Jürgen Recht ist Geschäftsführer der Ermslebener Landwirtschaftsgenossenschaft (ELG). Die Landwirtschaftsgenossenschaft nutzt im Ackerbau verschiedene Wertschöpfungsmöglichkeiten: Neben der Konsumerzeugung von Marktfrüchten hat auch die Saatgutproduktion einen hohen Stellenwert für die ELG.
Ackerbohnen integriert Jürgen Recht seit Jahren aufgrund ihres hohen Vorfruchtwertes, der besseren Arbeitsverteilung in der Ernte und als Reinigungsfrucht zwischen zwei Getreidevermehrungen in die Fruchtfolge des Betriebes.
Die Ermslebener Landwirtschaftsgenossenschaft bewirtschaftet in Sachsen-Anhalt einen Ackerbaubetrieb mit über 1.500 ha AF. Neben den Marktfrüchten wie Ackerbohnen werden auch Sonderkulturen (s. Tab. 1) angebaut. Die Bodenqualitäten der Flächen sind gut, vielfach herrschen Löss-Böden mit ca. 80 Bodenpunkten vor.
Die Betriebsflächen liegen auf 170 m über NN im Trockengebiet, durchschnittlich fallen in der Region 480 mm Niederschlag pro Jahr.
Mulchsaaten haben im Betrieb zugenommen. Je nach Witterungsverlauf in den einzelnen Jahren wird auf dem Betrieb bis zu 100 % der Fläche in Mulchsaat bestellt. Besonders unter trockenen Bedingungen wird auf dieses wassersparende Verfahren zurückgegriffen. Jedoch setzt die Landwirtschaftsgenossenschaft bei Weizenvorfrucht aus phytosanitären Gründen den Pflug zur Weizen-Folgefrucht ein.
Seit einigen Jahren befindet sich eine teilflächenspezifische Bewirtschaftung im Aufbau. Durch systematische Erfassung des Nährstoffpotenzials im Boden lassen sich mittlerweile einfache Ableitungen zur Düngung machen. Auch teilflächenspezifische Ertragsdaten werden zunehmend erfasst.
Mit der Verknüpfung beider Parameter soll in weiterer Zukunft bei ausreichend gesicherter Datenmenge eine strikte Ausrichtung auf teilflächenspezifische Bewirtschaftung erfolgen.
Herr Recht, welche Vorteile bringen Ackerbohnen betriebswirtschaftlich und ackerbaulich?
Der Leguminosenanbau erfolgt auf ca. 6 % der Ackerfläche. Für uns ist ein wesentlicher Grund der Fruchtfolgewert der Ackerbohne. Mehrerträge in der Getreidenachfrucht, meist Weizen, liegen bei ca. 8 bis 10 dt/ha. Im Gesamtkomplex Fruchtfolgewert haben sie für uns die größte Bedeutung. Da vielfach traditionelle ackerbauliche Grundsätze in der Pflanzenproduktion der ELG einen großen Stellenwert haben, sind wir aus Sicht der Ungrasbekämpfung allgemein nicht auf Blattfrüchte angewiesen.
Über das Pflanzenbauliche hinaus bietet uns die Ackerbohne Vorteile in der Betriebsorganisation. Anders als bei den meisten Betrieben wird der Anbau so organisiert, dass die Druschreife der Bohnen in eine Phase der Weizenernte fällt. Ackerbohnen sind nach Niederschlägen wieder früher zu beernten, dadurch zieht sich die Ernte insgesamt weniger in die Länge. Das bringt besonders bei wechselhaften Erntebedingungen Entspannung. Im Vergleich zum Weizen trocknet die Leguminose schneller ab. Gleichzeitig sind aber auch höhere Feuchtegehalte bei Ackerbohnen für einen schonenden Drusch gewünscht.
Wie sieht eine optimale Aussaat aus?
Aufgrund zufrieden stellender Erfahrungen bestellen wir seit vier Jahren die Ackerbohnen im Mulchsaatverfahren. Nach der Ernte der Vorfrucht wird im Herbst eine zweimalige zeitlich versetzte Bodenbearbeitung – erst mit Scheibenegge, dann mit Grubber – durchgeführt. Im Herbst setzten wir bereits ein Totalherbizid ein, um Unkräuter und -gräser auszuschalten. Zur Aussaat wird der Boden einmalig mit einem Grubber auf 10 cm Tiefe aufgezogen.
Frühe Aussaattermine werden für eine rechtzeitige Abreife der Bestände präferiert, zudem verbessern sie die Ertragssicherheit der Kultur. Optimal sind Aussaattermine Ende Februar/Anfang März. Jedoch reagieren wir je nach Witterung auch flexibel. Wenn die Herbst-/Winterniederschlagsmengen niedrig sind, nutzen wir die Befahrbarkeit der Böden für eine Aussaat bereits Ende Januar/ Anfang Februar. Den betrieblichen Arbeitsabläufen und der Ertragssicherheit kommt das entgegen. Der dann noch kältere Boden führt zu einem langsameren Feldaufgang. Nachfolgende Fröste im aufgelaufenen Bestand haben bisher keine Schäden verursacht.
In feuchten Ausnahmejahren haben wir aber auch Aussaaten bis zum 10. April umgesetzt. Entscheidend für eine Aussaat ist die Befahrbarkeit des Bodens. Verdichtungen sind auf jeden Fall zu vermeiden.Im Mittel drillen wir mit ca. 35 keimfähigen Samen je m². Eine ausreichende Ertragssicherheit ist bei diesen Bestandsdichten gegeben. Dies ist auch positiv für Ablüftung bzw. Unterdrückung von Pilzerkrankungen und die Standfestigkeit des Pflanzenbestandes. Wichtig ist die Saattiefe auf 8 cm, die wir durch eine langsamere Aussaatgeschwindigkeit (7 bis 10 km/h) gut erreichen.
Parallel ergibt sich eine gleichmäßigere Ablagetiefe. Der Vorteil einer tiefen Ablage ist die Unterstützung der Standfestigkeit. Das überwiegt nach unserer Auffassung die etwas höheren Aussaatkosten. Auf Betrieben, die Bodenherbizide einsetzen, ist dieses auch gut, weil die Wirkstoffe zu flach abgelegte Ackerbohnen angreifen können (Ausdünnung, Entwicklungsverzögerung). Bei den heutigen Dünnsaaten muss das berücksichtigt werden. Nach der Aussaat verbessern wir den Wasseranschluss bzw. die Keimbedingungen in allen Frühjahrskulturen durch Rückverfestigung des Bodens mittels Cambridgewalze, um ein gleichmäßigeres und zügigeres Auflaufen zu bewirken.
Wie sehen Düngung und Pflanzenschutz von Ackerbohnen bei der teilflächenspezifischen Bewirtschaftung aus?
Die bisherigen Ergebnisse unserer Bodenanalysen im Rahmen der teilflächenspezifischen Bewirtschaftung weisen für Phosphor, Kalium und Magnesium vorwiegend Versorgungsstufen D oder E sowie neutrale pH-Werte aus. Gegenwärtig praktiziert der Betrieb daher nur eine Ergänzungsdüngung bei Nährstoffen in der Bodengehaltsklasse C im Rahmen der Fruchtfolge. Vorzugsweise wird dieses zu Leguminosen bzw. Blattfrüchten gegeben.
Stickstoffgaben werden gegenwärtig nicht (generell) praktiziert, da unökonomisch. In der Vergangenheit haben wir aber teilweise etwas N über NP-Dünger gegeben. Böden unter Mulchsaat erwärmen sich wegen entsprechender Porenverteilung langsamer, in Verbindung mit frühen Säterminen sollte so die anfängliche Entwicklung der Pflanzen unterstützt werden. Der Einsatz von Blattdüngern und Mikronährstoffen in Ackerbohnen wird nur nach Ergebnissen aus Bodenanalysen bzw. Auffälligkeiten praktiziert. Beides sind keine pauschalen Standardmaßnahmen.
Spart Unkrautbekämpfung Wasser?
Zur Unkrautbekämpfung wird im Nachauflauf mit einer Mischung aus zwei Herbiziden gearbeitet. Außerdem setzen wir standardmäßig ein Graminizid (z.B. 0,8 l/ha Fusilade® Max) ein. Das Totalherbizid im Herbst in Verbindung mit dem Mulchsaatverfahren räumt bereits früh unerwünschten Bewuchs jeglicher Art aus und hilft so auch, den Wasserverbrauch zu mindern, so dass mehr für die Kultur zur Verfügung steht.
Bei den Insektiziden sind abhängig vom Jahr 2–3 Durchfahrten an unserem Standort notwendig. Der Ackerbohnenkäfer hat die größte Bedeutung für uns, da wir auch Saatgut produzieren. Daneben ist der Befall mit Schwarzer Bohnenlaus zu prüfen. Vereinzelt sind auch Blattrandkäfer bekämpfungswürdig.
Fungizide während der Blüte zur Bekämpfung von Schokoladenfleckigkeit sind in allen Jahren einmalig angewendet worden. Meist arbeiten wir mit 0,75 l/ha Folicur®.
Generell gilt: Die Produktionsintensität, speziell Pflanzenschutz, orientiert sich am notwendigen Bedarf, um hohe Erträge zu erreichen bzw. abzusichern.
Wie wird die Ackerbohnenernte effektiv und ökonomisch durchgeführt?
Die Beerntung von Ackerbohnen ist einfach, daher erreichen wir ca. doppelte Flächenleistung vom Weizen. Fahrgeschwindigkeiten von über 10 km/h sind die Regel, speziell auch um ein gutes Druschpolster für geringe mechanische Belastung der Samen zu haben. Die Mähdruschkosten von Bohnen sind aufgrund dessen vergleichsweise gering.
Ackerbohnen dreschen wir bei trockenen Erntebedingungen vorzugsweise in Tageszeiten mit über 70 % Luftfeuchte. Die Samenfeuchte sollte zum Erntezeitpunkt bei 16 bis 17 % liegen, um Trocknungskosten und Bruchkornanteil zu minimieren. Die Trommeldrehzahl wird auf Minimum reduziert, die Siebe komplett geöffnet und das Gebläse auf volle Leistung gefahren. Die ELG nutzt zudem vorhandene Maisdruschkörbe, was jedoch nicht praxisüblich ist. Wie bei allen grobkörnigen Leguminosen ist aufgrund der Samengröße auf schonenden Drusch zu achten.
Wie erfolgreich ist Ihr Ackerbohnenanbau in Zahlen?
Im Mittel der letzten drei Jahre haben wir einen Ertrag von 52,7 dt/ha, bei Aussaaten zwischen Mitte März und Mitte April, sowie Jahresniederschlägen zwischen 440 mm und 550 mm bzw. Ernteterminen in der zweiten oder dritten August-Dekade. Die Ertragsspitze lag bei über 60 dt/ha.
Hin und wieder gab es in der Vergangenheit nicht ausreichend befriedigende Erträge wie bei allen Kulturen (s. Tab. 2) auch bei Ackerbohnen. Ursache dafür waren späte Saattermine verbunden mit trockenheitsbedingten frühen Ernteterminen. Das verdeutlicht wieder die Wichtigkeit einer frühen Aussaat besonders in Trockengebieten, die unser primäres Ziel ist – immer unter Berücksichtigung eines befahrbaren Bodens. Blüte und Abreife gelangen so in eine potenziell wasserstressfreiere Zeit. Den Leguminosenanbau setzen wir auch in Zukunft auf unserem Betrieb fort.

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