Der gezielte Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist im konventionellen Pflanzenbau eine tragende Säule für die Ertragssicherheit und die Ökonomie. Fundierte Kenntnisse zu Krankheiten und Schädlingen sowie zu empfohlenen Präparaten und Aufwandmengen auch bei der Unkrautbekämpfung sind daher erforderlich. Für Ackerbohnen gibt Manja Landschreiber einen aktuellen Überblick.
1. Herbizideinsatz Der Unkraut- und Ungrasbekämpfung in Ackerbohnen kommt aufgrund der spät schließenden Bestände eine große Bedeutung zu. Zunehmender Besatz von Ackerfuchsschwanz sowie hoch wachsenden Unkrautarten, wie z.B. Klettenlabkraut, können nicht toleriert werden. Es stehen verschiedene Präparate zur Verfügung, die auch kombiniert oder in Spritzfolgen ausgebracht werden können (s. Tab. 1). Für die Wahl der Herbizide und der einzelnen Verfahren ist die Kenntnis über die am jeweiligen Standort zu erwartenden Unkräuter und Ungräser entscheidend, um schlagspezifisch mit angepassten Aufwandmengen effizient arbeiten zu können.
Glyphosat im Vorsaatverfahren (VS) Altunkräuter und Altungräser müssen vor der Saat bekämpft werden, da sie sich später kaum noch ausschalten lassen. So kann auf Problemstandorten mit Ackerfuchsschwanz z.B. fünf Tage vor der Aussaat neu aufgelaufener Ackerfuchsschwanz bekämpft werden. Oft ist diese Behandlung schon ausreichend. Hierfür sind einige glyphosathaltige Mittel zugelassen (z.B. max.: 4,0 l/ha Roundup® Ultra Max; 2,65 kg/ha Roundup® Turbo; 5 l/ha Durano®, Dominator® Ultra oder Touchdown® Quattro). Die maximale Aufwandmenge kann je nach Standort sowie Art und Größe der zu bekämpfenden Unkräuter und Ungräser reduziert werden.

Da Ackerbohnen spät schließen, kann Unkrautdurchwuchs zum Problem werden.
Glyphosat im Vorauflaufverfahren (VA) Bis zu fünf Tage nach der Aussaat ist gegen erste früh auflaufende Unkräuter der Einsatz von z.B. Roundup® UltraMax mit 2,0 bis 3,0 l/ha möglich. Für eine ausreichende Benetzung der noch sehr kleinen Unkräuter und Ungräser muss mit feinem Tropfenspektrum gespritzt werden.

Unkraut- und Ungrasbekämpfung mit Bodenherbiziden im Vorauflaufverfahren (VA) Bodenherbizide im Vorauflaufverfahren sollten dann zum Einsatz kommen, wenn Ackerfuchsschwanz, Windhalm oder Einjährige Rispe auftreten. Für alle Bodenherbizide gilt, dass der Boden gut abgesetzt und feinkrümelig sein sollte, sowie über ausreichend Bodenfeuchtigkeit verfügt. Frühjahrstrockenheit und die Anwendung auf stark humosen Böden können die Wirksamkeit der Bodenherbizide beeinträchtigen. Die in den Gebrauchsanleitungen der Präparate angegebenen Mindestablagetiefen für das Saatgut (i.d.R. 8 cm) und die Einsatzzeiträume (z.B. Centium® 36 CS spätestens fünf Tage nach der Saat) sind einzuhalten.
Die möglichst in Kombination einzusetzenden Bodenherbizide Boxer® und Stomp® SC (3,0 l/ha Boxer® + 2,0 l/ha Stomp® SC) weisen eine gute Breitenwirkung auf. Leichte Defizite gibt es bei Ausfallraps, Kamille und Knötericharten.
Centium® 36 CS ist wegen der eingeschränkten Wirkungsbreite (nur gegen Unkräuter) in der Regel kein Präparat für den alleinigen Einsatz, bietet aber eine gute Wirkung gegen Windenknöterich sowie eine gute Wirkungsergänzung auf andere Unkräuter und ist somit ein geeigneter Partner für das Mittel Bandur® (z.B. 2,5 l/ha Bandur® + 0,2 l/ha Centium® 36 CS).
Bestände zur Saatguterzeugung dürfen mit Centium® 36 CS nicht behandelt werden. Durch Abdrift von Clomazone, dem Wirkstoff im Centium® 36 CS als Mikrokapsel-Suspension, können Nichtzielpflanzen sehr empfindlich reagieren. Centium® 36 CS sollte deshalb großtropfig mit Injektordüsen ausgebracht werden.
Ungräser, wie Windhalm und Einjährige Rispe werden durch Bandur®, Boxer® und Stomp® SC meist ausreichend kontrolliert. Gleiches gilt für Hirsearten, Flughafer und Weidelgras. Auf Standorten mit Ackerfuchsschwanz sind die Bodenherbizide nicht immer zufrieden stellend. Erfordern z.B. Spätfröste einen vorzeitigen Umbruch, gibt es nach dem Einsatz von Bodenherbiziden Einschränkungen im Nachbau.
Einsatz von Basagran® Basagran® darf nicht mit Basagran® DP verwechselt oder gleichgesetzt werden. Der Wuchsstoff DP führt bei Verwechslungen zu schweren Schäden!
Basagran® enthält den blattaktiven Wirkstoff Bentazon und wirkt überwiegend gegen Klettenlabkraut, Kamille, Ausfallraps und Vogelmiere. Nach stärkeren Regenfällen sollte mit dem Einsatz von Basagran® einige Tage gewartet werden, damit sich die Wachsschicht auf den Blättern der Kulturpflanze neu aufbauen kann und Blattschäden vermieden werden. Bei Nachtfrostgefahr und bei sehr hohen Temperaturen sollte keine Spritzung erfolgen. Die Wirksamkeit des Bentazons ist abhängig vom unmittelbaren Lichteinfluss. Sie verbessert sich bei hellem, sonnigem Wetter, so dass dann mit reduzierten Aufwandmengen gearbeitet werden kann. Die Unkräuter sollten möglichst noch klein sein (Grünschleier).
Die Anwendung von Basagran® im Splittingverfahren verbessert die Wirkung und erhöht die Verträglichkeit für die Kulturpflanze. In manchen Jahren kann unter Umständen, aber nicht bei Problemunkräutern, auf die zweite Splittinggabe verzichtet werden.
Ungräser, Ausfallgetreide und Quecke Gegen durch Bodenherbizide nicht ausreichend erfasste oder noch zu behandelnde Ungräser einschließlich Ausfallgetreide kann mit den Blattherbiziden Fusilade® Max, Agil®-S und Select® 240 EC eine relativ sichere Bekämpfung erfolgen. Select® 240 EC ist nur für die Anwendung in Beständen zur Saatguterzeugung zugelassen.
Die Ackerfuchsschwanz-Bekämpfung möglichst mit Glyphosat (VS-Verfahren) und mit Bodenherbiziden (z.B. Bandur®) abschließen, um keine weiteren Blattherbizide einzusetzen (Resistenzen).
Abreifebeschleunigung und Ernteerleichterung Ziel ist, die Bestände bis zur Ernte unkrautfrei zu halten. Bei Durchwuchs von Windenknöterich, Klettenlabkraut, Ausfallraps und Disteln helfen Sikkationsmittel (s. Tab. 2).
Neu zugelassen wurde für die Sikkation von Futterbeständen Roundup® UltraMax (3,2 l/ha, 14 Tage Wartezeit).
Außerdem hat Basta® (2,5 l/ha, vierzehn Tage Wartezeit) wieder eine langfristige Zulassung in Ackerbohnen erhalten. Die Anwendung in Beständen zur Saatguterzeugung ist davon ausgenommen.
Für Reglone® (3,0 l/ha, 5 Tage Wartezeit) gibt es eine Wiederzulassung bis Ende 2016. Die Anwendung ist zulässig in Beständen für Futterzwecke und zur Saatguterzeugung.
2. Pilzkrankheiten

Bild: Fusariumbefall an der Wurzel
Auflauf- und Fußkrankheiten Auflauf- und Fußkrankheiten werden durch verschiedene nicht auf bestimmte Wirtspflanzen spezialisierte Erreger, wie z.B. Fusarium spp. oder Phytium spp. verursacht. Die durch einen Erregerkomplex hervorgerufenen Schäden treten besonders in Beständen auf, deren Entwicklung durch Kälte und Nässe sowie durch verdichtete Böden beeinträchtigt ist.
Daher ist auf eine gute Bodenbearbeitung zu achten. Besonders bei pflugloser Bestellung ist eine ausreichend tiefe Lockerung wichtig.
Gegen Auflaufkrankheiten werden Beizungen angeboten.
Schokoladenfleckenkrankheit Die Krankheitssymptome äußern sich in Form von kleinen spritzerartig verteilten, schokoladenbraunen Flecken auf Blättern, Stängeln und Hülsen. Diese Flecken sind meist rund und scharf abgegrenzt (rötlicher oder grauer Rand). Die Mittelzone hellt sich auf und trocknet aus.
Am empfindlichsten sind die Bohnen im Stadium der Blüte und der beginnenden Hülsenentwicklung. Besonders dichte, gegen Wind geschützte und somit schwer abtrocknende Bestände sind gefährdet.
Pflanzenbauliche Gegenmaßnahmen, wie nicht zu dichte Bestände und eine gute Unkrautbekämpfung, stehen im Vordergrund. Bei Befall können Folicur® (1,0 l/ha), Amistar® (1,0 l/ha) oder Amistar® + Folicur® (0,5 l/ha + 0,5 l/ha) oder Ortiva® (1 l/ha) zum Einsatz kommen.
Ackerbohnenrost Ackerbohnenrost spielt in Schleswig-Holstein, mit Ausnahme von sehr warmen Sommern, eine eher untergeordnete Rolle. In den wärmeren Gebieten Süd- und Mitteldeutschlands tritt stärkerer Befall auf. Sortenunterschiede in der Anfälligkeit sind vorhanden.
Auf der Blattober- und -unterseite, aber auch an Blattstielen findet man hellbraune Rostpusteln. Später treten dann dunkelbraune, pulverige Sporen auf.
Auch hier kann bei Befall 1,0 l/ha Folicur® zum Einsatz kommen.
Brennfleckenkrankheit Die Brennfleckenkrankheit spielt eine eher untergeordnete Rolle, weil anerkanntes zertifiziertes Saatgut weitestgehend befallsfrei ist, da bei Befall ein Vermehrungsbestand nicht anerkannt wird.

3. Tierische Schädlinge
Schwarze Bohnenblattlaus Der Befall durch die Schwarze Bohnenlaus kann durchaus ertragsrelevant sein. Zum einen entsteht der Schaden durch Saugen und den daraus resultierenden Wuchsdepressionen bis hin zum Absterben von Blättern und stark befallenen Trieben. Es kommt zum Taubbleiben der Blüten und Verkümmerung der Früchte. Zum anderen siedeln sich durch den Honigtau, der von den Blattläusen abgegeben wird, Schwärzepilze an.
Die Bekämpfung erfolgt mit zugelassenen Insektiziden, wie Pirimor® (300 g/ha), Karate® Zeon (75 ml/ha) und Trafo® WG (150 g/ha), alle sind bienenungefährlich (B4).

Ertragsrelevanter Befall mit Schwarzer Bohnenlaus
Blattrandkäfer Die durch den Blattrandkäfer verursachten kaum ertragsrelevanten aber augenscheinlichen Schadbilder sind bogenförmige Fraßstellen an den Blatträndern. Der eigentliche Schaden erfolgt durch die 6-7 mm langen weißlichen Larven. Bei starkem Befall ist diese Plünderung der Wurzelknöllchen oberirdisch an Stickstoffmangelsymptomen (Vergilbungserscheinungen) sichtbar.
Die Käfer erscheinen im März/April aus ihren Winterquartieren, die Larven sind von Mai bis August an den Knöllchen der Wurzeln zu finden.
Eine Insektizidbehandlung ist nur in Ausnahmefällen bei starkem Befall und ungünstigen Wachstumsbedingungen der Bohne notwendig sowie ausschließlich gegen den Käfer möglich. Es können Karate® Zeon und Trafo® WG zum Einsatz kommen.
Ackerbohnenkäfer Der Ackerbohnenkäfer ist ein reiner Freilandschädling. Wirtschaftliche Schäden ergeben sich hauptsächlich in Saatgutproduktionen, wenn Minderkeimfähigkeit oder Besatz mit lebenden Käfern eine Saatgutanerkennung ausschließen. Die Larven des Ackerbohnenkäfers erzeugen Lochfraß an den Samen. Bei mäßigem Befall ist die Keimfähigkeit des geernteten Saatgutes jedoch nicht notwendigerweise beeinträchtigt. Fertige Käfer aus spätentwickelten Larven überwintern im Lager, zählen aber nicht zu den Vorratsschädlingen.
Die Bekämpfung richtet sich mit zugelassenen Mitteln wie Karate® Zeon oder Trafo® WG ausschließlich gegen den Käfer. Eine erste Insektizidmaßnahme sollte ca. 7 bis14 Tage nach Blühbeginn erfolgen, wenn erste kleine Hülsen an den unteren Internodien sichtbar sind. Eine zweite Spritzung ist 7 bis 10 Tage nach der Erstbehandlung einzuplanen.
Insektizide Ackerbohnen sind aufgrund ihrer langen Blühdauer und der Honigtaubildung durch Blattläuse eine gute Trachtpflanze für Bienen und Hummeln. Es sollten nur bienenungefährliche Mittel eingesetzt werden. Bei einer Mischung von Folicur® (Azol) mit Karate® Zeon oder Trafo® WG (Pyrethroid) gilt die B2-Regelung, d.h. Einsatz an blühenden Pflanzen nur nach dem täglichen Bienenflug bis 23:00 Uhr.
Autorin: Manja Landschreiber, Amt für Ländliche Räume Lübeck, Abteilung Pflanzenschutz
Bildquellen: Lanschreiber
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