Geeignete Siliermittel helfen, zaubern können sie nicht

Die Silomaisernte des vergangenen Jahres litt unter der Dürre. Verkümmerte und zum Teil kolbenlose Bestände waren die Folge. In Erwartung von vermehrten Problemen mit Schimmelpilzen und Nacherwärmungen rückten Siliermittel während der Saison wieder in den Fokus. Für den gezielten Einsatz und damit die Auswahl eines geeigneten Präparates für das jeweilige Siliergut gilt es jedoch, einige Dinge zu beachten.

Quelle: Bommelmann; Ein vertrockneter Maisbestand ohne Kolben. Hinsichtlich der Trockenmassegehalte können solche Bestände jedoch trügerisch sein.
Preview Quelle: Bommelmann; Ein vertrockneter Maisbestand ohne Kolben. Hinsichtlich der Trockenmassegehalte können solche Bestände jedoch trügerisch sein.
Bei einer normalen Pflanzenentwicklung bringt der Silomais mit wenigen pH-Wert-puffernden Substanzen und einer großen Menge an Zuckerverbindungen gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Silierung mit sich. Die Verstoffwechselung der Zuckerverbindungen durch Bakterien zu Milchsäure gelingt jedoch nicht automatisch bzw. kann nicht allein durch den Einsatz von Siliermitteln erzwungen werden.


Ohne diese Grundregeln geht es nicht

Die Basis für einen erfolgreichen Gärverlauf ist die Einhaltung der bekannten Grundregeln.

  1. Silogeometrie – ausreichender Vorschub: Nichts begünstigt Probleme mit Nacherwärmungen so stark, wie ein zu geringer Vorschub an der Siloanschnittfläche. Dieser sollte im Winter mindestens 1,5 m und im Sommer 2,5 m pro Woche betragen. Neben einer daran ausgerichteten Planung des Flachsilos sollten neue Silostöcke bis mindestens acht Wochen nach der Ernte verschlossen bleiben, damit die Siliervorgänge im Inneren ungestört abgeschlossen werden können. Falls das nicht möglich ist, kann ein kleineres Übergangssilos helfen.
  2. Optimaler Erntezeitpunkt: Beim Silomais hat sich der Trockenmassegehalt (TM) als geeigneter Indikator für die Reifebestimmung etabliert. Anzustreben ist die Ernte bei TM-Gehalten von ca. 35 %. Zwar wird ein nennenswerter Teil der Stärkeeinlagerung in den Kolben erst während der Abreifephase vollzogen (Abb. 1), aber bei überzogen späten Terminen lässt sich entsprechend trockenes Material nur schwer verdichten.
  3. Gute Verdichtung: Eine durchgehend gute Verdichtung im Silostock stellt ein geringes Porenvolumen sicher. Dadurch verbleibt zum einen weniger Restsauerstoff in der Miete und die Gärung kann schnell beginnen, zum anderen wird das erneute Einströmen von Luft durch die spätere Anschnittfläche gehemmt. Die Verdichtung von Silagen wird in der Einheit kg TM/m³ angegeben und sollte beim Mais Werte von 230 kg TM/m³ nicht unterschreiten. Ein angepasstes Verhältnis von angefahrenem Siliergut und Walzkapazitäten ist notwendig, um entsprechende Verdichtungen erzielen zu können.
  4. Siloverschluss: Hefen sind mit Blick auf die Nacherwärmung schwierige Störkeime, da sie sich weder durch die pH-Wert-Absenkung bei der Silierung noch durch gute Verdichtung einschränken lassen. Ähnlich problematisch sind Blauschimmelpilze, denn auch bei guter Verdichtung und Sauerstoffabschluss zeigen sie Durchhaltevermögen. Um die Aktivität des Blauschimmelpilzes zu hemmen, muss über einen längeren Zeitraum das im Futterstapel gebildete Kohlendioxid (CO2) einwirken. Deshalb sind Silomieten schnellstmöglich nach Beendigung der Erntearbeiten gasdicht zu verschließen, um so dieses wichtige Konservierungsgas unter den Folien zu halten.

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Untersuchung von 33 Silomais­proben auf Trockenmasse und Stärkegehalt im August 2018. Als Folge der Dürre sind die Stärkegehalte (XS) auf einem niedrigen Grundniveau. Ein deutlicher Zuwachs der XS-Gehalte im Bereich zwischen 30 und 40 % TM ist jedoch klar erkennbar.

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Was kann das Siliermittel und was soll es können?

Diese Frage sollte man sich eingangs immer stellen. Siliermittel können NICHT die Silagen „veredeln“, sprich das Futter per se verbessern. Vielmehr sind Siliermittel Werkzeuge, mit denen steuernd auf die Prozesse der Gärung Einfluss genommen werden kann. Häufigstes Ziel: Die Verbesserung der aeroben Stabilität. Wegen der guten Siliereigenschaften von Mais sind Präparate der Wirkungsrichtung 1 (Verbesserung der Gärqualität) eher selten erforderlich. Hilfreich hingegen sind solche mit Wirkungsrichtung 2 zur Verbesserung der aeroben Stabilität. Dazu gehören vor allem heterofermentative Milchsäurebakterien sowie spezielle Siliersalze und Siliersäuren. Heterofermentative Milchsäurebakterien verstoffwechseln im Ausgangsmaterial vorhandene Zuckerverbindungen neben Milchsäure auch zu Essigsäure. Die Anwesenheit der Essigsäure hemmt die Hefeaktivitäten und reduziert so Nacherwärmungen. Einige Bakterienstämme können sogar noch im späteren Gär­verlauf bereits gebildete Milchsäure zu Essigsäure umwandeln. Dabei bildet sich oft 2 bis 3 Wochen nach dem Verschluss des Silos erneut eine Gashaube. Die meisten bio­logischen Siliermittel der Wirkungsrichtung 2 enthalten sowohl homo- als auch heterofermentative Milchsäure­bakterien. Die homofermentative Milchsäurebildung führt zunächst zu der raschen Absenkung des pH-Werts im Siliergut, während der Prozess der Essigsäurebildung überwiegend hieran zeitlich angeschlossen ist.

Gegen Hefen kann der Einsatz bestimmter Siliersalze einen wichtigen Beitrag zur Vermeidung von Futterverlusten durch Nacherwärmung leisten. Zu empfehlen sind die Salze der Benzoe- (7 C-Atome), der Sorbin- (6 C-Atome), der Propion- (3 C-Atome) und der Essigsäure (2 C-Atome).

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Das sollten Sie bei chemischen Mitteln beachten

  • Der Hemmeffekt der Siliersalze auf Hefen und Schimmelpilze nimmt zu, je höher die Anzahl der Kohlenstoffatome des ausgewählten Siliermittelproduktes ist.
  • Ein niedriger pH-Wert fördert die Effektivität der Siliersalze. In der Praxis haben sich vor allem Produkte auf Basis von Natriumbenzoat und bzw. oder Kaliumsorbat bewährt.
  • Chemische Produkte sind meist deutlich teurer als biologische. Ein gängiger Kompromiss zwischen Kosten und Risikoabsicherung ist es, lediglich die besonders gefährdeten oberen Schichten eines Silostapels mit Siliermitteln zu beimpfen. Eine Teilbehandlung kann natürlich in gleicher Weise auch mit biologischen Präparaten erfolgen.
  • Chemische Siliermittel sind bei trockenem Siliergut von Vorteil, weil dort Gärprozesse weniger effektiv verlaufen und daher biologische Präparate nur noch wenig Wirkung zeigen.

Reifegrad der Bestände richtig einschätzen

Man sollte also den bei der Ernte zu erwartenden Trockenmassebereich kennen. 2018 wurden dürregeschädigte Bestände oft falsch eingeschätzt – und das falsche Siliermittel gewählt. Optisch vollkommen vertrocknete, kolbenlose Bestände zeigten beim Häckseln nicht selten TM-Gehalte von erst knapp über 30 % oder sogar noch darunter. Andersherum wiesen optisch bessere Bestände mit ausgebildeten Kolben häufig überraschend hohe Trockensubstanzen von deutlich über 40 % aus.

Physiologisch normal entwickelte Silomaispflanzen setzen sich zu über der Hälfte aus einem Kolben mit 50 – 60 % TM und einer Restpflanze mit ca. 22 – 25 % TM zusammen. Die Kolben dominieren somit die Trockenmassebildung der Gesamtpflanze. Daher erreichen kolbenlose Bestände auch bei vergleichsweise starken Abreifeerscheinungen eher selten für die Verdichtbarkeit kritische TM-Gehalte. Monitoring-Maßnahmen bieten schon während der Abreife Orientierung über die individuellen TM-Gehalte der Bestände. Die klassische Trockenschrankmethode bietet sehr genaue Ergebnisse, kann jedoch bis zu zwei Tagen Bearbeitungszeit beanspruchen. Mittels moderner Nah-Infrarot-Spektroskopie (NIRS) können in Sekundenschnelle aktuelle Trockenmasse- und Stärkegehalte ausgewiesen werden.


Richtige Verteilung im Silo ist wichtig

Nur mit einer gleichmäßigen Dosierung/Verteilung ist es möglich, dass die ausgewählten Präparate ihre Wirkung entfalten. Insbesondere bei niedrigdosierenden Siliermittelpumpen für geringe Aufwandmengen haben kleine Einstellungsfehler bereits schwere Auswirkungen. Daher empfiehlt es sich, Applikationsgeräte generell regelmäßig auf ihre Dosiergenauigkeit zu kontrollieren und ggf. nachzukalibrieren. Während die meisten biologischen Siliermittel mit Aufwandmengen im Bereich von 1 bis 2 Liter je Tonne Frischmasse auszubringen sind, stellen chemische Silierpräparaten mit zum Teil Aufwandmengen von 6 Liter je Tonne Frischmasse andere Anforderungen an die Dosiertechnik. Bei 270 Litern je Hektar stoßen die Volumina vieler Feldhäcksler an ihre Grenzen. Unabhängig von der Art des Siliermittels empfiehlt es sich, bei der Auswahl eines Präparats immer einen Blick in die DLG-Prüfliste der Siliermittel zu werfen. Darin gelistete Produkte sind von unabhängigen Versuchsanstellern positiv auf ihre Wirksamkeit getestet worden.


Fazit

Grundsätzlich ist der Einsatz von Siliermitteln ein wirkungsvolles Instrument zur Sicherung von Silagequalitäten. Die Folgen schlechter Silagen reichen von der vermehrten Arbeitszeit für das Absuchen vergammelten Futters über die schlechtere Tiergesundheit bis hin zu verringerten Leistungen im Stall. Daher ist ein für das Ausgangsmaterial geeignetes Siliermittel in den allermeisten Fällen eine lohnende Investition!

Karsten Bommelmann