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Triticale



Wintertriticale oder Winterweizen?

Die Wirtschaftlichkeit von Winterweizen gilt meist als unschlagbar, vor allem in Marktfrucht-betrieben, die gute Preise für ihre Produktion erzielen können. Hinsichtlich des Kornertrages und der Produktionskosten erreicht Wintertriticale heute oft bessere Werte als Winterweizen. Damit ist Triticale eine hochwettbewerbsfähige Fruchtart für eine nachhaltige Produktion.

Spannende Züchtungsgeschichte
Mit den Anfängen der modernen Pflanzenzüchtung Ende des 19. Jahrhunderts entstand die Hoffnung, durch künstliche Kreuzung und die darauffolgende Selektion Sorten zu entwickeln, die die positiven Eigenschaften beider Eltern in sich vereinigen. Wilhelm Rimpau gelang es 1888 erstmals, bei Kreuzung zwischen Weizen und Roggen fertile Nachkommen zu erzeugen – die Geburtsstunde des Triticale. Triticale sollte die Anspruchslosigkeit und Winterhärte von Roggen mit dem Ertrag und der Backqualität von Weizen vereinen. Vor ca. 50 Jahren begann die systematische Züchtung. Mit Beginn der 1980er Jahre von polnischen Züchtern entwickelten Sorten wurden in der pflanzenbaulichen Praxis so gute Ergebnisse erzielt, dass sich Triticale als konkurrenzfähige Getreideart etablieren konnte.

Auch bei der Artkreuzung Triticale wird in der Züchtung Gentechnik zu keinem Zeitpunkt eingesetzt. Die Züchtung einer Sorte dauert auch mit modernsten Methoden noch immer 6 bis 8 Jahre. Es folgen 3 Jahre amtliche Wertprüfung, die Zulassung und die Prüfungen in den Landessortenversuchen. Züchtungsprojekte müssen also 12 Jahre privat finanziert werden, ehe durch Saatgutverkäufe Lizenzeinnahmen generiert werden können.

Ertragsvergleiche in amtlichen Versuchen
Das Ertragspotenzial von Triticale ist sehr hoch und steht dem des Weizens nicht nach. Ein direkter Vergleich ist jedoch nur selten möglich, da die Prüfung dieser beiden Getreidearten i.d.R. an verschiedenen Standorten und mit unterschiedlichen Versuchsanstellungen erfolgt.

In der praxisnah 2/2014 wurde über Ergebnisse des Bundessortenamtes von den Orten berichtet, an denen gleichzeitig sowohl die Wertprüfungen von Winterweizen als auch die von Wintertriticale stattfanden.

Das Ergebnis:

  • Vergleich der Verrechnungssorten auf 15 Orten: Weizen und Triticale erreichten in der extensiven und intensiven Variante vergleichbare Kornerträge von 95 bzw. 105 dt/ha.
  • Der Vergleich der ertragsstärksten Sorten von Weizen und Triticale – TOBAK und SU AGENDUS – auf 6 Orten: Sowohl in den intensiven wie extensiven Varianten war SU AGENDUS ertraglich der hochleistungsfähigen Sorte TOBAK überlegen. Stufe 1: 101 dt/ha/97 dt/ha, Stufe 2: 112 dt/ha/110 dt/ha.
  • Zur Ernte 2014 wurden auch in Baden-Württemberg Rekordernten eingefahren. Selbst am ertragreichsten LSV-Standort Krauchenwies war Triticale Ertragssieger (s. Tab. 1).

Ertragssieger in produktionstechnischen Versuchen
Die Produktionstechnischen Versuche der SAATEN-UNION (PTV) untersuchen Sorteneigenschaften, die für die Praxis wichtig, jedoch nicht aus den üblichen Sortenversuchen abzuleiten sind: Saatzeittoleranz, Eignung für Mulchsaaten und Leistungsfähigkeit bei Weizenvorfrucht. Die PTV stehen auf 14 deutschen Standorten mit 35–95 Bodenpunkten. Dazu kommen europaweit weitere Standorte.

Die drei Versuchsvarianten unterscheiden sich nach Saatzeit, Vorfrucht und Bodenbearbeitung.

  • Stressvariante: sehr früher Aussaattermin (mit Wintergerste), Vorfrucht Winterweizen, nicht wendende Bodenbearbeitung
  • Optimalvariante: standortoptimaler Aussaattermin, Vorfrucht Blattfrucht, beliebige Bodenbearbeitung
  • Spätsaatvariante: drei Wochen späterer Aussaattermin, Vorfrucht Blattfrucht, beliebige Bodenbearbeitung

2013 und 2014 stand die aktuell ertragsstärkste Triticalesorte SU AGENDUS in allen PTV. Die mittelfrühe, kürzere Sorte passt im Wuchs gut zu Winterweizen. Hinzu kommen die hohe Vitalität, recht frühe Reife, Standfestigkeit, Winterhärte und mittlere Krankheitsresistenzen (außer Gelbrost). Sie eignet sich somit für alle Triticalestandorte und Produktionsverfahren, auch für Güllebetriebe.

Folgende Versuchsfragen sollten exemplarisch an dieser Sorte untersucht werden:

  • Sind hochleistungsfähige Triticalesorten im Intensivanbau gegenüber den ertragreichsten Winterweizensorten wettbewerbsfähig?
  • Gibt es Interaktionen zwischen verschiedenen Bestell-varianten? Zeigen sich Unterschiede zu Winterweizen?
  • Wie ist die Wirtschaftlichkeit von Triticale gegenüber Futterweizen?

Die Ergebnisse der PTV lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Über beide Prüfjahre und die drei Varianten gerechnet lag der Kornertrag von SU AGENDUS im Schnitt bei 112 dt/ha. Der Kornertrag der besten Futterweizen fiel um 10 dt/ha geringer aus. Der beste Backweizen TOBAK brachte um 11 dt/ha weniger.
  • Der durchschnittliche Kornertrag von SU AGENDUS lag 2013 bei 104 dt/ha und 2014 bei 119 dt/ha. Die hohe, ca. 10 %ige Überlegenheit gegenüber den Futterweizen bestand sowohl in dem Jahr mit mittlerem als auch mit hohem Kornertrag.
  • Die Ertragsstabilität war bei Triticale höher, erkennbar an der geringeren Standardabweichung des Ertrages (Abb. 1).
  • Stressstabilität: Der Kornertrag fiel in beiden Kulturen in der Reihenfolge ab: Optimalvariante > Spätsaatvariante > Stressvariante. Dabei blieben die Vorteile für SU Agendus auch in der Stressvariante bestehen. Selbst hier wurden Wachstum und der Ertrag dieser Sorte wenig beeinträchtigt. Dieser Befund weist auf die deutlich steigende Vorzüglichkeit von Triticale unter Stressbedingungen hin.
  • Rohproteingehalt: Der Verdünnungseffekt bei Triticale war mit dem vom Futterweizen vergleichbar. Der Rohproteingehalt im Triticalekorn war um ca. 1 % geringer.

Wettbewerbsfähig bei höheren und stabileren Erträgen
Diese Ergebnisse lassen folgende Schlussfolgerung zu:

  • Beste Triticalesorten erreichen gleiche und oft sogar höhere Kornerträge als die besten Futterweizen. Hinsichtlich der Maximierung des Energieertrages/ha sind sie den Futterweizen damit überlegen.
  • Triticale ist stressstabiler als Weizen.
  • Die Wirtschaftlichkeit von Triticale gegenüber Futterweizen steigt parallel mit der Ertragsdifferenz, da der Futterwert und der Produktionsaufwand von Weizen und Triticale etwa gleich sind.
  • Triticale ist eine hochwettbewerbsfähige Getreideart!

„Gute fachliche Praxis” entscheidend
Der Erfolg hängt vor allem von den Punkten ab, die man als „gute fachliche Praxis“ kennt: besonders von der situations- und sortenbezogenen Wachstumsregler- und Fungizidbehandlung. In den letzten Jahren zeigten sich mitunter schnelle Veränderungen bei den Rassen der Blattkrankheiten (Gelbrost!). Da sich diese schnell auf die Feldresistenz auswirken können, empfiehlt es sich immer, den eigenen Praxisschlag zu beobachten. Eine hohe Ertragserwartung rechtfertigt meist einen rechtzeitigen gesplitteten Einsatz von Wachstumsreglern und Fungiziden.

Wie geht es weiter mit Triticale?
Sortenspektrum: Durch die Züchtung werden neue, konkurrenzfähige Sorten in den Markt kommen, die in der Kombination von höherem Kornertrag mit guten agronomischen Eigenschaften und ausreichender Gesundheit weiteren Zuchtfortschritt bringen.

Züchtung: Die Resistenzzüchtung wird auch weiterhin sehr aufwändig und teuer bleiben. Die Züchter müssen im Wettlauf mit der Natur immer neue Resistenzen gegen Blattkrankheiten entwickeln, weil die bestehenden durch neue Rassen unwirksam werden (können).

Verwertung: Triticale wird man auch weiterhin vor allem als wertvolles Futtergetreide für den Eigenbedarf und in der Mischfutterindustrie verwenden.

Unter energetischem Aspekt ist die Ganzpflanzenernte von Triticale sehr attraktiv und ausbaufähig. Diese Nutzungsrichtung hängt aber stark von den politisch beeinflussten Rahmenbedingungen ab.

Dr. Ralf Schachschneider



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