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Landwirtschaft im Umbruch - was ändert sich in den Regionen?

Kaum ein Wirtschaftszweig verändert sich zurzeit derart schnell wie die Landwirtschaft und kaum ein Wirtschaftszweig steht so stark im öffentlichen Interesse. Immer häufigere Wetterextreme, Umweltauflagen mit starken Einschränkungen in der Düngung, weniger Pflanzenschutzwirkstoffe, öffentliche Kritik einerseits, diverse Förderprogramme andererseits: Das alles führt zu einem Umdenken auf vielen Betrieben. Allerdings unterscheiden sich die Strategien regional deutlich. Hier berichten einige Fachberater, wie sie in ihren Regionen die Veränderungen wahrnehmen.

Paul Steinberg; alle Bilder zum Vergrößern bitte anklicken
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Sachsen / Paul Steinberg

Die Auswirkungen des Dürrejahrs 2018 sind in Ostdeutschland auch 2019 zu spüren. Futterknappheit, die Sorge vor einem weiteren trockenen Jahr und Probleme im Rapsanbau führen zu deutlichen Veränderungen der Fruchtfolgen.


Futter ist auch 2019 nicht sicher

Bei viehhaltenden Betrieben ist die Futtersituation immer noch angespannt, das Sichern der Futterreserven hat daher Priorität. Schon 2018 wurden oft Grünschnittroggen bzw. Zwischenfrüchte zur Futternutzung vor Mais angebaut und Hybridroggen bzw. Triticale als Ganzpflanzensilage genutzt. Aufgrund fehlender Niederschläge im April 2019 hat sich die Situation immer noch nicht in allen Landesteilen entspannt. Die Betriebe mit leichteren Böden bzw. sehr schlechter Wasserversorgung müssen auch in diesem Jahr wieder auf Getreide zur Schnittnutzung zurückgreifen.


Alternativen zu Raps gesucht

In den reinen Marktfruchtbetrieben wird immer mehr nach Alternativen zu den klassischen „Grand Cultures“ – besonders zum Raps – gesucht. Der Rapsanbau ist in Ostdeutschland aufgrund unbefriedigender Erträge, stagnierender Preise und auch wegen der sehr schlechten Aussaatbedingungen im Herbst 2018 zurückgegangen. Alleine aufgrund des extrem trockenen Herbstes konnten in Sachsen-Anhalt ca. 50 % der geplanten Rapsflächen nicht ausgesät werden. Hinzu kommen Umbrüche, weil der Feldaufgang oder die Jugendentwicklung extrem schlecht verlief.

Regional eine Alternative zum Raps?
Regional eine Alternative zum Raps?
Welche Alternativen aber gibt es zum Raps? Um es vorwegzunehmen: Es gibt keine Kulturart, die Raps zu 100 % ersetzen könnte. Jede denkbare Alternative hat Vor- und Nachteile und ist auch nicht auf jedem Standort anbauwürdig. Aber es ist auf vielen Betrieben möglich, Teilflächen mit alternativen Kulturen zu substituieren. Wegen der aktuellen Futterknappheit griffen 2018 und 2019 viele Betriebe kurzfristig auf Getreide oder Silomais zurück. Zeitgleich beschäftigen sich aber immer mehr Betriebe mit dem Anbau von Leguminosen, Sonnenblumen oder Körnermais. Die Leguminosen sind in viele Betriebe im Rahmen des Greenings wieder zurückgekehrt. Je nach Wasserverfügbarkeit der Standorte ist der Anbau von Ackerbohnen oder Erbsen möglich, erste Erfahrungen werden schon mit der Sojabohne gesammelt. Da besonders in Trockenjahren die Ertragsstabilität der Sommerleguminosen leidet, werden auf einem Teil der Flächen zur Risikoabsicherung Wintererbsen und -bohnen angebaut. Diese nutzen die Winterniederschläge besser, bringen allerdings für stark auswinterungsgefährdete Standorte nicht die ausreichende Winterfestigkeit mit.

Die Fruchtart mit den geringsten Ertragsschwankungen im vergangenen Jahr war die Sonnenblume. Praxiserfahrungen zeigen allerdings auch, dass die Sonnenblume in einem von drei Jahren aufgrund von nassen Bedingungen im Herbst schlecht beerntbar ist.

Die Alternative Körnermais hat den Nachteil, dass sich durch die späte Ernte die Aussaat der Folgefrucht deutlich nach hinten verschiebt.


Trockentoleranz des Getreides wird wichtiger

Bei Getreide wird die Trockentoleranz immer wichtiger: Besonders für leichte Standorte ist der Hybridroggen klar die erste Wahl. Bei Gerste und Weizen steht die Reifestreuung im Vordergrund: Sorten mit unterschiedlicher Reife entzerren Arbeitsspitzen und senken das Risiko von Ertragsausfällen durch Trockenheit.


Franz Unterforsthuber
Franz Unterforsthuber
Südbayern / Franz Unterforsthuber

Für viele Umweltprobleme wird die Landwirtschaft zur Verantwortung gezogen. In Bayern gipfelte das Ganze mit dem Volksbegehren zum Artenschutz, das politisch mit mehr Öko-Landbau und weniger Pflanzenschutz umgesetzt werden soll. Eine zusätzliche Herausforderung ist die Umsetzung der Düngeverordnung, bei der eine weitere, stark umstrittene Verschärfung im Raum steht.


Die Betriebe sind offen für Veränderungen

Ich stelle zunehmend fest, dass viele bayerische Betriebsleiter diese öffentliche Diskussion annehmen und ihren Pflanzenbau anpassen, wobei viele Umweltmaßnahmen durch das KULAP unterstützt werden. Man beschäftigt sich wieder mehr mit seinem Boden und der Bedeutung von Bodenfruchtbarkeit und Bodenstruktur für den Wasser- und Nährstoffhaushalt. Der dafür vorteilhafte Zwischenfruchtanbau wird z. B. durch das Mulchsaatprogramm unterstützt.


Weitere Fruchtfolgen mit mehr Leguminosen

Auch auf Fruchtfolgeeffekte scheint wieder mehr geachtet zu werden: Nicht nur die Wirtschaftlichkeit der einzelnen Kultur, sondern der gesamten Fruchtfolge zählt. Es wurde in den letzten Jahren auf vielen Betrieben deutlich, wie wichtig es für die Gesundheit und damit für die Ertragsfähigkeit einer Fruchtfolge ist, dass Abstände ausreichend groß sind. Mehr Fruchtfolgeglieder bedeuten mehr Ertragsstabilität und Gesundheit. Mais und Rüben sind mit ihrem hohen N-Aneignungsvermögen gut für die N-Bilanz, die Pfahlwurzeln von Raps und Zwischenfrüchten fördern die Bodenstruktur und Leguminosen als Haupt- und Zwischenfrucht bringen Stickstoff in den Kreislauf.

Soja - eine Pflanze mit Zukunft
Soja - eine Pflanze mit Zukunft
Leguminosen werden über das Programm der 5-gliedrigen Fruchtfolge gefördert. Es gibt in Deutschland nur wenige Züchter, die sich mit Ackerbohnen und Erbsen kontinuierlich beschäftigt haben. 2018 waren z. B. nur 9 Ackerbohnensorten mit landeskulturellem Wert in Deutschland zugelassen: Drei kamen aus dem Hause P.H. Petersen, fünf stammten aus dem Zuchtprogramm der Norddeutschen Pflanzenzucht, vertrieben werden also acht von neun Sorten von der SAATEN-UNION. Eine Leguminose mit Zukunft – zumindest im Süden Deutschlands – ist sicher die Sojabohne, deren Anbau in den letzten Jahren deutlich ausgeweitet wurde.


Immer mehr Betriebe stellen auf ökologische Bewirtschaftung um

In jüngerer Zeit nehmen mehrere Betriebe die geförderte Umstellung zum ökologischen Landbau in Anspruch. Die Landwirte sehen mit dem Wegfall von Wirkstoffen und mit der kritischen öffentlichen Diskussion zu Pflanzenschutz eine zunehmende Ökologisierung und wollen so ihr Einkommen über Prämien absichern. Es hat sich gezeigt, dass viele leistungsfähige, konventionell gezüchtete Sorten auch unter ökologischen Anbaubedingungen überzeugen.


Viele freiwillige Maßnahmen für den Umweltschutz

Unabhängig von Programmen legen viele konventionell wirtschaftende Landwirte zur Förderung der Artenvielfalt Blühstreifen an, bauen zur Reduzierung der Pflanzenschutzintensität gesündere und moderne Sorten an und verzichten auf prophylaktische Maßnahmen. Einige Getreidezüchter haben ohnehin immer schon viel Wert auf das Selektionskriterium Gesundheit gelegt, sodass moderne Sorten mit sehr hohem Resistenzniveau von der Ähre bis zur Halmbasis zur Verfügung stehen (aus dem Zulassungsjahrgang 2019 z. B. SU SELKE).


Winfried Meyer-Coors
Winfried Meyer-Coors

Nordwest-Niedersachsen / Winfried Meyer-Coors

Andere Sortentypen sind gefragt

Das „Dürrejahr“ gibt auch in Westdeutschland Anlass zur Sorge über die Häufung solcher klimatischen Ausreißer. Jetzt denken viele Betriebsleitungen bei der Sortenwahl u. a. über trockentolerante, N-effizientere und gesündere Sorten nach. Generell ist auch die teilflächenspezifische Bewirtschaftung und Aussaat – gerade bei Mais – auf immer mehr Betrieben etabliert oder zumindest in der Testphase. Zusammen mit der Landmaschinenindustrie werden neue Wege eingeschlagen. Gerade in dem Bereich der teilflächenspezifischen Aussaat greift ein Rad ins andere, d. h. die Sorte muss auch für dieses System geeignet sein. Daher werden praxisnahe Versuche von Maschinenherstellern und Horsch, in Zusammenarbeit mit Züchtern, z. B. der SAATEN-UNION, durchgeführt.


Die Menge an organischen Düngern erfordert neue Strategien

Neue Ausbringtechnik: In der Veredlungsregion wie dem Weser-Ems-Gebiet werden neueste Techniken wie Schleppschlauch, Schleppschuh oder direkte Einarbeitung eingesetzt, um den (reichlich anfallenden) wertvollen organischen Dünger verlust- und geruchsarm auszubringen. Diese Dienstleistung wird oft überbetrieblich erledigt.

Gülle „exportieren“: Der überflüssige organische Dünger wird über Naturdungverwertungsgesellschaften mit sog. Kombilinern in die Ackerbauregionen verbracht. Diese Lkw transportieren auf der Hintour Gülle und auf der Rücktour Getreide für die Kraftfutterwerke. Dieser Trend wird durch die Verschärfung der Düngeverordnung vermutlich noch zunehmen. Durch die Möglichkeit, der Gülle Wasser zu entziehen, ist die Transportwürdigkeit gestiegen. Solange der Gülletransport ökonomisch ist, wird dieser Faktor nicht zu sinkenden Tierzahlen führen. Die zurückgehenden Tierzahlen in der Region sind vor allem auf die steigenden Tierwohlstandards zurückzuführen.

Rückgang von C-Weizen zugunsten von A- und B-Weizen: Obwohl der Einsatz von Handelsdünger in den letzten Jahren extrem zurückgegangen ist und organischer Dünger in Ackerbauregionen verfrachtet wird, gibt es in vielen Betrieben einen Nährstoffüberschuss. Eine Stellschraube ist sicherlich die Kulturartenzusammensetzung. Beispielsweise wird weniger C-Weizen angebaut, da hier 20 kg/ha weniger laut Düngeverordnung gedüngt werden dürfen.


Politische Vorgaben führen zu massiven Veränderungen der Anbaustrategien

Da immer weniger Wirkstoffe im Pflanzenschutz eine Zulassung bekommen bzw. ihre Zulassung behalten, wird wieder mehr Wert auf die Resistenzausstattung von Sorten gelegt. Natürlich bleibt die Ertragsleistung vorrangiges Kriterium, aber die Ertragssicherheit rückt wieder mehr in den Fokus. Nicht nur die Gesundheit einer Sorte, sondern zunehmend auch deren Trockenresistenz sind wesentlich für die Ertragssicherheit. Winterweizentypen wie PORTHUS, FAUSTUS oder Lemmy werden interessant. In Maisfruchtfolgen spielt besonders die Resistenz gegen Fusarium eine Rolle.

Eine deutlich sichtbare Veränderung ist der Rückgang der Rapsflächen nach dem Verbot der „Neonics“. Es war dieses Jahr zur Rapsblüte deutlich zu erkennen, dass sich in meiner Beratungsregion die Erkenntnis durchsetzt, Raps mit maximal 25 % in der Fruchtfolge zu platzieren.

Ebenfalls deutlich sichtbar ist der Trend zu Untersaaten in Mais, die als ökologische Vorrangflächen anerkannt werden. Man sieht immer weniger blanke Flächen mit Maisstoppeln – was auch bei den Verbraucher/innen sehr gut ankommt. Auf so manchem Betrieb konnten Zwischenfrucht-Biomassemischungen 2018 Futterlücken kompensieren. Hier kamen besonders Kleegrasmischungen und auch das Lundsgaarder Gemenge zum Einsatz. Wenn Jahre wie 2018 sich wiederholen, werden immer mehr Betriebe ihre Fruchtfolgen flexibler gestalten, um das Anbaurisiko zu senken.

Die Bedingungen in der Landwirtschaft ändern sich und die Pflanzenzüchtung kann auch in Zukunft mit entsprechend gezüchteten Sorten sicherlich einen großen Anteil dazu beitragen, dass Pflanzenbau auch in Zukunft gelingt.



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