International
Deutschland
Schnellnavigation

Sortensuche

Suche
Text






An den mehr als 2.500 ha Ackerfläche der Betriebsgemeinschaft Schackenthal haben Erbsen einen Anteil von ca. 400 ha. Sie tragen zur Kostenreduktion bei und erhöhen außerdem nachweislich die Erträge des nachfolgenden Weizens.

Herr Packeiser, was spricht aus Ihrer Sicht für den Erbsenanbau?
Wir haben die Erfahrung gemacht, dass in Fruchtfolgen mit ca. 70 % Getreideanteil die Getreideerträge deutlich einbrechen und die Wirtschaftlichkeit der Kultur bzw. der Fruchtfolge darunter leidet.
Mit Weizen nach Erbsenvorfrucht erreichen wir dagegen höhere Erträge zwischen 90 und 100 dt/ha bei reduziertem Aufwand im Pflanzenschutz und in der Düngung. Nach unserer Einschätzung beeinflusst die Erbse u.a. den Wasserhaushalt positiv, was neben vermindertem Krankheitsdruck für die guten Weizenerträge verantwortlich ist.

Innerbetrieblich setzen wir den Vorfruchtwert der Leguminose mit 100 bis 150 EUR/ha an.

 


Bild: Detlef Packeieser
 

Fruchtfolge und Bodenbearbeitung – was müssen Sie hier beachten?
Größte Priorität für einen erfolgreichen Erbsenanbau hat nach unserer Auffassung eine ausreichend lange Anbaupause von fünf bis sechs Jahren, um das Krankheits- und Schädlingspotenzial in den Erbsen auf niedrigem Niveau zu halten.

Aus der Betriebsorganisation ergibt sich Weizen als Hauptvorfrucht für Erbsen, die z.T. auch nach Zuckerrüben stehen.

Im Herbst führen wir zur Erbse eine zweimalige Bodenbearbeitung durch. Erst wird auf 8 bis 12 cm, später auf 15 bis 18 cm Tiefe gearbeitet. Beides zielt auf eine Minimierung von unproduktiv genutztem Wasser ab. Die Verdunstung durch kapillaren Wasseraufstieg im Boden und über Pflanzenbewuchs wird unterbunden bzw. reduziert.
Mit der rel. geringen Bearbeitungstiefe erhöhen wir die Nährstoffkonzentration im Oberboden. Die später und weniger bodendurchwurzelnde Erbse profitiert davon. Im Frühjahr wird das Saatbett vor dem Säen auf 5 bis 8 cm gegrubbert. Zum Ablüften des Saathorizontes und zur Förderung des Gasaustausches kann alternativ auch gestriegelt werden. Aufgrund größerer Arbeitsbreiten bei Striegeln reduziert sich die Anzahl der Fahrspuren.

Insgesamt ist unsere Bodenbearbeitung durch die flache Bearbeitungstiefe und die hohe Flächenleistung kostenextensiv, wobei durch die Bearbeitungshäufigkeit zur Erbse noch eine gewisse mechanische Unkrautbekämpfung erfolgt.

 



Stellt die Aussaat bei Ihnen eine wichtige Säule der Ertragssicherung dar?
Das kann man so sagen. Die Futtererbsenaussaat der Betriebsgemeinschaft läuft im März spätestens jedoch Anfang April – so wird eine ausreichend lange Vegetationszeit sichergestellt. Auch in einem Trockengebiet ist es zu dem Zeitpunkt häufig nass und die Befahrbarkeit der Böden nicht permanent gegeben. Der Boden muss zur Aussaat gut abgetrocknet sein – Gelassenheit ist notwendig. Wir warten lieber einen Tag und drillen dann bei guten Bodenbedingungen. Diese ist für eine gute Wurzelentwicklung und Besiedlung mit Wurzelknöllchen entscheidend.

Durch die Vermeidung von aussaatbedingten Bodenverdichtungen minimieren wir außerdem das Risiko eines Fusariumbefalls und leisten so einen Beitrag zur Ertragssicherheit.

In Erbsen sind wir vor drei Jahren zur Einzelkornsaat übergegangen. Wodurch wir insgesamt eine bessere, einheitlichere Einzelpflanzenentwicklung sowie einen gleichmäßigeren Hülsenansatz, eine gute Durchlüftung der Bestände zur Vermeidung von Pilzkrankheiten und zusätzliche Voraussetzungen für eine gute Beerntbarkeit erreichen.

Speziell auch wegen der betrieblichen Bedeutung unserer Markerbsenvermehrung ist dieses für uns wichtig.

Je nach Sorte säen wir zwischen 60 und 80 keimfähige Körner/m² und auf eine Saattiefe von 3 cm. Aus der Einzelkornsaat ergibt sich auch eine gleichmäßigere Ablagetiefe. Die im Mittel bessere Bodenbedeckung der Saat hat wiederum Vorteile für die Erbsenentwicklung nachfolgend zum Einsatz von Bodenherbiziden bzw. Vorauflaufpräparaten. Gewalzt werden die Flächen mit einer Cambridgewalze direkt nach der Saat. Bodenunebenheiten werden ausgeglichen und Steine weggedrückt, um Herbizid-Spritzschatten zu vermeiden und die Beerntung zu vereinfachen.

 



Bild: Kornerträge von bis zu 60-70 dt/ha sind bei einer angepassten, intensiven Produktionstechnik realistisch

Wie sieht eine effektive Erbsendüngung in Trockengebieten aus?
Wir streben eine Versorgung der Böden mit den Grundnährstoffen (P, K, Mg) in der Stufe C/D an. Besonders Trockenjahre zeigen immer wieder, wie wichtig eine gute Nährstoffversorgung der Böden für die Ertragsentwicklung der Pflanzenbestände ist. Dieses gilt aber für alle Kulturen. Einen Großteil der Hauptnährstoffe stellen wir über Hühnertrockenkot und Fleischknochenmehl im Rahmen der Fruchtfolge zu Raps bereit. Der Einsatz organischer Düngemittel fördert zusätzlich die Bodenorganismen und damit die Bodenstruktur bzw. das Bodengefüge: Das wirkt sich auf Tragfähigkeit und Bodendurchlüftung aus und damit auf die Wurzelentwicklung, speziell auch auf die Besiedlung mit Knöllchenbakterien bei Erbsen.

Und wie sieht es mit den Mikronährstoffen aus?
Mikronährstoffe geben wir mehrfach über das Blatt, z.T. auch in sehr frühen Entwicklungsstadien, um bei ungünstigen Startbedingungen bereits zum Entwicklungsbeginn eine gute Versorgung sicherzustellen. In so einem frühen Stadium ist es auch mal eine Soloanwendung, ansonsten erfolgt die Mikronährstoffgabe in Kombination mit Pflanzenschutzmaßnahmen.

Ist intensiver Pflanzenschutz in Erbsen für Sie ein Thema?
Dem Pflanzenschutz in Erbsen sollte allgemein mehr Bedeutung in der Praxis zugemessen werden. Damit verbinde ich auch eine Bereitschaft zu angepasster intensiverer Produktionstechnik. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich auch in Futtererbsen der Einsatz von 30 bis 40 EUR/ha an Fungiziden lohnen kann. Grundlage für eine effektive Wirkung der Mittel zur Ausschöpfung des Ertragspotenzials ist wie für alle anderen Pflanzenschutzmaßnahmen eine lückenlose Bestandesüberwachung sowie der termingerechte Einsatz aller Pflanzenschutzmaßnahmen.

Herbizide werden in der BG Schackenthal nach Bedarf eingesetzt. Schwerpunktmäßig wenden wir wegen der besseren Pflanzenverträglichkeit Vorauflauf-Herbizide an und arbeiten nur bei Bedarf mit Nachauflaufpräparaten nach.

Hinsichtlich der wirtschaftlichen Bedeutung prüfen wir die Pflanzenbestände auf Befall mit Blattrandkäfer, Erbsenwickler, Erbsengallmücke und Blattlaus. Den oberirdischen Schaden durch den Blattrandkäfer sollte man nicht unterschätzten, denn die Gesamtentwicklung der Pflanze wird davon beeinträchtigt. Eine Einfachbehandlung ist u.U. auch deshalb sinnvoll. Der Erbsenwickler ist in unserer Region der wichtigste Erbsenschädling, meist sind gegen ihn zwei Insektizidbehandlungen erforderlich. Je nach Jahr ist auch eine Behandlung gegen die Erbsengallmücke bzw. die Blattläuse notwendig. Da zur Zeit mit den zugelassenen Insektiziden gegen die genannten beißenden Insekten nur zwei Behandlungen möglich sind, holen wir im Bedarfsfall Ausnahmegenehmigungen für weitere Anwendungen beim zuständigen Pflanzenschutzamt ein.

Wie vermeiden Sie Ernteverluste?
In den vergangenen Jahren gab es im Futtererbsen-Sortiment Zuchtfortschritte in der Standfestigkeit und damit verbunden konnten wir generell eine verbesserte Beerntbarkeit von Erbsen feststellen. Was dringend erforderlich war, um den gewachsenen Ertrag im Korntank wiederzufinden bzw. letztendlich für den wirtschaftlichen Anbau.

 



Bild: Ein bräunlich gefärbter Bestand mit gummiartigen Schoten und gelben, harten Körnern hat Erntereife

Beim Drusch können dennoch erhebliche Ertragsverluste verursacht werden. Unsere gesamte Produktionstechnik zielt auf die Minimierung dieses Verlustpotenzials ab. Über die Auswahl geeigneter Sorten hinaus optimieren wir durch pflanzenbauliche Maßnahmen die Voraussetzungen für einen reibungslosen Ernteprozess weiter.
Die bereits erwähnte Einzelkornsaat mit der gleichmäßigeren Pflanzenverteilung und dem positiven Einfluss auf den Wuchshabitus der Pflanze trägt dazu bei.

 

 

TIPP:

Bei der Aussaat lieber einen Tag länger warten, auch wenn die Zeit drängt. Der Schaden, de durch eine Aussaat in nassem Boden angerichtet wird, lässt sich  nicht mehr ausgleichen.


Auch die Fungizidanwendung wirkt sich vorteilhaft auf die Beerntbarkeit aus: Der Pflanzenapparat wird durch die Maßnahme stabiler, wodurch sich die Aufnahme mit dem Schneidwerk verbessert und fortgesetzt auch der Gutfluss durch den Mähdrescher.
Bei Markerbsenbeständen ist zusätzlich das Bügeln zur Blüte Standard: Wir ziehen sie mit einem umfunktionierten Spritzgestänge in eine Lagerrichtung. Die Aufnahme wird dadurch erleichtert und die Vortischverluste werden reduziert. Bügeln von Futtererbsenbeständen kann manchmal sinnvoll sein, das machen wir jedoch von der jeweiligen Ausgangssituation abhängig. Aufgrund der besseren Standfestigkeit der Futtererbsensorten ist es aber selten notwendig.

Wann ist der ideale Erntezeitpunkt?
Erbsenbestände haben die Erntereife erreicht, wenn sie bräunlich gefärbt sind und rascheln, die Hülsen sind dann gummiartig. Aus betrieblicher Sicht ist der Erntetermin von Erbsen immer ein Kompromiss zwischen möglichst niedrigen Trocknungskosten, verlustarmen Dreschen und guter Samenqualität. Wir ernten die Erbsen zum frühest möglichen Termin. Dann ist der Unkrautdurchwuchs noch am geringsten und der Bestand lagert am wenigsten. Beides begünstigt eine einfache und verlustarme Beerntung und überwiegt den Nachteil eventuell höherer Trocknungskosten.

Wassergehalte der Erbsensamen zur Ernte zwischen 16 und 19 % gelten im Hinblick auf minimale bzw. vertretbare Bruch- bzw. Quetschkornanteile als optimal. Speziell in unseren Saatguterzeugungen achten wir wegen der Sicherung der Keimfähigkeiten auf geringe mechanische Schädigung der Samen, das schließt auch Samen mit gerissener, beschädigter Samenschale ein. Außerdem sind für einen schonenden Drusch minimale Trommeldrehzahlen, geeignete Korbeinstellung sowie ein ausreichendes Strohpolster wichtig. Über zügige Erntegeschwindigkeit von 8 bis 10 km/h erhalten wir eine gute Polsterung. Hohe Geschwindigkeiten senken auch Ausfallverluste durch Erschütterungen. Sollten trockene Erntebedingungen gegeben sein, verlegen wir den Erbsendrusch in Tageszeiten mit höherer Bestandsfeuchte. Dadurch erhöht sich gleichzeitig die Anzahl unserer Druschstunden am Tag bzw. die Druschkapazität.

Wie erfolgreich kann man in der Erbsenproduktion sein?
Ich halte es für realistisch, Erträge von 60 bis 70 dt/ha bei Futtererbsen und 40 dt/ha bei Markerbsen wirtschaftlich zu produzieren. Das Erreichen dieser Leistungen ist jedoch mit einem gewissen Aufwand verbunden. Dazu zählt für mich ganz wesentlich die Intensität im Pflanzenschutz mit seiner direkten und indirekten Wirkung auf den Ertrag. Aber auch alle anderen genannten Faktoren über Fruchtfolgeabstände, Aussaattermin, -technik, Bodenbedingungen zur Aussaat, Sortenwahl und besonders auch die Gestaltung eines möglichst verlustarmen Drusches tragen dazu bei.

 

Herr Packeiser, wir danken für dieses Gespräch.

Interesse an aktuellen und neuen Erbsensorten? klicken Sie hier 

 


Stand: 12.07.2007

3524ms