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  18.12.2025
  0 Kommentare
  Betriebswirtschaft

Körnermais richtig rechnen!

Körnermais ist vor allem in klimatisch günstigeren Gebieten ackerbaulich eine interessante Frühjahrskultur. Gerade das Jahr 2025 liefert in vielen Regionen Rekorderträge, jedoch oft begleitet von höheren Wassergehalten deutlich über 30 % Feuchte. Franz Unterforsthuber, Fachberater für die Region Südbayern, erläutert anhand von aktuellen Versuchsergebnissen, welche Mais-Typen aufgrund ihres Reife- und Trocknungsverhaltens in den verschiedenen Anbaulagen die größte Wirtschaftlichkeit aufweisen.

Grund dafür ist die gegenüber 2024 deutlich geringere Wärmesumme in der Abreifephase. Die Trocknungskosten haben einen erheblichen Einfluss auf den wirtschaftlichen Erfolg des Körnermais-Anbaus und schwanken erheblich. Je nach Region liegen sie bei 2,50 € bis 4 €/dt Feuchtmais (Basis: 30 % Feuchte), abhängig von der Effizienz und der Art der Befeuerung der Maistrockner (Öl oder Gas). Das bedeutet bei einem Ertrag von 160 dt/ha mit 30 % Feuchte einen Unterschied von 240 €/ha.


Körnermais muss ausreifen

Neben dem Ertragspotenzial und agronomischen Eigenschaften wie Standfestigkeit und Druschfähigkeit ist somit die passende Reife ausschlaggebend bei der Sortenwahl. Die physiologische Reife von 30–35 % muss auf alle Fälle erreicht werden und dafür ist primär die Wärmesumme des jeweiligen Standortes verantwortlich. Für einen Körnermais mit K 240 wird vom DMK eine Wärmesumme von 1.350 °C (Basis: 8 °C) veranschlagt. Erst mit der physiologischen Reife schöpft der Mais sein Ertragspotenzial voll aus, Wasser wird aus dem Korn gedrückt und Stärke eingelagert. Ziel ist es, durch gesunde Pflanzen diesen Zeitpunkt möglichst weit nach hinten zu schieben.


Diagramm zeigt den Feuchteverlauf von vier Maissorten im Oktober. Sorten: Hampton, Sumumba, Wesley, Keldeo. Feuchte sinkt über Zeit. (automatisch generiert durch KI)
Abreife


Dies ist die Phase der aktiven Wasserabgabe, die mit dem endgültigen Abschluss der Leitungsbahnen, gekennzeichnet durch den „Schwarzen Punkt“ am Korn (Black Layer), beendet wird. Stresssituationen wie z. B. Frost, Trockenheit oder Blattkrankheiten verkürzen diesen Zeitraum mit negativer Auswirkung auf den Ertrag. Anschließend erfolgt die passive Wasserabgabe durch Verdunstung ohne weiteren Ertragszuwachs. Sinkende Wassergehalte sorgen aufgrund niedrigerer Trocknungskosten für eine Verbesserung der Wirtschaftlichkeit.

Bei einem Ertragsniveau von 120 dt/ha, einem Maispreis von 17,00 €/dt und Trocknungskosten von 3,50 € (Basis 30 %/+- 0,10 € je % Feuchte) liefert ein Mais mit 5 % weniger Feuchte eine um 140,00 €/ha höhere Marktleistung.

Das führt zu einer Faustformel: 1 % geringere Feuchte gleicht 2 % Ertrag aus.


Frost beeinflusst die Abreife 2025

Auf unserer SAATEN-UNION Versuchsstation Bayern in Moosburg wird 2025 die Abreife verschiedener Sorten überprüft und über 5 Wochen (24.09.–29.10.) die Wassergehalte ermittelt (s. Abb. 1). Nach einem Frost-Ereignis Anfang Oktober (02./03.10.) wird die aktive Wasserabgabe nahezu beendet. Über annähernd zwei Wochen bis zum vollständigen Ausdürren der Restpflanzen ist weitgehend Stillstand, kein Fortschreiten der Reife. Dann beginnt die passive Wasserabgabe. Während Mitte Oktober der Zahnmais HAMPTON (K~240) noch 39 % Wasser hatte, lag die Feuchte bei der hartmaisbetonten Sorte WESLEY (K240) bereits bei 34 %. Zu diesem Zeitpunkt bedeutet dies einen Reifeunterschied von etwa 50 FAO-Einheiten. Bereits 14 Tage später haben sich unter den Witterungsbedingungen 2025 die Gehalte bei etwa 33 % angeglichen, daher die gleiche Reifezahl. WESLEY lagert Stärke früh ein und zeigt anschließend ein schwaches Dry-Down mit langsamer Wasserabgabe, ganz im Gegensatz zu HAMPTON mit verhaltenerer Anfangsentwicklung und anschließend rascher Wasserabgabe. Dieser Dry-Down-Effekt kommt auf Standorten mit höherer Wärmesumme und Wassergehalten unter 30 % deutlich stärker zum Tragen. SUMUMBA (K250) zeigt trotz seiner (Ha)-Einstufung des Bundessortenamtes in dem überprüften Bereich eine gute Wasserabgabe, während KELDEO (K~240) sich ähnlich wie WESLEY verhält.

Ein Blick auf die Erträge (Abb. 2) zeigt, dass die Sorten durch den Frost in eine „Notreife“ gegangen sind und die zu dem Zeitpunkt späteren Sorten HAMPTON und SUMUMBA ihr Ertragspotenzial nicht vollständig ausschöpfen konnten. WESLEY und KELDEO haben ertraglich unter diesen Bedingungen die Nase vorn.

Diagramm zeigt Kornertrag und Feuchte von Körnermais verschiedener Sorten, mit Punkten in unterschiedlichen Farben und Positionen. (automatisch generiert durch KI)
Kornertrag und Feuchte



Was lernen wir daraus für unsere Sortenentscheidung?

Auf kühleren Standorten mit Böden, die sich langsamer erwärmen und bei denen wir froh sind, wenn wir 30 % Feuchte erreichen, sollten Sorten mit guter Jugendentwicklung und zügiger Kornfüllung zum Einsatz kommen – in unserem Versuch WESLEY und KELDEO. Besonders wenn mit Blick auf die folgende Winterweizen-Aussaat nicht zu spät gedroschen werden soll oder das Verwertungsziel Ganzkornsilage ist, die nicht zu trocken werden soll, haben diese Sorten Vorteile.

Der Zahnmais HAMPTON ist am besten geeignet für wärmere Lagen, auf denen die Sorte ihr hervorragendes Dry-Down ausspielen kann. Längere Standzeiten im Herbst dankt sie bei passender Witterung mit sehr niedrigen Wassergehalten von deutlich unter 30 %. Am besten ist dies mit einer Frühjahrskultur als Folgefrucht zu realisieren. SUMUMBA nimmt hier eine Mittelstellung ein.


Beim Trocknen kommt es auf die Sorte an

Ein weiterer Versuch gibt Aufschluss über das Trocknungsverhalten der vier Sorten (Abb. 3) und ist daher für Selbsttrockner interessant. Die Proben werden in einen Trockenschrank gelegt und regelmäßig auf Wassergehalt beprobt. Wie erwartet, trocknet der Zahnmais HAMPTON bei anfänglich höherem Wassergehalt sehr zügig. Positiv überrascht die hartmaisbetontere Sorte WESLEY, die bei niedrigster Anfangsfeuchte ihr Restwasser zügig und daher mit wenig Energieaufwand abgibt. Auch hier nimmt SUMUMBA eine Mittelstellung ein. KELDEO zeigt eine flachere Trocknungskurve, benötigt etwas mehr Energie.


Liniendiagramm zeigt Trocknungsverhalten von vier Maissorten. Feuchtegehalt sinkt über die Zeit, Ziel bei 14% Feuchte. (automatisch generiert durch KI)
Trocknungsverhalten


Fazit

Körnermais ist in allen klimatisch günstigeren Anbaulagen vor allem dann interessant, wenn sich die Trocknungskosten durch eine günstige Trockner-Infrastruktur in Grenzen halten. Grundsätzlich muss der Mais mit Blick auf Druschfähigkeit und Ertrag die physiologische Reife von ca. 32 % Feuchte erreichen. Niedrige Wassergehalte schlagen 1:1 positiv wirtschaftlich zu Buche. Dies kann am besten umgesetzt werden, wenn im Herbst keine Folgefrucht drängt und der Mais vollständig ausreifen kann. Für klimatisch günstigere Anbaulagen, die sehr niedrige Wassergehalte realisieren können, bieten sich Zahnmais-Sorten mit sehr gutem Dry-Down an (Bsp. HAMPTON).

Auf weniger günstigen Lagen sind oft hartmaisbetontere Sorten aufgrund besserer Jugendentwicklung und früherer Stärkeeinlagerung im Korn vorteilhaft. Der Dry-Down-Effekt kommt meist nicht zum Tragen. WESLEY bietet ein sehr breites Erntefenster und ist auch für frühere Erntetermine geeignet. Sein Trocknungsverhalten macht ihn auch für Selbsttrockner interessant.


Schnell gelesen (Kurzfassung):

Die Wirtschaftlichkeit des Maisanbaus hängt stark von der Reife- und Trocknungseffizienz der verschiedenen Sorten ab. Die Trocknungskosten variieren je nach Region zwischen 2,50 € und 4 €/dt, was erhebliche Auswirkungen auf den wirtschaftlichen Erfolg hat.

Um die physiologische Reife von 30-35 % zu erreichen, ist die Wärmesumme des Standortes entscheidend. Eine Sorte benötigt 1350 °C Wärmesumme, während eine andere bereits mit 1250 °C auskommt. Studien zeigen, dass Mais bei einer Kornfeuchte von 30-32 % sein volles Ertragspotenzial entfaltet. Niedrigere Wassergehalte führen zu geringeren Trocknungskosten, was den wirtschaftlichen Erfolg steigert.


Durch verschiedene Versuche konnte auch das Trocknungsverhalten der Sorten ermittelt werden. Wesley zeigt bei niedriger Feuchte eine schnelle Wasserabgabe, während Keldeo mehr Energie benötigt. Generell ist Körnermais dann wirtschaftlich rentabel, wenn die Trocknungskosten niedrig sind und der Mais vollständig ausreifen kann, bevor er geerntet wird. 

Sorten wie Hampton bieten sich für günstige Lagen an, während Wesley für schwierigere Standorte geeigneter ist.

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