Züchterische Meilensteine in der Erbsenzüchtung haben ein breites, sehr effektives Sortenspektrum geschaffen, mit dem ein erfolgreicher Erbsenanbau gewährleistet wird. Die Futtererbsenzüchtung arbeitet nachhaltig an der Steigerung des Ertragsniveaus und daran dieses mit hoher Standfestigkeit, hohem Eiweißgehalt und Kleinkörnigkeit zu kombinieren.
Fortschritte und Veränderungen
Wenn man heute die Registerprüfung Futtererbse des Bundessortenamtes besichtigt – also die Feldversuche, in denen die Merkmale der neuen Sorten zur Erteilung des Sortenschutzes beschrieben werden, dann fällt auf, dass der überwiegende Teil der Sorten durch die Merkmale charakterisiert ist wie:
• halbblattloser Wuchstyp (Umbildung der Fiederblätter zu Ranken)
• weiße Blütenfarbe
• gelbes Korn
Dabei ist die Variabilität innerhalb der Erbsen sehr groß. Es gibt normalblättrige (normal ausgebildete Fiederblätter), Fasciata (verbänderte), und Acacia-Typen (kleine Blätter am Ende der Ranken). Die Blütenfarbe kann violett oder rosa, das Korn grün, braun und marmoriert sein, die Länge der Pflanzen variiert von sehr kurz bis sehr lang. Schaut man zurück in die Beschreibende Sortenliste von 1979, so findet man dort bei den Erbsen ausschließlich buntblühende, normalblättrige Sorten mit marmorierten, olivgrünen oder hellbraunen Körnern, die überwiegend zur Grünnutzung verwendet wurden.
Zehn Jahre später gehörten bereits sechs von vierzehn Sorten dem halbblattlosen Typ an, darunter die Sorten Solara und Consort. Und elf der vierzehn Sorten waren gelbsamig und nur drei grünsamig. Zu diesem Zeitpunkt war das Erbsensortiment in die Bereiche „Körnernutzung“ (wozu die erwähnten Sorten zählen) und „Grünnutzung“ aufgeteilt.
In der aktuellen Liste des Jahres 2006 sind zur Körnernutzung ausschließlich halbblattlose Sorten aufgelistet und nur 3 der 26 Sorten sind grünsamig.
Was bringen neue Sortentypen?
Die Veränderung des Sortentyps im Laufe der letzten 25 Jahre hat zwei wesentliche Gründe:
1. Das Merkmal „halbblattloser Wuchstyp“ wurde entwickelt, um die Standfestigkeit zu verbessern.
2. Es konnte eine bessere Verwertung der Erbsen in der Fütterung durch die Selektion auf gelbe Körner erreicht werden.
Weißblütigkeit und Gelbsamigkeit sind Indikatoren für Tanninfreiheit
Die bunten, d. h. braunen und olivgrünen Körner sind von einem relativ hohen Tanningehalt gekennzeichnet, der die Futterverwertung negativ beeinflusst. Grüne Körner sind in der Verwertung ähnlich einzustufen wie gelbsamige, allerdings ist das Schrot der grünen Körner durch seine Farbe in den meisten europäischen Länder wenig beliebt. Lediglich in Großbritannien werden grünsamige Erbsen bevorzugt.
Züchtungsfortschritt sichert Ökonomie
Ein weiteres wichtiges Zuchtziel ist das Merkmal „Kleinkörnigkeit“ zur Reduzierung der Saatgutkosten. Dies darf allerdings nicht mit einem geringeren Ertragsniveau verbunden sein. Mit der Sorte ROCKET ist hier ein deutlicher Fortschritt gelungen.
Für die Verwertung ist der Eiweißgehalt des Kornes von Bedeutung, der vor allem in der innerbetrieblichen Verwertung eine Rolle spielt. Die Sorte Phönix ist in diesem Merkmal nach wie vor eine der besten im deutschen Sortiment.
Die Erbsenzüchter arbeiten nachhaltig daran, das Ertragsniveau weiter zu erhöhen und dies mit guter Standfestigkeit, hohem Eiweißgehalt und Kleinkörnigkeit zu vereinen. Dies sind für den Anbau in Deutschland die wichtigsten Zuchtziele.
In Frankreich ist in den letzten Jahren eine neue Herausforderung hinzu gekommen. Hier tritt in den erbsenstarken Regionen die bodenbürtige Krankheit „Aphanomyces“ auf, die sich durch zu kurze Anbaupausen in der Fruchtfolge angereichert hat. Die Erbsenzüchter arbeiten dort intensiv daran, Resistenzen zu finden und diese in die Sorten einzulagern.
Schaut man sich die Liste der Erbsensorten in Deutschland an, so kann man feststellen, dass eine Vielzahl von Sorten vorhanden ist, die einen erfolgreichen Erbsenanbau gewährleisten. Dies sollte sich in der Entwicklung der Erbsenanbaufläche niederschlagen!
Autor: Dr. Peter Römer, Südwestdeutsche Saatzucht GmbH & Co KG

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