Strategie gegen Futterknappheit 2023: mit Getreide-GPS flexibel bleiben

Strategie gegen Futterknappheit 2023: mit Getreide-GPS flexibel bleiben

Unter der diesjährigen Trockenheit und den hohen Temperaturen im Frühjahr und Sommer haben besonders die Futterpflanzen Gras und Mais und Sommerungen allgemein sehr gelitten. Teilweise wird das Futter daher knapp. Paul Schmieja, Produktmanager für Hybridroggen, zeigt, dass sich das Risiko mit GPS-Roggen im nächsten Jahr vermindern lässt.

Im Gegensatz zu den Winterungen zeigten sich die Sommerkulturen 2022 desolat. Im Mais haben sich regional keine oder allenfalls kleine Kolben gebildet und in einigen Regionen war Anfang September bereits die Silomaisernte zu einem Großteil eingefahren. Bessere Standorte oder Standorte, die von kleineren Niederschlagsereignissen profitieren konnten, können mit besseren Erträgen rechnen. Andere Flächen wurden teilweise extrem häufig beregnet und selbst bei sehr guten Ertragsergebnissen muss man sich hier die Frage nach der Wirtschaftlichkeit stellen.


Doppelnutzungssorten wie SU Perspectiv sorgen für mehr Flexibilität.
Doppelnutzungssorten wie SU PERSPECTIV sorgen für mehr Flexibilität.
Konkurrenz zwischen Futter und Biogas

Diese Umstände haben auch einen direkten Einfluss auf die regional verfügbaren Futtermengen viehhaltender Betriebe bei Gras- und Maissilage sowie die Verfügbarkeit von Gärsubstraten für Biogasanlagen. Die Konkurrenz zwischen Viehbetrieben und Biogasanlagen hinsichtlich verfügbarer Mengen wird in diesem Jahr vermutlich groß sein. Auch wenn viele Körnermaisflächen als Silomais geerntet und so auf viehhaltenden Betriebe und Biogasanlagen als zusätzliche Mengen eingeplant werden können, wird das Futter bzw. Substrat regional knapp.


Strategie für 2023: Getreide flexibel nutzen

2018, 2019 und 2022 ähnelten sich die Situationen, es könnte auch 2023 eine Wiederholung geben. Daher stellt die flexible Nutzung von Getreide zur Körner- oder GPS-Nutzung eine interessante Option dar, um mit der früheren Ernte mögliche Lücken in der Futter- und Gärsubstratversorgung im kommenden Jahr zu schließen.

Neben der Futter- und Gärsubstraterzeugung ergeben sich zukünftig auch weitere Vorteile von GPS-Getreide. Mit der neuen GAP-Reform sind ein Fruchtwechsel sowie eine Winterbegrünung vorgeschrieben. Die Winterbegrünung hilft zusätzlich bei der Erosionsverminderung. Gerade in Regionen mit maisbetonten Fruchtfolgen kann GPS-Getreide ein Bestandteil sein, die GAP-Vorschriften regelkonform umzusetzen.


Nährstoff- und Wassereffizienz steigern mit Hybridroggen

Bei hohen Stickstoffpreisen kommt der Vermeidung von Nährstoffauswaschungen eine noch bedeutendere Rolle zu. Hybridroggen kann hier mit seiner guten Vorwinterentwicklung noch Nährstoffe aus dem Boden aufnehmen, die sonst vermeintlich ausgewaschen würden und nutzt die Winterfeuchte für eine optimale Bestandesentwicklung. Dieser Vorteil zeigt sich besonders in diesem Jahr wieder.

Wer mit dem Gedanken spielt, GPS-Roggen anzubauen, sollte einen Blick auf die offiziellen Versuchsergebnisse aber auch auf die Ergebnisse der Züchter werfen (sofern es sich um Exaktversuche handelt). Auch die Saaten-Union prüft umfänglich die GPS-Eignung neuer und etablierter Hybridroggensorten. Die hier dargestellten diesjährigen Versuchsergebnisse stammen sowohl von der Saaten-Union als auch von den Länderdienststellen.


GPS versuche SAATEN-UNION 2022; zum Vergrößern bitte Anklicken
GPS versuche SAATEN-UNION 2022; zum Vergrößern bitte Anklicken


In Versuchen liegen fast immer dieselben Sorten vorne

Im Züchterversuch der Saaten-Union wurden in diesem Jahr an insgesamt drei Standorten verschiedene etablierte und neue Sorten auf ihre GPS-Leistung geprüft. Die Standorte repräsentieren dabei ganz unterschiedliche Regionen und können so auch auf besondere Weise die Standorteignung einzelner Sorten nochmal bekräftigen. In diesem Jahr wurde in Thyrow nahe Potsdam auf reinem Sandboden, in Moosburg (Bayern) sowie in Cappeln im Oldenburger Münsterland geprüft.

Über alle Standorte zeigte sich die Sorte SU Elrond mit dem höchsten Trockenmasseertrag (115,9 Relativertrag), eine international, aber nicht in Deutschland vertriebene Sorte. Dicht gefolgt von SU PERSPECTIV (115,2 Relativertrag), die nun einjährig in den deutschen GPS-Landessortenversuchen geprüft wurde. Der in Deutschland zur Ernte 2022 in der WP3 geprüfte Stamm SU Karlsson (111,5 Relativertrag) brachte ebenso gute Ergebnisse wie die etablierte Sorte SU PERFORMER (111,7 Relativertrag), die ihre hohe Ertragsstabilität erneut unter Beweis stellen konnte.

Schleswig-Holstein: In den Landessortenversuchen (LSV) aus Schleswig-Holstein zeigte sich die Doppelnutzungssorte SU PERSPECTIV im ersten Prüfjahr ebenfalls mit sehr guten Ergebnissen und erzielte einen Relativertrag von 107 % und damit drei Prozentpunkte über der langjährig geprüften Doppelnutzungssorte SU PERFORMER und fünf Prozentpunkte über der reinen GPS-Sorte KWS Progas.

LSV Schleswig-Holstein; zum Vergrößern bitte Anklicken
LSV Schleswig-Holstein; zum Vergrößern bitte Anklicken


Niedersachsen: Die niedersächsischen LSV setzen sich aus drei verschiedenen Standorten zusammen, an denen die Sorten SU PERFORMER, SU PERSPECTIV, KWS Progas und KWS Tayo in diesem Jahr geprüft wurden. SU PERSPECTIV zeigte hier, neben der langjährig geprüften und empfohlenen Silonutzungssorte KWS Progas, die höchsten Erträge. Auch die etablierte Sorte SU PERFORMER konnte dessen starke Ertragsleistungen im Segment GPS, wie auch in Schleswig-Holstein erneut unter Beweis stellen. KWS Tayo zeigte hier lediglich unterdurchschnittliche Ergebnisse. Darüber hinaus wurden in den Versuchen auch weitere agronomische Parameter wie Pflanzenlänge und Lagerneigung bonitiert. Hier zeigt sich SU PERSPECTIV als eine der kürzesten Sorten mit der besten Standfestigkeit aller geprüften Sorten. Eine Eigenschaft, die von offizieller Seite her auch in Nordrhein-Westfalen im Rahmen der LSV besonders betont wurde und die sich auch in züchtereigenen Versuchen bestätigte.

Die Standfestigkeit erweist sich gerade unter trockenen Bedingungen als wertvoll. Bei wenig Wasser und hohem Strahlungsaufkommen ikann die Applikation von Wachstumsreglern eine schwierige Angelegenheit sein. Da ist es von Vorteil, eine genetisch bedingt standfestere Sorte anzubauen. Darüber hinaus wirkt sich die Applikation von Wachstumsreglern auch immer negativ auf die Wurzeln und damit indirekt die Wasseraufnahmekapazität der Pflanzen aus.

LSV Niedersachsen; zum Vergrößern bitte Anklicken
LSV Niedersachsen; zum Vergrößern bitte Anklicken


Nordrhein-Westfalen: Wie in Niedersachsen wird auch der nordrhein-westfälische Landessortenversuch auf drei Standorten geprüft. Hier brachte KWS Progas einen überdurchschnittlichen Trockenmasseertrag von 104 %, dicht gefolgt von SU PERSPECTIV mit 103 %. Wie in den voran beschriebenen Versuchsergebnissen erweist sich SU PERFORMER auch hier als ertragsstabil.

LSV Nordrhein-Westfalen; zum Vergrößern bitte Anklicken
LSV Nordrhein-Westfalen; zum Vergrößern bitte Anklicken


Bayern: Auch in Bayern wurden die oben genannten Sorten im Landessortenversuch geprüft. Über zwei Standorte gemittelt waren SU PERFORMER und KWS Progas die leistungsfähigsten Sorten mit je einem Relativertrag von 104 %. Danach folgten die Sorten Astranos, KWS Receptor und SU PERSPECTIV mit einem durchschnittlichen bis leicht überdurchschnittlichen TM-Ertrag. KWS Tayo konnte auch in diesem Versuch nur leicht unterdurchschnittliche GPS-Erträge verzeichnen.

LSV Bayern; zum Vergrößern bitte Anklicken
LSV Bayern; zum Vergrößern bitte Anklicken


Während im vergangenen Jahr aufgrund des kühlen und feuchten Frühjahrs mit anschließender Hitzeperiode besonders Sortentypen mit einer geringen Bestandesdichte gute Ergebnisse aufweisen konnten, lässt sich diese Differenzierung in diesem Jahr nicht aufzeigen. Zu sehr hatten alle Sorten von Beginn mit trockenen Bedingungen zu kämpfen und bildeten eine dementsprechend reduzierte Bestandesdichte aus.


Risikominimierung mit Doppelnutzungssorten

Vor allem Doppelnutzungssorten dienen der Risikominimierung: Für den Fall, dass sich aufgrund einer früh einsetzenden Trocken- und Hitzeperiode eine Futterknappheit abzeichnet, wie in den Jahren 2018, regional 2019 und wieder 2022, kann flexibel reagiert werden. Wenn der Regen doch noch rechtzeitig und ausreichend fällt, wird es Körnerroggen und ansonsten Ganzpflanzensilage und damit Futter bzw. Substrat. Diese Möglichkeit hat man mit Sorten, die speziell für GPS-Nutzung gezüchtet wurden, weniger.


Zusammenfassung

KWS Progas kann seine langjährig guten Ergebnisse auch in diesem Jahr fast überall bestätigen. Mit SU PERSPECTIV ist in diesem Jahr eine neue Sorte in den LSV geprüft worden, die gezeigt hat, dass Sie neben ihrer Leistungsfähigkeit im Körnersegment auch im GPS-Segment eine Berechtigung haben kann. Die nächsten LSV-Jahre werden hier weiteren Aufschluss geben können. SU PERFORMER stellte seine hohe Ertragsstabilität auch in diesem Jahr erneut unter Beweis. KWS Tayo konnte seine Ergebnisse der letzten Jahre hingegen in diesem Jahr nicht vollends bestätigen.

Fotos: Boenisch, SAATEN-UNION


Schnell gelesen (Kurzfassung):

Die Trockenheit und Hitze haben auch einen direkten Einfluss auf die regional verfügbaren Futtermengen viehhaltender Betriebe bei Gras- und Maissilage sowie die Verfügbarkeit von Gärsubstraten für Biogasanlagen. Das Futter bzw. Biogassubstrat wird regional knapp.

Das kann auch jedes Jahr wieder passieren, man sollte daher vorausschauend planen: Die flexible Nutzung von Getreide zur Körner- oder GPS-Nutzung stellt eine interessante Option dar, um mit der früheren Ernte mögliche Lücken in der Futter- und Gärsubstratversorgung im kommenden Jahr zu schließen. Neben der Futter- und Gärsubstraterzeugung ergeben sich zukünftig auch weitere Vorteile von GPS-Getreide. Mit der neuen GAP-Reform sind ein Fruchtwechsel sowie eine Winterbegrünung vorgeschrieben. Die Winterbegrünung hilft zusätzlich bei der Erosionsverminderung. Gerade in Regionen mit maisbetonten Fruchtfolgen kann GPS-Getreide ein Bestandteil sein, die GAP-Vorschriften regelkonform umzusetzen.

In offiziellen und züchtereigenen GPS-Versuchen liegen fast immer dieselben Sorten vorn. Bei der Sortenwahl sollten daher diese Versuchsergebnisse eine Rolle spielen.

Ob Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Bayern oder Schleswig-Holstein: Die neue Sorte SU Perspectiv stand in nahezu allen Versuchen in der Spitzengruppe und auch SU Performer konnte meist die guten Ergebnisse der Vorjahre erneut zeigen.

Besonders erwähnenswert ist dabei auch die gute Standfestigkeit von SU Perspectiv, die sich gerade unter trockenen Bedingungen als wertvoll erweist. Denn bei wenig Wasser und hohem Strahlungsaufkommen ist die Applikation von Wachstumsreglern eine schwierige Angelegenheit. Da ist es von Vorteil, eine genetisch bedingt standfestere Sorte anzubauen. Darüber hinaus wirkt sich die Applikation von Wachstumsreglern auch immer negativ auf die Wurzeln und damit indirekt die Wasseraufnahme aus.


Risikominimierung mit Doppelnutzungssorten

Dabei dienen vor allem Doppelnutzungssorten der Risikominimierung: Für den Fall, dass sich aufgrund einer früh einsetzenden Trocken- und Hitzeperiode eine Futterknappheit abzeichnet, wie in den Jahren 2018, regional 2019 und wieder 2022, kann flexibel reagiert werden. Wenn der Regen doch noch rechtzeitig und ausreichend fällt, wird es Körnerroggen und ansonsten Ganzpflanzensilage und damit Futter bzw. Substrat. Diese Möglichkeit hat man mit Sorten, die speziell für GPS-Nutzung gezüchtet wurden, weniger.