Erfolgreicher Weizenanbau: optimale Aussaatstärke, angepasste Bestandesführung

Erfolgreicher Weizenanbau: optimale Aussaatstärke, angepasste Bestandesführung

Bereits in der letzten Ausgabe der praxisnah haben wir kurz das Gemein­schafts­projekt der SAATEN-UNION mit John Deere vorgestellt. In dieser Ausgabe diskutieren Dr. Stefan Kübler und Daniel Husmann erste Ergebnisse.

Bei Saatgutversuchen standen bisher die Ertragsfähigkeit sowie eine Verbesserung von Resistenzen und Toleranzen im Fokus. Im Rahmen der Umwelt- und Klimadiskussionen gewannen die Effizienz der Nährstoffausnutzung einzelner Sorten und der Wasserverbrauch zunehmend an Bedeutung. Relativ wenig Augenmerk wurde dagegen bisher auf die Sätechnik gerichtet. Mit der Vermarktung von Hybridsaatgut und zunehmenden Erkenntnissen über die positiven Auswirkungen optimaler Standraumverhältnisse auf Kulturpflanzen wird nun auch an weiteren Verbesserungen der immer noch dominierenden volumenbasierten Sätechnik gearbeitet. Insbesondere ökonomische und ökologische Fragestellungen stehen dabei im Vordergrund. Sowohl beim Raps als auch bei den anderen Fruchtarten geht es zunehmend darum, jeden ausgesäten Samen zum maximalen Erfolg zu führen.


Versuchsfragen und Versuchsanlage

Die Versuche wurden so angelegt, dass die Auswirkungen von reduzierten Aussaatmengen bei gleichzeitigen Anpassungen in der Bestandsführung untersucht werden konnten. Im Kern geht es darum, den maximalen ökonomischen Ertrag mit einem möglichst geringen Aufwand an Betriebsmitteln zu erreichen.

Die beiden Versuchsstandorte zeichnen sich durch sehr gute Böden mit etwa 90 Bodenpunkten aus. Allerdings befinden sich beide Standorte im Regen(halb)schatten des Harzes, sodass die durchschnittliche Jahresniederschlagsmenge bei einer ausgeprägten Frühsommertrockenheit nur etwa 470–550 mm beträgt. Die Block-Streifenanlage wurde mit vier Wiederholungen angelegt. Aus jeder der 196 Parzellen wurden drei Proben mittels eines Parzellenmähdreschers gewonnen (588 Einzelproben).


Die Versuchsparameter waren an beiden Standorten:

  • Drilltechnik: betriebsübliche volumenbasierte Technik sowie Einzelkornablage mittels Monosem NG
  • Linienweizen vs. Hybridweizen
  • Saatstärke: 60 bis 220 Kö/m² (Hybride); 100 bis 280 Kö/m² (Linie)
  • N-Strategie 1: KAS, 3 Gaben zu Vegetationsbeginn, EC 30/31 und EC 39/49
  • N-Strategie 2: zweifach stabilisierter Harnstoff, 2 Gaben zu Vegetationsbeginn und EC 30/31 insgesamt 230 kg inkl. Nmin minus 20 % nach DüV „Rote Gebiete“
  • Wachstumsreglerstrategie 1: 0,4 l/ha Moddus® zu EC 31/32
  • Wachstumsreglerstrategie 2: 2 x 0,5 kg/ha Prodax® zu EC 20/25 und 37/39
  • Wachstumsreglerstrategie 3: 0,8 l/ha CCC zu EC 25/30 und 0,3 l Moddus® zu EC 31/32

Düngung
Bei der Hälfte der Varianten wurde ein schnell verfügbarer Ammonium-Dünger in drei Gaben bedarfsorientiert ausgebracht. Die anderen Parzellen erhielten in nur zwei frühen Gaben einen langsam wirkenden Harnstoff-Dünger, was sowohl eine Überfahrt einsparte als auch der zunehmenden Trockenheit im Frühsommer Rechnung trug. Dann kann der Dünger nicht „eingewaschen“ werden und es kann zu Ausgasungen kommen. Grundsätzlich wurde eine 20%ige Reduzierung in allen Gaben simuliert, um Effekte der Düngeverordnung einzubeziehen.

Wachstumsregler
Es wurden Strategien zur Brechung der Apikaldominanz und zur Halmstabilisierung gefahren. Ein Beispiel für die Brechung der Apikaldominanz ist der frühe Einsatz von Cycocel® (EC 25). Andere Strategien wie beispielsweise der einmalige Einsatz eines trinexapachaltigen Produkts zielten konkret auf die Halmstabilisation ab. Eine weitere Strategie sollte beide Faktoren, Apikaldominanzbruch sowie Halmstabilisation, verbinden (z. B. mit dem prohexadion-calciumhaltigen Produkt Prodax®).


Ergebnisse

N-Effizienz lässt sich verbessern

Grundsätzlich hat sich gezeigt, dass die Einzelkornsaat (EKS) leichte Vorteile im Ertrag gegenüber der volumetrischen Dosierung aufweist. Allerdings ist die hochpräzise Saat hinsichtlich der Flächenleistung nicht konkurrenz­fähig, aus Gründen der optimalen Saatgutplatzierung speziell im Niedrigsaatbereich des Versuches ist sie aber sinnvoll.

Die Varianten in der Gesamtheit zeigen jedoch deutlich Unterschiede bei der Kombination der Dünger- und Wachstumsreglervarianten (Abb. 1). Die höheren Erträge in den Harnstoff-Varianten sind der im Jahr 2021 dominierenden feucht-kühlen Witterung geschuldet, die Ausgasungsverluste des Harnstoffs verminderte und ein gutes Eindringen in den Boden ermöglichte. Es zeigte sich aber auch, dass es „Vorzugsmaßnahmen“ zu geben scheint, die einen ökonomischen und agronomischen Vorteil bieten. Am deutlichsten zeigt sich dies in dem Ertragszuwachs von 4 dt/ha zwischen KAS/Prodax® und Harnstoff/Prodax®. Außerdem konnte ein Arbeitsgang zur Ausbringung ein­gespart werden.

Wird Harnstoff in nur zwei Gaben ausgebracht, ist die Stick­stoffverfügbarkeit schon im frühen Wachstumsstadium gegeben. In allen Varianten ist diese Form der Düngung im Ertrag mindestens gleichwertig bzw. deutlich überlegen (Abb. 1). Insbesondere die Harnstoff-Varianten zeigen bei Verzicht auf Moddus® in Kombination mit CCC signifikant höhere Erträge. Allerdings weisen die Proteingehalte bei Harnstoffdüngung etwa 1,3 % niedrigere Werte auf und erreichten somit nur noch B-Weizen-Qualität. Es lässt sich statuieren, dass die Stickstoffbilanz im Jahr 2021 der Düngung mit Harnstoff niedriger war als mit vergleichbaren Applikationsmengen KAS. Hier werden allerdings noch Ergebnisse weiterer Versuchsjahre benötigt, um sichere Aussagen zu Wettereinflüssen und weiteren Parametern treffen zu können.



Mittlere Saatstärken sind ertragsstark und ökonomisch sinnvoll

Ein weiteres interessantes Ergebnis zeigt der Vergleich der Ertragsleistung über die ausgebrachte Körnerzahl pro Quadratmeter. Sowohl im Vergleich der Saatmengen von 100, 160 und 220 Kö/m2 in Bezug auf die ausgebrachten Düngeformen (Abb. 2) als auch im Bezug zu den eingesetzten Wachstumsreglervarianten (Abb. 3) hat sich die mittlere Saatstärke als die leistungsstärkste erwiesen. Im Mittel wurden 0,2–0,3 t/ha Mehrertrag erzielt, was bei einem angenommenen Preis von 220 €/t Weizen 44–66 €/ha Mehrerlös ausmacht. In Kombination mit eingespartem Saatgut von etwa 27 % ist es somit möglich, eine Deckungsbeitragssteigerung von 50–90 €/ha und mehr zu erreichen.



Moderne Weizensorten sind aufgrund ihrer Genetik meist in der Lage, unterschiedliche Saatstärken zu kompensieren und einigermaßen konstante Ergebnisse zu erzielen. Dies gilt besonders für das hier ebenfalls untersuchte Einzelkornsaatverfahren. Bei diesem ist die Standortverteilung optimiert und der Einzelpflanze steht mehr Raum zur Verfügung. Es wurden in den „Dünnsaaten“ bis zu 13 vollwertige Triebe pro Pflanze gezählt, in den „Dicksaaten“ bis zu 5 Triebe. Doch selbst bei Einzelkornsaat bergen extreme Dünnsaaten ein hohes Risiko – jede Pflanze muss dann zwangsläufig zum Erfolg werden. Demgegenüber sind Saatmengen über 250–300 Körner/m² nur bei sehr ungünstigen Bedingungen (Vorfrucht, Saatbett, Schaderreger etc.) notwendig bzw. rentabel. Abb. 4 zeigt am Beispiel des Linienweizens eindrucksvoll, wie konstant die mittlere Ertragsleistung über die Saatstärken bei Einzelkornsaat hinweg erreicht wurde. Die leicht sinkenden, jedoch nicht signifikant unterschiedlichen Werte am Standort 2 sind mit Wassermangel zu erklären: Je mehr Biomasse vorhanden war, umso weniger konnten Energie und Assimilate in die Körner verlagert werden. Ebenfalls dazu beigetragen haben die Extreme im Juni, wo erschwerend zur Trockenheit noch hohe Temperaturen und Solarstrahlungswerte hinzugekommen sind und die Bestände seneszend werden ließen.



Ausblick

Die Daten sind bislang eindrucksvoll und teilweise überraschend. Daher haben die Projektpartner beschlossen, den Versuch fortzusetzen. Allerdings wurde Standort 2 in ein Gebiet mit höheren Niederschlägen nach Bayern verlagert, sodass eben auch semi-aride bzw. humide Klimaeinflüsse auf die Ausprägung der Dünge- und Wachstumsreglereinsätze evaluiert werden können. Wir werden in der praxisnah weiter berichten.

Fotos: SAATEN-UNION, John Deere


Schnell gelesen (Kurzfassung):

Die Versuche wurden so angelegt, dass die Auswirkungen von reduzierten Aussaatmengen bei gleichzeitigen Anpassungen in der Bestandsführung untersucht werden konnten. Im Kern geht es darum, den maximalen ökonomischen Ertrag mit einem möglichst geringen Aufwand an Betriebsmitteln zu erreichen.

Die Parameter waren:

  • Hybrid vs. Linie
  • Diverse Saatstärken
  • Einzelkorn vs. volumetrische Saatverfahren
  • 3 N-Strategien
  • 3 Wachstumsreglerstrategien

Ergebnisse des Versuchsjahres 2021

  • Die Harnstoffvarianten zeigen gleichwertige oder höhere Erträge als die KAS-Varianten.
  • Zumindest im Anbaujahr 2021 war die Stickstoffbilanz der Düngung mit Harnstoff niedriger als mit vergleichbaren Applikationsmengen KAS.
  • Mittlere Saastärken erwiesen sich als ökonomisch und ertragsstark.
  • Moderne Weizensorten sind aufgrund ihrer Genetik meist in der Lage, unterschiedliche Saatstärken zu kompensieren und einigermaßen konstante Ergebnisse zu erzielen. Dies gilt in besonderem Maße für das untersuchte Einzelkornsaatverfahren.