Mit dem Auslaufen der ersten Förderperiode nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) stehen viele Biogasanlagen an einem strukturellen Wendepunkt. Die Bedingungen der Anschlussförderung verändern die wirtschaftlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen grundlegend. Hohe Flexibilitätsanforderungen, zunehmender Kostendruck und besonders der sogenannte Maisdeckel erfordern ein Umdenken im bestehenden Anlagenbetrieb. Frank Laufer, BB Göttingen GmbH, berechnet die Wirtschaftlichkeit verschiedener Substrate.
Der starke Ausbau der Biogasbranche in Deutschland begann mit der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) im Jahr 2004 und erreichte zwischen 2009 und 2012 seinen Höhepunkt. Das EEG garantierte feste Einspeisevergütungen über 20 Jahre. In den kommenden Jahren werden zunehmend Biogasanlagen aus diesem ersten Förderzeitraum herausfallen (Abb. 1).
Eine Teilnahme an der Anschlussförderung ist möglich, jedoch unter neuen Bedingungen: Im Gegensatz zum ersten Vergütungszeitraum wird die Flexibilisierung künftig durch die Begrenzung der BHKW-Laufzeit zur Voraussetzung. Plan ist, die Biogasanlagen besser in den Strommarkt zu integrieren. Durch eine flexible Fahrweise sollen Biogasanlagen künftig verstärkt Strom in Zeiten hoher Nachfrage beziehungsweise geringer Einspeisung aus Wind- und Solarenergie bereitstellen und damit zur Stabilisierung des Stromsystems beitragen. Dafür ist in der Regel eine drei- bis vierfache Überbauung der BHKW-Leistung notwendig, was meist mit einer erheblichen Investition verbunden ist. Zudem müssen die Anlagen an einem Ausschreibungsverfahren der Bundesnetzagentur teilnehmen. Nur wer den Zuschlag für sein individuelles Gebot erhält, bekommt für die kommenden 12 Jahre eine Anschlussvergütung, die sich nach Angebot und Nachfrage richtet. Sie ist jedoch bei einem Höchstwert von 19,43 ct/kWh für Bestandsanlagen gedeckelt und liegt damit unter dem bisherigen Vergütungsniveau.
Ein weiterer zentraler Aspekt ist der sogenannte „Maisdeckel“, der den Anteil von Mais und Getreidekorn am jährlichen Substrateinsatz von Biogasanlagen aktuell auf maximal 25 Masseprozent limitiert. Derzeit sind 50 bis 70 Prozent üblich. Mit dem Auslaufen des ersten Vergütungszeitraums wird der Maisdeckel also enorme Auswirkungen auf den derzeitigen Silomaisanbau in Deutschland haben. Neben Anlagenbetreibern sind auch Ackerbaubetriebe betroffen, für die Mais ein wichtiges Fruchtfolgeglied ist.
Die ackerbaulichen Vorteile von Silomais sind:
- einfache chemische und mechanische Bekämpfung von Unkräutern und -gräsern
- Mais ist eine recht anspruchslose Kultur, die gut auf Satelliten- oder schwachen Standorten angebaut werden kann.
- In Betrieben mit hohen Anteilen von Wintergetreide und Raps können Arbeitsspitzen bei Aussaat und Ernte gebrochen werden.
- Wenn Flächen spät umgebrochen werden müssen, stellt Mais die einzige Kultur dar, die im Frühsommer noch bestellt und trotzdem rechtzeitig geerntet werden kann.
- Unter geeigneten klimatischen Bedingungen kann Mais als Zweitfrucht angebaut werden.
Es ist davon auszugehen, dass einige Biogasanlagen ihre Produktion einstellen werden. Darüber hinaus wird der begrenzte Substrateinsatz zu einem Rückgang des Anbaus von Silomais führen. Damit würden für viele Ackerbaubetriebe die oben genannten Vorzüge von Silomais in der Fruchtfolge entfallen. Körnermais als mögliche Alternative kann aufgrund hoher Trocknungskosten, möglicher Ernteprobleme oder negativer Fruchtfolgeeffekte auf vielen Betrieben Silomais nicht ersetzen.
Für Biogasanlagen stellt sich die Frage nach wirtschaftlichen Alternativen. Für die meisten Anlagen war der Einsatz von Silomais bislang durch die hohen Trockenmasse- und Gaserträge die kostengünstigste Möglichkeit der Gasproduktion. Doch es gibt vielfältige Alternativen zum bisherigen Maisanteil, etwa mehrjährige Kulturen wie die Durchwachsene Silphie, Ganzpflanzensilage (GPS), Zuckerrüben oder auch Zwischenfrüchte oder Untersaaten. Auch eine stärkere Nutzung von Wirtschaftsdüngern ist – wo verfügbar – denkbar.
Wirtschaftlichkeit möglicher Silomaisalternativen
Die nachfolgende Berechnung betrachtet die Wirtschaftlichkeit von möglichen Alternativen im Anbau als Hauptkultur. Es wurden neben den in der Praxis oft anzutreffenden Roggen-/Triticale-GPS oder Zuckerrüben auch Körnermais und CCM als mögliche Anbaualternativen aufgenommen. Es wird dargestellt, welcher Preis aus Sicht des Anbauers für mögliche Alternativen zum Silomais erforderlich wäre und welche Substratkosten sich daraus in der Biogasanlage ergeben.
Aus Sicht des Landwirts
Die folgende Kalkulation zeigt die Reinerträge der Kulturen mit einem beispielhaften Ertragsniveau.
Beim Winterweizen ergibt sich bei einem Ertrag von 8,5 t/ha und einem Erlös von 200 €/t ein derzeit ernüchternder Reinertrag von 418 €/ha. Bei den nachfolgenden Kulturen wurde jeweils der Erlös eingesetzt, der notwendig ist, um das Ergebnis von Winterweizen zu erreichen (Gleichgewichtspreis). Die Düngerkosten entsprechen den Nährstoffkosten des Entzugs der jeweiligen Kultur abzüglich einer möglichen Nährstoffrücklieferung durch Gärreste. Beim Körnermais wurden Trocknungs- und Lagerkosten von 420 €/ha berücksichtigt.
Klar ist: Bei einem Reinertrag, also dem Ergebnis vor Pacht und Zins, von 418 €/ha sind in den allermeisten Betrieben mit dem angegebenen Ertragsniveau die Vollkosten nicht gedeckt. In diesem Vergleich soll aber nicht die Vollkostendeckung, sondern die relative Anbauwürdigkeit der Kulturen unter den aktuellen Preisbedingungen im Fokus stehen.
Die Kalkulation aus Sicht des Landwirts zeigt unter anderem:
- Beim Silomais entspricht der ermittelte Gleichgewichtspreis zum Weizen ungefähr dem derzeitigen Marktpreis. Der derzeitige Deckungsbeitrag von Silomais liegt also in etwa auf dem Niveau des Weizens.
- Der Preis bei den Zuckerrüben errechnet sich ohne Transportkosten und liegt bei 30,0 €/t und damit unter dem aktuellen Auszahlungsniveau der Fabriken.
- Für den Anbau von GPS wäre aufgrund des geringeren Ertragsniveaus mit 38,0 €/t ein höherer Preis als beim Silomais notwendig – trotz geringerer Gasausbeute je Tonne Frischmasse.
- Der Gleichgewichtspreis von Körnermais liegt mit 206,0 €/t leicht über dem Weizenpreis. Je nach Marktsituation und Trocknungsmöglichkeit kann der Anbau hier interessant sein.
Aus Sicht der Biogasanlage
In Tab. 2 wird die Kalkulation der Substratkosten aus Sicht der Biogasanlage dargestellt, wenn diese den zuvor ermittelten Gleichgewichtspreis an die Anbauer zahlen würde. Zu diesen Einkaufspreisen kommen teilweise noch Ernte-, Transport-, Schrot- und Silierkosten. Es ergibt sich ein Preis frei Fütterung.
Die Kalkulation aus Sicht der Biogasanlage zeigt:
- Die Substratkosten je kWh (el) für Silomais liegen bei 10,1 ct/kWh deutlich unter denen der anderen Substrate.
- Der Anbau von GPS ist die günstigste Alternative. Allerdings wird beim Anbau von GPS deutlich mehr Anbaufläche zur Erzeugung der gleichen Gasmenge benötigt, da der Methanertrag je ha niedriger als bei Mais oder Zuckerrübe ist. Zudem liegen hier die Kosten je kWh 2,8 ct über denen des Silomais.
- Die Rübe liefert zwar einen hohen Gasertrag je Hektar, ist aber sehr kostenintensiv.
- Der Einsatz von CCM liegt auf einem ähnlichen Kostenniveau wie die zuvor genannten Alternativen, wird jedoch auch zu 100 % auf den Maisdeckel angerechnet. Dieses energiereiche Substrat kann sich bei einer flexiblen Fahrweise der Biogasanlage positiv auf die Gasproduktion auswirken.
Silomais bleibt sowohl im Ackerbau als auch in der Biogasanlage also weiterhin das wirtschaftlichste Substrat. Alle betrachteten Alternativen sind entweder kostenintensiver oder/und führen zu geringeren Methanerträgen je Hektar. GPS erweist sich noch als tragfähigste Option unter den Hauptkulturen.
Fazit
Der Maisdeckel erhöht für die Biogasbranche die Produktionskosten und gleichzeitig verlieren Ackerbaubetriebe mit dem Rückgang des Silomaisanbaus ein wichtiges Fruchtfolgeglied. Die hier dargestellten Berechnungen sollen nur eine allgemeine Orientierung geben. Auf Betriebsebene müssen die gesamte Fruchtfolge, betriebliche Arbeitsspitzen, vorhandene Technik sowie standortspezifische pflanzenbauliche Rahmenbedingungen berücksichtigt werden. Man sollte sich also frühzeitig mit der Thematik auseinandersetzen, um auch unter den zukünftigen regulatorischen Vorgaben wirtschaftlich arbeiten zu können.
Ein Kommentar von Dr. Gunnar Kleuker, Produktmanager für Liniengetreide
Doppelnutzer bringen Vorteile
Frank Laufer beschreibt in seinem Beitrag Getreide-GPS als günstigste Alternativkultur zu Silomais. Als Winterung bringt sie zudem in Regionen mit ausgeprägter Sommertrockenheit zusätzliche Sicherheit. Roggen und Triticale sind die am häufigsten angebauten GPS-Kulturen: Roggen hat dabei auf leichten Standorten seine Stärken, während Triticale auf etwas besseren Böden überzeugen kann. Beide Kulturen sind bei Auswahl gesunder Sorten in ihrem Anbau relativ unkompliziert.
In den aktuellen Landessortenversuchen liegen Doppelnutzer in beiden Kulturen mindestens auf dem Ertragsniveau der spezialisierten GPS-Sorten (Abb. 1). Der Vorteil der Doppelnutzer liegt in deren Flexibilität: So kann bei gut gefülltem Silo und günstigen Bedingungen zur Maisaussaat die benötigte GPS-Menge in Absprache mit dem Betreiber reduziert und ein Teil der Flächen stattdessen zur Körnernutzung verwendet werden.
Hier mitdiskutieren:
Haben Sie Fragen oder Anmerkungen? Verfassen Sie hier einen Kommentar:
Sortenfinder