in den letzten Jahren verstärkt auftretenden Gelbrost. Von 50–100 Kreuzungen (20.000 Einzelpflanzen) schaffen es am Ende nur 2–3 Kandidaten in die amtliche Wertprüfung, wovon dann hoffentlich letztlich ein Stamm als Sorte zugelassen wird. Während also die zielgerichtete, kommerzielle Weichweizenzüchtung auf gut 150 Jahre kommt, sind es in der modernen Einkorn- und Emmerzüchtung nur knapp 20 Jahre. Die Weichweizenerträge stiegen innerhalb der letzten 70 Jahre von 3 auf 8 t/ha. Natürlich ist dies teilweise auch den Entwicklungen in Bodenbearbeitung, Pflanzenschutz und Düngung zuzusprechen. Aber dennoch gibt diese Ertragssteigerung eine Idee von dem Züchtungspotenzial bei Emmer und Einkorn. In einem älteren mehrjährigen Versuch (2010–2014) des Thüringer Landesamtes für Landwirtschaft und Ländlichen Raum (TLLLR) wurden bei Einkorn 45 %, bei Emmer 60 % und bei Dinkel knapp 75 % durchschnittlicher Weichweizenerträge erzielt, bei letzterem inklusive Spelze. Doch es gibt mittlerweile auch bei Urgetreide neuere Sorten mit erheblichem Zuchtfortschritt. So drischt zum Beispiel der Emmer Späths Albjuwel 20 % und der Dinkel ZOLLERNPERLE gute 30 % mehr als alte Landsorten (Tab. 1 und 2). Beim Einkorn ist die Sortenauswahl mit nur zwei in Deutschland zugelassenen Sorten (Monoverde, Terzino) derart überschaubar, dass sich ertraglich kaum Aussagen treffen lassen.


Emmersorten im Ökoanbau

Emmersorten im Ökoanbau

Sortenranking

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Intensive Forschung bei Qualität und Verarbeitung

Da viele schwedische Mühlen bereits Wachstumsregler ablehnen, ist die Verbesserung der Standfestigkeit eines der agronomisch relevantesten Züchtungsziele. Wie auch beim Dinkel wird daher bei Urgetreide unter anderem auf geringere Wuchshöhe selektiert.

Auch bezüglich der Backfähigkeit von Einkorn und Emmer gibt es noch genetisches Potenzial. Daher werden umfangreiche Verarbeitungstests vom Hohenheimer Zuchtmaterial unter wissenschaftlicher Begleitung von Dr. Friedrich Longin durchgeführt. Ebenso arbeitet Fabio Mascher von Agroscope (Schweiz) aktuell an der Etablierung umfangreicher Back- und Mahltests sowie Proteinanalysen in möglichst enger Kooperation mit Bauern und Bäckern. So können zukünftig sorten-, aber auch artspezifische Aussagen zur Verarbeitungsqualität getroffen werden.


Anspruchlosigkeit passt

Die natürliche Robustheit und Anspruchslosigkeit von Emmer und Einkorn bietet schon jetzt gute Voraussetzungen, mit möglichst wenig Pflanzenschutz und Düngung auszukommen. Damit liegen diese Kulturarten voll im Trend! Die Sortengesundheit soll züchterisch noch weiter verbessert werden. Gerade für den Anbau in Höhenlagen wäre eine Resistenz gegen Steinbrand wünschenswert. Aber dies ist zurzeit noch Zukunftsmusik, denn die Erblichkeitsrate dieser Eigenschaft ist gering und die Resistenzprüfung ist schwierig.

Emmer, und Einkorn und auch Dinkel sind schmackhafte Getreide mit sehr guten Zukunftsprognosen und werden immer häufiger auf deutschen Feldern zu finden sein.

Geschichte des Weizens

Geschichte des Weizens

*Winterregengebiet am nördlichen Rand der syrischen Wüste, die sich im Norden an die arabische Halbinsel anschließt.



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