Flexibel, gut und günstig

Nicht jeder, der Schweine in Roten Gebieten mästet, betrachtet die Gesamtsituation so gelassen wie Carsten Beneke aus Winkelsett (Niedersachsen). Zwar muss auch er noch einiges ändern, um regelkonform zu wirtschaften, aber mit seiner sehr weiten Fruchtfolge, den problemlosen Kulturen und verlässlichen Sorten ist er bereits gut aufgestellt.

Carsten Beneke bewirtschaftet einen Schweinemastbetrieb in Winkelsett (Niedersachsen) mit 400 Hektar Ackerfläche und ca. 1.200 Mastplätzen. Mit drei weiteren Betrieben betreibt er zudem eine Biogasanlage. Einige seiner Ackerflächen sind Sandböden mit ca. 20 Bodenpunkten, die Bandbreite reicht jedoch bis an 45 Bodenpunkte heran. Die Region ist mit ca. 700 mm Niederschlag/Jahr keineswegs eine Trockenregion, wenngleich natürlich auch hier lange, trockene Phasen in Frühjahr oder Frühsommer zunehmend beobachtet werden.

Beneke ist mit seiner Fruchtfolge sehr breit aufgestellt: Er vermehrt Getreide und Winterraps, baut Wintergerste, -triticale, -weizen und -roggen sowie Mais an, aber auch Kartoffeln, Zuckerrüben, Deutsches und Welsches Weidelgras und selbst Rübsen findet man hier.


Auch auf den 20er-Böden lohnt Hybridroggen

Selbst mit extremer Trockeheit kommt Hybrodroggen im Vergleich ganz gut zurecht.
Selbst mit extremer Trockeheit kommt Hybrodroggen im Vergleich ganz gut zurecht.
Auf 10 % der Fläche wird Winterroggen angebaut – ausschließlich Hybridroggen, der nach Kartoffeln oder Mais steht. „Populationsroggen ist für mich selbst auf den sehr leichten Standorten kein Thema, weil Hybridroggen auch bei Vorsommertrockenheit ertragsstärker und auch ertragsstabiler ist und sich in seiner möglichen Verwertung sehr flexibel darstellt: Je nach Vegetationsverlauf und Markt setze ich ihn als GPS oder Korn in der Biogasproduktion oder als Körnerroggen für den Handel ein. Und selbst auf den leichten 20er-Standorten bringt er in halbwegs normalen Jahren seine 70 dt/ha.“

Besonders Trockenstress ist bei der Wahl der Kulturarten und Sorten zunehmend ein Thema. „Im Vergleich mit Futterweizen und Triticale ist Hybridroggen hier einfach besser“, hat der Betriebsleiter beobachtet, der 2020 SU PERFORMER und SU BENDIX im Anbau hatte.

Für Beneke wird sich in den kommenden Jahren in der Bestandesführung sicher einiges ändern, denn er wirtschaftet zu 100 % in einem Roten Gebiet. „Mit der Fruchtfolge sind wir bereits gut davor, da werde ich nichts Wesentliches umstellen. Bei der Bestandesführung muss ich mich bei den einzelnen Kulturen herantasten. Da gilt es auch für den Roggen, der ja insgesamt sehr anspruchslos ist, herauszufinden, was er für seine Leistung tatsächlich mindestens an Stickstoff benötigt.“

Um für Rote Gebiete geeignete Düngestrategien zu eruieren, hat er zusammen mit der SAATEN-UNION 2020 einen mehrfaktoriellen Düngeversuch angelegt, der neben verschiedenen Sorten auch unterschiedliche Ausbringungstechniken und Düngerformen prüft. (Die ausführliche Beschreibung dieses Versuchs und der erstjährigen Ergebnisse finden Sie gesondert in dem Artikel "Praxisversuch: Düngung für Rote Gebiete"). Das Projekt wird auf jeden Fall noch ein weiteres Jahr fortgeführt, um erste Ergebnisse abzusichern. Denn es ist das oberste Ziel, trotz der Düngevorgaben in Roten Gebieten nicht in die gefürchtete „Ertrag-Abwärtsspirale“ hineinzukommen.


Roggen in der Fütterung: gut und günstig

Roggen ist im Mastfutter eine wichtige Komponente: auf der einen Seite ein „Kostenreduzierer“ und auf der anderen ernährungsphysiologisch erwiesenermaßen wertvoll.

„Bei mir ist Roggen mit 5 % in der Vormast, mit 20 % in der Mittelmast und mit 30 % in der Endmast. Ich kenne aber Berufskollegen, die mit ihrem selbstgemischten Futter auch deutlich darüber liegen. Ich mische aber nicht selbst und habe deshalb keinen Einfluss auf die Zusammensetzung.“

Roggen kann sehr gut in einer stickstoff-/phosphatreduzierten Fütterung eingebracht werden und auch das von Beneke zugekaufte Futter führt laut Deklaration zu einer verminderten Nährstoffausscheidung. Tatsächlich ist dieses Argument für ihn aber kein gewichtiger Grund, für den Einsatz von Roggen im Schweinefutter: „Wir haben im Gegensatz zu vielen anderen Betrieben genug Fläche und kommen mit den Nährstoffen aus der Gülle nicht in Bedrängnis. Tatsächlich ist Roggen im Vergleich zu Triticale und Futterweizen eine mindestens gleichwertige Futterkomponente, ist dabei jedoch unschlagbar günstig.“


war seit Längerem mal wieder regional ein Thema: Mutterkorn
war seit Längerem mal wieder regional ein Thema: Mutterkorn
Was tun bei Mutterkorn?

Spricht man über Roggenvermarktung, dann meist auch über Mutterkorn. „Dieses Jahr war Mutterkorn hier in der Region seit Längerem mal wieder ein Problem. Dabei waren alle Sorten betroffen, die an den Regentagen in der Vollblüte standen“, konnte Beneke – wie andere Berufskollegen auch – beobachten. „In den vorherigen Jahren war Mutterkorn bei mir dagegen kein Thema.“

Im Gegensatz zum Handel, der „zunehmend unentspannter auf Mutterkorn reagiert“, sieht Carsten Beneke das Problem mit etwas mehr Gelassenheit. Er verwertet problematischere Partien in der Biogasanlage.