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Die Ackerbohne dient schon sehr lange als Eiweißquelle. Zwar wird sie auch heute noch für die menschliche Ernährung, in größeren Teilen jedoch zur Tierfütterung angebaut. Aufgrund ihrer sehr speziellen botanischen Eigenschaften – zum Beispiel der hohe Anteil an Fremdbefruchtung und die geringe Vermehrungsrate – wird diese Kultur jedoch erst seit relativ kurzer Zeit züchterisch bearbeitet. Umso bemerkenswerter sind die zu verzeichnenden Züchtungsfortschritte.

Züchtung und Forschung wurden in den 1970iger und 80iger Jahren gefördert und intensiviert, um Blattfruchtalternativen für die bestehenden Fruchtfolgen zu entwickeln und die einheimische Proteinerzeugung zu fördern. Ziel war es, eine höhere Unabhängigkeit der EU von den Sojaimporten aus Übersee zu erreichen. Aus Kostengründen erfolgte danach jedoch wieder eine deutliche Reduktion dieser Aktivitäten.

Heute gibt es in Europa nur noch relativ geringe Züchtungsaktivitäten. In Deutschland wird zur Zeit nur ein privates Zuchtprogramm bearbeitet und die Züchtungsforschung konzentriert sich auf die Universität Göttingen. Der Anbauschwerpunkt von Ackerbohnen liegt in Großbritannien und Frankreich. Weitere Schwerpunkte sind im Mittelmeerraum (Ägypten), China, Australien und möglicherweise zukünftig in Kanada. Die Intensivierung der Forschung und Züchtung Ende des 20. Jahrhunderts hat jedoch einige maßgebliche Ergebnisse und Fortschritte bei dieser Kulturart hervorgebracht, die sich z.T. erst jetzt in dem verfügbaren Sortenspektrum widerspiegeln. 

Zuchtfortschritt schafft Standfestigkeit und Ertrag
Die früher angebauten Ackerbohnensorten waren alle relativ ähnlich und zeichneten sich durch einen langen Wuchs, späte Abreife und eine ungenügende Standfestigkeit aus. Die Beerntung der Bestände war deshalb oft zu spät und aufgrund des Lagers und der ungleichmäßigen Abreife problematisch. Damit hatte die Ackerbohne nur eine bedingte Eignung als Mähdruschfrucht. Aufgrund des Wuchstyps war zudem das Ertragsniveau oft unzureichend: Die Ackerbohnen erzeugten viel vegetative Masse, allerdings mit zu geringem Hülsenansatz und daraus resultierend einem unbefriedigenden Harvest Index. Die Erntbarkeit und den Kornertrag zu verbessern, waren die vordringlichen Ziele in der Züchtung.

Tabelle 1 stellt die wichtigsten Eigenschaften der Sorten aus 1985 und 2006 gegenüber. Die erzielten Fortschritte werden anhand der Einstufungen offensichtlich: Die heutigen Sorten sind alle relativ kurz und sehr standfest. In der Ertragsleistung sind sie deutlich höher eingestuft, allerdings geht damit oft auch eine Erhöhung des Tausendkorngewichtes einher.

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das erklärt sich aus der Tatsache, dass bei kürzerem Wuchs die Anzahl Hülsen pro Pflanze nicht beliebig vermehrt werden kann und die Ertragsleistung über andere Komponenten erhöht werden muss. Das kann sowohl über mehr Samen pro Hülse als auch über die Erhöhung des Samengewichtes erfolgen. Da sich die Zahl der Samen pro Hülse nur in Grenzen erweitern lässt, steigt das Samengewicht als eine primäre Ertragskomponente bei der Ertragsselektion zwangsläufig mit an.

Tanninfreie Sorten auf dem Vormarsch
Aus der Tabelle 1 wird weiterhin deutlich, dass auch die Qualitätszüchtung bei der Ackerbohne erste Erfolge verzeichnet. Es wurden 2005 zwei neue tanninfreie Sorten (TAXI, CRISBO) und 2006 eine weitere Sorte (TATTOO) eingetragen, die ansprechende Ertragsleistungen und gute agronomische Eigenschaften besitzen. In der Ertragsleistung reichen diese allerdings noch nicht an die besten tanninhaltigen Sorten heran. Hier ist weiterer Zuchtfortschritt von Nöten und zu erwarten.

Die tanninfreien Sorten ermöglichen eine Erhöhung des Anteils in den Futterrationen für Monogastrier (Schweine, Geflügel sowie Fische) insbesondere in Fällen, in denen die Proteinversorgung weitestgehend auf einheimische Proteinträger wie Ackerbohnen aufgebaut ist. Dies trifft besonders häufig auf biologisch wirtschaftende Betriebe zu.
Weitere Inhaltsstoffe, die für die Fütterung relevant sein können, sind Vicin/Convicin. Diese beiden sehr eng verwandten Stoffe verursachen in der Legehennenfütterung eine Verringerung der Legeleistung. Auch hier ist die Züchtung dabei, Sorten zu entwickeln, die erheblich reduzierte Gehalte an Vicin/Convicin besitzen. Diese Eigenschaft ist koppelbar mit Tanninfreiheit: Solche Sorten sind ebenfalls in der Entwicklung und würden im Bereich der Fütterung den weitgehend unbeschränkten Einsatz der Ackerbohne als wertvolle Proteinkomponente (ca. 27 % Rohprotein) und als Energieträger (ca. 45 % Stärkegehalt) ermöglichen.

Weiterhin von Bedeutung ist der Proteingehalt, der bei den Sorten durchaus unterschiedlich ist. Die Ackerbohne bietet hier gute Selektionschancen für eine weitere Erhöhung dieses wertgebenden Inhaltsstoffs, da die genetische Variation hoch ist. 

Mehrleistung durch Heterosis
Die Grundlagenforschung hat hinsichtlich der Verbesserung der Ertragsleistung zu einer systematischen Nutzung von Heterosis geführt. So stellt die Sorte FUEGO eine synthetische Sorte aus sechs Komponenten dar. Vor dem Aufbau dieser Sorte wurden alle Komponenten auf ihre Kombinationseignung geprüft. Dieses Verfahren ist relativ zeitaufwändig, die erreichte Mehrleistung rechtfertigt aber den Aufwand und sollte auch zu weiteren Mehrerträgen führen. Hier ist besonders wichtig, dass die amtlichen Zulassungsstellen eine solche heterogenere Sortenstruktur im Sinne einer effizienten Ertragsverbesserung für die landwirtschaftliche Praxis auch ermöglichen.

Winterackerbohnen für Europa
Insbesondere in Großbritannien wird ein signifikanter Anteil (etwa die Hälfte der Fläche) in Herbstaussaat mit Winterackerbohnen bestellt. Die Vorzüge liegen in der sicheren Aussaat im Herbst (oft einfach nur eingepflügt) auf schweren Böden, bei denen im Frühjahr eine frühe Aussaat der Sommerackerbohnen unsicher ist. Außerdem haben Winterackerbohnen ertragliche Vorteile in trockenen Sommern und sommertrockenen Lagen. Die in Großbritannien angebauten Sorten sind allerdings nicht ausreichend winterhart für den Anbau auf dem europäischen Festland. Hier gibt es Züchtungs- und Forschungsaktivitäten zur Verbesserung der Winterhärte, um die Vorzüge des Winterackerbohnenanbaus auch in Lagen mit strengeren Wintern in Zukunft nutzen zu können.

 

Autor: Dr. Olaf Sass, Norddeutsche Pflanzenzucht Hans-Georg Lembke KG

 


Stand: 12.04.2007

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